Liebe Mimi,
ich bin schon älter und habe vier erwachsene Kinder. Egal wie alt man selber ist oder wie groß die Kinder schon sind, es liegt wohl in der Natur einer Mutter, sich um die Familie zu sorgen. Bei uns Müttern aktiviert sich halt die besondere Wahrnehmung, wenn in einer normalen Situation plötzlich Abweichungen geschehen. Also, wenn dein Kind Radfahren ist, aber plötzlich merkst du, die Zeit, in der du seine Rückkunft erwartest, ist überschritten.
Die Ängste, die du beschreibst, kenne ich auch. Sie äußern sich zunächst in Unruhe. Bei mir liegen tatsächlich auch Erlebnisse in meiner frühen Kindheit, aber auch Situationen aus der jüngeren Zeit zugrunde, warum ich in manchen Situationen immer noch Angst habe, es könnte meinen Familienmitgliedern etwas passiert sein.
Das jüngste Beispiel: Mein Mann und ich sitzen beim Mittagessen. F. denkt an irgendeine Sache und ist daher nicht so gesprächig. Ich wiederum werte dieses als Mein Mann ist krank . Als er wortlos mitten beim Essen aufsteht und mir einen Ticken zu lang aus dem Zimmer ist, ich aber auch nichts höre, bin ich sofort besorgt, er könnte irgendwo ohnmächtig geworden sein. Ich reiße mich zusammen und warte ab. In dieser Zeit passieren mir aber auch körperliche Reaktionen. Wäre es nicht besser gewesen, nachzuschauen wo er hingegangen ist?
F. war nur sich ein Getränk holen und hat unterwegs zwei Streifenhörnchen aus dem Keller bugsiert.
Es war also meine eigene schlimme Bewertung der Situation, die meine Angst ausgelöst hat.
Ich könnte dir noch eine Liste solcher Vorkommnisse aufzählen, deren Ausgang harmlos war. Ich lerne gerade mühsam, Vertrauen aufzubauen, denn das würde in meiner Kindheit zerstört.
11.09.2019 03:14 •
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