BurnOut Stufe 9 - was bedeuten diese Stufen?

P
Hallo zusammen,

Ich bin ♂, 44 Jahre, verheiratet und habe zwei Kinder (18 und 9).

Ich arbeite als Rettungsassistent und bin seit Jahren mehrfach ehrenamtlich tätig. (Mitarbeitervertretung, Vorstandsvorsitzender in einem Verein, gestalte die Vereinszeitung mit, betreue mehrere Internetseiten, bin nebenbei Hausmeister und fotografiere (eigentlich gern) als Hobby...).
Meine liebe Frau arbeitet seit 4 Jahren von Mo.- Do. auswärts (150km).
Rückblickend geht es mir schon ein paar Jahre net so gut.

Ich schob meine anfänglichen Probleme, wie Lustlosigkeit am Hobby, am Fußballverein, Versagensängste in meinem Beruf den ich seit 1993 ausübe, auf die vielbeschriebene Midlife Crises des Herrn ab 40. Insgesamt bin ich schon ca. 4 Jahre so unterwegs, mit Höhen und Tiefen. Langsam wird es aber für mich nicht mehr richtig steuerbar. Bin, wie ich heute las, auf der hier beschriebenen 12-Punktescala zum BurnOut mittlerweile auf der Stufe 9 angekommen. Ich leide (weiß nicht mehr genau wie lange) unter der beschriebenen Gefühlslosigkeit. Kann kaum noch Emotionen wahrnehmen/empfangen und bin extrem leicht gereizt. Versuche mir mit Internetaktivitäten (ebay) etwas Erleichterung zu verschaffen - nix. Habe oft kaum noch zu etwas Lust und will eigentlich nur noch meine Ruhe und irgendwo sitzen und vor mich hinstarren.

Seit ein paar Wochen aber habe ich nicht einmal mehr Lust auf intime Zweisamkeit. Ich bin kaum noch reizbar. Ich will jetzt etwas unternehmen. Kann mir jemand einen Tip geben wo ich anfangen soll?

Habe mir bis jetzt nicht so richtig eingestanden, dass ich Hilfe brauche (wie meine Frau schon lange meint) da ich andere Leute sehe, die vielleicht noch viel mehr um die Ohren haben als ich und das (jedenfalls nach außen hin) gut wegstecken und immer noch fröhlich sind. Da zeifelt man am eigenen Leistungsvermögen.

Berufsbedingt weiß ich leider wie man mit den seelischen Problemen von Leuten - oft auch aus Unwissenheit - umgeht.
Was sagt Ihr. Hausarzt, Psychiater, Psychologe oder erstmal Seelsorger?

So, genug getextet und Danke fürs lesen

Viele Grüße
Plumps

02.11.2010 17:06 • #1


uniquenessy
Hallo Plumps,

wenn du einen guten Draht zu deinem Hausarzt hast, würde ich ertsmal den aufsuchen.
Parallel kannst du ja schon mal Augen und Ohren nach einem Psychater/ Neurologen ausschauhalten ( Leider wartet man da sehr lange auf Termine).
Ich würde das auf jedenfall zeitnah mal in Angriff nehmen, die Symptome die du schilderst kommen hier sicherlich einigen bekannt vor.
Aber ne Diagnose können wir hier nicht stellen.

Außerdem klingt dein Kurzlebenslauf nach ganz schön viel Stress , wenn ich das mal so sagen darf
Dein Beruf bringt sicherlich auch einige nicht so gut zu verarbeitende Dinge mit oder?

Gruß
Uniquenessy

02.11.2010 17:20 • #2


A


Hallo Plumps,

BurnOut Stufe 9 - was bedeuten diese Stufen?

x 3#3


P
Vielen Dank für die schnelle Antwort

Beim Hausarzt habbichs schonmal anklingen lassen. Er hat nur gesagt wenn ich Hilfe brauche soll ich vorbei kommen. Aber ich glaube nur mit einem Krankenschein ist das Problem nicht gelöst.
Am Do. treff ich mich mit einem Bekannten. Er ist Neurologe. Ihm werde ich mal meine neuesten Probleme schildern. An die normale Gefühlslosigkeit gewöhnt man sich ja irgendwann aber wenns dann noch Gefühlsloser wird ist es nicht mehr schön wenn man es überhaupt als solches bezeichnen kann.
Ich hab halt auch schon gehört, BurnOut ist nicht heilbar. Man soll halt weniger arbeiten, alles nebenbei weglassen, aller 14 Tage ein Wellnesswochenende absolvieren - dann gehts weg.

Okay, da bin ich ja vielleicht auffm richtigen Dampfer. Ich werde ihm das mal schildern. ich muss jetzt wirklich mal was machen.

Viele Grüße
Plumps

02.11.2010 18:36 • #3


U
Das ist doch schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung:

Hilfe holen
Nich alles alleine schaffen zu wollen

Drücke die Daumen, das Du die Hilfe findest, die Du brauchst

02.11.2010 20:23 • #4


uniquenessy
Hallo Plumps,

ich habe in ertser Linie nicht an einen gelben Zettel gedacht,
sondern daran, dass viele Mesnschen einen besseren Draht zu Ihren Hausärzten haben,
als zu anderen. Damit ist schon mal ein gewisses Vertrauen vorhaden und man hat es leichter, etwas von sich preis zu geben.
Wenn du allerdings einen Bekannten hast, der Psychater oder nur Neurologe (?),dann ist dieser fachlich sicher Kompetenter.
Also ein guter Weg.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich kann selber derzeit ganz gut beobachten,
wie sich die Grenzen, bei Männern Anfang 40ig, zwischen Mitlifecrises und psychischen Problem verwischen.
Aber wenn du seölber dich zunehend unwohl fühlst, dann solltest du dir unbedingt Hilfe holen.

Sicher ist, dass wenn man erstmal im Kreis einer psychischen Krankheit gefangen ist, vieles nicht mehr so läuft wie früher.
Wo eine Tür zu geht, geht eine andere auf. Einen Weg gibt es immer.
Tribut muss man schon zollen, vor allem in dem Bereich Perfektion und dem Bild von sich selber und den eigenen Anspruchen.

Also halt uns, wenn du magst, auf dem Laufenden..

Gruß
Uni

02.11.2010 21:12 • #5


P
Hallo, da bin ich wieder,

nun habe ich doch meine alten Zugangsdaten wiedergefunden :-)
Nach nun fast einem Jahr wollte ich mich einfach mal wieder melden, da sich an meiner persönlichen Situation eigentlich nix geändert hat. Besser gesagt, in diesem ewigen Einheitsbrei aus grau, keiner Lust, Versagensängsten, Panikattacken, Schlafstörungen, der Überforderung in einfachen Dingen und der Gefühlslosigkeit gibt es Höhen und Tiefen.
Die Höhen werden nicht höher, aber die Tiefen tiefer.
Bin seit einem halben Jahr in Therapie und habe mich jetzt entschlossen die Reset-Taste zu drücken.
Werde dem Rat meiner Therapeutin und meines Hausarztes folgen und mich Krank schreiben lassen. Ich hoffe das bringt mich weiter.
Soll wohl dann auch medikamentös eingestellt werden.
Weiß nicht ob ich das bekommen soll aber hat von Euch schonmal einer das Medikament Cipramil ® verordnet bekommen bzw. hat damit Erfahrung?
Das wär`s erstmal...
Bis demnächst

Euer Plumps

01.09.2011 18:56 • #6


G
Mach dir keine Sorge um das Medikament. Sie können wirklich einem das Leben retten. Ich nehme zwar nicht Citalopram, sondern Sertralin, bin aber froh, dass ich damit wieder aus der Angst und den Depressionen rausgekommen bin. Und auch das Krankschreiben kann eine Besserung bringen. Denk auch daran, niemand zwingt dich dazu während der Krankschreibung das Haus geschweige denn das Bett zu hüten. Du solltest ruhig rausgehen und Spaziergänge machen. Halt alles, was dir gut tut und dir Kraft gibt. Das einzige was ich vielleicht dann lassen würde, wären ausgedehnte Zechtouren in diversen Kneipen. Aber das weißt du ja sicherlich selber.

Noch einmal zu den Medikamenten. Entgegen der landläufigen Meinung nach Antidepressiva nicht abhängig und verändern auch nicht die Persönlichkeit. Leider gibt es immer wieder einige Nebenwirkungen, die aber meistens mit der Zeit auch wieder abklingen. Ob es allerdings bei dir so wirkt, wie bei anderen kann keiner im Voraus sagen. Die Medikamente schlagen bei jedem anders an. Da heißt es leider nur ausprobieren, bis man das richtige gefunden hat. Und es dauert etwa 3-6 Wochen bis eine wirklich antidepressive Wirkung spürbar ist. Solange muss man leider aushalten.

Was ich auch noch erwähnen muss, das Symptom der Gefühllosigkeit bleibt leider am Längsten. Keine Ahnung wieso, aber ich habe das ganz oft auch schon von anderen gehört und gelesen und auch am eigenen Leibe erfahren. Aber es wird wieder besser. Nur Mut!

01.09.2011 19:07 • #7


P
Hallo ,

vielen Dank für die schnelle Antwort und den Guten Rat.
Ich muss jetzt wirklich was unternehmen. Die vegetativen Begleitsymptome werden immer fieser. Hatte heute den ganzen Tag ein ganz doofes Druckgefühl in der Brust Richtung Rücken. PANIK!!! Hinterwandinfarkt!!! War dann in der NA und hab mir den selbigen ausschließen lassen. 12-Kanal-EKG und Labor. - alles i.O. außer zu hohes LDL.
Der Druck ist aber immer noch da. Wie wenn man ein zu großes Bonbon verschluckt hat und es noch in der Speiseröhre steckt. Bin Hundemüde...
Hätte am WE Dienst gehabt. Hab mich erstmal abgemeldet...
So... wie nu weiter?
Montag zum Hausarzt und mir was aufschreim lassn.
Ich glaube ich brauche langsam auch was zur Beruhigung puh.
Das wär`s erstmal
Ich hau mich jetzt aufs Sofa und dann
GN8!
Viele Grüße Plumps

02.09.2011 19:40 • #8


JeanLucca
Hallo Plumps.

Wenn ich mir Deinen allerersten Post vom letzten Jahr durchlese dann denke ich das ich den auch geschrieben haben könnte. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ähnelte sich meine Situation damals sehr mit Deiner.
Ich habe allerdings ein bisschen länger gebraucht bis ich bereit war nach einer folgenden schweren Depression im letzten Jahr Hilfe anzunehmen.

Zitat von Plumps:
Weiß nicht ob ich das bekommen soll aber hat von Euch schonmal einer das Medikament Citalopram ® verordnet bekommen bzw. hat damit Erfahrung?
Ich nehme Citalopram. Das ist ein Antidepressiva, dass mich aus dem tiefen dunklen Loch geholt hat. Und es bewirkt das ich nicht wieder ganz tief falle. Durch die Einnahme bin ich erst fähig geworden Veränderungen durchzuführen.

Allerdings, und das betone ich, ist es ein Mittel das mir mein Dr verschrieben hat. Es gibt eine Menge an Medikamenten - weil es eben auch genausoviele verschiedene Situationen des Einzelnen gibt. Allein Dein Dr wird ein für Dich passendes Mittel auswählen (wenn überhaupt) und vielleicht noch ein paar Mal die Dosierung justieren. Sinnvoll ist immer ein enger Kontakt zum Dr., ihm also Rückmeldungen zu geben.

Wichtig finde ich, dass Du Deinem Dr Dein Innenleben auf den Tisch legst - ohne viel schönzureden. Ich kenne es von mir, das ich bei meinen ersten Arztbesuchen den Reflex hatte mein Problem zwar darzustellen aber auch runterzuspielen. Ich hab nicht viel nachgedacht dabei, aber heute weiß ich das ich wohl Stark sein wollte obwohl ich mich hilflos fühlte.

Lieben Gruß, JeanLucca

03.09.2011 07:45 • #9


P
Hallo JeanLucca,

danke für`s Mut machen mit den Medikamenten. Ich werde mich der Einnahme nicht (wie bis jetzt) entgegenstellen.
Werde mich drauf einlassen.
Zitat von JeanLucca:
Wichtig finde ich, dass Du Deinem Dr Dein Innenleben auf den Tisch legst - ohne viel schönzureden. Ich kenne es von mir, das ich bei meinen ersten Arztbesuchen den Reflex hatte mein Problem zwar darzustellen aber auch runterzuspielen. Ich hab nicht viel nachgedacht dabei, aber heute weiß ich das ich wohl Stark sein wollte obwohl ich mich hilflos fühlte.

Ja, hab ich schon gemacht. (denkichjedenfalls) Das ist gar nicht so einfach, weil man, wenn man`s schon erzählt auch irgendwie gleich ne Erklärung oder Entschuldigung mit absondert.
Aber eigentlich hat man ja gar keine Erklärung für das alles - sonst wär man ja nicht dort.
Es ist zum, weißauchnet

Viel Grüße Plumps

03.09.2011 19:26 • #10


JeanLucca
Hallo Plumps.

Zitat von Plumps:
Ja, hab ich schon gemacht. (denkichjedenfalls) Das ist gar nicht so einfach, weil man, wenn man`s schon erzählt auch irgendwie gleich ne Erklärung oder Entschuldigung mit absondert.
Jepp, genau so. Mir fällt es immer noch nicht leicht auch wenn ich so locker flockig darüber schreiben kann. Ich glaube das dieser Reflex nicht nebenbei auftritt sondern irgendwie mit dazugehört und mich in meinem Leben schon lange begleitet (hat).

Lieben Gruß, JeanLucca

04.09.2011 07:17 • #11


P
UiUiUi, mir geht`s von Tag zu Tag schlechter.

Früh gings, aber dann kamen meine Eltern die gehört hatten, dass ich krank sei.

Ihnen musste ich ja auch mal alles erzählen. Dabei gings mir richtig dreckig. Weil - ich ja erklären musste, warum ich meinen Eltern nicht schon viel eher was gesagt habe und es kam der Vorwurf/Enttäuschung mütterlicherseits, warum ich nicht bei ihnen Hilfe gesucht habe. So auf die Art: das kann ja wohl nicht wahr sein, dass ich zum engsten Familienkreis kein Vertrauen habe.

Während dieser (leider) Diskussion und danach hatte ich wieder heftigen Thoraxschmerz und war einer Kreislaufdysregulation ziemlich nahe.

Als sie wieder weg waren musste ich ne gute Stunde in der Wohnung hin und her laufen und das Treppenhaus auf und absteigen um wieder runter zu kommen. Versuche mich abzulenken.

Viele Grüße und ruhigen Sonntag noch...

Gruß Plumps

04.09.2011 14:21 • #12


JeanLucca
Hallo Plumps.

Zitat von Plumps:
Versuche mich abzulenken.
Ich hoffe Du konntest noch ein bisschen zur Ruhe kommen. Für heute beim Dr. drück ich Dir die Daumen.

Lieben Gruß, JeanLucca

05.09.2011 05:19 • #13


P
MoinMoin,
so, bin jetzt erstmal bis 23.9. krank geschrieben. Habe es jetzt jedem in meinem Umfeld erzählt. Hätte nie gedacht, dass mich das alles noch weiter runter zieht. Hatte gestern für mich grundlose, zum Glück kurze, Panikattacken die ich selber wieder in den Griff kriege. Das alles macht mich sehr wuschig. Auch die Krankenbesuchswünsche von Bekannten und Freunden machen mich noch alle! Ich will meine Ruhe! Die meinens ja nur gut!
Bin auf Citalopram 20 früh und abends eine halbe Tablette eingestellt. Bin ja gespannt wann und ob man da was merkt. Lorazepam 1mg nach Bedarf (brauche ich hoff. nicht).
Und habe jetzt noch ne Überweisung zum Psychiater.

Viele Grüße
Plumps

06.09.2011 07:43 • #14


A


Hallo Plumps,

x 4#15


Schlafmuetze
Ich finde es sehr gut, dass du dir Hilfe gesucht hast! Ist es nicht befreiend frei heraus mitzuteilen was einem fehlt? Das versteckspiel hat mich am ehesten ermüdet!
Gib dir ein bisschen Zeit, bis die Medikamente wirken wird es noch ein wenig dauern. Hab geduld - der erste Schritt ist getan!

06.09.2011 10:26 • #15

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