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Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

Alexandra2
Hallo, Einige wissen schon von meinem Aufmerksamkeitsdefizit und der Depression.
Das größte Problem sind die nicht vorhandene Konzentration und extreme Vergesslichkeit.
Ich bin nie bei der Sache, muss mich sehr anstrengen, gedanklich nicht abzudriften- egal wobei. Strenge ich mich zu sehr an, springt sofort mein Körper mit Streßsymptomen an.
Das allein schon in den eigenen vier Wänden.
Draußen ist es nahezu nicht mehr möglich. Das geht es nur darum, mit der Reizoffenheit klar zu kommen. Ich habe keinen Filter, und so dringt alles durch mich durch: Geräusche, Gerüche, Licht, Farben etc.

Vielleicht habt Ihr Ideen, wie ich die Konzentration entspannt steigern kann und die Vergesslichkeit 'abstreifen' kann?
Vielen Dank!

20.02.2019 14:17 • x 7 #1


Flocon_de_Neige
Hallo Alexandra,

hast Du es mal mit Musik probiert? Vielleicht merkst Du Dir für bestimmte Situationen einen Song, den Du magst, einen Rhythmus, der sich gut bei Dir verinnerlicht. Und sobald Du den aufkommenden Stress merkst, versuche Dich, an diesen Song, die Melodie zu erinnern um Dich selbst wieder runter zu bringen.

Eventuell hilft die Musik Dir auch außerhalb der Wohnung, wenn es Dir möglich ist und Du allein bist, Kopfhörer auf. So blendest Du Lärm und laute Geräusche aus und kannst Dich auf die Musik konzentrieren.

(Für Lichtempfindlichkeit eventuell Sonnenbrille?)

LG

20.02.2019 16:41 • x 5 #2


A


Hallo Alexandra2,

Aufmerksamkeitsdefizit und depressiv - Konzentrationsschwäche

x 3#3


Alexandra2
Hallo Flocon_de_Neige,
Musik kann ich leider überhaupt nicht 'vertragen', ich bin blitzschnell reizüberflutet. Dennoch überlege ich mal, welcher ultralangsame Song in Frage käme. Vielleicht geht das besser als ich annehme. Danke für die Tipps

20.02.2019 17:14 • x 3 #3


Flocon_de_Neige
Es gibt auch eine Menge Meditationsmusik oder Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher, Regengeräusche etc. Vielleicht wäre das etwas? Schau mal in youtube.

20.02.2019 18:01 • x 3 #4


F
liebe Alexandra,

ich vermute das du ein sehr sensibler Mensch bist, und das du zu schwer an deinem Leben trägst. Ständig kommst du an deine Grenzen. Egal wo du bist, überall geht deine nicht so gute Vergangenheit mit dir.

Mir hilft da immer wieder, mich jeden Tag mit meinem Leben zu versöhnen. Versuchen mein schweres Schicksal zu akzeptieren, aber dann auch wieder ablegen, los lassen.

Ich muss das Unabänderliche meines Lebens versuchen anzunehmen, zu akzeptieren. Es macht wenig Sinn, wenn wir uns immer wieder gegen unsere Tatsachen im Leben wehren und uns wünschen, es wäre alles anders. Es führt zu nichts außer Traurigkeit und Schwere. Das geht natürlich nicht von heute auf Morgen, bei mir hat das Jahre gedauert.

Ich lebte immer in Spannung, im Krieg mit mir selbst. Ich hatte das Gefühl, die Depression ist mein Feind, die es zu bekämpfen gilt, nicht anzunehmen und zu versöhnen.

Mir wurde aber klar, wenn ich immer meine ganze Kraft brauche, um gegen meine Depression zu leben, dann habe ich bald keine Kraft mehr für mein Leben. Mich versöhnen mit der Depression heißt nicht aufzugeben, aber es zu nehmen, anzunehmen. Mich nicht meinem Schicksal ergeben, sondern versöhnt weiter zu gehen. Ich möchte gnädiger und besser mit mir umgehen, nicht zähneknirschend akzeptieren, sondern liebevoll.

Sich immer gut fühlen kann kein Mensch.Je mehr ich versuche mich gut zu fühlen, desto unbefriedigter ist alles.

Leben kann ganz schön hart und grausam sein.

Ich wünsche dir von Herzen, das du dich mit deinem Leben immer mehr versöhnen kannst, neue Kraft in dir wächst.


viele liebe Grüße an dich,

Frederick

20.02.2019 18:26 • x 5 #5


Alexandra2
Lieber Frederick,
Ich weiß gar nicht, ob ich unversöhnlich mit meinem Leben bin? Der ewige Kampf, vor allem in Kindheit und Jugend, gegen die Unerwünschtheit und Aggression mir gegenüber hat mich zermürbt. Und so wurde ich introvertiert, obwohl ich das nicht bin. Mein Platz im Leben war nirgends, es interessierte nicht, ob und was ich fühlte, wollte, nicht wollte usw. Es war normal, mich seelisch und menschlich isoliert zu fühlen. Dieses Lebensgefühl habe ich ignoriert, ich konnte es nicht ertragen und nicht ändern. Und trotzdem habe ich immer weiter gemacht, damit meine Wünsche zu finden und zu erfüllen. Ich habe nie gejammert über mein Leben und immer versucht, die Schwere abzustreifen. Da wusste ich nicht, daß die Depression mich seit der Kindheit begleitet. Es ist wie wie ein Fluch oder ein Schatten, der immer vor Dir da ist. Es ist nicht möglich, dem zu entkommen. Denn der Schmerz ist genauso natürlich wie atmen. Sehr früh geprägt.
Ich kann nicht verzeihen, daß ich so lange und vehement gehaßt wurde. Aber weißt Du, ich denke nicht darüber nach, weil es nichts bringt. Es ist eine Tatsache.
Und ich lerne jetzt Gefühle kennen, alles wurde abgespalten. Es fehlen mir wirklich die Worte, der Umgang damit und ganz selbstverständliche Prozesse, z.B. wie man etwas verarbeitet. Dadurch beruhige ich mich, es ist so, als fände ich passende Puzzlesteine. Das ist phänomenal.
Grundlegende Entwicklungsschritte hole ich nun nach, dazu gehört besonders, Emotionen zu spüren, zu benennen und in Zusammenhang mit meinem Leben zu stellen.
Vielleicht magst Du mir sagen, wie eine Versöhnung, Akzeptanz unter diesen Voraussetzungen gehen soll? Und was meinst Du eigentlich mit Versöhnung?
Liebe Grüße

20.02.2019 20:17 • x 7 #6


F
liebe Alerxandra,

die Idee von der Versöhnung kam von meinem Arzt. Es hat sehr sehr lange gebraucht, bis ich das annehmen und verinnerlichen konnte. Aber es tut mir heute noch gut. Versöhnung /Vergebung kann man nicht erwarten, erzwingen, es ist eine Sache des Herzens.

Versuchen den Menschen zu vergeben, auch meinen Eltern, die mir nicht immer Gutes getan haben.

Ich kann diese Menschen hassen, ein Leben lang, grübeln, usw.

Nur, da zerstöre ich mich ja selbst.

Aber wenn ich versuche trotz allem ein JA Zu mir und meinem Leben zu sagen, meinen Wurzeln usw.

das hilft mir.

Das ist nichts einmaliges, dieses JA zu meinem Leben, zu meiner Vergangenheit, das JA zu mir selbst, das muss/darf ich mir immer wieder sagen.


viele liebe Grüße an dich,

Frederick

21.02.2019 18:10 • x 1 #7


Alexandra2
Hallo Frederick,
Zum Versöhnen gehören zwei, die sich vertragen. Es war kein Streit, sondern das Absprechen meiner Existenzberechtigung. Das ist unfassbar, immer noch.
Aber ich bin ihr nicht böse, hasse sie nicht mehr. Sie tut mir leid und ist mir auch egal, hauptsächlich das. Mit diesem Abstand komme ich gut zurecht.
Verzeihen kann ich nicht, vielleicht vergeben in der Summe ihrer Erfahrungen?
Ich will meine Kräfte konstruktiv nutzen und dazu gehört, Zusammenhänge be-greif-bar zu machen, zu durchleuchten. Dann kann ich mit dem jeweiligen Fund umgehen. Es ist leichter, wenn sich alles zusammenfügt.
Und dafür nehme ich den von Dir geschickten Rückenwind.
Liebe Grüße

21.02.2019 19:52 • x 4 #8


F
Liebe @Alexandra2 ich habe eben dieses von dir eröffnete Thema entdeckt, als ich, aus Mangel an Hilfe, (m)ein A.D.S. Thema eröffnen wollte.

Das was du hier vor fast einem Jahr schriebst, spricht mir in fast allen Bereichen aus der Seele.

Auf welchem Stand fühlst du dich heute?
Wie lebst du mit dem A.D.S.?

Dicker

21.02.2020 13:01 • x 1 #9


Mo1901
Hallo Leute, liebe Mitbetroffene !

Wenn ich so Eure Zeilen lese, meine ich, ich hätte alles geschrieben.
Es ist erstaunlich wie vieles an meine Lebensgeschichte erinnert. Das vergangene anzunehmen und zu be ja en gelingt mir nicht. Hatte eine tiefenpsychologische Langzeittherapie, um all das schlimme erlebte zu verarbeiten.

Aber das Thema Mutter zu verzeihen lehnte ich mit Händen und Füssen ab. Dafür war das Leid das sie mir zufügte einfach zu viel.
Selbst mit der Gefahr hin, das ich mich mit dieser Ablehnung selber schädige ,ist es für mich eine Genugtuung!

Meine Mutter lebt nicht mehr, ich bin froh darüber.

Mo1901

21.02.2020 13:17 • x 2 #10


maya60
Liebe Alexandra, außer beim Lesen und Schreiben bevorzuge ich auch kurze Aktionen wegen schneller Überreizung und Ablenkbarkeit und weil meine innere Zappelhypie sich schnell ödet. Mein Gedächtnis ist auch ein Sieb in vielem, was mich nicht besonders interessierte, das ist da gnadenlos, ganze Urlaube sind weg.

Unglaublich viel Kraft im Leben ging dafür drauf, mich länger bei der Sache zu halten, Langeweile auszuhalten, das war ja auch nötig und ich habe medikamentös und schon vorher Verhaltenstherapeutisch und in Eigenengagement wie du alles gegeben, aber irgendwann ist auch mal Un-Ruhestand.

Nun, wo ich im Un-Ruhestand bin, wo ich medikamentös und psychologisch und Verhaltensverändernd in Ruhe und Stille dabei bin, zwinge ich meine Aufmerksamkeit nicht mehr, länger dabei zu bleiben. Und was merke ich? Andere tun das sowieso nicht. Das ist auch eine Zeitkrankheit, dass Leute in all ihrer Hektik und Handysucht nach ganz kurzer Zeit wieder abschweifen.

Prima, ein Zeitalter der Aufmerksamkeitsgestörten, da fallen wir doch gar nicht auf. (Realsatire)

Also, Hunger, Neugier, Liebe zum Kind, tragbare Reste von Pflichtbewusstsein, jedenfalls bewege ich mich dadurch etliche Male am Tag 45 Wendeltreppenstufen hoch und runter im Haus und genieße das Privileg, mich nicht mehr zu langweilen.

Lass los und die Aufmerksamkeit schweifen, irgendwann ist es doch einfach mal gut. Und du bist ja nicht wegen nichts berentet. Und du arbeitest ja immer weiter an dir, bloß nicht mehr so überanstrengend.

Und was die Mutter-Altlasten angehen, sehen wir ja die Welt auch ganz ähnlich.

26.02.2020 15:00 • x 3 #11


Alexandra2
@fiorina, Vieles beim A D S sehe ich mit Humor. Zum Beispiel überraschte Gesichter und bei manchen mangelnden Grips, A D S liegt dann jenseits der Vorstellungskraft.
Meine Eigenarten bekamen einen Namen und wurden nicht als Symptom eines schlechten Menschen angesehen. Unstillbare Neugier, Ungeduld, Wissbegierde sind nicht mehr dem zugeschriebenen Perfektionismus entsprungen.
Ein miserables Gedäcbtnis ist nicht allein von der Depression verursacht. Die mangelnde Aufmerksamkeit ist ein Riesenproblem, die Reizüberflutung auch. Das nehme ich wertfrei hin. Manchmal macht mich das schon traurig, weil viele schöne Dinge nur in der Öffentlichkeit zu haben sind.
Aber ich ärgere mich nicht mehr darüber. Ich muss jeden Tag überlegen, ob und was ich trotz Reizüberflutung unternehmen kann. Außer bei meinen Therapieterminen bin ich deshalb selten zusätzlich unterwegs. Ich möchte schon, kann aber nicht. Sobald die Überforderung einsetzt, brauche ich mindestens 1 Woche, um mich zu erholen und wieder raus zu kommen. Der Preis ist mir zu hoch.

Iiebe @maya, ich bin gesellig und finde, draußen gibt es viel zu entdecken. Der Kontakt zu Anderen ist wichtig, schön und bereichernd. Schwierig ist, das richtige Maß zu finden. Wie oft tut mir Rausgehen gut? Meine Unruhe muss auch mal Gassi gehen, muss sich die Beine vertreten.
Ich finde noch raus, was mir gut tut und ob es einen Rhythmus gibt!
Liebe Grüße Alexandra


Liebe @fiorina,
Hier in der Großstadt ist das kompliziert. Es ist praktisch immer voll und laut.
Und nur zu Terminen reicht mir das Draußensein nicht mehr. Akustische Reize sind am schlimmsten, kannst Du auch sagen, welche Reize die Überforderung auslösen?
Liebe Grüße Alexandra

27.02.2020 12:38 • x 3 #12


F
Liebe @Alexandra2 meine Unruhe wird da draußen nur noch größer und darum gehe ich fast nur raus, wenn ein Doc Termin oder Physio ansteht. Ich empfinde auch viel zu viele Reize draußen. Diese kann ich mir noch nicht oft erlauben. Wenn ich auf dem Land ganz weit weg von den Menschen leben würde, wäre ich nur draußen. Das sagt viel, finde ich.
Heute steht wieder ein Termin an . . .

27.02.2020 12:59 • x 2 #13


F
Menschenmassen, Sonne, lachende Menschen, Straßenlärm, viele Kinder, hohe Lautstärke allgemein, hastende Menschen, böse Menschen. . . und und und

27.02.2020 13:10 • x 3 #14


A


Hallo Alexandra2,

x 4#15


maya60
Zitat von Alexandra2:
Iiebe @maya, ich bin gesellig und finde, draußen gibt es viel zu entdecken. Der Kontakt zu Anderen ist wichtig, schön und bereichernd. Schwierig ist, das richtige Maß zu finden. Wie oft tut mir Rausgehen gut? Meine Unruhe muss auch mal Gassi gehen, muss sich die Beine vertreten.
Ich finde noch raus, was mir gut tut und ob es einen Rhythmus gibt!
Liebe Grüße Alexandra


Liebe Alexandra, hä?, dachte ich, als ich deine Antwort las. Hab ich was davon geschrieben, dass du ungesellig und kontaktarm werden sollst oder etwas seinlassen sollst, was schön und bereichernd für dich ist und dass du deine Unruhe anketten sollst? Um Himmels Willen n e i n! Das wäre ja kein Loslassen. Das wäre ja Gefängnis.

So gut kennst du mich doch sicherlich, dass ich keinem Menschen ans Herz lege, zusätzlich zu allen Krankheitseinschränkungen noch sich selber in dem, was bereichert und schön ist und in den ureigensten Bedürfnissen wie Geselligkeit bei dir und Rückzug bei mir noch freiwillig zu beschränken.

Ich habe es nur beispielhaft an dem, was ich kenne, nämlich meinem Leben, beschrieben, aber bezogen auf Geselligkeit sähen dieses LOSLASSEN, diese k u r z e n A k t i o n e n, dieses Schweifenlassen der Aufmerksamkeit natürlich anders aus.

Mir ging es darum, dieses unglaubliche Anstrengen, die Aufmerksamkeit beisammen zu halten, loszulassen. Sowas machst du ja schon mit Achtsamkeitsübungen, die ja nichts bringen, wenn sie nicht entspannt gemacht werden, also wenn man verbissen den Fokus zwingen will.

Ebenso musst du ja im Draußen nicht noch das gesteigerte Tempo und die Hektik dieser Zeit mitmachen, wenn du schon das normalere Tempo draußen von früher nicht vertragen hast.

Bevor ich mich quasi in mein Eremitinnendasein vor 3 Jahren zurückzog, war ich ja noch regelmäßig und täglich unter Leuten in meinen Ehrenämtern und freundschaftlichen Kontakten.
Aber ich hatte schon das meiste deutlich umgestellt in meiner Alltagsorganisation und Reizreduktion darin.

Zum Beispiel wussten alle von mir, dass ich mich zwischendrin mal einfach rausnehme und in einem leeren Raum hinlege oder dass ich, wenn´s mir zuviel wurde, heim ging, dass ich mir große Teile der Partituren daheim und nicht in der Chorprobe aneignete, dass ich die vielen Parties nicht mehr mitmachte, dass ich schon von Haus aus nichts verstand, wenn viel Chaos war, dass ich lieber mit den Ruhebedürftigen nach der Chorprobe in die kleine Kneipe ging, wo es ruhiger war. Und vieles mehr.

Kopfhörer in den Ohren mit und ohne Musik halfen mir auch draußen, den Fokus bei mir zu behalten und nicht zu überreizen.

Aber alleine schon das mit offenen Karten spielen erlaubte mir das Loslassen, half mir, ich selber mit der schweifenden und begrenzten Aufmerksamkeit zu sein und trotzdem bei allen und allem, was mir am wichtigsten war. Und leistungsstark im Entscheidenden sind wir ja dann immer noch wie du selber weißt!

Jetzt habe ich eine andere Lebensphase, bin ja auch noch ein Stück älter als du.

Liebe Grüße! maya

27.02.2020 15:56 • x 2 #15

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