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Burnout, aber nicht krank genug für Therapie - was nun?

V
Hallo zusammen, das hört sich vielleicht ein bisschen merkwürdig an, ist aber das Fazit meiner momentanen Situation. Vielleicht hat ja jemand von euch eine Idee dazu? Hoffe ich mal.

Also, zusammengefasst: ich arbeite in sozialen Bereich mit schwer mehrfachbehinderten Menschen. Eigentlich eine Arbeit, die mir liegt und die ich gut kann. Im Lauf dieses Jahres ging es aber allmählich schleichend bergab mit meiner Energie. Ich war nur noch müde, habe nach der Arbeit außer Essen und Fernsehen nichts mehr gemacht, Hobbys und soziale Kontakte vernachlässigt, meine Wohnung verwahrloste regelrecht und schließlich hatte ich auch am Wochenende zu nix mehr Lust. Süßigkeiten-Fressattacken verursachten einerseits drei Kilo Gewichtzunahme und andererseits Bauchschmerzen. Schließlich kippte das um in gar nichts mehr essen können und es kamen Schlafstörungen dazu. Ich war völlig durch den Wind, hab mich über jeden Kleinscheiß aufgeregt und war extrem nah am Wasser gebaut. Ende August wurde ich wegen Burnout krankgeschrieben, insgesamt sieben Wochen.

Nun habe ich mich innerhalb der ersten zwei, drei Wochen ziemlich gut erholt, habe wieder lauter Dinge getan, die mir Spaß machen, mir Zeit für mich genommen und immer weniger an die Arbeit gedacht.
Gegen Ende hatte ich dann einen Termin bei einer Psychologin, von dem ich mir Unterstützung und evtl. Erarbeitung von Strategien erhoffte, um künftig meine Kräfte besser einteilen zu können.
Aber nun ging es mir ja gut. In dem Fragebogen, den ich dort ausfüllen musste, wurde nach Symptomen gefragt, von denen ich kaum eins ankreuzen konnte. Die Psychologin kam zu dem Schluss, dass eine Therapie vor der KV kaum zu rechtfertigen wäre. Wobei ich selbst auch nicht das Gefühl hatte, eine zu brauchen, eher was in Richtung Coaching und Beratung. Da hatte sie nun aber auch keine brauchbaren Tipps.
Seit Mitte Oktober arbeite ich wieder, mit nur noch 28,5 Wochenstunden. Außerdem habe ich noch relativ viel Resturlaub, so dass ich immer mal wieder einige Tage zwischendurch frei habe. Trotzdem ist es vom Grundgefühl schon fast wieder wie vorher und ich bin sicher, ich bin bald wieder da, wo ich vor der Krankschreibung war, wenn ich nicht grundsätzlich was ändere.

Meine Frage an euch - habt ihr Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen, Burnout-Präventionskursen oder etwas in der Richtung? Hab ich mit 56 noch eine Chance auf Umschulung o.ä.? Mit nachgewiesenem Verschleiß in der LWS könnte ich immerhin begründen, dass ich aus der Pflege raus muss.
Danke im Voraus für eure Anworten!

25.11.2019 23:48 • x 5 #1


A
Liebe ViolettaM,
wegen Erschöpfungsdepression war ich in den letzten 3 Jahren zweimal für mehrere Wochen zu Hause und seit einem halben Jahr im Ruhestand, weil eine chronische Krankheit zunehmend zum Burnout beigetragen haben. Ich war Lehrerin.
In den Erholungswochen zu Hause kam ich recht schnell wieder auf die Füße, so dass ich bald wieder unterrichten konnte. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ich wieder in die neuer Erschöpfung geriet. So hangelte ich mich von Ferien zu Ferien entlang, aber erholt war ich nicht.
Im vergangenen Mai schlug mir die Amtsärztin eine krankheitsbegleitende Psychotherapie vor. Ich bekam sogar recht schnell einen Termin. Am Tag meiner ersten Sitzung ging es mir gut und so fiel die Einschätzung der Psychologin anders aus als erwartet. Ich bräuchte keine PT. Das verunsicherte mich sehr, denn ich merkte ja, wie bedürftig ich war, trotz mancher guter Tage, die ich immer wieder habe.

Schließlich habe ich mir eine Psychiaterin gesucht. Mir war es wichtig, eine Diagnose zu bekommen. Auf dieser Basis begannen nun die Therapien und ich fühle mich gut aufgehoben. Die Psychiaterin ist gleichzeitig auch meine Therapeutin. Sie sah sehr wohl großen Handlungsbedarf bei mir.

Vielleicht würde es dir helfen, im ersten Schritt auch den Weg über einen Psychiater zu gehen?
LG von Mayke

26.11.2019 09:06 • x 2 #2


A


Hallo ViolettaM,

Burnout, aber nicht krank genug für Therapie - was nun?

x 3#3


Bergwald
Ich kann mich nur Mayke anschließen. Bei deiner Beschreibung denke ich schon, dass Unterstützung dir helfen kann. Würde auch zu jemand anderem gehen.

Lg Bergwald

26.11.2019 14:22 • x 2 #3


V
Hallo ihr beiden, lieben Dank für eure Antworten! Ja, dass ich irgendwas unternehmen muss, da stimme ich mit euch 100%ig überein. Bloß mit der Therapie tue ich mich schwer. Ich glaube, es nützt mir nix, wenn ich mich in Behandlung begebe, ich muss selber handeln.

Diese Überzeugung hat auch eine Vorgeschichte. Mit Mitte, Ende Zwanzig habe ich mich einige Jahre mit einer miesen Angststörung und allen möglichen psychosomatischen Beschwerden rumgeschlagen. Da hatte ich reichlich Therapie, ambulant und auch mehrere Monate in einer Klinik. Geholfen hat das mäßig und nur vorübergehend. Besonders der verhaltenstherapeutische Ansatz funktionierte bei mir gar nicht. Therapiegespräche wirkten entlastend und brachten gelegentlich neue Blickwinkel, mehr aber auch nicht. Irgendwann war ich das leid, ich hätte die Gespräche mit mir selber führen können, weil ich eh schon wusste, was mein Gegenüber sagen würde.
Am hilfreichsten fand ich noch den Austausch mit anderen Verrückten in der Klinik. Das war schön, weil man da halt dazugehörte, wenn man eine Macke hatte. (Die Verrückten sollten in Gänsefüßchen stehen, klappt aber nicht)

Verschwunden sind die Ängste damals nicht durch Therapie, sondern dadurch, dass ich neue Interessen entdeckt habe und in meinem Leben neue Wege gegangen bin. Die Ängste sind wohl einfach an Vernachlässigung gestorben, weil ich keine Zeit mehr für sie hatte

Und so stelle ich mir die Lösung meines aktuellen Problems auch in etwa vor. Weiß eben nur noch nicht so recht, in welche Richtung die Reise geht. Austausch mit anderen Betroffenen - zum Beispiel mit euch - könnte jedenfalls ein Anfang sein.
Lg
Christine

26.11.2019 15:50 • x 3 #4


maya60
Hallo ViolettaM, beim Burnout gibt´s oft blinde Flecken in der Selbstwahrnehmung nach beiden Seiten: Sowohl, was die Arbeitsbelastungen betrifft (nämlich erheblich unterschätzt) als auch, was die Genesung nach einigen Wochen Krankschreibung betrifft (deutliche Erleichterung mit Gesundheit verwechselt).

Diese blinden Flecken liegen im ganzen System der Berufswelt und erzeugen mehr und mehr Stresserkrankungen.

Denn wer mit klarem Blick in der Pflege (mit Mehrfachschwerbehinderten erst recht, vermute ich stark) die Belastungen durch Lärm, Hektik, Geduldsproben, körperliche und psychische Fehl- und Überbelastungen, illusorische Zeitfenster, Personalmangel, Dokumentationswust unverfälscht wahrnähme, der würde ja von Anfang an sagen: Klar krankmachend, bitte doppelt soviel Zeit mit viel besseren Arbeitsbedingungen und rückenschonenden Gerätschaften und besserer Bezahlung und mehr Urlaub und Anerkennung, sonst sind Burnout wie orthopädische Schäden als Berufserkrankungen absolut vorprogrammiert.

Da dies aber nicht erwünscht ist, lernen wir erst gar nicht, klaren Blickes zu sehen, denn wir wollen ja schließlich Arbeit haben und die Einrichtungen wollen Profit machen.

Und viele sind schon solange in den verschiedensten Vorstufen des Burnouts, die sie aber für gesund halten, weil sie sich schleichend schon wer weiß wie weit von gesund entfernt haben, dass sie schon rein den Unterschied von einfach mal Ruhe haben nach wenigen Wochen für Gesundheit hielten.

Denn wer tief erschöpft ist, erholt sich nicht völlig innerhalb von wenigen Wochen und wer völlig erholt wäre, ist dann auch nicht gleich wieder nach wenigen Wochen wieder so erschöpft mit typischen Burnout-Symptomen.

Das ist meist eine viel längere Vorgeschichte, die wir gar nicht gemerkt haben. So hatte ich auch immer wieder Burnouts und kratzte Ewigkeiten nur an der Oberfläche in den Psychotherapien. Erst die richtigen Diagnosen brachten mich weiter. Ich war nämlich mittlerweile schon lange chronisch in Erschöpfungsdepressionen und hielt leichtere Depressionen für gesund, kannte gar nichts anderes. Ich hatte Null Gefühl und Maßstab für Menschenmögliches und Unmögliches.

Zwar hatte das in meinem Fall eine besondere Geschichte, aber in der Berufswelt mehren sich auch mehr und mehr die unmenschlichen Anforderungen und folglich Selbsteinschätzungen.

Dafür sind Diagnostik und Psychotherapien so wichtig von mit Burnout vertrauten Fachleuten. Im Grunde müssten Arbeitsmediziner und Arbeitstherapeuten sowas genauso klar erkennen und wissen, teilweise noch klarer, denke ich, nur, wenn es bereits eine Erschöpfungsdepression ist, reicht das nicht mehr. Und ich weiß auch nicht, ob Arbeitsmediziner beim Thema Burnout auch behandeln, obwohl die Arbeitsmedizin ja klar die Zunahme von berufsbedingten Stresserkrankungen konstatiert.

Oder wenn psychische Altlasten auch noch mit eine Rolle spielen. Aber mal ab und an eine mit Burnout vertraute Arbeitstherapeutin und deren Blick auf eine Arbeitsplatzanpassung sind auch Gold wert. Ich weiß bloß nicht, ob das ärztlich verordnet wird.

Ich hoffe, in meinen Kraut- und- Rübengedanken hier ist noch etwas Informatives für dich zu finden.

Liebe Grüße! maya

27.11.2019 04:17 • x 6 #5


V
Hallo Maya,
gar nicht Kraut und Rüben Du hast ganz sicher recht mit der Wahrnehmungssache. Oberflächlich betrachtet und verglichen mit anderen Einrichtungen haben wir nämlich einen superchilligen Job:
- kein Schicht- und Wochenenddienst(ich arbeite in einer Werkstatt)
- selten Überstunden, nur gelegentlich durch Schulungen, Teamsitzungen u.ä.
- traumhafter Betreuungsschlüssel von 1:3, in meiner Gruppe wegen sehr verhaltensspezieller Menschen
sogar 1:2
- ansprechend gestaltete Gruppenräume, überwiegend auch in komfortabler Größe
- qualitativ hochwertige Hilfsmittel für Pflege und Lagerung sowie Therapie- und Fördermaterialien und
durchaus auch Mitspracherecht bei Anschaffungen
- nicht zuletzt recht anständige Bezahlung nach TVÖD-Tarif
Woher also der mittlerweile dauerhaft hohe Krankenstand und die ständige Fluktuation?
Liegt sicher nicht an den Prioritäten der Führungsetage (Also, die Außendarstellung muss stimmen, den Rest kriegen wir schon irgendwie hingebastelt.)
Und das mit dem Profit ist eine böse Unterstellung Wir sind eine gemeinnützige Einrichtung, die jeden Gewinn wieder in das Wohl derselbigen investieren muss. Zum Beispiel in den Ausbau des Bereichs für schwerstbehinderte Menschen. Weil die Plätze gebraucht werden, weil diese Menschen ein Recht auf einen Platz haben. Nicht etwa, weil der Landschaftsverband dafür die höchsten Zuschüsse zahlt

Okay, Zynismus ist ein Anzeichen, dass man (wieder) in der Abwärtsspirale ist. Weiß ich auch.
Aber dass Psychotherapie mir weiterhilft, glaube ich trotzdem nicht. Da stimmt doch irgendwas nicht, wenn das System krank ist und wir lassen uns therapieren oder schlucken sogar Medikamente, damit wir es besser aushalten und es weiter funktionieren kann.

Im Übrigen war ich zwanzig Jahre lang selbständig als Tagesmutter und alleinerziehend. Das war auch oft anstrengend und ich musste mit sehr viel weniger Geld auskommen, aber in die Nähe eines Burnout bin ich nie gekommen.
Nun ist Kindertagespflege keine Option mehr für mich, aber eine Veränderung ist fällig, so viel ist klar.

Was machen denn Arbeitstherapeuten bei Burnout? Ist mir in dem Zusammenhang kein Begriff.

LG Christine

27.11.2019 18:51 • x 4 #6


maya60
Hallo Christine, das, gebe ich zu, hört sich verglichen mit vielen anderen Pflegebedingungen traumhaft an, was du von der Ausstattung deines Arbeitsplatzes berichtest, aber der Teufel steckt wie immer im Detail. Ich habe 1:1 wesentlich einen leicht geistig behinderten Autisten, meinen Sohn, erzogen und gefördert und begleitet mithilfe vieler anderer, aber das Dauerburnout die ersten 11 Jahre war mir sicher.

Just for fun habt ihr nicht solch einen tollen Personalschlüssel und dann ist auch noch die Frage, wieoft der auch im Pflegealltag stimmt uvm.

Arbeitstherapeuten (früher war das eine der vielen möglichen Spezialisierungen von Ergotherapeuten, (bin aber schon seit 18 Jahren aus dem Beruf als Ergo wegen Sohni und nicht mehr auf dem aktuellen Stand) arbeiten in der Arbeitsplatzanpassung für behinderte oder kranke Menschen. Finde ich total passend! Sie sind entweder selbständig oder arbeiten als Angestellte oder in Kliniken usw.

Wenn du wartest, bis das System sich ändert, keine Chance. . .

Liebe Grüße! maya

27.11.2019 19:11 • x 1 #7


V
Zitat von maya60:
Wenn du wartest, bis das System sich ändert, keine Chance. . .

Stimmt, das hab ich auch nicht vor. Darum suche ich ja nach einem alternativen Weg für mich, evtl. ganz was anderes als Pflege und Betreuung.

Zitat von maya60:
Just for fun habt ihr nicht solch einen tollen Personalschlüssel und dann ist auch noch die Frage, wieoft der auch im Pflegealltag stimmt uvm.

Genau, eigentlich nur noch selten, weil ja ständig Leute krank sind und Urlaubsvertretungen fehlen.

Zitat von maya60:
Ich habe 1:1 wesentlich einen leicht geistig behinderten Autisten, meinen Sohn, erzogen und gefördert und begleitet mithilfe vieler anderer, aber das Dauerburnout die ersten 11 Jahre war mir sicher.


Alle Achtung! Das ist eine ganz andere Nummer. Die Arbeit mit Autisten mag ich sehr, sie eröffnen einem oft eine ganz andere Sicht auf die Welt und jeder auf eine andere Weise. Aber vor der Leistung der Eltern habe ich regelrecht Ehrfurcht. Da kannst du ja nicht irgendwann sagen: ach, das ist doch nix für mich, ich kündige und such mir was anderes. Du bist einfach immer Tag und Nacht zuständig, auch wenn du Unterstützung in der Betreuung hast. Kann mir vorstellen, dass man da echt froh über eine gute therapeutische Begleitung ist.

Lieben Gruß
Christine

27.11.2019 21:38 • x 4 #8


maya60
Hallo Christine, es ist vermutlich so alt wie die Zeit, als das Besitzdenken begann, dass Ausbeutung und Selbstausbeutung versteckt hinter einer Erziehung der falschen Begriffe dafür ins Leben der Menschen einzog.
Naturvölker ohne Besitz mit der Einstellung, dass alles Gemeinschaftsgut des Stammes, aber ebenso allen Lebens in der Natur ist, dem man mit Ehrfurcht begegnet, bei dem man sich bedankt nach der Jagd, dem man Achtsamkeit und Spiritualität schenkt, mit dem man in ständigem Austausch der Energien und des Gebens und Nehmens ist, kennen Ausbeutung und Selbstausbeutung nicht. Sie kennen schwere und harte Initiationsriten zur Aufnahme unter die JägerInnen, aber ebenso kennen sie Spiel und Fürsorge und eine Selbstwahrnehmung und ein Selbstbewusstsein als wichtiger Teil der ganzen Gruppe wie ein Körperteil am Körper.
Eigentum und Besitz seit der Sesshaftigkeit führten gleich zu der Notwendigkeit der Sklavenarbeit. Irgendwie brachten sogar unsere christlichen Kirchen im krassesten Unterschied zum biblischen Jesus bis zum 2. Weltkrieg, bis eigentlich zum Umdenken seit den Kulturrevolten der sogenannten 68er die Menschen dazu, die Stände der Herrschenden und der Unterdrückten für gottgegeben darzustellen und es als sündig zu denken, diesem gottgegebenen System nicht immer und bedingungslos absoluten Gehorsam zu zollen.
Nur so ist es vorstellbar, dass für die Großreichfantasien der Privilegierten Millionen von Deutschen hirnlos gehorsam, aber pflichtbewusst in 2 Weltkriege zogen, zu Monster wurden und für Monster alles gaben und verloren.

Dieses deutsche Pflichtbewusstsein steckt so tief in unserer Prägung noch drin, dass wir das Reflektieren darüber erst lernen müssen, meine Eltern haben es im Krieg als Kind und junger minderjähriger Soldat jedenfalls auch nicht gelernt.

Und seit Beginn der Digitalisierung wendet die Berufswelt die Maschinenmaßstäbe auf sich selber an und was da unter dem Begriff Selbstoptimierung zusammengesponnen wird, ist dieselbe Verblendung in grün.

Blinder Fleck an blindem Fleck dazu in uns.

Da gilt es wirklich, erstmal zu lernen, in uns hineinzuspüren, welche Arbeit ganz unsere ist, die sogar Kräfte schenkt statt sie nur ewig auszusaugen. Nutzen- und Optimierungsmaßstäbe helfen da nicht weiter.

Darum ist die Arbeit an sich selber nach einem Burnout auch oft eine jahrelange allmähliche Veränderung des ganzen Lebens, wenn das alte die Stopkarte zeigt.

Liebe Grüße! maya

28.11.2019 13:18 • x 2 #9


V
Oh, welche Art Arbeit die meine ist, das weiß ich schon. Also die Tätigkeiten, in denen ich so richtig aufgehe. Das hat was mit Garten zu tun, mit Pflanzen und Ernten und beim Wachsen zusehen, mit Kochen und Backen, mit Stricken und Basteln, Malen, Nähen und mit anderen zusammen Musik machen. Und alles beileibe nicht auf optimiertem Niveau. Sonst macht es ja keinen Spaß.


Mit meiner Tagesmuttertätigkeit konnte ich diese meine Neigungen vereinbaren, was wahrscheinlich der Grund war, dass mich damals kein Burnout bedroht hat. Da war die Arbeit nicht so vom Leben getrennt wie jetzt. Entfremdete Arbeit halt, nach Marx.

Ich stelle mir vor, dass es genau das ist, was die Naturvölker uns voraus haben. Ihre Arbeit hat immer direkt mit dem eigenen Leben zu tun. Das ist ein ganz anderes Gefühl.

Also mein Job wäre eigentlich kreative Hausfrau mit Selbstversorgergarten. Muss nur noch was finden, was dem möglichst nahe kommt und wovon ich auch leben kann.

Früher dachte ich mal an das Schreiben von Bestsellern, leider ist mir der Harry Potter nicht rechtzeitig eingefallen

28.11.2019 21:04 • x 5 #10


V
Hallo ihr Lieben, ich melde mich mal wieder in meinem eigenen Thema.
Mein Fazit aus den zwei Monaten, die ich jetzt wieder arbeiten gehe:
Bin jeden Tag 1h 45 Minuten früher zu Hause als vorher.
Habe wegen Resturlaub zweimal zwei Wochen am Stück gearbeitet, sonst hatte ich nach einer Woche immer schon wieder eine Woche frei.
Ich sollte eigentlich tiefenentspannt und voll Energie sein.

Die Realität:
Ich verbringe 1h 45 Minuten mehr am Tag am Tablet.
Habe kaum Lust zum Kochen, nehme kein vernünftiges Essen zur Arbeit mit und esse irgendwelchen Mist, der gerade verfügbar ist.
Komme kaum an die frische Luft
Werde seit zwei Wochen meine Erkältung nicht los und habe mich seit Mitte Oktober heute zum ersten Mal krankgemeldet.
Rücken und Knie machen sich wieder bemerkbar.
Mache nur die allerallernötigste Hausarbeit, also Wäsche waschen, damit ich was zum Anziehen habe.
Schlafe wieder öfter nicht gut oder komme viel zu spät ins Bett.
Bin bei der Arbeit ab Dienstag müde, Mittwoch k.o.und Donnerstag ausgelaugt, Freitag hält mich die Aussicht aufs Wochenende aufrecht. Die Wochenenden sind zu kurz zum Erholen, die drei einzelnen Urlaubswochen haben jedesmal nur knapp ausgereicht.
Bin gereizt und genervt, wenn etwas nicht läuft und kann das Ende des Arbeitstages kaum erwarten.
Habe immer noch einen Berg Stoffe hier rumliegen und noch nicht ein Teil genäht.
Mein gestrickter Loopschal liegt auch ewig hier rum und wartet auf das Stofffutter, was er noch kriegen soll. Frustriert mich, kann mich aber nicht motivieren.
Keine Lust auf Weihnachtsvorbereitungen.
Bewegung Fehlanzeige, will eigentlich immer mal schwimmen gehen.
Schwänze mindestens jeden zweiten Tag das Bratsche-Üben, außer jetzt vor dem Vorspiel.
Bin oft drauf und dran, solche Termine abzusagen, sowie auch andere Verabredungen und den Unterricht. Bisher raffe ich mich aber allermeistens doch auf, aber die Unlust nimmt zu und das hat letztes Mal auch so angefangen.
Lange Rede, kurzer Sinn: es hat sich nicht wirklich was verändert.

Wenn ich das so lese, finde ich eigentlich gar nicht, dass es so dramatisch klingt. Hänge ich halt nur lustlos und genervt rum, hab keinen Bock auf irgendwas, na und? Und ich mag meinen Job nicht mehr. Soll auch vorkommen.
Nun weiß ich natürlich, wo es hinführt. Aber deswegen Therapie?

Mein Dilemma ist also dasselbe wie zuvor. Inzwischen würde ich es ja vielleicht sogar probieren. Nur sehe ich noch diesen Fragebogen bei der Psychologin vor mir. Was ich da jetzt eintragen könnte, würde der Krankenkasse mit Sicherheit nicht ausreichen für eine Bewilligung. Was soll ich machen? Dramatisieren? Das liegt mir so gar nicht.
Oder einfach die Talfahrt abwarten und dann nochmal einen Termin machen?
Aber wie blöd ist das denn, wenn ich doch jetzt schon was tun könnte, um gar nicht erst abzustürzen?
Aber was?

Vielen Dank fürs Lesen! Vielleicht habt ihr ja noch Ideen?
Liebe Grüße
ViolettaM

16.12.2019 15:09 • x 4 #11


111Sternchen222
Hallo Violetta, Versuch macht klug ! Nur wenn du ihn ausfüllst, weißt du was dabei raus kommt, trau dich, Nimm's selbst in die Hand, nur du kannst den ersten Schritt machen!
Lg Sternchen und Knispel

16.12.2019 17:29 • #12


Jedi
Zitat von ViolettaM:
Aber deswegen Therapie?

In einer Therapie spricht man nicht nur von u. über Krankheit u. so kann eine Therapie sinnvoll sein,
wenn es sich um eine schwierige Lebensanpassung handelt, die ein Gefühl des darunter Leiden erfüllt !

16.12.2019 18:12 • #13


V
Danke für eure Antworten!

Zitat von 111Sternchen222:
Nur wenn du ihn ausfüllst, weißt du was dabei raus kommt,

Da hast du sowas von recht
Ich habe gleich mal ein paar gegoogelt. Bei dem, den ich im Oktober ausfüllen sollte, ging es einfach nur um Symptome, die auf Depression, Angststörung, Zwangserkrankung oder Essstörung hindeuten und somit die Kostenübernahme durch die Krankenkasse rechtfertigen. Zu der Zeit ging es mir so gut, dass ich nahezu null Punkte in jeder Kategorie hatte. Also kein Grund für Therapie.
Im Depressionsfragebogen kriege ich jetzt wieder ganz gut was zusammen. Das ist okay.

Wenn ich mir dann aber diese Anamnesefragebögen angucke, stellen sich mir die Nackenhaare auf.
Die Fragen kenne ich aus meiner Klinikzeit (1989!) und ganz bestimmt würde ich die heute nicht mehr brav beantworten.

Zitat:
wenn es sich um eine schwierige Lebensanpassung handelt,

Eben darum gehts ja. Da kann ich nicht einsehen, was mein Verhältnis zu meiner Mutter damit zu tun hat. Und erst recht nicht, was mein Intimleben den Therapeuten angeht.
Wenn mir irgendso ein Psycho mit sowas kommt, dann knall ich ihm den Mist auf den Tisch und sag ihm, er soll sich erstmal selbst therapieren

oh je, ich glaube, ich bin eine verdammt anstrengende Patientin, Klientin, wie auch immer.
Vielleicht brauche ich eher einen Boxsack als eine Therapie.

Aber es tut gut, das hier mal rauszuhauen.
Danke euch

16.12.2019 19:54 • x 4 #14


A


Hallo ViolettaM,

x 4#15


Jedi
Zitat von ViolettaM:
Da kann ich nicht einsehen, was mein Verhältnis zu meiner Mutter damit zu tun hat.
Und erst recht nicht, was mein Intimleben den Therapeuten angeht.

Wer aber erkennt, dass seine Prägungen (Verhältnis zur Mutter), villt. sein Intimleben, für seine seelischen Probleme sorgen,
dann ist das bei einem Therapeuten bestens aufgehoben.
Denn durch die therapeutische Begleitung können wir unser Seelenleben od. gar psychische Erkrankung damit heilen,
bzw. zu Leben lernen !

Natürlich interessiert sich ein TP nicht, ohne das Du es zum Thema machst, für dein Intimleben !
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Zitat von ViolettaM:
Wenn mir irgendso ein Psycho mit sowas kommt

Die Arbeit eines Psychologen, eines Psychotherapeuten ist es, nicht eine Bein-Fraktur zu operieren,
sondern, wenn wir Hilfe benötigen, uns dabei zu helfen, wieder stabilität in unser Leben zu bekommen.
Zum Beispiel: mit einer Depression zurecht zu kommen, mit einem Burn Out oder anderer Psychischen Störungen.
Aber auch, können wir hilfe bekommen, wenn wir uns mal in einer Lebenskrise befinden, durch eine Trennung, einer schlechten Krankheitsdiagnose oder weil wir im Job, mit unserem Partner/in Probleme haben !
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Zitat von ViolettaM:
dann knall ich ihm den Mist auf den Tisch und sag ihm, er soll sich erstmal selbst therapieren

Kannst Du auch machen, zur jeder Zeit , eine Therapie beenden !
Also das ein TP sich ersteinmal selbst therapieren sollte, kannst Du ihm ja sagen, besser, man beendet einfach die Therapie,
ohne diese verletzenden Vorschläge !
Außerdem, ist ein solches Studium oder Ausbildung mit sehr viel Selbsterfahrung verbunden u. selbst Niedergelassene
Therapeuten/innen gehen regelmäßig zu einer Supervision !
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Zitat von ViolettaM:
ich glaube, ich bin eine verdammt anstrengende Patientin, Klientin,

Villt. hängt das von deiner persönlichen Haltung ab, indem Du einer Therapie-einem Therapeuten/in,
eine Chance gibst !
Zitat von ViolettaM:
Vielleicht brauche ich eher einen Boxsack als eine Therapie.

Wenn der Boxsack dir genau so gut helfen kann, wie eine professionelle Therapie, dann solltest du dich für den Boxsack so entscheiden !

Zitat von ViolettaM:
Aber es tut gut, das hier mal rauszuhauen

Ist auch völlig OK !

LG Jedi

16.12.2019 20:50 • x 2 #15

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