Hallo,
das fiese ist: So eine Art von BO hat immer zwei Ebenen:
1. Dein persönlicher Umgang mit der Situation, der Belastung und dem Stress.
2. Die objektiv vorhandene Überlastung am Arbeitsplatz
Viele Maßnahmen, gerade wenn es in Richtung psychologische Hilfe geht, zielen auf den ersten Punkt. Das ist zwar richtig und hilfreich, löst aber nicht das Gesamtproblem. Außerdem zielt es wieder darauf, den Fehler bei sich selbst zu suchen, und das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wenn man zusätzliche auf den Job angewiesen ist, ist die Liste der Optionen bei 2. relativ kurz.
Bei mir blieb aus dem ganzen BO-Vollprogramm am Ende ein Ansatz, der mir ein Stück weitergeholfen hat:
Engagiere dich nach Kräften in dem Bereich deines Jobs, für den du verantwortlich sein KANNST und WILLST. Für das, was dir zusätzlich aufgebürdet wird, übernimm KEINE Verantwortung. Das ist erstmal eine mentale Geschichte: Was lasse ich an mich ran, welche Probleme und Aufgaben ziehe ich mir an, und worein investiere ich meine Energie. So kann ich mich ein Stück weit abgrenzen. Was nicht reinpasst, kommuniziere ich klar. Dann hat der Chef die Möglichkeit, zu priorisieren. Aber ich ziehe mir den Schuh nicht an für die Dinge, die dann hinten runterfallen. Das passt meinen Chef natürlich überhaupt nicht, und er versucht es immer wieder. Aber wenn man sich sauber und sachlich aufstellt, hat er wenig sachliche Argumente.
Mir hilft das, deutlich mehr auszuhalten als früher. Zwei Haken hat das aber trotzdem: Man muss aufpassen, nicht in eine generelle Sch***egal Haltung zu verfallen. Denn dann leidet nicht nur das letzte bißchen Freude an der Arbeit, sondern auch die Arbeitsleistung und man wird angreifbarer. Und es ändert nichts an den miesen Arbeitsbedingungen.
Du hast ja schon geschrieben, dass du bei deinem Alter einen Neuanfang schwierig findest. Kann ich nachvollziehen. Dann müsstest du für dich eine Möglichkeit finden, irgendwie den Zustand für dich bis zur Rente erträglich zu gestalten. Vielleicht ist das mit der Abgrenzung ein Ansatz für dich. Stellt sich halt die Frage, wie weit dein Arbeitgeber das mit sich machen lässt, bevor du Konsequenzen zu befürchten hast.