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Bin ich depressiv / welche Anzeichen sprechen dafür?

N
Zitat von Annaleen:
Was meinst Du denn genau mit Rückschlägen? Und inwiefern meinst Du das mit dem belastbar sein? Interessiert mich, dabei geht es mir auch so mit der Belastbarkeit. Ich merke das bei Konzentrationsfähigkeit und überhaupt bei der Arbeit, ich arbeite nur wenige Stunden und trotzdem bin ich oft überfordert. Ja und das mit dem stärker werden durch Rückschläge, das kann ich auch nicht so wirklich unterschreiben. Ich hab auch immer mit Selbstzweifeln zu tun und wenn ich irgendwie abgelehnt werde oder bei irgendwas scheitere, dann haut das wieder in diese Kerbe rein


Mit Rückschlägen meine ich vor allem die Ablehnung. Das kann eine angelehnte Bewerbung für einen Job sein oder eine angefangene Bekanntschaft, von der ich mir gewünscht hätte, dass sie sich zu einer Freundschaft entwickelt, aber die andere Person eben nicht. Mir ist völlig klar, dass sowas mit Sicherheit jedem schon mal passiert ist und auch immer mal wieder passieren wird, dennoch zieht es mich extrem runter und ich kann nicht sofort wieder aufs Pferd steigen, nachdem es mich abgeworfen hat.
Das mit der mangelnden Konzentration ist tatsächlich auch bei mir ein großes Thema. Ständig schweifen meine Gedanken ab in irgendwelche Tagträume oder ähnliches, längere Meetings sind für mich die absolute Qual. Ich habe eine normale 40 Stunden Woche, habe aber trotzdem den Eindruck, dass ich wegen der Arbeit kaum Zeit habe, meinen Haushalt und meine Besorgungen erledigen zu können. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nach dem Arbeitstag total gerädert bin und kaum fähig zu irgendwelchen Unternehmungen jeglicher Art.


Zitat von Annaleen:
Hm, okay das verstehe ich. Ich hatte schon einige Therapien.

Würdest du denn sagen, dass sich dein Leben dadurch zum Positiven verändert hat Bzw. Hast du eine Besserung dadurch erfahren können?

Zitat von Annaleen:
Mir fällt noch ein, vielleicht ist es bei Dir mit Freunden oder Deinem Partner auch anders, vielleicht täte es Dir gut, Dich mal zu öffnen!
Weiss denn auch Dein Partner gar nichts darüber, wei Du Dich fühlst? Meinem Partner gegenüber bin ich schon sehr offen, aber ich versuche, ihn nicht zu sehr mit meinen Sachen zu belasten und erzähle daher jetzt auch nicht immer alles. Aber grundsätzlich weiss er schon bescheid über meine Lage und wie es mir geht.


Ich glaube, dass ich erstmal lernen muss, mich zu öffnen. Bei meinem Partner fällt es mir besonders schwer, weil er eher ein Mensch ist, der nicht nachdenkt und einfach macht, er ist total unbeschwert und nimmt die Dinge so wie sie kommen. Auch wenn mich das manchmal auf die Palme bringt, ist es dennoch gut glaube ich, dass ich so jemanden an meiner Seite habe. Wenn er so gedankenversunken wäre wie ich, würden wir uns vermutlich gegenseitig runterziehen.
Ich befürchte, dass er es nicht verstehen würde und ich damit die Beziehung unnötig belaste. Ich habe eh oft die Angst, dass er sich jemand besseren sucht und glaube, dass sich diese Angst dadurch nur noch verstärken würde.

LG und einen tollen Tag
Nareia

13.09.2019 08:28 • x 2 #16


kleinermann
Zitat von mutmacher:
Also, wenn ich Dir (als älteres Semester) mal meine Gedanken mitteilen darf, dann ist das wie gesagt, meine persönliche Meinung:
Wir leben in einer Zeit, in der sehr schnell pathologisiert wird; Für jeden Pups meint man, einen Therapeuten oder Medis haben zu müssen um sich dann vermeintlich besser zu fühlen.
Nun Fakt ist aber, dass das Leben kein Himmelbett oder eine ständig herrliche Blumenwiese ist. Jeder Mensch steht in einem Kampf mit sich selbst (ein introvertierter, melancholischer Mensch legt nun mal eine andere Stimmungslage an den Tag als ein extrovertierter Sanguiniker), seinen Zeitgenossen und den jeweiligen Lebensumständen und vielen anderen Dingen, wie körperlichen Beschwerden, Nöten und Herausforderungen jedweder Art. Aber mitunter blitzen Momente des Glückes oder der kurzen Freude auf, die uns dann wieder mit dem Leben versöhnen. Schwere Erfahrungen können uns u.U. stärker machen.
Also, Du siehst schon, das Leben ist eins vom Schwersten, es braucht in jeder Minute unsere volle Aufmerksamkeit und Kraft, körperlich- aber auch psychisch.
Im Vergleich zu den Menschen früherer Generationen geht es uns in jeder Hinsicht besser, besonders in der westlichen Hemisphäre.
Man könnte diskutieren und philosophieren ohne Ende über die Soziologie voriger Zeiten und der Jetztzeit, bin gespannt, was man Dir hier noch rät.


Hmm. ich weiß natürlich nicht, was @mutmacher genau gemeint hat. Aber ich hätte es eher in Richtung des Namens vermutet - Mut zu machen, und nicht die sicherlich vorhandenen Schwierigkeiten klein zu reden oder so.

Auf mich wirkte es daher so, dass es in die Richtung ging zu sagen, mit dem Leben ist es tatsächlich manchmal alles andere als einfach. Und wenn es bei Dir @Nareia gerade unzweifelhaft ziemlich schwierig ist - kein Grund zum verzweifeln im Sinne von werde ich jemals wieder gesund usw.

In der heutigen Zeit werden einfach jegliche Abweichungen eines (dann doch wieder teilweise sehr eng definierten) Mainstreams recht schnell als krank oder sonstwie unnormal angesehen.

Bin selbst eher introvertiert und trage so ein paar Dinge mit mir herum. Und denke auch oft, ein totaler Freak zu sein. Und Herumgrübeln kann ich auch ganz gut.

Daher - gib die Hoffnung nicht auf. (Ich weiß schon natürlich auch - einfacher gesagt, als getan) Ob ein Psychologe für Dich der richtige Weg ist, kannst Du sicher nur selbst entscheiden. Ich kann da beide Seiten verstehen - die, die es für sinnvoll halten. Und die, die niemals dorthin wollen (wozu ich persönlich gehöre )

13.09.2019 10:15 • x 2 #17


A


Hallo Nareia,

Bin ich depressiv / welche Anzeichen sprechen dafür?

x 3#3


A
Hallo Nareia,

Zitat:
Mit Rückschlägen meine ich vor allem die Ablehnung. Das kann eine angelehnte Bewerbung für einen Job sein oder eine angefangene Bekanntschaft, von der ich mir gewünscht hätte, dass sie sich zu einer Freundschaft entwickelt, aber die andere Person eben nicht. Mir ist völlig klar, dass sowas mit Sicherheit jedem schon mal passiert ist und auch immer mal wieder passieren wird, dennoch zieht es mich extrem runter und ich kann nicht sofort wieder aufs Pferd steigen, nachdem es mich abgeworfen hat.


Okay ja genau so kenne ich es auch. Mein Selbstwert ist ziemlich labil und abhängig von Äußerem.

Zitat:
Würdest du denn sagen, dass sich dein Leben dadurch zum Positiven verändert hat Bzw. Hast du eine Besserung dadurch erfahren können?


Ja auf jeden Fall. Mir ging es früher noch viel schlechter. Ich war überhaupt nicht mit mir im Kontakt, konnte gar nicht alleine weinen und hatte Gefühle wie Wut komplett abgespalten, also fühlte das einfach nicht. Ich hatte Magersucht und dann Bulimie 10 Jahre lang. Das habe ich Gott sei Dank seit 15 Jahren überwunden und ich habe auch gelernt, mit meinen Gefühlen gut umzugehen. Ohne Therapie hätte ich das alles nicht geschafft. Ich habe auch schon lange Phasen, wo es mir richtig gut geht. Jetzt ist nur wieder eine schlechtere Phase.

Zitat:
Ich kann mich generell schlecht öffnen, weil mich irgendwie immer die Scham überkommt, wenn ich über meine Gefühle spreche.


Dazu kam mir noch in den Sinn, dass Du das in einem Erstgespräch auch thematisieren könntest. Es kann Dich kein Therapeut dazu zwingen, dass Du Dich gleich emotional öffnest, das wär dann auch völlig unprofessionell! Daher kannst Du Deine Vorbehalte bei einem ersten Kennenlernen äußern und dann gucken, wie darauf reagiert wird. Also alles Schritt für Schritt in Deinem Tempo.

Vielleicht suchst Du Dir auch als Erstes eine Freundin heraus, bei der Du Dir am ehesten vorstellen kannst, dass sie einfühlsam ist, Verständnis hat und der es nichts ausmacht, wenn Du ihr von Deinem Problem erzählst. Und das auch erstmal nur im Ansatz, so dass Du Dich ganz langsam vortastest. Erstmal nur so Andeutungen machen oder so. Sicher fällt Dir da etwas Gutes ein, wie Du vorgehen könntest.

Liebe Grüße,
Annaleen

13.09.2019 19:22 • x 2 #18


Blume71
Zitat von Annaleen:
Mir ging es früher noch viel schlechter. Ich war überhaupt nicht mit mir im Kontakt, konnte gar nicht alleine weinen und hatte Gefühle wie Wut komplett abgespalten, also fühlte das einfach nicht. Ich hatte Magersucht und dann Bulimie 10 Jahre lang. Das habe ich Gott sei Dank seit 15 Jahren überwunden und ich habe auch gelernt, mit meinen Gefühlen gut umzugehen. Ohne Therapie hätte ich das alles nicht geschafft.



Das finde ich sehr sehr mutmachend. Toll, dass Du das geschafft hast und vielen Dank für s Teilen!

13.09.2019 20:16 • x 1 #19


A
Oh! Na klar, gerne! Freut mich zu hören, wenn ich anderen Mut machen kann!

Danke Blume.

13.09.2019 20:18 • x 1 #20


N
Zitat von Annaleen:
Ich hatte Magersucht und dann Bulimie 10 Jahre lang. Das habe ich Gott sei Dank seit 15 Jahren überwunden und ich habe auch gelernt, mit meinen Gefühlen gut umzugehen. Ohne Therapie hätte ich das alles nicht geschafft. Ich habe auch schon lange Phasen, wo es mir richtig gut geht. Jetzt ist nur wieder eine schlechtere Phase.


Wow, darauf kannst du sehr sehr stolz sein! Ich habe selber eine Bulimikerin in der Familie und habe mitbekommen, wie sehr sie dagegen angekämpft hat. Mittlerweile lebt sie einfach damit, weil sie es nicht geschafft hat.
Ich finde es auch sehr ermutigend, wenn man von solchen Erfolgen hört. Danke, dass du es mit uns teilst!

14.09.2019 18:46 • x 2 #21


A
Zitat von Nareia:
Ich habe selber eine Bulimikerin in der Familie und habe mitbekommen, wie sehr sie dagegen angekämpft hat. Mittlerweile lebt sie einfach damit, weil sie es nicht geschafft hat.


Oje, das ist natürlich alles andere als schön.
Hm, stimmt, ich denke da ja gar nicht mehr dran, daher ist es mir nicht mehr so bewusst, aber vielleicht habt ihr recht, und man sollte sich seine Erfolge immer mal wieder vor Augen führen. Danke, dass Ihr beiden mich daran erinnert

Ich kann dazu noch sagen, dass es nichts gebracht hat, an der Essstörung selbst rumzudoktern, ich habe etwas ganz Entscheidendes in meinem Leben geändert, das sehr viel Mut gekostet hat und dabei hat mich die Therapeutin begleitet. Im Zuge dessen ging die Essstörung von alleine weg.

Liebe Grüße

14.09.2019 20:08 • x 1 #22


Blume71
Zitat von Annaleen:
Ich kann dazu noch sagen, dass es nichts gebracht hat, an der Essstörung selbst rumzudoktern, ich habe etwas ganz Entscheidendes in meinem Leben geändert, das sehr viel Mut gekostet hat und dabei hat mich die Therapeutin begleitet. Im Zuge dessen ging die Essstörung von alleine weg.


Aber, Du möchtest es nicht so gerne sagen, was das war, oder? Musst Du auch nicht. Das verstehe ich!

Ich sehe es ähnlich, manchmal geht es nicht ohne therapeutische Unterstützung. Von dort können manchmal Impulse gegeben werden, die einem die Augen in eine andere Richtung öffnen.
Bei mir ist es so, dass ich sofort in meinem Bauch spüre, ob das was die Therapeutin sagt, gerade auf mich zutrifft, oder nicht. Manchmal hat sie Recht und manchmal nicht.

Lieben Gruß Blume

14.09.2019 20:28 • #23


A
Liebe Blume,

Zitat:
Aber, Du möchtest es nicht so gerne sagen, was das war, oder?


Ich weiss nicht. Lieber per PN.

Zitat:
Ich sehe es ähnlich, manchmal geht es nicht ohne therapeutische Unterstützung. Von dort können manchmal Impulse gegeben werden, die einem die Augen in eine andere Richtung öffnen.
Bei mir ist es so, dass ich sofort in meinem Bauch spüre, ob das was die Therapeutin sagt, gerade auf mich zutrifft, oder nicht. Manchmal hat sie Recht und manchmal nicht.


Ja, das ist so wichtig, dass man das spürt, wie es sich für einen anfühlt, was die Therapeutin sagt, also wie stimmig es für einen ist.
Sehr lange war mein Problem, dass ich meinen eigenen Impulsen nicht vertraut habe oder gedacht habe, ich darf meinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen nicht nachkommen und erstmal die Erlaubnis von ihr brauchte, dass ich das darf. Also ich konnte es erst gar nicht fassen, dass ich kein schlechtes Gewissen bei etwas haben muss usw. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, das weiss ich noch. Sich selbst so zu entdecken und ich selbst sein zu dürfen.

Kennst Du das auch so oder so ähnlich?

Liebe Grüße

14.09.2019 22:17 • #24


Helmut
Hallo Naira,
ich bin auch erst neu in diesem chat und habe durch deine interresanten Zeilen gelesen dass ich nicht alleine mit meinem bescheidenen Gefühlen existieren muß. Ich bin schon seit längeren in Frührente und der Tagesablauf ist recht trist. Natürlich könnte ich alles mögliche unternehmen, aber alleine macht das alles keine freude.
Ich habe Epilepsie, daher auch die Frühberentung nehme Medikamente gegen die Anfälle (Oxcabarcepin) und Escitalopram gegen meiner Depression welche mitunter so schlimm ist dass ich gar nicht aus dem Bett mag. Freundschaften sind somit auch mangelware weil ich kognitive einschränkungen habe.
Aber aufgeben darf mann nicht, irgendwie muss es ja weiter gehen.
Dir alles Gute
Helmut

14.09.2019 23:20 • x 1 #25


Blume71
Zitat von Annaleen:
Sehr lange war mein Problem, dass ich meinen eigenen Impulsen nicht vertraut habe oder gedacht habe, ich darf meinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen nicht nachkommen und erstmal die Erlaubnis von ihr brauchte, dass ich das darf. Also ich konnte es erst gar nicht fassen, dass ich kein schlechtes Gewissen bei etwas haben muss usw. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, das weiss ich noch. Sich selbst so zu entdecken und ich selbst sein zu dürfen.

Kennst Du das auch so oder so ähnlich?


Hallo,

ich glaube, da hast Du mir etwas voraus.
Entscheidungen treffe ich zwar nicht mit dem Gefühl um Erlaubnis fragen zu müssen, aber habe ich sie getroffen, tritt oftmals noch Unsicherheit auf und ich kann erst nach der Bestätigung dahinter stehen. Klingt blöd, ist aber so. Ich traue mir das selbst noch nicht genug zu bzw. lass mich schnell verunsichern.

Lieben Gruß Blume

15.09.2019 15:41 • #26


A


Hallo Nareia,

x 4#12


L
Liebe Naraia,
ich habe deinen Eingangspost gelesen.

Ich finde die Idee, eine Therapie zu beginnen richtig. Es ist wichtig, dass du gut für dich sorgst und dazu gehört auch, sich Hilfe von Außen zu holen.

Ich habe selbst lange gebraucht um das einzusehen. Ich bin jetzt auf dem Weg mir zum 5. Mal Hilfe von Außen zu holen, nach all den Jahren.

Es kann nicht falsch sein sich Unterstützung zu holen.

Ganz liebe Grüße und viel Kraft wünscht dir
laluna

18.09.2019 09:08 • #27

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