Depressiv nach Trennung - was dagegen tun?

S
Hi David,

Ich sehe das so:
Jetzt, wo du die Medikamente auf die halbe Dosis reduziert hast, hast du die Möglichkeit mit/an all den Dingen, die du oben aufgezählt hast zu arbeiten. Nur so ist es dir überhaupt möglich dich weiter zu entwickeln. Nur so macht -zumindest für mich- eine Psychotherapie überhaupt einen Sinn. Man kann es genauso gut als Fortschritt deuten: Du willst dich all diesen Dingen stellen und damit umgehen lernen, anstatt die Dinge einfach durch Medikamente zu unterdrücken. Möge es dir gelingen!

04.09.2011 22:02 • #31


David Spritz
Hi Salamander!

Dich kenn ich doch! Du hattest Dich schon mal in einem anderen Thread vehement gegen Medikamente ausgesprochen und Dich damit bei den Pillenschluckern unbeliebt gemacht. Ich finde, man sollte da nicht so polarisieren! Es gibt schließlich auch psychische Erkrankungen, die gar nicht heilbar sind, und bei denen man den Betroffenen das Leben mit Medikamenten immerhin erleichtern kann.

Aber unabhängig von der Pillendiskussion: Danke für die aufmunternden Worte!

05.09.2011 20:45 • #32


A


Hallo David Spritz,

Depressiv nach Trennung - was dagegen tun?

x 3#3


S
Mh. Nö, ich habe meine ich niemals gesagt, dass das Einnehmen von Medikamenten immer unangemessen sei.

05.09.2011 22:50 • #33


David Spritz
Ok, lassen wir das mit der Medikamentendiskussion und kommen wieder zurück zu mir!

Morgen ist der besagte 15. September, wo ich meinen Psychiater wieder sehe (alle 4 Wochen) und mit ihm den weiteren Ausstieg besprechen werde. Inzwischen habe ich mich wieder ein wenig stabilisiert, nur einige der oben genannten Symptome sind geblieben:
- ständig müde
- Albträume
- Ängste
- Ziehen in der Brust

Die Müdigkeit schiebe ich jetzt mal auf das Medikament, die Albträume finde ich nicht so schlimm sondern eher aufschlussreich, mit den Ängste kann ich leben da ich weiß woher sie kommen und das Ziehen in der Brust gibt mir die Gelegenheit, in meiner Psychotherapie meine Vergangenheit und den Schmerz aufzuarbeiten, was vorher nicht möglich war.

Ich habe zur Linderung des Schmerzes jetzt wieder das Rauchen angefangen, nachdem ich fast 1 Jahr clean war, aber das soll nur ein vorübergehendes Hilfsmittel sein. Aber das Rauchverlangen war auf einmal so stark, dass ich nicht widerstehen konnte, und ich hatte keine Kraft zum Kämpfen bzw. sehe auch keinen Sinn darin. Glücklich bin ich damit nicht wirklich, aber es ist nun mal im Moment so wie es ist. Es kommen auch wieder glücklichere Tage, und dann werde ich die Glimmstängel (Ja, so schreibt man das jetzt!) vielleicht gar nicht mehr brauchen.

Ich werde also meinem Psychiater vorschlagen, dass wir planmäßig weitermachen und ich Samstag Abend meine vorerst letzte (halbe) Tablette nehme. Für den Bedarfsfall habe ich aber noch genug Tabletten zuhause, so dass ich jederzeit wieder anfangen kann, sie zu nehmen. Mirtazapin eignet sich auch bei Einmal-Einnahme als Einschlafhilfe, die antidepressive Wirkung setzt erst nach einigen Tagen regelmäßiger Einnahme langsam ein.

Ich werde an dieser Stelle dann wieder tagebuchmäßig meine Erfahrungen in den ersten 2 Wochen ganz ohne posten. Ich werde es wieder als Selbstversuch anlegen, bei dem ich also 2 Wochen durchhalte und erst danach entscheide, ob ich wieder auf die halbe Dosis hochgehe oder ohne Tabletten weitermache, das hat sich beim letzten Mal ganz gut bewährt. Ich freue mich jederzeit über jede Rückmeldung eurerseits.

14.09.2011 22:57 • #34


David Spritz
Heute war ich bei meinem Arzt, und er hält mich für stabil genug, den nächsten Schritt zu wagen, auch wenn er darauf hingewiesen hat, dass der Zeitpunkt früher als durchschnittlich gewählt ist. Ich werde wieder erst das Wochenende mit den Kindern abwarten und dann Sonntag Abend meinen Selbstversuch starten. Ein großes Problem wird werden, nicht wieder dem Ehrgeiz zu verfallen, es ohne Medikamente schaffen zu müssen und eine erneute Einnahme als persönliche Niederlage zu betrachten. Ich bemerke da schon wieder so ehrgeizige Tendenzen in mir, die es zu beobachten gilt. Ansonsten bin ich guter Dinge und freue ich sogar schon ein bisschen darauf, Euch ab Montag wieder täglich mit allen Einzelheiten zu meinen Ausfallerscheinungen zu langweilen.

15.09.2011 18:23 • #35


L
hallo du

MICH langweilst du überhaupt gar nie nicht !

Im Gegenteil da ich selbst auch das Mirtazapin nehme verfolge ich diesen/deinen Tread mit großer Aufmerksamkeit.Den auch bei mir wird ja das ausschleichen irgendwann auf den Plan stehen.

daher freue ich mich schon auf weitere Beiträge von dir.

little-tiger

16.09.2011 16:19 • #36


David Spritz
Hatte heute einen besch...eidenen Tag und überlege schon, das Absetzen noch zu verschieben. Zumal ich Montag und Dienstag wichtige Termine auf Arbeit habe, die mich zusätzlich stressen werden.

Aber ich hab ja noch Zeit, es mir zu überlegen!

16.09.2011 20:40 • #37


David Spritz
Nach diesem Wochenende mit meinen Kids halte ich mich nun doch für noch zu instabil, um mit der Mirtazapin-Dosis weiter runter zu gehen. Fahre emotional doch noch ganz schön Achterbahn. Da warte ich doch lieber, bis ich wieder ein bisschen mehr Stabilität empfinde. Heute Abend zum Beispiel habe ich mich plötzlich ganz angespannt gefühlt und wusste nicht, woher es kommt. Mein erster Gedanke war, ich werde wieder depressiv und kann morgen nicht arbeiten. Nachdem ich dann den Film Somewhere gesehen habe, den ich übrigens sehr empfehlen kann, wusste ich, was es wirklich war: Meine Kinder fehlen mir so sehr, dass ich es kaum aushalte. Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, diesen Schmerz ohne Medikamente noch deutlicher und direkter zu fühlen, dann glaube ich, dass ich das momentan nicht aushalten könnte.

Von daher: Weg mit dem falschen Ehrgeiz und weiterhin her mit den (halben) Tabletten! Jedenfalls bis auf weiteres.

Da ja bald Herbstferien sind und ich meine Kids für 1 ganze Woche habe und mein Sohn anschließend auch noch Geburtstag hat, werde ich mal grob Anfang November ins Auge fassen. Und plumps: Kaum hab ich das geschrieben, fühle ich mich auch schon gleich ganz erleichtert und entspannt. Das zeigt mir, dass das momentan für mich die richtige Entscheidung ist.

18.09.2011 19:35 • #38


Pyxidis
Hallo David,

ich lese mit Interesse Deinen Thread.

Was ganz deutlich bei Deinem Ausschleichversuch wird, ist, daß Du sehr gut für Dich sorgen kannst. Diese Fähigkeit wird Dich weiterhin sehr gut begleiten. Ich bin sicher, Du findest für Dich den richtigen Zeitpunkt weiter auszuschleichen.

Viele Grüße
Scorpio

20.09.2011 12:14 • #39


David Spritz
Hallo Scorpio!

Vielen Dank dafür! Seit ich mich entschieden habe, bei der halben Dosis zu bleiben, fühle ich mich auch wieder wesentlich stabiler. Das war also eine sehr, sehr gute Entscheidung.

20.09.2011 17:32 • #40


David Spritz
Gestern Abend habe ich vergessen, meine 15 mg Mirtazapin zu nehmen. Ich war der festen Überzeugung, meine Tablette bereits genommen zu haben, wunderte mich dann aber, dass die gewohnte Müdigkeit nicht einsetzte. Ich wälzte ich bis nachts um halb 1 im Bett, bevor ich dann endlich entschlummerte. Ich hatte furchtbare Träume, die sich alle um Unordnung und Missgeschicke drehten und lag zwischendurch noch mehrere Stunden wach, allerdings glücklicherweise ohne das gewohnte negative Gedankenkreisen.

Heute morgen fühlte ich mich wie gerädert und habe mich heute krank gemeldet und bin nicht zur Arbeit gegangen. Nach der Nacht brauche ich erst mal eine Auszeit, um wieder zu mir zu kommen! Ich habe außerdem meine Tabletten gezählt und festgestellt, dass tatsächlich eine zuviel da ist.

Ich interpretiere die Tatsache, dass ich meine Tablette vergessen habe, als Ausdruck meines unterbewussten Wunsches, das Zeug endlich nicht mehr schlucken zu müssen, denn normalerweise vergesse ich niemals die Einnahme. Ich fühle mich durch das Medikament unterdrückt und in meinen Entfaltungsmöglichkeiten arg begrenzt, auch wenn es mich vor allzu großem Schmerz und dem für mich in den letzten Jahren zur zweiten Natur gewordenen übertriebenen Sich-Sorgenmachen beschützt.

Da ich das Medikament sowieso in 11 Tagen in Absprache mit dem Arzt absetzen und auf Johanniskraut umsteigen wollte, überlege ich nun, die Gelegenheit zu nutzen und dies schon jetzt zu tun. Mir steht zwar noch der Kindergeburtstag meines Sohnes übernächstes Wochenende bevor, das ich zunächst abwarten wollte, aber ansonsten verläuft mein Leben momentan in recht geordneten Bahnen, also beste Voraussetzungen fürs Absetzen des Mediakments! Bevor ich wieder auf dem vollen Mirtazapin-Pegel ankäme, würden eh noch einige Tage verstreichen, und es dann gleich abzusetzen wäre eine unnötige Achterbahnfahrt. Dann lieber den momentanen Sturzflug in einen kontrollierten Sinkflug umwandeln und die Sache jetzt durchziehen, denke ich mir!

Meinungen?

02.11.2011 12:27 • #41


Steffi
Hallo David,

Du fragst nach Meinungen.
Meine Meinung ist, dass ich an Deiner Stelle die 15 mg zunächst halbieren und die nächsten Tage mit 7,5 mg schlafen gehen würde. Selbst wenn Du den Unterschied vielleicht nicht bewusst wahrnehmen wirst, ist es die schonendere Methode, als das radikale Absetzen. Ich habe vor 10 Jahren selbst mal Mirtazapin genommen und weiß, wovon ich spreche.

02.11.2011 16:17 • #42


David Spritz
Inzwischen habe ich es mir eh wieder anders überlegt. Ich werde doch noch die 11 Tage abwarten, dann aber komplett aufhören.

Ich bin vor ein paar Jahren schon mal runter von 30 mg auf 0, ging auch!

Trotzdem danke für den Tipp!

02.11.2011 17:05 • #43


Steffi
Tu das, was Du für richtig und gut hältst, David. Damit liegst Du sicher nicht falsch. Ich verlasse mich in solchen Situationen immer auf meine Intuition.

Ich wünsche dir viel Erfolg !

02.11.2011 18:50 • #44


A


Hallo David Spritz,

x 4#15


David Spritz
Inzwischen fühle ich mich wieder stabiler. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, warum ich an dem Abend so durcheinander war. Es hatte mit einer Situation auf Arbeit zu tun, die meinen zentralen Konflikt berührt hat. Und zwar hatte ich von einer Abteilung den Auftrag bekommen, eine bestimmte Arbeit bis zum 4. November abgeschlossen zu haben, war aber dazu auf Zuarbeit aus einer anderen Abteilung angewiesen. Der Mitarbeiter dort zeigte sich aber nicht nur sehr unkooperativ, sondern auch überheblich und herablassend, was mich sehr geärgert hat. Ich war dadurch nicht mehr in der Lage, den Liefertermin einzuhalten.

Mein Seeleheil hing also von dem Wohlwollen eines Anderen ab, der mir dies aber nicht entgegenbrachte. Und plumps, war ich wieder in der Depressions-Falle! Diese Situation kenne ich nämlich zur Genüge aus meiner letzten Beziehung und habe auch meine gesamte Kindheit in einer solchen Lage verbracht. Und dann gibt es da noch den Mann in meinem Kopf, der behauptet, genau da gehöre ich auch hin.

Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass weder mein Seelenheil von der Einhaltung des Liefertermins abhängt noch ich mir irgend was zuschulden hätte kommen lassen, da die Erfüllung des Auftrags ja nicht in meinem Einflussbereich lag. Ich habe meinem Auftraggeber die Gründe für die Verzögerungen genannt und meinen Chef gebeten, die Kommunikation mit meinem Zulieferer zu übernehmen. Ich habe beiden außerdem gebeichtet, dass dies der Grund für meine Krankmeldung war, dass mich die Ignoranz und Arroganz des Kollegen überfordert hat. Dadurch habe ich die Verstrickung aufgelöst, und es ging mir schlagartig wesentlich besser. Mein Auftraggeber hatte selbst vor 6 Jahren Burn-Out und hat dadurch seinen Job verloren, und mein Chef hat auch meine beiden depressiven Episoden miterlebt, beide sind also verständnisvoll, was das betrifft.

Schon krass, wie man aus reiner Gewohnheit immer wieder in die selben Fallen tappt. Aber die ganze Sache hat mich wieder ein kleines Stück weiter in die Bewusstheit gebracht. Ich bin meinem Ar., dem unkooperativen Kollegen, dafür dankbar, dass er mich mit meinen offenen Wunden konfrontiert und mir die Chance zum Heilen gegeben hat, die mir sonst entgangen wäre.

Jetzt fühle ich mich besser gewappnet für den nächsten Schritt auf der Medikament-Absetzen-Leiter. Ich halte weiterhin daran fest, am 13. November von 15 mg Mirtazapin auf 600 mg Johanniskraut umzusteigen. Ich habe das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Der Mann im Kopf wird dadurch zwar vermutlich an Macht gewinnen, aber wenn ich weiter aufmerksam und achtsam durchs Leben gehe, dann werde ich ihm schon auf die Schliche kommen, auch beim nächsten Mal wieder.

05.11.2011 15:30 • #45

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