40

Allein sein macht mich depressiv, Menschen auch

B
Ich habe schon mein ganzes Leben Probleme mit Depressionen und Angststörungen. Allerdings habe ich seit Jahren folgendes Dilemma: Ohne soziale Kontakte gehe ich ein, und meine Freunde haben mich schon aus wirklich schlimmen Löchern rausgeholt. Allerdings habe ich praktisch kein Selbstbewusstsein und viele Situationen triggern mich so schnell, dass mich meine Freunde genauso oft wieder in eine depressive Episode zurück katapultiert haben.

Es geschieht eigentlich nie aus Absicht, sondern weil ich entweder meine Grenzen nicht deutlich genug kommuniziere, oder zu spät merke wie sehr es mir zu schaffen macht, weil ich mich mit anderen vergleiche oder Dinge nur tue um niemanden zu verärgern bzw. nichts zu verpassen.

Jetzt war es wieder so. Nachdem ich seit Mai depressiv und total zurück gezogen war, hatte ich zwei sehr angenehme Treffen. Ich hatte wieder Motivation und Energie und kam endlich aus der Depression raus. Ich habe mich danach mit einer Freundin verabredet, mit der ich ein bisschen Streit hatte und wir haben uns eigentlich ganz gut vertragen, aber heute war ich auf einer Party die so schlimm war, dass ich eigentlich nie wieder mit anderen Menschen zu tun haben will. Und so läuft es immer. Jetzt fühle ich mich wieder mies und denke mir, ob Freundschaften es überhaupt wert sind. Und ob ich es irgendwie abstellen kann, dass ich soziale Kontakte brauche.

17.09.2023 02:15 • #1


Dys
Was unternimmst Du denn generell im Bezug auf Depression und Angststörung? Bist Du in Behandlung deswegen, oder warst Du es mal? Wo mangelt es Dir genau an Selbstbewusstsein, beziehungsweise wie bist Du Dir Deiner Selbst nicht bewusst?
Zitat von betteroffalone:
Es geschieht eigentlich nie aus Absicht, sondern weil ich entweder meine Grenzen nicht deutlich genug kommuniziere, oder zu spät merke wie sehr es mir zu schaffen macht, weil ich mich mit anderen vergleiche oder Dinge nur tue um niemanden zu verärgern bzw. nichts zu verpassen

Das liest aber schon selbstbewusst. Du merkst anscheinend schon, was Du eher anders machen würdest, beziehungsweise scheint Dir bewusst zu sein, was Dir wohl nicht so gut tut, auch wenn es vielleicht eine Weile braucht, das zu realisieren.

Vielleicht fehlt Dir eher Selbstvertrauen. Das wäre nötig um klare Grenzen zu kommunizieren. Oder vielleicht ist eher Selbstwert ein Problem. Das wäre der Fall, wenn Du bei Vergleichen mit Anderen der Meinung bist, die wären irgendwie besser.

Eine Sache lässt sich allerdings relativ logisch betrachten und könnte zu der Erkenntnis führen, dass es nahezu unmöglich ist, nie jemanden auch mal zu verärgern und ebenso wenig ist es möglich, nichts zu verpassen, denn egal was man zu einer Zeit tut, man verpasst alles was man zu genau dieser Zeit nicht tut.

Was soziale Kontakte betrifft, hilft vielleicht eine Analyse der jeweiligen Kontakte, ob Du sie wirklich brauchst, oder nicht. Falls da welche vorhanden sind, die Du nicht brauchst, musst Du nur willens sein, sie zu unterbinden. Im Idealfall findest Du andere, die Du dann eben willst und entsprechend pflegen magst. Vielleicht magst Du dann sogar welche, die Du nicht wirklich brauchst und kannst trotzdem Zeit mit Ihnen genießen. Letzteres hat den Vorteil, dass die eigenen Erwartungen an andere sich in respektablen Grenzen hält, sodass ein unbedingtes Brauchen garnicht empfunden wird. Das wäre dann eher ein nice to have.

17.09.2023 04:01 • x 3 #2


A


Hallo betteroffalone,

Allein sein macht mich depressiv, Menschen auch

x 3#3


Fritz
Hi betteroffalone

Ich lebe allein und sehr zurückgezogen.
Ich will es nicht anders!
Ich habe keinen Bedarf an sogenannte Freunde.
Die wenigsten können sich vorstellen, wie es einem depressiven Menschen geht.

(Viele glauben, dass du ein bedauernswerter Mensch bist!)

Wenn ich aber das Gefühl habe, dass mein gegenüber sich ein bisschen auskennt, mag ich sehr gern über psychische Krankheiten reden.
Aber Freunde brauche ich nicht!
Ab und zu fühle ich mich schon ein bisschen einsam.
Naja. Man kann nicht alles haben.
Aber ich kann dein Problem sehr gut verstehen!
Aber mach dein Leben nicht von Freunden abhängig!
Versuche dein Selbstbewusstsein durch Meditation zu verstärken!
Mehr weiß ich nicht.
Alles Gute und ein schönes Wochenende, mit oder ohne Freunde!
Servus

17.09.2023 06:11 • x 2 #3


A
Hallo betteroffalone.
Ich liebe 1zu1 Treffen, mit mir vertrauten, empathischen Menschen.
Daraus kann ich enorme Kraft tanken.
Das kann ich nur, wenn ich aus der Depression raus bin.
Menschen die mir nicht gut tun,
von denen habe ich mich nach und nach getrennt und würde es immer wieder genau so machen.
Größere Veranstaltungen besuche ich nicht mehr,
da ich weiß, daß mir das nicht guttut.
Danach muß ich mich stehts wochenlang erholen.
Es hat lange gedauert bis ich wußte was ich will, was mir guttut,
somit meine Grenzen erkannte und sie formulieren kann.
Seitdem gehts mir besser.
Allles Gute für dich.

17.09.2023 07:24 • x 3 #4


B
Zitat von Dys:
Was unternimmst Du denn generell im Bezug auf Depression und Angststörung? Bist Du in Behandlung deswegen, oder warst Du es mal?

Ich bin jetzt seit 3 Jahren in Therapie.

Zitat von Dys:
Wo mangelt es Dir genau an Selbstbewusstsein, beziehungsweise wie bist Du Dir Deiner Selbst nicht bewusst?

Ich denke mir zum Beispiel oft Sachen aus, wenn ich nichts Interessantes zu erzählen habe, damit andere mich nicht für uncool halten. Oder ich lache über Dinge, die mich eigentlich traurig machen, weil ich mich nicht traue meine ehrliche Meinung zu sagen.

Zitat von Dys:
Vielleicht fehlt Dir eher Selbstvertrauen. Das wäre nötig um klare Grenzen zu kommunizieren. Oder vielleicht ist eher Selbstwert ein Problem. Das wäre der Fall, wenn Du bei Vergleichen mit Anderen der Meinung bist, die wären irgendwie besser.

Oh, ja dann bringe ich die Begriffe einfach nur durcheinander. Selbstwert ist eher mein Problem, oft kommt die Depression auch dadurch zurück dass ich bei Treffen immer das Gefühl habe, alle Anwesenden sind besser als ich. Allerdings haben wir an dem Thema mehrfach in der Therapie gearbeitet und ich weiß nicht, was ich noch machen kann um mich weniger wie ein Versager zu fühlen. Zumal ich das Problem ja wirklich nur beim Vergleich mit anderen habe, sonst bin ich zufrieden und sogar stolz auf mich.

Zitat von Dys:
Eine Sache lässt sich allerdings relativ logisch betrachten und könnte zu der Erkenntnis führen, dass es nahezu unmöglich ist, nie jemanden auch mal zu verärgern und ebenso wenig ist es möglich, nichts zu verpassen, denn egal was man zu einer Zeit tut, man verpasst alles was man zu genau dieser Zeit nicht tut.

Das stimmt natürlich. Aber manchmal finde ich, achten meine Freunde zu wenig auf meine Gefühle. Und mit dem Verpassen ist es eben so, gerade bei regelmäßigen Gruppentreffen wird man sofort zum Außenseiter, wenn man einmal nicht dabei war.

Zitat von Dys:
Was soziale Kontakte betrifft, hilft vielleicht eine Analyse der jeweiligen Kontakte, ob Du sie wirklich brauchst, oder nicht.

Das finde ich ziemlich schwer zu beurteilen. Jeder meiner Kontakte erfüllt irgendwie einen anderen Zweck der irgendwie nützlich ist. Die Freundin mit der ich wieder Streit hatte, mit der mache ich gern Sport und sie ist gefühlt immer erreichbar, auch um 4 Uhr nachts. Aber oft denke ich mir, wir haben gar nicht so viel gemeinsam, aber mit wem soll ich sonst Sport machen und wen rufe ich dann um 4 Uhr nachts an, wenn es sein muss?

Zitat von Dys:
Vielleicht magst Du dann sogar welche, die Du nicht wirklich brauchst und kannst trotzdem Zeit mit Ihnen genießen.

An der Stelle frage ich mich wiederum was brauchen hier bedeutet, denn ich denke das Mögen allein macht die Hauptsache aus, oder?

17.09.2023 08:56 • #5


Pilsum
Zitat von betteroffalone:
Ich habe schon mein ganzes Leben Probleme mit Depressionen und Angststörungen.


Hallo, es ist sicher sehr unangenehm, wenn Du bisher immer unter Angststörungen leidest.
In Deinem Alter hast Du meiner Erfahrung nach gute Chancen, daran etwas zu verbessern.

Zitat von betteroffalone:
Ohne soziale Kontakte gehe ich ein, und meine Freunde haben mich schon aus wirklich schlimmen Löchern rausgeholt.

Soziale Kontakte können sehr bereichernd sein. Hast Du auch schon mal Freunde etwas aufgebaut oder sie
sogar in Löchern motiviert, wieder aus unangenehmen Situationen herauszukommen?

Zitat von betteroffalone:
aber heute war ich auf einer Party die so schlimm war, dass ich eigentlich nie wieder mit anderen Menschen zu tun haben will.

Was fandest Du so schlimm auf dieser Feier?

Zitat von betteroffalone:
Und ob ich es irgendwie abstellen kann, dass ich soziale Kontakte brauche.

Wie kommst Du auf solch eine Überlegung?
Du sagst, allein sein macht Dich depressiv und denkst gleichzeitig darüber nach, ob Du ohne
soziale Kontakte auskommen kannst.

Zitat von betteroffalone:
Ich denke mir zum Beispiel oft Sachen aus, wenn ich nichts Interessantes zu erzählen habe, damit andere mich nicht für uncool halten.

Und das findest Du schlau? Macht das nicht noch mehr Angst?

Zitat von betteroffalone:
Oder ich lache über Dinge, die mich eigentlich traurig machen, weil ich mich nicht traue meine ehrliche Meinung zu sagen.

Muss es nicht depressiv machen, wenn man Angst davor hat, seine Meinung zu sagen?
Was ist so schlimm an Deiner Meinung?

Zitat von betteroffalone:
oft kommt die Depression auch dadurch zurück dass ich bei Treffen immer das Gefühl habe, alle Anwesenden sind besser als ich.

Du sprichst aber nur von einem Gefühl. Sind die anderen denn wirklich besser als Du? Ich denke,
wahrscheinlich sind sie das nicht.

Zitat von betteroffalone:
ich weiß nicht, was ich noch machen kann um mich weniger wie ein Versager zu fühlen.

Wenn Du möchtest, können wir hier in eine Diskussion gehen, wie Du Dich zukünftig nicht mehr als
Versagerin fühlen brauchst.
Bist Du bereit, Dein Denken und Dein Verhalten einmal darauf zu überprüfen, was Dir eher
gut tut und welches Denken gar nicht so hilfreich ist?

Viele Grüße

Bernhard

17.09.2023 09:56 • x 4 #6


B
Zitat von Pilsum:
Hast Du auch schon mal Freunde etwas aufgebaut oder sie
sogar in Löchern motiviert, wieder aus unangenehmen Situationen herauszukommen?

Ich versuche es, aber ich glaube nicht dass ich da sonderlich viel bewirke. Zumindest habe ich nie das Feedback bekommen, dass meine Freunde mich als guten Tröster oder Ratgeber sehen.

Zitat von Pilsum:
Was fandest Du so schlimm auf dieser Feier?

Ich kannte außer dem Gastgeber und einer Freundin niemanden. Ich habe mich bemüht Gesprächsthemen mit den anderen zu finden, hatte aber eigentlich mit niemandem etwas gemeinsam. Oft ging es um die Arbeit oder die Uni wo ich dann nicht mitreden konnte oder um die Partner. Ich habe mich dann irgendwie langweilig und uninteressant gefühlt und als könnte ich nicht mithalten. Es schien auch keiner wirklich Interesse an mir und meinem Leben zu haben.

Zitat von Pilsum:
Wie kommst Du auf solch eine Überlegung?

Andere Leute scheinen mich öfter zu verletzen als aufzumuntern. Vielleicht ist Einsamkeit weniger schmerzhaft als sowas.

Zitat von Pilsum:
Und das findest Du schlau? Macht das nicht noch mehr Angst?

In dem Moment nicht. Ich denke es ist Vermeidungsverhalten. Wenn jemand fragt, warum ich zum Beispiel keinen Freund habe und ich nicht zugeben will, dass ich mit Beziehungsangst und anderen Problemen zu kämpfen habe, erfinde ich schnell einen Partner und dann ist die Aufmerksamkeit erstmal weg von mir.

Zitat von Pilsum:
Muss es nicht depressiv machen, wenn man Angst davor hat, seine Meinung zu sagen?
Was ist so schlimm an Deiner Meinung?

Ich finde es gibt nur wenige Menschen, die meine Meinung teilen. Ich scheine auch eine unsichere Ausstrahlung zu haben. Wenn ich zum Beispiel sage, ich mag die Farbe rot, wollen mir gleich alle einreden, ich muss doch grün mögen weil das jeder mag und dass ich mir das doch nur einreden würde dass rot gut ist. Nur so als Beispiel. Und dann behaupte ich einfach gleich, dass ich grün mag um mir das ganze Gerede zu ersparen.

Zitat von Pilsum:
Sind die anderen denn wirklich besser als Du? Ich denke,
wahrscheinlich sind sie das nicht.

Eigentlich nicht, nein. Jeder hat eben seine Probleme. Außerdem ist es auch schwer zu vergleichen, wenn jeder ganz andere Bedingungen und Wünsche hat. Trotzdem machen meine Freunde oft Dinge, die ich nicht kann, und dann fühle ich mich mies.
Zitat von Pilsum:
Wenn Du möchtest, können wir hier in eine Diskussion gehen, wie Du Dich zukünftig nicht mehr als
Versagerin fühlen brauchst.
Bist Du bereit, Dein Denken und Dein Verhalten einmal darauf zu überprüfen, was Dir eher
gut tut und welches Denken gar nicht so hilfreich ist?

Auf jeden Fall. Ich habe durch die Therapie auch schon gelernt, nicht hilfreiche Gedanken zu erkennen. Ich weiß auch, dass vieles von der Negativität meiner Eltern noch in meinem Kopf geblieben ist. Mein innerer Kritiker entspricht schlichtweg meinem Vater. Aber wie ich aufhöre mich so runterzumachen und zu vergleichen konnte ich noch nicht herausfinden

17.09.2023 13:36 • x 1 #7


Dys
Hallo @betteroffalone,
Danke für die Information bezüglich einer Behandlung. Das macht es einfacher zu beurteilen, ob jemand schon ein Problem bearbeitet. Zu Deinen Antworten fällt mir einiges ein
Zitat von betteroffalone:
Ich denke mir zum Beispiel oft Sachen aus, wenn ich nichts Interessantes zu erzählen habe, damit andere mich nicht für uncool halten. Oder ich lache über Dinge, die mich eigentlich traurig machen, weil ich mich nicht traue meine ehrliche Meinung zu sagen

Persönlich halte ich das für keine günstige Art mit Anderen im „Thema“ zu bleiben, denn es könnte eben auch peinlich werden, wenn etwas ausgedachtes als solches zu Tage käme. Die eigene Meinung tatsächlich auch zu vertreten, selbst wenn sie abweichend ist, fände ich wichtig. Die Frage ist eher, wie oder in welchem Ton teile ich sie mit. Ein „Du Depp, ich bin da anderer Meinung weil….“ wäre natürlich sehr ungünstig. Jeder darf seine Meinung haben und die auch äußern. Idealerweise respektiert man zumindest dies als solches und wenn man dann die Meinung selbst auch noch respektieren kann, macht man erstmal nichts verkehrt, wenn man es so kommuniziert. Der gleichen Meinung muss man deshalb trotzdem nicht sein und ob man seine Überzeug ändert, entscheidet man tatsächlich selbst.
Zitat von betteroffalone:
Zumal ich das Problem ja wirklich nur beim Vergleich mit anderen habe, sonst bin ich zufrieden und sogar stolz auf mich.

Das ist ja zumindest etwas worauf Du aufbauen könntest, wenn es Dir wichtig wäre, dass Andere Deine Zufriedenheit oder Deinen Stolz wahrnehmen sollen um Dich darin zu bestärken, dass Du das natürlich so fühlen darfst.
Zitat von betteroffalone:
Das stimmt natürlich. Aber manchmal finde ich, achten meine Freunde zu wenig auf meine Gefühle. Und mit dem Verpassen ist es eben so, gerade bei regelmäßigen Gruppentreffen wird man sofort zum Außenseiter, wenn man einmal nicht dabei war.

Da würde ich mich tatsächlich fragen, ist das meine Gruppe, der ich mich zugehörig fühlen und als Teil derer sehen möchte?
Zitat von betteroffalone:
Das finde ich ziemlich schwer zu beurteilen. Jeder meiner Kontakte erfüllt irgendwie einen anderen Zweck der irgendwie nützlich ist. Die Freundin mit der ich wieder Streit hatte, mit der mache ich gern Sport und sie ist gefühlt immer erreichbar, auch um 4 Uhr nachts. Aber oft denke ich mir, wir haben gar nicht so viel gemeinsam, aber mit wem soll ich sonst Sport machen und wen rufe ich dann um 4 Uhr nachts an, wenn es sein muss?

Brauchen sehe ich persönlich auch eher im Bezug auf Zweckmäßigkeit. Das mag im Bezug auf „Freunde“ aber eher für andere tatsächlich einen Beigeschmack von (aus)nutzen erzeugen. Andererseits zeigt sich wie die Freundschaft beschaffen ist, wenn man tatsächlich mal jemanden unbedingt braucht. Beispielsweise wenn man dringend wohin gefahren werden müsste und ja Freunde hat, die dies könnten.

Sicher könnte es auch nützlich sein, wenn man Freunde in allen handwerklichen Gewerken hat, wenn man beispielsweise ein Haus bauen will und sie einem dabei helfen könnten. Nur suche ich zumindest, mir meine Freunde oder Bekannten explizit nicht unter diesem Gesichtspunkt aus.
Zitat von betteroffalone:
An der Stelle frage ich mich wiederum was brauchen hier bedeutet, denn ich denke das Mögen allein macht die Hauptsache aus, oder?

Genau das würde ich mal so sagen, auf das Mögen kommt es an. Jemand an sich „unnützen“ zu vermissen wenn er nicht mehr da ist, wäre da eher ein Indiz, wie sehr man denjenigen gebraucht hat.

17.09.2023 14:44 • x 1 #8


Pilsum
Zitat von betteroffalone:
Wenn jemand fragt, warum ich zum Beispiel keinen Freund habe und ich nicht zugeben will, dass ich mit Beziehungsangst und anderen Problemen zu kämpfen habe, erfinde ich schnell einen Partner und dann ist die Aufmerksamkeit erstmal weg von mir.


Dieses Beispiel nehme ich mal auf. Du kannst doch einfach antworten.
Zur Zeit habe ich keinen Partner. Jemand, der zu mir passt ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.

Ob Du mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen hast, geht niemanden etwas an.

Zitat von betteroffalone:
Ich finde es gibt nur wenige Menschen, die meine Meinung teilen. Ich scheine auch eine unsichere Ausstrahlung zu haben.

Möglich, dass Du etwas unsicher wirkst. Das ist nicht schlimm. Wie aber sollen andere Menschen Deine
Meinung teilen, wenn Du Deine Meinung aus Angst gar nicht so richtig aussprichst und verteiidigst?

Zitat von betteroffalone:
Wenn ich zum Beispiel sage, ich mag die Farbe rot, wollen mir gleich alle einreden, ich muss doch grün mögen weil das jeder mag

Ist das wirlich so? oder empfindest Du das nur so. Wenn Du rot besonders gern magst, ist das völlig
in Ordnung. Deshalb kannst Du das ruhig deutlich sagen.

Zitat von betteroffalone:
Und dann behaupte ich einfach gleich, dass ich grün mag um mir das ganze Gerede zu ersparen.


Und dann wirst Du lieber lustlos und depressiv.

Zitat von betteroffalone:
Aber wie ich aufhöre mich so runterzumachen und zu vergleichen konnte ich noch nicht herausfinden

Das geht über den Weg, dass Du lernst, Deine Meinung zu verteidigen. Andere müssen nicht das Gleiche
gut finden wie Du. Sie müssen aber in den meisten Fällen Deine Meinung respektiere.

17.09.2023 19:01 • x 3 #9


Alexandra2
Wir sind soziale Wesen und auf andere Menschen angewiesen. Es gibt Auswege aus der tief empfundenen Unerwüntschtheit, die eine frühe Erfahrung sein kann. Der erste Schritt kann äußerst schwierig sein, nämlich sich einzugestehen, dass man anderen nicht gefallen muss. Andere sind nicht für mein Glück verantwortlich.
Ich brauche mich nicht zu verstellen und mache dadurch allmählich die Erfahrung, wer wirklich Interesse an mir hat. Und auch wen ich aufrichtig sympathisch finde. Das ist völlig in Ordnung.
Die Selbstverleugnung, so tun als ob ich diesdas gut finde, führt automatisch zu Menschen, die mir nicht gut tun weil ich mich verstellt hatte. Dafür können diese Menschen nichts.
Irgendwann hatte ich aufgehört, mich selbst (und andere) zu beschubsen. Dadurch entstanden in vielen Jahren einige tiefe Freundschaften, die auch in meinen schlimmsten Depressionen hielten, Freunde die mich hielten (was mich immer wieder erstaunt und dankbar macht). Und erst seit einigen Jahren ist mir die soziale Isolation bekannt. Das ist mein Trigger (und eine Ursache), der die Depression anheizt!

18.09.2023 19:56 • x 2 #10


B
Zitat von Dys:
Da würde ich mich tatsächlich fragen, ist das meine Gruppe, der ich mich zugehörig fühlen und als Teil derer sehen möchte?

Diese Frage stelle ich mir jetzt schon ungelogen fast 5 Jahre und hat eine ziemlich lange Antwort.

Meinen Hauptfreundeskreis kenne ich seit dem Kindergarten und wegen meiner psychischen Probleme habe ich sie immer als eine Art Familienersatz betrachtet. Allerdings haben sich unsere Verhältnisse mit dem Schulabschluss komplett verändert. Wir haben uns bis zur Pandemie einfach gar nicht mehr gesehen, ich hatte nur mit zwei Einzelpersonen überhaupt noch irgendwie Kontakt.

Durch Homeoffice Co haben wir dann zumindest wieder angefangen zu schreiben und zu telefonieren, wodurch wir uns auch jetzt danach wieder regelmäßiger sehen, aber die Treffen sind für mich meist unangenehm, weil man richtig stark merkt wie sehr wir uns auseinander gelebt haben.

Entweder haben wir keine Gesprächsthemen, weil jeder eben ein komplett anderes Leben hat, oder sie möchten über die gemeinsame Schulzeit reden, was ich nachvollziehen kann aber als extrem triggernd empfinde, weil ich damals starke Depressionen hatte und gemobbt wurde. Außerdem gibt es ständig peinliches Schweigen oder andere komische Situationen und ich habe wieder Symptome einer Sozialphobie, obwohl ich die total gut behandelt hatte.

Wir sind einfach komplett andere Menschen und das was ich an ihnen früher geliebt habe sehe ich nicht mehr so richtig. Ist auch naheliegend, man selbst ist ja irgendwie das Ergebnis von den 5 Leuten mit denen man am meisten Zeit verbringt und die Menschen, die ich einmal geliebt habe, sind jetzt 90% ihrer Zeit mit anderen Menschen zusammen, mit denen mich gar nichts verbindet. Aber es tut so weh, sie verloren zu haben und ich will so gern den Kontakt beibehalten, weil wir uns ja vielleicht irgendwann wieder so verstehen wie zu Schulzeiten.

Meine Therapeutin sagte dazu, es muss ja kein totaler Kontaktabbruch sein, ich kann den Kontakt einfach soweit reduzieren, dass es für mich noch angenehm ist, aber von sagen wir 10 Treffen fühle ich mich nach 9 dann hinterher depressiv und die beiden Einzelpersonen mit denen ich auch außerhalb der Gruppe noch Kontakt dazu habe sind dann immer beleidigt oder fühlen sich angegriffen, wenn ich mit der großen Gruppe nichts mehr zu tun haben will.

Zitat von Pilsum:
Zur Zeit habe ich keinen Partner. Jemand, der zu mir passt ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.

Ob Du mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen hast, geht niemanden etwas an.

Danach kommen eben immer Nachfragen. Was ich versucht habe um einen zu finden, auf welchen Datingapps ich bin, ob man mich verkuppeln soll usw. Ich sage dann, ich bin derzeit nicht auf der Suche und dann kommt die ganze Zeit Warum? Jeder will doch einen Partner oder ich muss mir eben was ausdenken warum ich keine Datingapps habe oder so. Das Thema wird einfach nicht in Ruhe gelassen.

Zitat von Pilsum:
Wie aber sollen andere Menschen Deine
Meinung teilen, wenn Du Deine Meinung aus Angst gar nicht so richtig aussprichst und verteiidigst?

Das hat sich eher so entwickelt, weil ich gelernt habe, dass ich meine Meinung lieber nicht sagen sollte. Früher war ich sehr offen und ehrlich, aber das hat entweder zu Konflikten geführt oder dass ich einfach nur belächelt und nicht ernst genommen wurde. Gut, das waren auch keine Menschen mit denen ich Zeit verbringen wollte. Aber solche Charaktere kommen mir ständig unter und ich habe immer wieder das Gefühl, mir was ausdenken zu müssen, weil ich sonst gar keine Freunde mehr habe.
Zitat von Pilsum:
Ist das wirlich so? oder empfindest Du das nur so.

Kommt etwas auf das Thema an. Aber es gab durchaus Fälle wo ich das Gefühl hatte, meine Meinung zählt weniger weil ich zum Beispiel noch nicht so viel Erfahrung habe in dem Bereich. Das ist gerade bei Beziehungen oft der Fall, dann kommt eben so ein Unsinn von wegen ich kann das Singledasein gar nicht mögen, weil ich das Gegenteil ja nicht kenne.
Zitat von Pilsum:
Und dann wirst Du lieber lustlos und depressiv.

Werde ich irgendwie sowieso, egal wie ich mein Leben lebe...
Zitat von Alexandra2:
Der erste Schritt kann äußerst schwierig sein, nämlich sich einzugestehen, dass man anderen nicht gefallen muss.

Ich wünschte nur, ich würde überhaupt jemandem gefallen. Aber jeder hat was an mir zu bemängeln.

19.09.2023 11:06 • #11


Alexandra2
Liebe @betteroffalone
Du schreibst selbst, dass Dich die Leute triggern und Du Dich nach einem Treffen schlecht fühlst. Das ist Grund genug, Dich selbst liebevoller zu behandeln und das ernstzunehmen. Du darfst Dich (schrittweise, wenns dann leichter fällt) entfernen und Dich selbst näher kennenlernen. Menschen, die nicht akzeptieren, dass Deine Schulzeit belastend war und Du keinen Partner hast, sind kaum wohlwollend. Entschuldige, dass ich es so drastisch sage.
Mit Hobbies lernst Du andere Menschen kennen, die wahrscheinlich vollkommen anders auf Dich reagieren. Dieser Vergleich zeigt es, wie anders Dein Umfeld werden könnte.
Zitat von betteroffalone:
Ich wünschte nur, ich würde überhaupt jemandem gefallen. Aber jeder hat was an mir zu bemängeln.

Ich gefiel vielen nicht und habe gelernt, dass ich anderen ihre Meinung lasse und mich nicht verbiegen muss. Jemand, der mich ungefragt bemängelt ohne wirklich verstehen zu wollen wie ich ticke, ist meist automatisch kein Freund. Jeder darf seine Meinung haben und hat das Recht, mich nicht zu mögen. Das gilt umgekehrt auch.
Versuche Dir diesen ich muss mich anpassen- Druck zu nehmen. Du musst gar nichts, außer für Dein Wohl (und das Deiner wahren Freunde) sorgen.
Inzwischen ist mein Freundeskreis gewachsen aus völlig unterschiedlichen Charakteren, die sich untereinander auch nicht alle toll finden. Aber das müssen sie auch nicht.
Früher ging es mir genauso wie Dir. Und ich möchte Dir Mut machen, dass es Auswege aus der Einsamkeit- ohne faule Kompromisse- gibt.

19.09.2023 12:24 • x 1 #12


B
Zitat von Alexandra2:
Menschen, die nicht akzeptieren, dass Deine Schulzeit belastend war und Du keinen Partner hast, sind kaum wohlwollend. Entschuldige, dass ich es so drastisch sage

Ich fürchte du hast Recht damit. Es ist nur so schade, dass wir von so einer guten und engen Beziehung in sowas abgerutscht sind. Ich vermisse meine alten, verständnisvollen Freunde. Und ich bin sowieso ständig einsam, Leute kennenzulernen ist immer so einfach gesagt, vor allem mit den Hobbies, aber mein Kreis wird beständig kleiner, weil die wenigsten Erwachsenen noch Zeit für neue Kontakte haben. Aber ich möchte dir wirklich für deine Antwort danken, denn ich glaube du hast es schon sehr getroffen.

19.09.2023 20:19 • #13


Alexandra2
Gib Dir Zeit, neue Menschen kennen zu lernen. Natürlich dauert es, bis sie Deinen Weg kreuzen.
Eigentlich ist es egal, wie/wo Du neue Leute triffst. Mach einen VHS Kurs zu einem Ausgangspunkt, schließe Dich einem Freizeittreff an, geh in die Muckibude, lade einzelne Bekannte von früher zu Dir ein oder what ever und mache dabei neue Erfahrungen, dass Du akzeptiert, gemocht wirst mit der Zeit.
Wenn ich nicht weiterkomme, versuche ich die Perspektive zu wechseln, bis ich das finde, was mir gut tut. Und bis dahin: weitermachen...

19.09.2023 21:12 • x 2 #14


A


Hallo betteroffalone,

x 4#15


Pilsum
Hallo betteroffalone.
Vielen Dank für Deine Antwort. Wir beide sollten kürzere Beiträge schreiben, damit wir uns besser
verstehen können.

Zitat von betteroffalone:
aber die Treffen sind für mich meist unangenehm, weil man richtig stark merkt wie sehr wir uns auseinander gelebt haben.


Zitat von betteroffalone:
Wir sind einfach komplett andere Menschen und das was ich an ihnen früher geliebt habe sehe ich nicht mehr so richtig.


Ist das nicht verständlich? Jeder Mensch folgt seinem Lebensweg. Um dann wieder zueinander zu finden,
braucht es sehr bewusst gelenkte Gespräche.
Allerdings, wenn ich Dich richtig verstehe, versuchst Du möglichst an frühere Gemeinsamkeiten anzuknüpfen.
Solche Themen sind meistens aber schnell erschöpft.
Und versuche Dich möglichst oft von falschen Gedanken zu lösen.
Ihr seid nicht komplett andere Menschen. Ihr seid immer noch die selben Menschen. Nur die Rollen, die ihr
heute im Leben spielt, könnten anders sein. Und ihr findet nur dann zusammen, wenn ihr euch über
bewusstes Denken auf eure heutigen Rollenspiele neu einstellt.

Zitat von betteroffalone:
manchmal finde ich, achten meine Freunde zu wenig auf meine Gefühle.

Bist Du da anders? Achtest Du sehr auf die Gefühle der anderen?

Zitat von betteroffalone:
Aber es tut so weh, sie verloren zu haben und ich will so gern den Kontakt beibehalten, weil wir uns ja vielleicht irgendwann wieder so verstehen wie zu Schulzeiten.


Verloren hast Du sie bestimmt nicht. Nur, Menschen entwickeln sich meistens weiter. Deshalb solltest Du
sie dort ansprechen, wo sie heute gedanklich stehen. In Dein Denken solltest Du immer häufiger
bewusste Denkanteile hineinfügen.

20.09.2023 11:33 • x 3 #15

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag