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Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

Alexandra2
Ach deshalb @maya60, tschuldigung

05.11.2022 22:46 • x 1 #31


Alexandra2
Diese Woche war hart. Ein Foto meiner Eltern, das ich mit der Bemerkung vielleicht kannst du dich so mit ihnen so aussöhnen von Tantchen bekam, hat alte Sehnsucht hervor geholt. Die Sehnsucht nach Liebe, Interesse und Akzeptanz hat mich zeitlebens gequält. Es ging immer aggressiv zu. Und auf diesem Foto ist es plötzlich eine weiche, warmherzige Frau und ihr ihr zugewandter Ehemann. Es bricht mir das Herz. Die Beiden waren nur in Streit oder eisigem Schweigen verbunden.
Meine Tante hat sich mit ihrer Mutter mittels Foto ausgesöhnt, sie weiß genau, wovon sie spricht. Sie ist so eine liebenswürdige alte Dame, der es so schwer fällt, nun im Pflegeheim zu sein. Gottseidank sind die meisten Pfleger:innen freundlich und aufmerksam.
Dann ist mir vorgestern der Hut hochgegangen: ich wurde wütend und laut mit meinem Sohn. Er hat wieder gespielt. Es gibt keine Hilfe mehr meinerseits, selbst essen bei Mutter ist gestrichen. Ich kann mit der Erwerbsgeminderungsrente nicht zwei Personen ernähren, während er sein Geld verspielt. Er ist ja in Therapie und ein großer Verdrängungskünstler. Und ich muss Distanz schaffen, allmählich wieder (oder erstmalig?) zu mir finden. Ich bin völlig geschafft vom letzten Halbjahr, und der Betreuer ist immer noch nicht aktiviert. Es ist wirklich unannehmbar so lange auf Hilfe zu warten und währenddessen das Leben eines anderen wieder in die Spur zu bringen. Ich habe so die Schnauze voll von diesem ewigen Dauerstress und möchte nur noch auf den Arm.
A D S hin oder her, es ist einfach nur ätzend... und weinen kann ich nicht, das kommt davon, wenn man es sich als Kind abgewöhnt hat

11.11.2022 19:49 • x 2 #32


A


Hallo Alexandra2,

Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

x 3#3


Wuslchen
Zitat von Alexandra2:
Die Beiden waren nur in Streit oder eisigem Schweigen verbunden.

Streit oder ein bissig sarkastischer Umgang ist das, was ich kenne. Ekelhaft ist das, so oder so, ich kann deine Sehnsucht so gut verstehen und mag dich da einfach nur mal drücken.

Genauso mit der Warterei für die Betreuung, das kann es ja wohl nicht sein! Echt, es ist toll, dass es solche Hilfen gibt, aber dass das so oft so ultra lange dauert bis das mal auch wirklich aktiviert wird! Man wendet sich ja nicht an solche Stellen, wenn noch alles gut ist, sondern meist dann, wenn es kurz vor dem oder bereits eskaliert ist. Dann ist jeder Tag Warterei eine Qual - gerade für jemanden, der selbst noch belastet ist. Ich drücke dir sämtliche Daumen und Großzehen, dass das jetzt endlich mal umgesetzt wird!

11.11.2022 21:53 • x 3 #33


Alexandra2
@Wuslchen, am besten gefällt mir, dass Du auch die Großzehen drückst DANKE

11.11.2022 22:14 • x 2 #34


Alexandra2
Immer noch ist kein Betreuer in Sicht, es ist nicht auszuschließen, dass mein Sohn es verpeilt oder verhindert hat. Ich muss die Verantwortung abgeben dürfen, und will das auch. Und zugleich hoffe ich, dass es rechtzeitig geschieht.
Zur Zeit quält mich eine klebrige Mischung aus Sprachlosigkeit, innerem Alarm, Antriebsmüdigkeit, Unmotiviertheit, in der Luft hängen. Gedanken gehen zu Fuß, Gefühle sind irgendwo, nur nicht bei mir, Ideen sind ausgewandert, Pläne verstaubt, alles egal und auch das ist mir egal. Seltsam. Weder vor noch nach der bekannten Verzweiflung, was ist das?
Der Kampfgeist hängt rum, futtert sich ne Plautze. Wippsteert hat eine Staubwolke hinterlassen und ist irgendwo. Gemütlichkeit ist in Rente gegangen, das Neue gähnt nur noch, tststs, was soll das? Diese Persönlichkeitsanteile gaben Struktur, etwas das mein A D S Hirn dringend braucht. Ein neues Nichts, sehr ungewöhnlich

01.12.2022 23:11 • x 2 #35


Marylu
Liebe Alexandra, ich schicke dir eine ganz dicke Umarmung und denke an dich.

01.12.2022 23:13 • x 3 #36


Alexandra2
@Marylu

01.12.2022 23:15 • x 1 #37


maya60
Zitat von Alexandra2:
Immer noch ist kein Betreuer in Sicht, es ist nicht auszuschließen, dass mein Sohn es verpeilt oder verhindert hat. Ich muss die Verantwortung abgeben dürfen, und will das auch. Und zugleich hoffe ich, dass es rechtzeitig geschieht.

Liebe Alexandra, ich umarme dich ganz fest, wenn du magst!

Zitat von Alexandra2:
Ein neues Nichts, sehr ungewöhnlich

Ja, das spiegelt ja gut, was in Sachen Betreuung deines Sohnes in Sachen NICHTS auch anscheinend gerade passiert.

Wenn du in gewohntem Hyperfokus alles getan hast, was nötig war für deinen Sohn, auch noch sein Erbe usw. und dann geschieht genau NICHTS, dann ist dein Inneres maximal vor den Kopf geschlagen!

Aber d u bist nicht hilflos und hängst in der Luft und womöglich auch noch selbstzerstörerisch.

Und trotzdem ist es beim Sohn genauso schlimm wie bei einem selbst. Oder noch schlimmer. Süchte verändern auch die Persönlichkeit und sie kann immer weltfremder werden mit Tunnelblick Suchtbefriedigung. Das geht weit über dein Können und Aushalten als Mutter hinaus.

Du kannst aber als beobachtende Angehörige auch beim Betreuungsgericht eine Betreuung für deinen Sohn beantragen, wenn er es verbaselt, denn die fehlende Einsicht der zu Betreuenden ist ja gerade der Grund für die Notwendigkeit der Betreuung.

Aber dein Sohn ist erwachsen und seine Lebensprobleme hast du ihm
n i c h t so vorgelebt.

Viel Kraft und Segen für dich, liebe Alexandra und schwesterliche Grüße von maya60!

02.12.2022 07:51 • x 1 #38


Alexandra2
Liebe @maya60
die Betreuung hatte ich ja beantragt, im Einverständnis meines Sohnes. Das Gericht befand sie für nötig, das Fachamt und die Gutachterin ebenso, und nun ist Funkstille.
Alles bleibt liegen bei meinem Sohn, und es ist auch immer noch sehr viel, das für einen Gesunden auch zuviel wäre.
Mein Erledigungsmodus ist nicht seiner, im Gegenteil, je mehr ich tue, desto weniger ist er veranlasst. Auflaufen lassen, er muss seine Erfahrungen selbst machen. Anscheinend macht er sie nicht, verdrängt alles. Mit schlimmen Folgen: Termine bei der Psychologin, hat er sie abgemacht? Immerhin ist es eine Suchttherapie. Angeschoben und liegen gelassen, nebenbei spielt er weiter. Einerseits und andererseits. Sich seiner Sucht stellen ist sicher schwierig. Für einen jungen Menschen erst Recht, der gerade nur noch seine Mutter hat, die ihm helfen würde, selbst auf die Beine zu kommen.
Wieviel und welche Unterstützung tut uns beiden gut? Wie kann ich das Seinlassen hinbekommen? Meine innere Alarmiertheit ist kaum auszuhalten.
Mein Sohn ist nicht erwachsen, benimmt sich zumindest nicht so, lebt in seiner Traumwelt. Und ich habe ihn vielleicht zuwenig allein entscheiden lassen oder nicht mehr die Kraft gehabt, gegen seinen Widerstand anzuarbeiten. Das muss ich mir anschauen.
Ich fühle mich so alleine gelassen mit all dem Kummer, völlig überfordert. Und deshalb tut es so gut, daß Du da bist Maya.
Liebe Grüße

02.12.2022 11:06 • x 2 #39


Alexandra2
Manchmal ist es doch gut, der inneren Unruhe nachzugehen. Ich war bei meinem Sohn und konnte kurz wichtige Fragen beantwortet bekommen. Das genügt mir und ich muss dringend lernen, Abstand zu gewinnen und mich nicht selbst zu beunruhigen. Herrje...

02.12.2022 18:26 • x 2 #40


Alexandra2
Nun erklärt sich die Unruhe: neue Spielschulden, die andere Schulden verursachen. Dazu kostenlos zwei niedergeschmetterte Gestalten. Und ein neuer Plan, wie dem Wahnsinn ein Ende zu machen wäre. Das erfordert wieder Kraft die wir lange nicht mehr haben. Kann man den Staat verklagen wegen Unterlassen der Betreuung?
Ich kann hier nicht mehr mitfühlen, für andere da sein. Das finde ich auch schlimm.

06.12.2022 09:14 • #41


Alexandra2
Der erste Anruf des Betreuers hat mich geschockt, weil Sohni zusätzlich eine weitere psychiatrische Diagnose diagnostiziert bekam, laut Gutachten. Was hat er für ein schweres Leben. Traumatisierungen viele Jahre, innere Zerrissenheit, wie furchtbar. Er kann vieles nicht umsetzen, obwohl er möchte. Anscheinend wird eine sozialpädagogische Betreuung zusätzlich erforderlich, Krankenhaus und Medikamente, damit er eine stabile Handlungsbasis erlernt und sein Selbstwertgefühl ausbauen kann.
Ich bin am Boden zerstört, versuche mich zu beruhigen und zu vertrauen, dass es Menschen geben wird, die meinem Sohn helfen, sich zurecht zu finden und endlich auch mal glücklich sein kann.
Diese Woche findet das Erstgespräch mit dem Betreuer statt. Ich bin überfordert, seelisch wie taub und versuche meinen flitzenden Geist in schach zu halten.
Mitgefühl und Mitleid beschäftigen mich, ich lasse es zu, anders als in der Vergangenheit, wo ich mir diese Gefühle untersagt habe. Sie machten mich handlungsfähig, ließen mich erstarren. Ich kann gar nicht damit umgehen.
Wir haben beide ein sehr anstrengendes Leben, in das wirklich mal Leichtigkeit einkehren darf. Wir haben es bitter nötig.

29.01.2023 10:32 • #42


Alexandra2
Heute war das Erstgespräch mit dem Betreuer. Er ist überrascht, wie viele Banken, Versicherungen etc beteiligt sind. Er hat viel zu erledigen. Nicht mehr Ich- das kann ich noch gar nicht glauben...
Mein Sohn verlor die Fassung, als vom Einwilligungsvorbehalt die Rede war. Das hat ihn sehr verletzt. Und ich bemühte mich, ihn damit nicht alleine zu lassen. Trösten, ohne die Tatsachen aus den Augen zu verlieren, Mut machen, und darauf hingewiesen, wieviel schon geschafft ist im Schicksalsjahr. Er hat mehr bewältigt, als anzunehmen war. Das Gericht hinkt hinter der Entwicklung meines Sohnes hinterher. Dass es viel zu lange gedauert hat mit der Betreuung, wird der Betreuer in seinen Bericht aufnehmen.
Und doch ist die Betreuung richtig, im besten Fall kann in absehbarer Zeit der Einwilligungsvorbehalt zurück genommen werden.

Ich lud meinen Sohn zum Essen ein, man muss sich gerade dann etwas gönnen. Und ich bot noch etwas zum Entspannen an (Bahnfahrt nötig); die Idee gefällt ihm. Allerdings ist hier bis zum frühen Morgen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr. Aber es gibt ja noch moia...
Und ich mache jetzt nichts mehr, Termine abgesagt...
Mehr geht nicht

01.02.2023 16:32 • x 1 #43


maya60
Liebe @Alexandra2 , das ist jetzt bittersüß, eine schmerzliche Rettung, aber dennoch Rettung, für euch beide!

Der Einwilligungsvorbehalt ist eine gute und nötige Sicherheitsleine gegen Verschuldung und Schlimmeres!

Er ist sicherlich auch sehr kränkend für deinen Sohn, aber auch absichernd und zum Realitätssinn zwingend.

Mein Sohn, nicht vergleichbar, da zur Selbständigkeit in solchen Lebensbereichen rein geistig nicht fähig, ist erleichtert, dass mit dem Einwilligungsvorbehalt verhindert ist und dass nicht gilt, was er ohne Verstehen und evtl. überrumpelt oder eingeschüchtert rechtlich bindend falsch machen könnte mit Unterschrift z.B.

Würde mit meinem Mann etwas passieren, so dass ich die alleinige Verantwortung für Sohni und mich hätte oder unsere Ehe scheitern, ich nähme mir sofort eine Betreuung für einige Lebensbereiche.
Dennbei psychischen Diagnosen geht das auch ganz „selbstbestimmt“! Und eben auch nur temporär.

Seit ich sehe, wie herzensgut und wie routiniert, entspannt und vernetzt die rechtliche Betreuerin meines Vaters ist, schätze ich vor allem die Kompetenz und Erleichterung!

Zwar ist sie selten bei meinem Vater selbst, also keine emotionale Bezugsperson für ihn, aber für uns Angehörige ist sie immer da. Bei deinem Sohn, da er kognitiv klar ist, wird das sicherlich anders sein.

Wir, meine Schwester, Vaters Betreuerin und ich, haben eine gemeinsame WhatsAppgruppe für Infos unkompliziert untereinander auf schnellem Wege.

01.02.2023 17:18 • x 2 #44


A


Hallo Alexandra2,

x 4#15


maya60
Dass nach dem Termin Belohnungs-und Stress-Trost-Frust-Schmerz-Schoko bei dir dran war, ist sonnenklar! Entspricht genau der emotional doppelten erleichternd-grausigen Natur dieses Termins, das Ganze in Sekunden runterzuschlingen!


Zitat von Alexandra2:
Ich lud meinen Sohn zum Essen ein, man muss sich gerade dann etwas gönnen. Und ich bot noch etwas zum Entspannen an (Bahnfahrt nötig); die Idee gefällt ihm.


Ganz genau! Essengehen und Bahnfahren! (Und Sohni regt sich auch über Streiks auf!)

01.02.2023 17:32 • x 2 #45

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