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Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

Alexandra2
Lieben Dank @maya60,
Du triffst den Nagel auf den Kopf.
Es ist schlimm, die Verdrängung aufbrechen zu sehen. Das hat mit seinen Erkrankungen zu tun. Mir ist am wichtigsten, wertfrei in diesen Bewältigungssituationen da zu sein. Dass er vertrauen kann und seinen Schmerz rauslassen kann. Klar, dass es nur ein kleiner Teil ist, der sichtbar ist mir gegenüber.
Dass er sich überhaupt öffnet, ist ein großer Schritt für ihn.
Der Betreuer hat verstanden, dass uns das ganze letzte Jahr zutiefst erschüttert hat und die Hilfe viel früher hätte einsetzen müssen. Er hat nur einen kleinen Einblick gehabt heute und wurde angesichts der Komplexität gefordert.
Ich selbst muss mich vom emionalen Anteil des Verrats befreien und meine Stabilität zurück gewinnen. Es ist sehr anstrengend, das alleine durchzustehen. Anteilnahme hilft etwas, Menschen, denen wir nicht egal sind tragen es mit. Und doch übersteigt es meine Kräfte, was ich mir ungern eingestehe. Aber auch das muss sein.
Wo ist noch Schokolade..?

01.02.2023 18:39 • x 1 #46


M
Ich reiche mal ganz viel Schoki rüber. Das ist das einzige was ich machen kann aber du sollst wissen das ich dich regelmäßig lese und den Hund davor ziehe vor dem was ihr da gerade stemmt.

01.02.2023 19:03 • x 2 #47


A


Hallo Alexandra2,

Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

x 3#3


maya60
Zitat von Alexandra2:
Ich selbst muss mich vom emionalen Anteil des Verrats befreien und meine Stabilität zurück gewinnen.

Welcher gefühlte „Verrat“? Dass dein Sohn jetzt einen Betreuer hat und nicht mehr nur dich? Dass er sich und dir dir zulange seine Suchterkrankung nicht eingestehen konnte, krankheitsbedingt?

Ja, das letzte Jahr war erschütternd für euch und dich! Seid gut zu euch selber und lasst, wie du schon schreibst, alle überflüssigen Wertungen raus.

02.02.2023 02:25 • x 2 #48


Alexandra2
@maya60
Nein nein sagt der Verstand, das Gefühl aber meint: doch.
Zitat von maya60:
Welcher gefühlte „Verrat“?

Es ist verzwickt, die eigene Unsicherheit durch meinen Lebenskampf hat meine Seele auf dem Stand eines Kükens stillstehen lassen. Meine Erfahrungen als Kind lassen mich überschießen in meinem Verhalten als Löwenmutter. Ich fühle mich, als ob ich meinem Sohn in den Rücken gefallen wäre. Völliger Blödsinn, sagt der Verstand. Und jetzt? Die Seele muss wachsen können und mein Körper als dritter Anteil meines Selbst soll realisieren, dass das Trauma vorbei ist. Es sind einfach zuviele Baustellen und es ist noch nicht ganz angekommen, dass Hilfe da ist. Ich bin zudem auch misstrauisch. Aber es ist eine gute Option, dass die ständigen Sorgen und meine Überforderung irgendwann ein Ende haben.
Heute sitze ich im Loch, reibe mir ungläubig die Augen. Und brauche Zeit

06.02.2023 17:23 • x 1 #49


Alexandra2
Heute stellte sich eine andere Nähe zwischen meinem Sohn und mir ein. Tiefes Mitgefühl, Ratlosigkeit und dann Gottseidank Rückbesinnung auf mein Mutterdasein. Ich höre intensiv zu, fühle mich ein und schweige aktiv. Pausen werden ausgehalten, und ich mag die sich dabei einstellende innere Ruhe. Das kenne ich gar nicht. Und es tut so gut, den Aktionismus bewusst zur Seite zu legen. Es entspannt mich. Ich berate nicht, versuche zusammen zu fassen, erfrage manches. Es war gut. Ob und wie das wirklich hilfreich war für ihn, werde ich wohl nie erfahren.
Aber es tut gut, einen ruhigeren Weg einzuschlagen. Geschwindigkeit kann andere erschlagen, das ist ganz klar geworden. Ich lasse mir Zeit, das Mantra ist in meiner Seele angekommen.

12.02.2023 21:57 • x 2 #50


Alexandra2
Heute schlug die Trauer wieder zu, es wird auch Zeit, sie endlich raus zu lassen. Ich habe lange genug funktionieren müssen und um Fassung gerungen

17.02.2023 13:48 • x 1 #51


maya60
Zitat von Alexandra2:
Heute schlug die Trauer wieder zu, es wird auch Zeit, sie endlich raus zu lassen. Ich habe lange genug funktionieren müssen und um Fassung gerungen ...

Liebe Alexandra, das verstehe ich sehr sehr. Magst du mehr schreiben über deine Trauer? Über den Tod des Vaters deines Sohnes?
Sorge für viel Wärme um dich herum, du Liebe, Tapfere, Supermenschliche!

18.02.2023 12:28 • x 1 #52


Alexandra2
@maya60
Der Vater unseres Sohnes starb am plötzlichen Herztod zu Hause bei sich, er lag dort einige Tage.
Ich erfuhr es von einer seiner Freunde, sie teilte mir mit, dass die Polizei auf dem Weg zu meinem Sohn sei. Das konnte ich verhindern und habe ihm selbst die Todesnachricht überbracht.
Wir waren beide völlig geschockt und ich habe mich fortan intensiv um meinen Sohn gekümmert. Er hat eine liebevolle Beziehung zu seinem Vater, der beruflich viel unterwegs war. Deshalb sahen sie sich nicht so oft.
Ich war fassungslos und überspielte es so gut es ging. Und sorgte für die entsprechend würdevolle Beerdigung mit Seebestattung, mein Sohn konnte das natürlich nicht.
In all den Monaten habe ich die Trauer weggeschoben und sehr sehr viel in die Wege geleitet (ua das Haus so zu gestalten, dass Fremde hinein durften) .
Auf der letzten Autofahrt von J. Haus (das zur Geburt unseres Sohnes gebaut wurde) zu mir nach Hause, liefen die Tränen. Ich habe mir als Kind bereits abgewöhnt, zu weinen. Deshalb hat es mich doch überrascht.
Wir waren schon lange getrennt. Mit meiner Psychologin fand ich heraus, dass er meine große Liebe war (noch ein Schock) und wir an unserer Sprachlosigkeit scheiterten.
Und endlich im Auto holte mich der Schmerz mit einer Wucht, die mich erschreckte, ein. Es zerreißt mir das Herz. Ich hoffe, hier kann ich Mut fassen, zu weinen. Die Angst vor Kränkungen ist groß. Es ist ein uraltes Gefühl von Ohnmacht und zusätzlichem Schmerz, erfahren in Zeiten der Schwäche, nämlich angegangen und nie getröstet zu werden.
Die Trauer steckt fest, traut sich noch nicht richtig aus dem Schneckenhaus. Mit therapeutischer Hilfe könnte es gehen. Obwohl es sehr lange dauern kann, bis ich vertraue...
Es ist so bitter, dass dieser fürsorgliche Vater nichts mehr von seinem Sohn und seinem Leben haben konnte. Und tragisch für unseren Sohn, der nun ohne liebevolle männliche Begleitung seinen Weg weiter gehen muss. Therapeut und Betreuer sind männlich, das könnte einen Zugang erleichtern.
Unser Sohn hat gerade seine Oma besucht, die (dement) nichts vom Tod ihres Sohnes weiß. Das hat meinem Sohn auch sehr zugesetzt.
Sein/e Vater und Oma haben an zwei folgenden Tagen Geburtstag.... Das ist auch hart....
Die Trauerwelle hat gerade Ebbe, ich sehe sie nicht- bis zur nächsten Flut

18.02.2023 13:58 • x 3 #53


maya60
Oh ja, da ist ein tiefes Meer voller Tränen, liebe @Alexandra2 , so wie ich deine Worte lese.
Und diese Wellen können Reißzähne haben im Herzen, das habe ich auch schon gemerkt!
Das wünsche ich dir: Viel Kraft und Zeit und sich langsam in dir lösende und vortastende und mit den Tränen fließende Liebe, die ja nicht mitstirbt und nun zaghaft zu blühen beginnen kann neben und in all der Trauer. Ich kann meine Mutter nun auch ungefährdet und immer offener lieben und das wirst du auch merken. Und da ist viel Liebe. Nicht nur Trauer!

19.02.2023 01:13 • x 1 #54


X
@Alexandra2
Weiß genau, was du meinst, nur leider bin ich noch undiagnostiziert, was das angeht.
Ein Beispiel zu deinem beitrag:
Du versuchst dir Zeit für dich zu nehmen, gehst spazieren. Das kann ja nur gut und mega entspannt werden! Die Sonne scheint, es ist einigermaßen angenehm draußen, super gut! Man freut sich durch die Depression hindurch ein kleines bisschen (es ist zumindest irgendwie in Richtung Vorfreude und Hoffnung), geht raus und muss dann schnell feststellen, dass es alles andere als entspannt ist. Während man still durch den Wald tappst, hört man einfach ALLES. Jedes Knacken, jeden Vogel, jeden Grashalm. Dazu kommt ekliges grelles Licht von der Sonne, die durch die Bäume schimmert. Plötzlich geht einem das Geräusch, wenn man mit dem Fuß auftritt mega auf den Sender, selbst das eigene Atemgeräusch ist unerträglich... und die Entspannung ist dahin und man ist einfach nur noch frustriert....!

Ob es das gleiche wie bei dir ist, kannst nur du wissen. Aber vielleicht beschreibt es deine Gefühle etwas, die einem ja auch nicht jeder glaubt (weil es nicht alle nachempfinden können).

Mir hilft da ganz oft Musik per Kopfhörer. Gerade beim Haushalt oder draußen, um mich zumindest erstmal nur auf die Musik konzentrieren zu müssen. Außerdem baut es bei mir Stress ab und die Symptome lassen etwas nach für den Moment.
Mir hilft es zb auch, wenn ich in starken Reizüberflutungsmomenten die Augen zumachen und erst wieder auf, wenn das Herzklopfen oder andere Symptome nachlassen und ich mich wirklich besser fühle. So machen das übrigens auch kleine Kinder ganz oft. Wirkt Wunder

22.02.2023 17:45 • x 1 #55


Alexandra2
Tränen tröpfeln in allen möglichen Situationen. Überfordert mit Geräuschen, Gedanken und extremer innerer Unruhe quälen mich heute. Im Rückzug quält die Verlorenheit und dass sich die innere Sprungfeder spannt. Bis ich wieder getrieben durch die Gegend irre... Was brauche ich? Eine Wärmflasche, einen Beruhigungstee wurde mir empfohlen, na bitte, Versuch macht klug. Vielleicht komme ich dann meinen Bedürfnissen näher, die ich überhaupt nicht spüre und kenne. Momentan muss ich diesen Spagat zwischen Unterforderung, Unruhe, Erschöpfung und dem möglicherweise lauernden Tränensee aushalten. Igitt.
@xjasminx
Musik ist mir zuviel, jedes Geräusch ist zuviel. Und in der Ruhe werden die sich breit machenden Gedankenschnipsel äußerst lästig. Es bleibt die Wahl zwischen Pest oder Cholera.
Ich bin durch; die Jahre der Sorgen, Hintanstellen meiner Person haben sich eingegraben. Das zu ändern wird viele Tricks brauchen.
A D S mit Depressionen ist momentan die Hölle

22.02.2023 18:54 • x 3 #56


Marylu
Liebe Alexandra,
bestimmt kommen jetzt viele weggedrückte Emotionen zu Tage. Ich hoffe, dass es dir bald besser geht. Ganz liebe Grüße

22.02.2023 21:29 • x 1 #57


Alexandra2
Liebe @Marylu,
Danke
Mitgefühl, Traurigkeit, Verzweiflung, Entsetzen haben viele Tränen freigesetzt. Ich weine mit dem Schmerz Anderer hier, die wieder an meinen anknüpfen. 2 Beruhigungsmethoden für die Bodenhaftung habe ich kennen gelernt. Und ich taste mich langsam an meine eigene Tiefsee heran. Aber jetzt lasse ich sie erstmal außer Acht. Gras wächst auch nicht schneller, wenn ich daran ziehe

23.02.2023 17:37 • x 2 #58


Alexandra2
Einiges ist klarer geworden. Ich habe kaum auf mein Inneres geachtet, die Aufmerksamkeit liegen im Außen. Gefahrenabwehr.
Nun übe ich es umgekehrt, vor allem mich zu äußern und zu mir zu stehen. Die Prägung, ich habe nichts zu wollen, wird schrittchweise abgelegt. Zur Zeit gegen äußeren Widerstand.
Es fällt mir noch so schwer, mich trotz der Dauergeräusche auf mein Inneres und Bedürfnisse zu konzentrieren. Konzentration ist sowieso kaum möglich mit A D S und Depression. Hier in der Klinik ist das Übungsfeld. Gegen die Geräuschempfindlichkeit werde ich mir die Ohrstöpsel 'noise canceling' zulegen. Vielleicht komme ich dann besser zur Ruhe. Die brauche ich tonnenweise...

18.03.2023 13:55 • x 1 #59


A


Hallo Alexandra2,

x 4#15


Dys
Hallo @Alexandra2,
ich persönlich denke, der Schlüssel dafür was etwas mit einem macht, liegt in der Wahrnehmung und der Bewertung dessen. Ich bin auch Geräuschempfindlich aber Geräusche sind nunmal ständig vorhanden und es ist für mich nahezu unmöglich mich diesen zu entziehen. Was ich aber beeinflussen kann ist, wie ich diesen Umstand bewerte, oder besser noch, eben nicht bewerte. In Deiner Klinik bieten man sicher Achtsamkeitstraining an. Jedenfalls war das bei mir in allen Kliniken in denen ich schon war, der Fall. Achtsamkeit ist nur alles andere als einfach zu verstehen und vor allem zu praktizieren. Da ist gerade Antidepressivas ein Faktor, der es noch zusätzlich erschwert. Da kann Ruhe auch schwer zu „ertragen“ sein. Es liegt aber tatsächlich nicht so sehr daran, ob es eher ruhig oder geräuschintensiv ist, was ja nur einen Umstand darstellt, sondern an der eigenen Bewertung des aktuellen Umstands. Bis ich vom ersten Kontakt mit Achtsamkeit zu dem Verstehen, was eigentlich damit tatsächlich gemeint ist, gekommen bin, hat es Jahre gebraucht. Und da liegt die Crux darin. Es geht nicht schnell. Im Grunde ist es auch nicht damit getan, sich mehr dem Inneren zu widmen, statt dem Äußeren, wenn nicht vorher das Konzept bezüglich des eigenen Bewertens erkannt wurde. Vor allem, bezüglich negativem Bewerten und was es mit einem macht.
Ich hörte immer, Sie müssen sich mehr um sich selbst kümmern, auf Ihr Inneres achten. Ja toll, hab ich dann praktiziert und siehe da, das Äußere „störte“ mich tatsächlich weniger. Dafür aber mein Inneres. Mein Inneres war nun präsenter und natürlich bedurfte es meiner Bewertung. Da ich aber kognitiv so konditioniert bin, tendenziell eher negativ zu bewerten, was da „stört“ war eigentlich klar, was kommt. Ich habe den Fokus auf einen Umstand zwar verändert, aber nicht mein Verhalten bezüglich dem Bewerten.
Heute, muss ich mich, gerade bezüglich einer Geräuschkulisse, immer noch darin üben, Bewertungen keinen zu großen Raum einzuräumen, denn den Umstand ändern die ja nicht, komme aber besser damit klar. Es ist wie es ist. Das Gleiche muss ich aber auch bei meinem Inneren anwenden (können). Das bedeutet aber auch nicht, dass jetzt nichts mehr negativ bewertet werden soll und auch nicht, das man jetzt nur alles positiv bewerten müsste, damit es einem gut geht. Wichtig ist wohl, objektiv zu bewerten und es sich verkneifen können, alles bewerten zu müssen, erstrecht dann, wenn man es nicht zu ändern vermag, in diesem Moment jedenfalls.
Ich hoffe Du findest die richtige Balance zwischen innen und außen und vor allem mit dem Bewerten unter der Prämisse, dass es durchaus lange dauern kann, bis es Dir ein besseres Leben ermöglicht und eigentlich sogar eine Lebensaufgabe ist, diese Balance zu halten.

VG Dys

18.03.2023 15:59 • x 3 #60

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