Hallo @Alexandra2,
ich persönlich denke, der Schlüssel dafür was etwas mit einem macht, liegt in der Wahrnehmung und der Bewertung dessen. Ich bin auch Geräuschempfindlich aber Geräusche sind nunmal ständig vorhanden und es ist für mich nahezu unmöglich mich diesen zu entziehen. Was ich aber beeinflussen kann ist, wie ich diesen Umstand bewerte, oder besser noch, eben nicht bewerte. In Deiner Klinik bieten man sicher Achtsamkeitstraining an. Jedenfalls war das bei mir in allen Kliniken in denen ich schon war, der Fall. Achtsamkeit ist nur alles andere als einfach zu verstehen und vor allem zu praktizieren. Da ist gerade Antidepressivas ein Faktor, der es noch zusätzlich erschwert. Da kann Ruhe auch schwer zu „ertragen“ sein. Es liegt aber tatsächlich nicht so sehr daran, ob es eher ruhig oder geräuschintensiv ist, was ja nur einen Umstand darstellt, sondern an der eigenen Bewertung des aktuellen Umstands. Bis ich vom ersten Kontakt mit Achtsamkeit zu dem Verstehen, was eigentlich damit tatsächlich gemeint ist, gekommen bin, hat es Jahre gebraucht. Und da liegt die Crux darin. Es geht nicht schnell. Im Grunde ist es auch nicht damit getan, sich mehr dem Inneren zu widmen, statt dem Äußeren, wenn nicht vorher das Konzept bezüglich des eigenen Bewertens erkannt wurde. Vor allem, bezüglich negativem Bewerten und was es mit einem macht.
Ich hörte immer, Sie müssen sich mehr um sich selbst kümmern, auf Ihr Inneres achten. Ja toll, hab ich dann praktiziert und siehe da, das Äußere „störte“ mich tatsächlich weniger. Dafür aber mein Inneres. Mein Inneres war nun präsenter und natürlich bedurfte es meiner Bewertung. Da ich aber kognitiv so konditioniert bin, tendenziell eher negativ zu bewerten, was da „stört“ war eigentlich klar, was kommt. Ich habe den Fokus auf einen Umstand zwar verändert, aber nicht mein Verhalten bezüglich dem Bewerten.
Heute, muss ich mich, gerade bezüglich einer Geräuschkulisse, immer noch darin üben, Bewertungen keinen zu großen Raum einzuräumen, denn den Umstand ändern die ja nicht, komme aber besser damit klar. Es ist wie es ist. Das Gleiche muss ich aber auch bei meinem Inneren anwenden (können). Das bedeutet aber auch nicht, dass jetzt nichts mehr negativ bewertet werden soll und auch nicht, das man jetzt nur alles positiv bewerten müsste, damit es einem gut geht. Wichtig ist wohl, objektiv zu bewerten und es sich verkneifen können, alles bewerten zu müssen, erstrecht dann, wenn man es nicht zu ändern vermag, in diesem Moment jedenfalls.
Ich hoffe Du findest die richtige Balance zwischen innen und außen und vor allem mit dem Bewerten unter der Prämisse, dass es durchaus lange dauern kann, bis es Dir ein besseres Leben ermöglicht und eigentlich sogar eine Lebensaufgabe ist, diese Balance zu halten.
VG Dys
18.03.2023 15:59 •
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