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Boring Breakdown - Von der Angst und der Lächerlichkeit

S
Hallo maya60,

Danke fürs gut Zureden. Das hat mir gestern tatsächlich ein klein wenig gut getan deine Zeilen zu lesen.

Ich konnte heute Nacht sehr schlecht schlafen und habe daher versucht die Zeit wenigstens etwas konstruktiv zu nutzen. Ich schreibe sehr gerne kleine Gedichte ohne Reim. Ist ein kleines Ventil. Beschreibt sehr gut meine momentane Gemütslage:

Glück auf!

Nur Tunnelwände zu sehen,
der Tensio steigt.

Wo noch Erde an den Wänden,
sind gleich Solen aus Salz.

Ein rhythmisches Beben,
schreitet immer weiter.

Streut kleine Karzinome,
vom Magen bis zur Kehle.

Verdichtet zur Wolke,
drosseln sie jeden Willen.

Wandern durch den Kreis,
bis zum Knotenpunkt.

Mit Spitzhacke und Schaufel.
Tote Kanarienvögel bezeugen,
die Demontage meiner Selbst.

17.09.2020 18:00 • x 3 #16


maya60
Darum heißt es ja auch: depressiver Tunnelblick. Liebe Grüße! maya

17.09.2020 20:36 • x 1 #17


A


Hallo Soylent,

Boring Breakdown - Von der Angst und der Lächerlichkeit

x 3#3


S
Und wieder ein Wochenende rum.
Gestern war die GB Feier von meinem Patenkind. Das sehe ich genau einmal im Jahr. Aus Gründen. War eigentlich eine entspannte Feier. Dennoch spüre ich immer auch dieses Unbehagen. Nicht nur bei Leuten die ich selten sehe. Auch bei meinem besten Freund. Oder bei meiner Schwester. Bei Familienfeiern allgemein ist man ein Fremdkörper. Wartet bis man die Zeit abgesessen hat. Wenn man nach den Feiern heim kommt fühlt man erstmal eigentlich nur eins: Erleichterung. Jetzt hat man eine gewisse Zeit wieder Ruhe. Später dann folgt die Grübelei: wieso habe ich das gesagt oh Mist, das wird sie falsch verstanden haben. Oder: Warum sagt er sowas? Er kann mich bestimmt nicht leiden.
Sollte man eine Ausrede finden nicht hingehen zu müssen, ja dann hat man ein schlechtes Gewissen. Und fühlt sich einsam, alleine. Egal wie man's macht, man fühlt sich hinterher immer mies. Klingt wie aus einer Hollywoodkomödie bei der dann gesagt wird: ach diese Probleme hat doch jeder. Ich glaube aber nicht dass die meisten Menschen das in dieser Intensität spüren. Als würde man sich kurzzeitig zerreißen müssen. Ständig lachen. Auf keinen Fall zeigen wie zerstört man sich fühlt. Mehr tot als lebendig.

Manchmal wünschte ich die ultimative Ausrede parat zu haben. Die ich sogar vor mir selbst rechtfertigen kann ohne schlechtes Gewissen. Schützt aber auch nicht vor Einsamkeit.

Hm, sollte das WE nicht dafür da sein sich zu erholen? Im Moment fühlt es sich fast umgekehrt an. Bis ich morgen beim Kaffee sitze und sich die Angst wieder breit macht. So Long.

20.09.2020 22:09 • x 3 #18


S
Nachdem es mir gefühlt seit 1 Monat gleich beschissen geht (ohne große Ausreisser nach oben oder unten) habe ich mich überwunden und für nächsten Montag einen Termin bei meinem Hausarzt ausgemacht. In der Arbeit habe ich mir den Vormittag dafür frei genommen und gesagt es handelt sich um einen Standardtermin zur Blutabnahme. Auch meiner Freundin habe ich noch nichts erzählt, und ich denke ich werde es auch nicht tun...

Jetzt muss ich es nur noch schaffen den Termin wahr zu nehmen.
Und ich muss es schaffen meine Gefühle irgendwie in Worte zu packen.
Oh je ich bereus jetzt schon...

22.09.2020 20:34 • x 3 #19


maya60
Prima, das ist der einzige Weg, damit es besser wird!

23.09.2020 21:48 • x 1 #20


S
So heute war der Termin bei meinem Hausarzt. Und was macht mein Körper? Heute beim Aufwachen: Mega Erkältung. Da jeder Husten und Schnupfen gleich den Verdacht auf Corona mit sich bringt habe ich dafür jetzt Abstriche entnommen bekommen und bin in Quarantäne. Kein normales Gespräch möglich. War das jetzt eine Abstoßreaktion?

28.09.2020 12:03 • x 2 #21


S
Hab es hinter mich gebracht und meinem Hausarzt von allem berichtet.
Ich kriege demnächst jetzt erstmal Blut entnommen.
Auch hat er mir Überweisungszettel und Ärzteempfehlungen an die Hand gegeben. Natürlich habe ich keinen erreicht. 10 Therapeuten. Keinen erreicht...deckt sich stark mit den Erfahrungen anderer Leute von denen ich hier im Forum so gelesen habe. Ich muss es wohl weiter probieren.

Und momentan sitze ich noch im Auto vor der Praxis und bin am runter kommen. Denn obwohl der Arzt sehr verständnisvoll war, war das Gespräch extremer Streß für mich. Ich habe gerade Angstzustände in einer Intensität die aus anderen Spähren kommt...uff.

Eigentlich hatte ich mir im Wartezimmer noch vorgenommen zumindest meiner Freundin alles zu erzählen. Ich glaube das packe ich nicht. Niemals.
Wie geht das nur weiter?

08.10.2020 15:17 • x 4 #22


Ilse77
Lieber soylent, auch wenn es sich gerade vielleicht nicht so anfühlt: Du bist heute einen wichtigen Schritt gegangen. Bleib am Ball, was die Therapeuten angeht. Manche sind nur zu bestimmten Zeiten telefonisch erreichbar. Ich weiß, es kostet Kraft, aber es lohnt sich.

Lg ilse77

08.10.2020 15:27 • x 4 #23


bones
Warum hast du so Angst deiner Freundin das zu erzählen? Kann dir aus Erfahrung sagen, dass es ein befreiende Erfahrung war und sie mich damit voll unterstützt hat, was diese Erkrankung betrifft. Glaubst du , sie wird das irgendwann nicht merken?

08.10.2020 15:36 • x 1 #24


S
Danke Ilse7. Ja du hast Recht. Es fühlt sich momentan wirklich nicht so an als ob es richtig war. Ich habe starke Bedenken, dass der Schritt überhastet und übertrieben war.

Hier meldet sich auch die Lächerlichkeit wieder. Sie meint für meine kleinen dummen Problemchen gehe ich auch noch extra zum Arzt und halte wohlmöglich auch noch Therapeuten davon ab Menschen mit echten Problemen zu helfen. Ich weiß es ist dumm aber ich kann nicht anders denken.

@bones
Ich habe Angst, dass sie die Art wie sie über mich denkt und mich als Mensch wahrnimmt ändert. Sie sich anders mir gegenüber verhalten wird. Sich unsere Beziehung dadurch verschlechtert.
Davon abgesehen hat sie momentan auch ihr Päckchen zu tragen bei dem ich sie unterstützen will und muss. Ich hätte das Gefühl mich in den Mittelpunkt zu drängen mit meinem dummen schei..

Und mir ist klar, dass ich irgendwann mit ihr reden muss. Ich warte auf den richtigen Moment.

08.10.2020 18:12 • x 1 #25


bones
Gut ich weiß zwar nicht, was deine Freundin hat, was aber auch keine Rolle spielt. Wenn sie dich wirklich liebt, davon geh ich mal aus, wird sie dich vielleicht nicht direkt verstehen können, wenn sie damit noch nie was dazu zutun hatte. Aber sie wird eine große Hilfe für dich sein. Hat nix mit im Mittelpunkt stehen zu tun. Du machst das ja nicht aus Spaß. Wann der richtige Zeitpunkt ist, das ist leicht zu beantworten. Den gibt es nicht.

08.10.2020 18:42 • x 2 #26


Ilse77
Lieber @Soylent ,vielleicht hast du einfach eine falsche Vorstellung, mit welchen Themen andere zu Therapeuten gehen. Ich glaub, jeder fragt sich vorher, ist das wirklich nötig. Es geht dir nicht gut, das reicht. Du nimmst niemandem etwas weg, sondern kümmerst dich um dich. Deine Freundin spürt sicher, dass etwas nicht stimmt. Unausgesprochenes gärt in Beziehungen und klopft an im Unterbewusstsein. Mein Mann war froh, dass ich mir Hilfe holte. Und er sieht mich, wie ich nun mal bin. Etwas sensibler als der Schnitt, was aber auch viel gutes hat.

Lg ilse77

08.10.2020 19:17 • x 1 #27


M
Hey Soylent,
erstmal möchte ich dir meinen Dank für diesen Beitrag aussprechen.
Ich kann jede Zeile so gut verstehen, verrückt. Ich habe vor wenigen Minuten einen sehr ähnlichen Beitrag geteilt und danach dachte ich, schau doch mal was hier sonst so steht, aber ich hätte nicht gedacht sowas zu finden. Naja, zumindest fühlte ich mich bei dem Verfassen meines Textes sehr wie beim Lesen deines Beitrags und das gab mir ein sehr gutes Gefühl. Nicht, dass ich es nicht sehr bedauere wie du dich fühlst, nein es hat mir verdeutlicht, dass ich nicht alleine bin. Als hätte ich jetzt verstanden was es heißt, wenn jemand das gleiche fühlt wie man selbst.
Du solltest weinen nicht als Schwäche sehen, wenn du schon mit niemandem sprechen möchtest, dann solltest du wenigstens mit dir ehrlich sein. Nicht, dass es so leicht ist, aber ich denke, dass du bestimmt Gründe an dir finden kannst, die du an dir magst!
Schönen Abend

08.10.2020 20:58 • x 1 #28


S
Hallo Meme,

Zitat von Meme:
beim Lesen deines Beitrags und das gab mir ein sehr gutes Gefühl. Nicht, dass ich es nicht sehr bedauere wie du dich fühlst, nein es hat mir verdeutlicht, dass ich nicht alleine bin


Dieses Gefühl verstehe ich sehr gut. Ich hatte beim Stöbern durch dieses Forum auch das eine oder Andere Aha- Erlebnis diesbezüglich. Ich denke genau dafür ist dieses Forum auch da. Da musst du dich nicht rechtfertigen. Mir gibt selbst die Erkenntnis dass du mich nachfühlen kannst ebenfalls ein gutes Gefühl.

Zitat von Meme:
solltest weinen nicht als Schwäche sehen


Das tue ich nicht. Ich habe nur wie gesagt das Gefühl, dass ich dafür eigentlich keinen Grund habe. Ich vergleiche mich und mein Leben leider viel zu sehr mit dem anderer Leute. Und so denke ich: Es gibt so viele Menschen denen es schlechter geht und du sitzt hier und weinst du lächerlicher Idiot.

Mal davon abgesehen, dass das die Probleme auch nicht löst..

Zitat von Meme:
bestimmt Gründe an dir finden kannst, die du an dir magst!


Ich suchte und suchte Nah und Fern...und fand: nichts. Nein ohne Spaß. Wenn ich drüber nachdenke. Mir fällt nichts ein das ich an mir mag.
Ich denke dieses Gefühl können hier introspektiv sicherlich auch so einige mit mir teilen.

09.10.2020 06:46 • #29


A


Hallo Soylent,

x 4#15


Laurien
Lieber @Soylent

mein Rat wäre, wenn dir deine Freundin und die Beziehung wirklich wichtig ist, dann rede mit ihr. Das muss nicht bis ins kleinste Detail sein, das ein- oder andere ist sicherlich beim Therapeuten etc. auch besser aufgehoben als bei der Freundin. Aber zumindest einen kleinen Einblick solltest du ihr gewähren. Glaubst du denn wirklich, sie merkt nichts und macht sich keine Gedanken? Ich habe lange vor meinem Freund gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Wenn ich ihn mal darauf angesprochen habe, war immer alles gut. Auch das knappe halbe Jahr jetzt, nachdem er mich Ostern quasi kommentarlos aus seinem Leben entfernt hat, war immer alles gut. Neulich konnten wir immerhin mal drei Sätze darüber reden (oder eher schreiben). Nun ist auch noch etwas passiert, das einfach nur besch... ist. Wenn ich nicht wieder mal den richtigen Riecher gehabt hätte, das etwas passiert sein muss und gefragt hätte, er hätte es mir wahrscheinlich bis heute nicht gesagt. Es ist ihm nicht einmal der Gedanke gekommen, dass ich mir vielleicht Sorgen mache. Andere hingegen hat er schon informiert, von deren Existenz ich vorher nicht einmal etwas gewusst habe.

Es ist nicht die Tatsache an sich, dass er wirklich gravierende Probleme hat und es ihm alles andere als gut geht, was die Beziehung langsam aber sicher zu einem definitiven Ende bringt. Es ist diese mehr oder weniger absolute Sprachlosigkeit mir gegenüber, dass er mich quasi ohne wenigstens eine kurze Erklärung gefühlt zu 99% aus seinem Leben entfernt hat, so tut, wie wenn alles gut ist, sich aber zeitgleich so gar nicht danach verhält, wie wenn alles gut wäre. Das bringt mich immer mehr an den Punkt, der Auffassung zu sein, dass ich ihm einfach nicht das geben kann, was er braucht und somit auch nicht die richtige Person an seiner Seite bin. Unabhängig von Trauschein oder nicht, bin ich der Auffassung, dass man auch durch die schlechten Zeiten irgendwie gemeinsam geht. Für die guten Zeiten hat es gereicht, für die schlechten Zeiten jetzt eben nicht mehr. Vielleicht sind meine Rückschlüsse falsch. Aber mangels Alternativen kommt man dann irgendwann dahin und lässt es gut sein.

LG

09.10.2020 07:44 • x 2 #30

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