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Es wird schlimmer / Auswirkung auf Gesundheit
Guten Nachmittag, gleich vorweg, mir fällt es sehr schwer über dieses Thema zu schreiben, da ich mich dazu erst einer Person geöffnet habe und es nun öffentlich mache. Der Text fällt etwas lange aus, aber ich wäre dankbar, wenn ihn jemand lesen würde.
Ich bin zwar erst 19 Jahre jung, dennoch habe ich seit Sommer 2018 mit einem Zustand zu kämpfen, der mich schleichend und langsam aber sicher fertig macht. Ich will keine Selbstdiagnose stellen, daher bezeichne ich diesen Zustand auch nicht als Depression.
Das schwierige - und vielleicht auch traurige - an meiner Situation ist, dass es mir bis heute gelungen ist, diesen Zustand für andere Menschen komplett zu überspielen. Und zwar so, dass es bis dato keiner gemerkt hat. Lediglich mein bester Freund, der selbst mit einer ähnlichen Situation kämpft, weiß darüber bescheid. Auch mein Vater machte einmal eine Anmerkung, dass er spüre, dass etwas nicht passt. Doch ich habe einfach Schulstress für meine schlechte Laune verantwortlich gemacht und damit war das Thema gegessen.
Man muss erwähnen, dass ich schon immer ein sehr sensibler Mensch war. Ich war immer der, der sich zurückhaltend verhielt und nie gerne mit anderen Personen gesprochen hat. Im letzten Jahr habe ich mich aber in der Hinsicht sehr geöffnet, da ich jedes Wochenende mit Freunden etwas unternehme. Das hat mich viel Überwindung gekostet, aber ich genieße diese Zeiten, denn da bin ich frei. Frei von den negativen Gedanken, welche ich habe, wenn ich alleine bin. Durch diese Öffnung habe ich auch ein besseres Selbstbewusstsein aufgebaut.
Doch sobald ich Zeit habe, nachzudenken, sobald ich alleine bin, dann holt mich der gefürchtete Zustand wieder ein. Dann kommen längst vergangene Erinnerungen hoch. Erinnerungen an Ereignisse, die unangenehm waren. Fehler, die ich begangen habe, kommen mir unter. Alles läuft wie ein Schleier vor mir vorbei. Und das ist schrecklich.
Wie bereits erwähnt, seit Sommer 2018 zieht es sich nun schon. Angefangen hat es damals mit etwas Liebeskummer, den ich relativ schnell überwunden habe. Doch die Phasen, in denen es einem schlecht geht, sind geblieben. Kurz vor Weihnachten 2018 ging es dann wieder bergauf, ich weiß bis heute nicht warum. Dann ging es immer wieder bergab und bergauf. Glücklich oder unbeschwert war ich in dieser Zeit aber nie wirklich. Ich hab jeden Tag so gelebt, dass er möglichst schnell vorbei ging. Im Sommer 2019 kam dann die Wende. Da gab es einen entscheidenden Punkt, den ich bis heute nicht herausgefunden habe. Ab da wurde es wieder schlimmer. Schlimmer in dem Sinn, dass ich von Tag zu Tag die Lust am Leben verloren habe. Ich freue mich mittlerweile morgens beim Aufstehen bereits auf Abends, ins Bett zu steigen. Mit dem Wissen, dass ich sowieso nicht gut schlafen werde. Im November 2019 habe ich dann meinen bisherigen Tiefpunkt erreicht. Da ging es mir so schlecht, dass ich 6 Kilo abgenommen habe. Ich war lustlos, schlecht daruf, den ganzen Tag grantig, appetitlos und hatte schlaflose, aber dafür tränenreiche Nächte. Gemerkt, dass es mir so schlecht ging, hat keiner. Lediglich der Gewichtsverlust, den ich bis heute halte, fiel einigen auf.
Ein weiterer Punkt, welcher mich momentan stark belastet ist, dass ich bis dato noch keine richtige Beziehung geführt habe. Ich werde heuer 20, in 10 Jahren hat man ca. die Hälfte des Lebens erreicht. Haus, Frau, Kinder. Alles ist bei mir noch so weit weg. Mir fehlt einfach jemand, der mich so akzeptiert, dem ich Probleme anvertrauen kann, der mich versteht, der mich einfach unterstützt. Erst kurz vor Weihnachten bin ich ein weiteres Mal ein Stück eingebrochen, da ich meiner Meinung nach endlich eine Partnerin gefunden habe, welche Anfangs Interesse zeigte und mich komplett verzauberte, aber ich dann über Umwege erfahren habe, dass sie jemand anderes hat. In der Zeit der Verliebtheit war ich natürlich der glücklichste Mensch der Welt. Ich war so verliebt in Sie. Ich habe das Gefühlt gehabt, es könnte endlich passen. Das ist sie. In dieser Zeit wurde ich vermehrt angesprochen, warum ich so glücklich sei. Das wunderte mich doch sehr. Und diese Zeit habe ich genossen. Einfach mal glücklich sein. Ein Gefühl, das mir schon sehr fremd war. Hinzukommt, dass ich momentan eine harte schulische Phase habe, da die Abschlussprüfungen bald anstehen. Ich bin ein guter Schüler, lerne relativ leicht. Dennoch erdrückt mich die Situation.
Mittlerweile bin ich so weit, dass ich einfach nicht mehr will und bald auch nicht mehr kann. Es gibt Zeiten, in denen ich ernsthaft über den Freitod nachdenke. Was mich aber davon abhält, sind Familie, Freunde und Hobbies. Ich würde es wahrscheinlich niemals - oder zumindest nicht momentan - übers Herz bringen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Meine Mutter, mein Vater. Sie würden mir so leid tun. Ein Punkt, der mich auch noch davon abhält, ist meine schulische Verantwortung - mein Amt als Jahrgangssprecher. Auch die Verantwortung innerhalb meiner freiwilligen Feuerwehr - immerhin bin ich für ein Amt zuständig, welches 7 Feuerwehren übergreift - hält mich davon ab, weil ich niemanden nicht im Stich lassen will.
Was ich noch erwähnen will ist, dass ich - ohne jetzt anzugeben, darüber bin ich einfach froh - einen großen Freundeskreis, sowohl Männlich als auch Weiblich, habe und ich mich großer Beliebtheit erfreuen kann. Ich werde von vielen geschätzt, als cooler Typ bezeichnet und alle aus meinem Umfeld mögen mich einfach. Und mir tut es weh, diese ganzen Menschen betrügen zu müssen. Betrügen in der Hinsicht, dass ich immer gut drauf bin, viel lache, jeden sch. mitmache und einfach jemand bin, mit dem man reden kann, wenn es nötig ist. Und das kostet so verdammt viel Kraft. Dieses ständige Überspielen der schlechten Laune, der Kopfschmerzen, des Zustandes. Ich bin wirklich am Ende. Ich kann einfach nicht mehr.
Dieser Zustand wirkt sich auch auf meine Gesundheit aus. Ich bin häufig krank, angeschlagen und habe oft Kopfschmerzen, die manchmal unaushaltbar sind. Auch mein Schlafryhtmus ist im Ar.. Ich schlafe schlecht, kann stundenlang nicht einschlafen. Bin am folgenden Tag komplett fertig. Auch das bereits erwähnte Überspielen meines Zustandes kostet viel Kraft und Nerven.
Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Ich bin wirklich bald am Ende und ich merke, dass der alles entscheidende Kurzschluss kommt. Die Frage ist nur, wann. Ich habe einfach Angst davor.
Soll ich mich meiner Familie öffnen? Oder Freunden? Ich habe Angst, dass ich sie damit nur belasten würde. Oder soll ich mich direkt meinem Arzt öffnen?
Danke schon mal.
18.01.2020 14:04 •
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