Citalopram von 20mg auf 30mg erhöhen? Tief nach Klinik

F
Guten Abend,

ich habe mich eben kurz vorgestellt.

Ich bin nun eine Woche wieder nach einem dreieinhalbmonatigen Klinikaufenthalt zu Hause. Ich wusste, dass ich zu Hause wieder in ein Loch fallen werde, aber ich dachte nicht, dass es so heftig ist. Vollkommene Müdigkeit am Tag, sehr schlapp und antriebslos. So ca. 4 Stunden am Tag bin ich zu gebrauchen und beschäftige mich mit Alltäglichem. Ich war schon bei meiner Hausärztin, habe einen ersten Therapeuten-Vorstellungstermin hinter mir und zwei weitere vor mir, war beim Friseur und war einkaufen. Frühstück habe ich erst einmal geschafft, sonst gibts nur Müsli, abends gekocht habe ich noch gar nicht, es gibt nur Pizza oder Kleinigkeiten. Meine Koffer habe ich noch nicht ausgepackt, habe ja noch genug Sachen im Schrank. Post und Rechnungen erledigt, ja.

Will sagen, es ist enorm mühevoll, irgendwie den A. hochzubekommen. Schlafe mindestens 2 mal 2 Stunden am Tag, manchmal länger und bin heute ausnahmsweise mal nicht auf dem Sofa, sondern vorm PC.

Meine Medikamentenumstellung auf Citalopram ist erst 4 Wochen her. Dennoch neige ich dazu, statt der 20 mg schon mal auf 30 mg anzuheben, 60 mg wäre max.

Wenn es nicht besser wird, überlege ich, mir einen Platz in einer Tagesklinik zu suchen, um gezwungenermaßen geregelte Tagesaabläufe hinzubekommen. Hat jemand Erfahrungen, ob das einfach möglich ist nach so einem langen stationären Aufenthalt, wenn es die Klinik selbst nicht im vorläufigen Bericht als Option aufgeführt hat?

12.12.2012 22:24 • #1


miezelina
wenn es nötig ist, kann dich Dein Arzt (am Besten ein Facharzt) jederzeit in eine Klinik (auch Tagesklinik) einweisen. Es ist egal, wann du zuletzt in der Klinik warst. Leider haben die meisten Tageskliniken jedoch auch Wartezeiten. Das kennst du sicher ja noch.

Gib dir aber auch ein bischen Zeit. Nach der Klinik ist es immer schwer, besonders wenn man so lange weg war. Dennoch würde ich mir eine Einweisung und einen Platz in der Tagesklinik besorgen. Wenn es dann soweit ist, kannst du ja schauen, ob es zu dem Zeitpunkt für dich passt.

Alles Gute -

Miezelina

13.12.2012 12:06 • #2


A


Hallo Frankfragt,

Citalopram von 20mg auf 30mg erhöhen? Tief nach Klinik

x 3#3


T
Hallo Frankfragt,
ich kenne das auch nur zu gut mit dem Loch nach der Klinik. Wie Miezelina schon schreibt ist es nach so einem langen Klinikaufenthalt immer schwer zurückzufinden. Während dem Klinikaufenthalt ist man in einem geschützten Rahmen hat immer Ansprechpartner usw.
Gib Dir selbst die Zeit dich wieder zu aklimatisieren, sei nicht zu streng mit Dir selbst. Und wie Du schreibst hast Du ja wirklich schon einiges geschafft nach der Klinik und darauf kannst Du stolz sein !

Dennoch finde ich den Vorschlag gut mit Deinem Arzt zu reden, hast Du einen Facharzt ? Und Dich dann in eine Tagesklinik einweisen zu lassen. Es gibt meistens Wartelisten.
Gibt es denn in Deiner Nähe vielleicht eine Tagesstätte für psychisch Kranke wo Du mal hingehen könntest ? Dann wärst Du nicht alleine und hättest auch jemandem zum Reden, was Dir ja in der Klinik gut getan hat schreibst Du.
Solltest Du noch keinen Facharzt (Psychiater) haben, würde ich Dir, ist nur meine Meinung, empfehlen Dir einen zu organisieren. Auch der kann in Notfällen dann agieren und Dir helfen.

Ich hoffe ich konnte Dir ein bißchen weiter helfen.

Viele Grüße
Trauerklößchen

13.12.2012 12:27 • #3


Schneckchen
Hallo Frank,

ich war erst in einer Tagesklinik, weil ich der Meinung war, dass ich mich nicht von der Familie lösen kann, um eine stationäre Behandlung zu starten. Nach der Tagesklinik kam ich aber um keinen stationären Aufenthalt mehr hin, zumal zwei von den Therapeuten, die ich in Hannover/Isernhagen besucht habe, mich nicht therapieren wollten, da sie der Meinung waren, dass ich nicht therapiefähig sei.

Daher ging ich dann doch in eine Klinik und meine Familie hat es tatsächlich fabelhaft (mit viel Unterstützung meiner Mutter) auch ohne mich geschafft.

Nach der Rückkehr hatte ich den Vorteil, dass da jemand war und ich bis heute eine Freundin (meine beste Freundin) aus der Tagesklinik hier hatte.

Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen, aber die Angst vor der Arbeit und anderen Menschen nahm nicht ab. Ich habe mir Zeit gelassen und nur das gemacht, was ging. Habe mir teilweise Tagespläne gemacht und eine Ergotherapie, damit ich zweimal die Woche morgens früh aus dem Bett musste.

Ich habe auf einmal mehr geschafft, als ich noch einen Monat vorher gehofft hatte und es ging stetig (natürlich mit Löchern) voran, sodass ich dann sogar unbedingt wieder arbeiten wollte. Hier stoppten mich die Therapeutin und die Ärzte, da ich in meinem Überschwung zu Wollen kläglich versagen würde. Das ist dann auch einmal passiert, aber 3 Monate später stand ich wieder in der Wiedereingliederung (tolles Modell, um einen Start in die Arbeit langsam - ohne Kosten für den Arbeitgeber - zu starten).

Heute? Heute lebe ich mit der Depression und den sonstigen Erkrankungen - mal besser, mal schlechter; mal schaffe ich sehr viel, mal liege ich im Bett, weil ich nachts nur Alpträume hatte u. s. w. Aber im Allgemeinen merkt mir keiner an, womit ich teilweise kämpfe, weil ich wieder soviel Kraft habe, dass es nur den Nahestehenden auffällt, dass ich erst auf 80% laufe, weil ich früher unbedingt immer zeigen musste, dass ich 120% erbringen kann.

Warum ich Dir das alles schreibe?

Damit Du auch siehst, dass man Geduld und Ideen zur Veränderung braucht, aber alles Schritt für Schritt. Feiere Deine Erfolge. Mach Dir Pläne mit kleinen Schritten (Wochenplan o. ä.) und genieße Deine zurückgewonnenen Fähigkeiten. Vergiss nicht, was Du gerade alles gelernt hast in der Klinik. Das habe ich nur allzu gern zur Seite geschoben. Geh raus und wenn es nur erst die Runde um den Block ist.

Was ich toll finde, ist dass Du die wichtigen Sachen (Post) schon/noch unter Kontrolle hast. Sei stolz darauf!

LG von Schneckchen, die jetzt sogar (hoffentlich dauerhaft) ohne Therapeutin, aber noch mit Medikamenten lebt.

P.S. Die Medis, die Du nimmst reißen Dich bis zur vollständigen Eingewöhnung teilweise aus dem Sockel. Das ist normal.

14.12.2012 09:35 • #4


F
Vielen Dank für eure tollen Antworten,

heute hat eine Therapeutin einen ersten Kennenlern-Termin krankheitsbedingt abgesagt. Na ja, kann passieren in der Jahreszeit. Nun muss ich im Januar weiter suchen, einen Therapieplatz für Anfang März hätte ich ja ggf. bei einer anderen Therapeutin.
Aber so bin ich wenigstens jetzt schon wach... :) Vielleicht sollte ich jeden Morgen um 6.30h aufstehen, egal wie mies die Nacht war. Heute Nacht, nur weil ich wusste dass ich früh raus muss, war der Schlaf wieder sehr schlecht und ich habe schon wieder von der Arbeit geträumt in skurillen Zusammenhängen, aber von Menschen, die ich nicht sehen will.

Ich vermute mal, vor dem Januar passiert bei mir nichts mehr. Ich habe eigentlich nur eine sehr gute Hausärztin, die irgendwie voll stolz auf mich, weil ich in diesem Jahr alles bzw. mich in die Hand genommen habe. Den Facharzt in der Praxis für Neurologie und Psychiatrie habe ich erst zweimal gesehen, es ist viel zu schwer, einen Termin zu bekommen. Man hat zwei Tage in der Woche wo man morgens zwischen 8 - 8.30h anrufen kann. Da ist meistens besetzt oder es sind die freien Termine dann schon vergeben. Feste Termine dauern so ca. 2 Monate. Aber nun ja, damit muss man sich wohl abfinden.

Tagesklinik und/oder Ergotherapieplätze versuche ich dann auch mal ab 02.01. Glaube nicht, dass um Weihnachten da was möglich ist, da haben ja viele Urlaub.

Ich werde weiter die kleinen Schritte gehen. Was mich noch umtreibt ist die Frage, wie ich das mit dem Job lösen soll. Im Moment fühle ich mich wegen der Abgeschlafftheit und Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit und den schlechten Nächten überhaupt nicht in der Lage, zu arbeiten. Meine Ärztin schreibt mich zwar krank, aber bald wird sich sicher wieder der sozialmedizinische Dienst der Krankenkasse melden und die wollen mich sicher in eine Wiedereingliederung schieben. Vielleicht werden die Symptome auch besser durch die Wiedereingliederung, aber ich werde da auftauchen mit enormen Defiziten, was viele als gefundenes Fressen für erneutes Mobbing und Demontage meiner Person nutzen werden.
Ich habe aber noch das größte Problem, dass ich unabhängig davon immer noch Angst habe, dort arbeiten zu gehen. Ich bin jetzt fast 7 Monate Arbeitsunfähigkeit. Ich muss die Frage beantworten, will ich mich wieder quälen, ständig Angst haben, und der Gefahr aussetzen wieder krank bzw. noch kranker zu werden oder ist mir meine Gesundheit wichtiger? Das Problem ist natürlich auch das Geld. Ein anderer Job wird schwierig in meinem Alter und dort wo ich jetzt arbeite, habe ich einen Stempel im Lebenslauf, wo mich sicher so kein anderer Arbeitgeber haben will. Und ich befürchte, dass ich auch in einem anderen Job über kurz und lang die gleichen Probleme habe. Und dann wäre ich rechtlich ungeschützter und könnte schnell gekündigt werden, was jetzt nicht so einfach möglich ist.
Ich überlege auch schon, ob ich nicht einen Rentenantrag (EU) stellen soll, aber das ist ja sicher auch nicht einfach und das Verfahren dauert ziemlich lange, was ich gelesen habe. Man bekommt wohl bei Depressionen immer erst eine Ablehnung und muss dann sich auf schwierige Prozesse mit Gutachtern usw. einstellen. Da mir meine Erkrankung immer noch peinlich ist und ich selbst gar nicht weiß, warum nun alles so ist, wird das auch wohl sehr schwer bzw. fast unmöglich. Hat jemand von euch Erfahrungen mit solchen Dingen?

So, nun bin ich zwar nicht viel weiter, aber versuche jetzt den Tag noch gut zu nutzen. Es ist schön, hier schreiben zu können und Antworten / Gedanken von euch zu erhalten. Danke!

LG Frank.

20.12.2012 09:10 • #5


Tussideluxe
Hallo Frank,

sehr wichtig ist ein geregelter Tagesablauf. Aufstehen und Schlafengehen, möglichst immer zur selben Zeit. Egal wie müde du bist. Sonst ist die Struktur schnell futsch. Falls einschlafen gar nicht möglich ist, rede mit deinem Facharzt/Hausarzt über eine möglichkeit der Medikamentenumstellung. Erfahrungsgemäß kommt der Rhytmus wieder. Bis dahin, musst du einen Ablauf festlegen an den du dich halten kannst.

Einen Rentenantrag kannst du stellen. Ob der immer erst mal abgelehnt wird, ist nicht erwiesen. Das schieb mal weg. Man neigt dazu sich selbst falsch einzuschätzen.
Aber beantworte dir die Frage: Bin ich zu krank oder habe ich keinen Mut? Will heißen: Gebe ich präventiv auf, aus Angst vor dem was ich erwarte (was niemals bewiesen ist, bevor es geschehen ist!) oder ist meine Arbeitsfähigkeit auf weniger als 3 Stunden am Tag eingeschränkt (bzw. auf unter 6 Stunden bei halber Erwerbsminderungsrente)?

Ich verstehe wie du dich in Bezug auf den Arbeitsplatz fühlst. Nur ist es keine Lösung, das ist es niemals, aufzugeben. Lass dir nichts weg nehmen und nimm dir selbst nichts weg. Rente heißt auch, sich in Gänze auszuklinken aus allem, was dich in der Gesellschaft hält. Bei Erwachsenen ist das nun mal zu einem großen Teil die Arbeit, die den Alltag und auch das soziale Leben bestimmt. Seien es Kontakte oder das Geld das einem ein angenehmes Leben ermöglicht. Rente ist wenig Geld...

Defizite kann man ausgleichen, und zwar schon im Vorfeld! Du kannst Maßnahmen auch vom Rentenversicherungsträger erhalten. Kur, Reha, Umschulung und Wiedereingliederung. Lies dir mal die Seite deiner zuständigen Rentenversicherung durch. Wenn es die Rentenversicherung Bund ist, die haben für Fragen einen anonymen Chat. Am besten ist auch, du hast den VDK oder einen anderen Sozialverband im Rücken bei der Antragstellung... Die sind für dich da. Sowas braucht man in so einer Lage.
Nur will ich dir raten, überlege gut, was du da aufgibst!

Liebe Grüße
Tussi

28.12.2012 22:27 • #6


F
Zitat von Tussideluxe:
Aber beantworte dir die Frage: Bin ich zu krank oder habe ich keinen Mut? Will heißen: Gebe ich präventiv auf, aus Angst vor dem was ich erwarte (was niemals bewiesen ist, bevor es geschehen ist!) oder ist meine Arbeitsfähigkeit auf weniger als 3 Stunden am Tag eingeschränkt (bzw. auf unter 6 Stunden bei halber Erwerbsminderungsrente)?

Hallo Tussideluxe,
im Moment ist meine Arbeitsfähigkeit ziemlich eingeschränkt, aber sicherlich wäre einiges wiederherstellbar, also insbesondere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Aber zu welchem Preis? Klar ist es auch erst einmal Angst. Es ist aber auch vor allem die ziemliche Gewissheit, dass ein erneutes sich am Riemen reißen, alles geben, sportliche Herausforderungen meistern - verbunden mit Mobbing, Stellenabbau und erhöhtem Druck, fehlender Akzeptanz meiner Qualitäten und Tätigkeiten usw. - mich ziemlich schnell wieder aus dem Ruder schmeißen würde. Dann vielleicht noch schlimmer. als bisher... Das sind so meine Gedanken, ich möchte mich schützen.

Zitat von Tussideluxe:
Ich verstehe wie du dich in Bezug auf den Arbeitsplatz fühlst. Nur ist es keine Lösung, das ist es niemals, aufzugeben. Lass dir nichts weg nehmen und nimm dir selbst nichts weg. Rente heißt auch, sich in Gänze auszuklinken aus allem, was dich in der Gesellschaft hält. Bei Erwachsenen ist das nun mal zu einem großen Teil die Arbeit, die den Alltag und auch das soziale Leben bestimmt. Seien es Kontakte oder das Geld das einem ein angenehmes Leben ermöglicht. Rente ist wenig Geld...

Ersteres ist ein Problem, aber das muss ich sowieso lösen. Ich werde meine Famile (Arbeit, Arbeitskollegen) nie wieder lieben wollen und somit will und werde ich da keine sozialen Kontakte mehr aufrecht erhalten. Das ist definitiv. Vielleicht mit 1-2 Ausnahmen, die mir aber auch danach erhalten bleiben. Ich schreibe deswegen Familie, weil es kein normaler Job ist. Arbeite in einer Organistaion, in der ich seit dem 17. Lebensjahr groß geworden bin, erst ehrenamtlich, dann nach dem Studium hauptberuflich. Hatte dort alle Erfolge, alle Anerkennung, war oft als Überflieger unterwegs, alle sozialen Kontakte, mein Denken und Handeln, ist über diese Entwicklung definiert. In den letzten zehn Jahren hat sich das schleichend verändert, in den letzten drei Jahren und im letzten Jahr ganz massiv. Also eigentlich könnte ich noch arbeiten nach Wiedereingliederung, nur nicht in diesem Job. In andere Jobs komme ich aber nicht rein, bin erstens zu alt, zweitens kann ich das am besten, was ich jetzt tue (alles andere wäre neuer Stress) und drittens arbeite ich einer Organistaion mit schlechtem Ruf in der freien Wirtschaft, da würde mich nie jemand nehmen. Darüber hinaus hätte ich nirgendwo einen vergleichbaren Verdienst, sonder höchstens nur 2/3, aber da bekäme ich schon mehr an EU.
Klar darf ich nicht zu Hause untätig rumsitzen. Ich könnte weiter ehrenamtlich arbeiten oder ganz andere Dinge tun. Dann möchte ich mich wieder um eine Partnerschaft kümmern, vier Jahre ohne reichen mir jetzt.

Die Frage des Geldes muss ich klären. Das gehe ich jetzt an. Hatte im letzten Jahr ein automatisiertes Kontoschreiben erhalten, nachdem ich im Falle von EU ca. 72% meines Netto bekäme, dann habe ich noch eine private BU-Versicherung, wo ich noch rausbekommen muss, ob die auch bei EU zahlen. Was ich nicht weiß, wie stark sich eine EU auf meine spätere Altersrente auswirkt, da ich ja dann keine Beiträge (?) oder weniger Beiträge (?) noch entrichte. Darf man bei EU eigentlich überhaupt nichts hinzuverdienen oder gibt es da einen geringfügigen Wert?

Zitat von Tussideluxe:
Defizite kann man ausgleichen, und zwar schon im Vorfeld! Du kannst Maßnahmen auch vom Rentenversicherungsträger erhalten. Kur, Reha, Umschulung und Wiedereingliederung. Lies dir mal die Seite deiner zuständigen Rentenversicherung durch. Wenn es die Rentenversicherung Bund ist, die haben für Fragen einen anonymen Chat. Am besten ist auch, du hast den VDK oder einen anderen Sozialverband im Rücken bei der Antragstellung... Die sind für dich da. Sowas braucht man in so einer Lage.
Nur will ich dir raten, überlege gut, was du da aufgibst!


Ja, in den nächsten 2-3 Wochen werde ich mich darüber informieren und dann abwägen.
Vielen Dank für deine Tipps!

Viele Grüße,
Frank.

03.01.2013 15:14 • #7


S
Hallo Frank,

Ich hoffe, ich wiederhole nicht das was meine Vorgänger geschrieben haben. Hatte leider keine kraft alles durchzulesen.
Jedoch möchte ich dir Mut machen. Bitte gebe dir noch ein wenig zeit!

Mir ging es genauso nach meinem Aufenthalt ich wollte auch einfach nur zurück.
Du musst jetzt alles erst sacken,ein erneuter klinikaufenthalt koennte zu viel werden.aber eine weitere Therapie und Begleitung eines therapeuten ist Pflicht.

Du wirst in der Klinik unheimlich viel gelernt haben, doch es ist noch nicht greifbar. Kommt alles mit der zeit, so war es zumindest bei mir. Wuensche dir alles gute!

12.01.2013 18:11 • #8


F
Hallo,

wollte mich mal wieder melden. Es eine ganze Menge Zeit vergangen, aber eigentlich nicht sehr viel passiert.

Die Therapeutensuche hat ein Ende. Ich habe nach 4 Probesitzungen jetzt einen gefunden, der auf mich auch einen guten Eindruck macht. Bin jetzt im 2-Wochen-Rhytmus und kann bald wöchentlich. Bewilligung der Krankenkasse steht zwar noch aus, aber ich glaube nicht, dass es da Probleme gibt.

Meine Antriebslosigkeit hat sich gebessert, läuft aber in Phasen immer noch sehr schleppend. Ich habe die 50% noch nicht überschritten. Letze Woche war wieder sehr schlimm, war so oft müde bis zum umfallen und bin dann auch umgefallen. Samstag war ich unter Menschen, habe bei einem Umzug ein wenig geholfen und Sonntag war ich komplett platt. Heute geht es.

Meine Stimmung ist wieder im Aufwind, hatte leider nach einer kurzen Verliebtheitsphase nach vier Wochen gleich einen brutalen Dämpfer bekommen - ganz plötzlich und unerwartet hat sie wieder Schluss gemacht, obwohl es so toll und einfühlsam und gefühlsam war. Hat mich runtergezogen, aber ich lerne gerade, mich gedanklich zu lösen. Sie hat eine BPS und wahrscheinlich liegt es daran, was mir dennoch alles sehr leid tut. Aber ich kanns nicht ändern und muss nach vorne sehen.

Die vielen guten Vorhaben habe ich noch nicht angefangen. Es nervt, dass ich immer noch so viele Ziele habe, aber nichts anfange.

Ich lese jetzt jeden Tag. 2 mal 15 Minuten. Vielleicht auch mehr, aber das ist Minimum. Es fällt immer noch schwer, konzentriert zu bleiben.

Hauptproblem ist nach wie vor die Zukunft. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dort zu arbeiten, wo mir alle so weh getan haben. Es war meine Familie und kann und will niemanden mehr sehen, erst Recht nicht mit denen reden. Daran will der Therapeut mit mir arbeiten. Aber der medizinische Dienst der Krankenkasse wird bald sicher weiter Druck machen wegen Wiedereingliederung. Ich glaube, am besten wäre, ich versuche einen Rentenantrag, habe mich aber noch nicht entschlossen, weil ich Angst vor dem Entschluss habe einerseits, andererseits denke ich, bin ich dann die Last los.

Doof ist auch, dass ich ziemlich abgeschottet bin. Lebe ja alleine. Einerseits kann ich mich so ganz gut verstecken, andererseits wäre es besser, mehr unter Menschen zu kommen und mehr zu reden, zu kommunizieren.

Alles in allem, es geht langsam voran, leider sehr langsam, und ich hoffe einfach mal, dass die Zeit hilft.

Viele Grüße
Frank.

18.03.2013 12:59 • #9


achtsamkeit
Hallo,
da hat sich doch eine Menge positives bei dir getan! Glückwunsch!
Wie lange bekommst du denn noch Krankengeld. Das läuft ja auch dann aus. Bist du beim Arbeitsamt gemeldet?
Hast du schon einmal über eine Umschulung nachgedacht?
In einer Reha, die vor der Rentenbewilligung steht, wird ja deine Arbeitsfähigkeit geprüft, vielleicht findest du dort auch den Hinweis zu einer Tätigkeit, die du bewältigen kannst.
LG Achtsamkeit

18.03.2013 14:12 • #10


S
Hallo Frank,

ich war etwa 9 Wochen in einer Tagesklinik und bin nach einer 4-wöchigen Wiedereingliederung auch wieder in ein Loch gefallen. Im Moment habe ich Urlaub und habe jetzt schon wieder Angst vor'm arbeiten....vermutlich, weil ich es mir einfacher vorgestellt habe. Mich plagen seit 3 Wochen Unruhen und Nervosität und die ständige Angst, ob ich wieder 8 Stunden arbeiten kann. Ich hab keinen Appetit mehr, viele Symtome sind wieder da und ich muss mich zu allem aufraffen.

Meine Therapeutin hat gesagt, dass es ist nichts ungewöhnliches ist, wenn es Einem nach einem Klinikaufenthalt erstmal wieder schlechter geht. Mir z.B. fehlen die Gespräche mit den anderen von der Klinik. Es war für mich eine extreme Umstellung (trotz Tagesklinik) und ist es jetzt noch. Ich habe immer das Gefühl: lauter aktive, leistungsfähige Menschen um mich herum und ich mittendrin, der man äußerlich nichts anmerkt, aber im innern sieht's da mal ganz anders aus.

Zitat:
Doof ist auch, dass ich ziemlich abgeschottet bin. Lebe ja alleine. Einerseits kann ich mich so ganz gut verstecken, andererseits wäre es besser, mehr unter Menschen zu kommen und mehr zu reden, zu kommunizieren


Ja, so geht es mir auch....das schon blöd.

Ich werde jetzt erstmal testen, ob ich die 8 Stunden arbeiten bewätige und dann sehe ich weiter....nur das Ungewisse, falls ich es nicht schaffen sollte, macht mich ganz fertig.....eine Option wäre: vorübergehend nur Teilzeit zu arbeiten, vielleicht wäre das auch was für dich oder wie Achtsamkeit schon geschrieben hat evtl. eine Umschulung.

Wünsch dir alles Gute!

Lg
sunbeam

30.03.2013 16:50 • #11


S
Ich habe die Angst sogar, wenn ich mal ein paar Tage frei hatte und nicht auf der Arbeit war oder wenn ich mal krankgeschrieben bin wg nem Infekt. Es ist ein ständiger Kampf, doch ich denke dass wir alle die Kraft haben es zu besiegen. Allein in die Klinik zu gehen und sich dem Ganzen zu stellen zeigt,wieviel Kraft wir eigentlich haben,von der wir nix wissen...

03.04.2013 21:26 • #12


F
Hallo und vielen Dank auch noch für eure Antworten.

Wieder ein Monat rum und irgendwie drehe ich mich etwas im Kreis. Habe viel gelesen, denke viel nach und glaube irgendwie mehr die Kernbereiche meiner Probleme schon ganz gut zu kennen. Hauptproblem ist aber die praktische Umsetzung. Packe fast nichts an, auch die dringenden Dinge lasse ich schleifen und wenn, bleibe ich nicht an der Sache. Mir gelingt zu wenig, die Berge werden immer größer und das alles beunruhigt mich wieder.

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie habe ich jetzt 8 Sitzungen hinter mir, nach 5 Probesitzungen habe ich nun seit 3 Wochen fest einmal pro Woche einen Termin. 50 wurden genehmigt von der Krankenkasse. Nun habe ich ja schon einiges zuvor in der Klinik gelernt, aber immer bin ich noch mit Neuem in der Analyse konfrontiert. Es ist anstrengend und danach bin ich oft ziemlich aufgewühlt.

Mein Hauptproblem ist meine Arbeitsthematik. Sie war Auslöser für einen Burnout, wobei dann auch erst die Depression erst sichtbar wurde. Es geht nicht um die Arbeit an sich, sondern um die Menschhen und die Umstände dort. Noch genauer, habe ich keine normale Arbeitsstelle, sondern habe mich ab dem 17. Lebensjahr nach meinem coming out (vom vernachlässigten, zurückgezogenen, wenig geliebten und problembehafteten Kind/Jugendlicher) sehr intensiv und engagiert mit dieser Tätigkeit persönlich identifiziert, habe mich in einem anderen Beruf aber schon ehrenamtlich erfolgreich betätigt, sozial, an Werten und Gerechtigkeit engagiert, dabei Erfolge gehabt, Aufstieg, Gunst, Lob, Liebe, Aufmersamkeit, Bestätigung durch die besten Wahlergebnisse usw. Mit 27 dann in die hauptberufliche Tätigkeit gewechselt mit weiterer Karriere, Erfolge, immer vorne dabei, immer mehr Perfektinismus usw. In einer Familie mit Arbeitskollegen, Freunden bundesweit tätig. Habe mich mein ganzes Leben lang darüber definiert, mit den Zielen und Werten identifiziert und mich wohl gefühlt, auch weil ich dort meine Bestätigungen bekam. Das war in den letzten 10 Jahren immer schwerer. Veränderungen, immer weniger Personal, immer mehr Aufgaben und Verantwortung, trotz toller Reputation außen immer Kritik und uNzufriedenheit innen, Mobbing, Stress, Seilschaften, Intriegen, keien Wertschätzung, Vorgesetze die nicht einschätzen konnten was ich tat, Mutierung zum Bedenkenträger, der den unprofessionellen schnellen Aktionismus kritisierte, was dann immer wieder mehr Arbeit einbrachte. Unzufriedenheit, nur persönliche Angriffe, keine Liebe, keine Bestätigung mehr - meine Familie hat mich zerstört.
Es geht bei mir also nicht nur um Überlastungssyndrome, sondern um den kompletten Verfall meiner bisherigen Identität. Ich glaube immer weniger, dass ich dort noch einmal arbeiten kann.
Im Moment kann ich es auch noch nicht wegen der Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche und der Schlafstörungen und immensen Schlafbedarf am Tage.

Ich wollte schon resignieren und mich einfach wieder da reinstürzen und sehen, wie ich mich durchfummele. Mein Psychiater hat mir aber massiv davor abgeraten. Es müssten noch wesentliche Verbesserungen eintreten, bevor eine Wiedereingliederung versucht werden kann. Vor August/September sieht er das aus heutiger Sicht nicht, es könne auch wesentlich länger dauern. Auch die Gutachter beim Medizinischen Dienst der Kasse halten noch die Füße still, obwohl die Gespräche dort alle zwei Monate meist ziemlich nervend sind.

Ich bin jetzt seit Juni 12 Arbeitsunfähigkeit, hatte im Juli zwei Wochen Akutklinik, Ende August bis Anfang Dez. Klinik und im Dez. und Jan. das beschriebene Loch danach. Das ist jetzt zwar besser, aber eben noch ziemlich schlecht.

Die Albträume über irgendwelche skurile Arbeitssituationen mit ganz präzisen Erinnerungen an Personen und Gesprächsverläufe sind fast täglich. Allerdings schlafe ich wieder ein und bleibe nicht wach wie früher. Es gelingt mir mich zu beruhigen, da die Bedrohungslage nicht akut ist.

Ich vermeide jeden Kontakt mit ehemaligen Arbeitskollegen (auch solchen, die fast den Status Freund haben) mit einer Ausnahme. Irgendwie geht das nicht, nicht nur, weil ich nicht über meine Krankheit reden möchte oder weil ich weiß, dass wenig Verständnis für diese Erkrankung bzw. die Arbeitsunfähigkeit besteht, sondern auch weil alle und alles was mit dem Laden zu tun hat, mir als enorme Bedrohung erscheint und ich mich von all dem abwenden will. Deswegen habe ich auch kaum noch Kontakte, weil ich wenige Freunde außerhalb habe. Dadurch bin ich ziemlich einsam, habe keine Unterstützung, was alles erschwert.

Nun stehe ich ernsthafter vor der Überlegung, nicht zuletzt auch ausgelöst durch meinen Psychiater, einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente, zumindest befristet, zu stellen. Das ist eine schwere Entscheidung. Dagegen spricht vor allem der Statusverlust, habe eine führende Stellung bisher im Beruf gehabt und Rentner ist irgendwie seltsam. Natürlich muss das ja auch erst bewilligt werden, wovor mir auch schon graut. Momentane Krankengeldzahlung läuft ja noch bis Dez. 2013, Rente wäre wohl ca. nur 85% meines bisherigen Netto, abzüglich Steuern. Allerdings dürfte ich geringfügig was hinzuverdienen.
Aber danach könnte ich besser an mir arbeiten, an der Bewältigung meiner Probleme und Defizite, könnte mich auch freier bewegen, ohne Angst vor Kontakten mit ehemaligen haben zu müssen, könnte meine Skills trainieren, an positiver Entwicklung arbeiten, die Belastung Arbeitssituation ausblenden.
Das ist meine größte Baustelle, die ich in den nächsten ein bis zwei Monaten beackern muss.

Der zweite Bereich ist Schlafproblematik, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche. Und der schlechten Bewältigung der Alltagsaufgaben. Länger als zwei bis Stunden könnte ich eh nicht arbeiten im Moment, bin vollkommen kaputt. Kann keien längeren Texte mehr lesen bzw. brauche mehrmaliges Lesen und es strengt enorm an. Früher habe ich ganz komplexe Texte über zig Seiten quergelesen und danach bearbeitet.
Hier habe ich nun eine Ergotherapie begonnen, in der es vor allem um Organisatzion des Tagesablaufes und kognitives Training geht. Aufbau des Selbsbewustsein soll auch dort gemacht werden. Halte ich nicht so für wichtig. Wäre ich wieder fit, wäre ich auch selbstbewusst.

Habe auch noch eine Selbserfahrungsgruppe einmal / Woche abends, so dass ich drei feste Termine pro Woche habe. In der übrigen Zeit bin ich aber fast nur zu Hause, bekomme viel zu wenig gebacken, bin oft müde, Haushalt sieht übel aus, einige Post ist liegengeblieben usw.
Da weiß ich im Moment nicht weiter. Zweite Baustelle (vor allem die vielen to-do's) also....

Dritte wichtige Baustellle ist zu wenig Kontakt, zu wenig Freuunde, zu wenig Gespräche - Einsamkeit. Da habe ich gar keine Lösung. Genausowenig traue ich mich im Moment an einer neuen Beziehung zu arbeiten.

So, nun habe ich den Status mal so ein wenig aufgeschrieben, ohne konkrete Fragen. Vielleicht hat doch jemand von euch ein paar Hinweise oder Anregungen.

Viele Grüße,
Frank.

14.04.2013 14:53 • #13


C
Hallo Frank,

deine Krankheitsgeschichte ist leider nicht ungewöhnlich! Aus meiner klinischen Erfahrung sind es oft die Führenden, denen die Identifikaion mit ihrer Arbeit letztendlich überhaupt nicht guttut, wenn sie die äußeren Umstände ändern. Jeder andere kann locker sagen: Tja, is nicht mein Job/ mein Geld /meine Leute.

Die Berentung wäre bei dir sicherlich sowieso befristet, da du noch zu jung bist.
Vielleicht versuchst du dir mal vorzustellen, dass du mindestens ein Jahr lang Zeit hättest, dich wirklich nur um dich selbst und deine Gesundung zu kümmern. Keine Krankenkasse, die dauernd etwas von dir will, kein Arbeitgeber, der dich eigentlich braucht. Nur DU zählst!

Für viele meiner Patienten ist das ein guter Weg, um den erwarteten Statusverlust zu überwinden.

Alles Gute,

15.04.2013 13:27 • #14


A


Hallo Frankfragt,

x 4#15


F
Zitat von Caspara:
Vielleicht versuchst du dir mal vorzustellen, dass du mindestens ein Jahr lang Zeit hättest, dich wirklich nur um dich selbst und deine Gesundung zu kümmern. Keine Krankenkasse, die dauernd etwas von dir will, kein Arbeitgeber, der dich eigentlich braucht. Nur DU zählst!


Hallo Caspara,
ja, das genau geht mir auch durch den Kopf. Wenn dieser regelmäßige Druck weg wäre und ich mich vor allem unbekümmert in der Öffentlichkeit auch sehen lassen kann, geht eine Konzentration auf die eigene Gesundung / Entwicklung viel besser. Und die Träume werden sicher weniger.
Werde ich mit meinem Psychiater mal besprechen.

Viele Grüße,
Frank.

15.04.2013 18:50 • #15

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