Depressiv nach Trennung - was dagegen tun?

Birke
Hallo David!
ich würde Dir empfehlen, das Johanniskraut jetzt schon parallel zu beginnen, da es seine 14 Tage braucht bis die Wirkung einsetzt.

05.11.2011 22:32 • #46


David Spritz
Ja, ich weiß. Aber das Mirtazapin braucht auch 14 Tage, bis es aus dem Körper raus ist. Ich erhoffe mir daher, dass das Johanniskraut das fehlende Mirtazapin so nach und nach ersetzt. Aber ich rede noch mal mit dem Arzt und frage ihn, ob er das auch so sieht wie Du. Danke jedenfalls für den Tipp!

06.11.2011 14:37 • #47


A


Hallo David Spritz,

Depressiv nach Trennung - was dagegen tun?

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David Spritz
Leider war mein Arzt am vereinbarten Termin selber krank. Ich sehe ihn also erst nächste Woche Donnerstag und konnte ihn somit noch nicht zu Dosierung etc. befragen.

Ich hatte mich aber so sehr auf den Tag gefreut, an dem ich die Mirtazapin-Einnahme beende, dass ich es jetzt trotzdem wie geplant durchgezogen habe. Ich habe mich von der Arzthelferin und der Apothekerin beraten lassen und mir das Johanniskraut selber gekauft. Vorgestern Abend habe ich mein letztes Mirtazapin genommen und gestern Abend mein erstes Johanniskraut. Ich nehme morgens und abends je eine halbe Tablette mit 650 mg, also 2x täglich 325 mg.

Da das Antidepressivum vom Sonntag gestern noch voll wirksam war, ist heute also mein erster Tag ohne. Die Nacht war schon sehr unruhig, ich habe nur 5 Stunden geschlafen, war häufig wach, habe gefroren und merkwürdige, fremdartige Sachen geträumt, die nicht besonders angenehm waren. Trotzdem fühle ich mich einigermaßen erholt, da der Schlaf ohne einschläferndes Antidepressivum offensichtlich eine andere Qualität hat, selbst wenn er unruhig ist.

Aber seit ca. 1 Stunde fühle ich dann doch die Anspannung, die sich meiner langsam bemächtigt. Die emotionale Achterbahnfahrt geht also los. Aber ich bin bereit, mich darauf einzulassen und fühle mich einigermaßen gewappnet für das, was mich die nächsten 2-3 Wochen erwartet. Als Notbremse habe ich auch noch ein paar Mirtazapin zuhause, falls es zu schlimm wird.

Ich werde hier wieder regelmäßig Bericht erstatten.

15.11.2011 11:47 • #48


Sarah
Hallo David,

wie geht es dir so nach der ersten Woche?

Liebe Grüße

Sarah

21.11.2011 18:57 • #49


David Spritz
Ist ja lieb, dass Du fragst! Immer noch sehr achterbahnig, aber könnte schlimmer sein. Ich versuch mir einfach keinen Stress zu machen und das emotionale Auf und Ab einfach da sein zu lassen, ohne es zu bewerten oder weg haben zu wollen. Ist manchmal schwer, besonders wenn man gerade was Wichtiges auf Arbeit zu tun oder einen Termin hat, aber wenn's nicht geht, dann geht's eben nicht. Inzwischen trau ich mich auch, das zu sagen, und stoße damit bei meinem Arbeitgeber vorwiegend auf Verständnis.

Die zweite Nacht war genauso schlimm wie die erste, und die dritte sogar fast schlaflos (naja, so 3 Stunden!), aber ab der 4. ging's besser. Ich hatte mir nämlich in den ersten 3 Nächsten folgende Einschlafhilfe entwickelt:
- keine Finanztabellen und/oder Diskussionen darüber mit meiner Ex
- Gute-Nacht-Tee
- Wärmflasche mit ins Bett
- Notfallprogramm aufschreiben (Was möchte ich Schönes mit der Zeit anfangen, wenn ich eh nicht schlafen kann?)
- Hanteltraining
- keine Musik (macht mich unruhig beim Einschlafen, egal was für Musik ich höre)
- Raumschiff Voyager gucken (kann ich auswändig mitsprechen und super bei einschlafen)
- einfache Dosis Johanniskraut (hatte einmal die doppelte genommen weil ich morgens vergessen hatte, wurde dann aber innerlich sehr unruhig)

Das Leben nimmt natürlich keine Rücksicht auf meine Entzugserscheinungen und geht einfach trotzdem weiter, hauptsächlich mit Dingen, die ich momentan überhaupt nicht gebrauchen kann. So habe ich erfahren, dass eine Arbeitskollegin, in die ich seit ein paar Wochen verliebt und ihr auch schon ein wenig näher gekommen bin, bereits vergeben ist, und dann erst mal 1 Stunde auf Klo geheult, weil ich die Ablehnung nicht ertragen konnte. Hat natürlich auch meinen ohnehin noch nicht verarbeiteten Trennungsschmerz wieder hervorgeholt, der sich wiederum aus meiner noch nicht bewältigten Kindheit speist.

Außerdem hat sich der erste Kaufinteressent für mein Haus gemeldet und möchte es mit mir besichtigen, ich muss also jetzt alles organisieren und mich auf das Verkaufsgespräch vorbereiten. Ganz schlechter Zeitpunkt gerade! Aber das ist mir so wichtig, dass ich es trotzdem durchziehen werde. Die Kreditbelastung endlich los zu sein, allein der Gedanke daran erleichtert mich, während ich das hier tippe. Das ist ein echter Herzenswunsch von mir, da ich dann auch wieder ein Stück Vergangenheit und ein Stück Verstrickung mit der Ex (die noch drin wohnt aber nicht wie vereinbart zahlt) abgeschlossen haben werde.

Mein Zig. ist gestiegen, aber seit heute habe ich wieder meine bewährte 1-Schachtel-pro-2-Tage-Regel in Kraft gesetzt. Sieht auch gar nicht schlecht aus, von 19 Stück habe ich jetzt 10 heute geraucht, bleiben noch 9 für morgen. Wobei, das wird schwer! Vielleicht sollte ich doch nicht so hart zu mir sein im Moment. Das kann ich auch in 1-2 Wochen noch machen!

Am Montag war ich bei einem Vortrag von meinem Idol Robert Betz, Glücklich leben in einem gesunden Körper. Da haben wir so eine Lichtmeditation gemacht, die bei mir Einiges in Bewegung gebracht hat. Dadurch war ich noch schlimmer durcheinander als eh schon. Aber es hat definitiv was gelöst, sonst hätte ich wahrscheinlich gar nicht so lange weinen können, sondern hätte mich wieder verkrampft und dagegen gekämpft.

Aber in den ersten 3-4 Wochen kann ich noch alles auf die Entzugserscheinungen schieben. Danach wird das Meiste hoffentlich von selbst verschwinden! Und intensiveren Trennungsschmerz sowie schnelleres Gedankenkarussell hatte ich in dieser Phase eh schon erwartet. Wobei der Trennungsschmerz auch ganz wunderbar das Gedankenkarussell ausbremst, hat also nicht nur Nachteile!

24.11.2011 00:30 • #50


M
Hallo David,

Du arbeitest hart an Dir, das beeindruckt mich schon sehr. Anfangs war ich sehr skeptisch bei dem, was Du vorhattest.
Zitat von David Spritz:
Wobei der Trennungsschmerz auch ganz wunderbar das Gedankenkarussell ausbremst, hat also nicht nur Nachteile!
Hm, nur da weiß ich grad nicht, was schlimmer ist?

24.11.2011 09:57 • #51


S
hey David,

es würde mich interessieren was du die Woche über alles isst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Ernährung die hauptsächlich aus Kohlenhydraten besteht einen erhebenden Einfluss auf den Gemütszustand hat. Als ich vor einem Jahr ca. meine Ernährung umgestellt hatte auf 90% Kohlenhydrate und kein Fleisch, hab ich einen wesentliche Verbesserung meines Allgemeinzustandes bemerkt. Keine Müdigkeit, besseres Sehvermögen, ein gesteigertes Gefühl der Zufriedenheit, unendlich Energie, klarer Kopf, hellwach. Ich hatte zwar noch nie Depressionen aber im Vergleich dazu war ich vorher depressiv. Ich lebe quasi ausschliesslich von Früchten und Gemüse, 4000 Kalorien am Tag. Natürlich wirst du eine Gewichtsabnahme erfahren, falls du übergewichtig bist, welches sich wiederum positiv auf dein Gemüt auswirken wird. Ich würde nie mehr zurück gehen. Das Gefühl den ganzen Tag high zu sein ist unbezahlbar. Wenn du Näheres darüber erfahren möchtest, lass es mich wissen.

ich sehe auch dass du rauchst. Das ist sehr schlecht und solltest du meiner Meinung nach absetzen noch bevor du irgend etwas anderes absetzt. Solltest du wegen des Rauchens irgend ein Leiden entwickeln, dürfte sich das erheblich auf deinen Gemütszustand auswirken und all deine vergangenen Bemühungen zunichte machen.

was wir in unseren Körper hineintun formt unseren zukünftigen Körper und Geist.

liebe Grüsse, Sanduhr

24.11.2011 10:08 • #52


David Spritz
@Martina: Natürlich ist der Schmerz schlimmer als das Gedankenkreisen. Aber er ist besser als Schmerz und Gedankenkreisen!

@sanduhr: Ich esse auch viel Obst und Gemüse und fühle mich sehr wohl dabei. Das Rauchen find ich weniger schlimm als die Antidepressiva, daher habe ich mich so entschieden. Wenn ich den Antidepressiva-Entzug verkraftet habe, kann ich mich immer noch dem Rauchen zuwenden. Tbk ist wenigstens aus der Natur! Mirtazapin ist Teufelszeug, reine Chemie! Und mein Entzug gerade macht mir erst so richtig deutlich, wie schlimm diese Tabletten sind und wie tiefgreifend sie mein Erleben und Empfinden verändern. Zig. sind da sanfter. Das Problem ist bloß der Teer (das Teer?), aber ich hör ja wie gesagt in einigen Wochen wieder ganz auf. Ist nur ne vorübergehende Maßnahme, hilft mir den Schmerz zu ertragen.

28.11.2011 23:50 • #53


S
Zitat von David Spritz:
@sanduhr: Ich esse auch viel Obst und Gemüse und fühle mich sehr wohl dabei. Das Rauchen find ich weniger schlimm als die Antidepressiva, daher habe ich mich so entschieden. Wenn ich den Antidepressiva-Entzug verkraftet habe, kann ich mich immer noch dem Rauchen zuwenden. Tbk ist wenigstens aus der Natur! Mirtazapin ist Teufelszeug, reine Chemie! Und mein Entzug gerade macht mir erst so richtig deutlich, wie schlimm diese Tabletten sind und wie tiefgreifend sie mein Erleben und Empfinden verändern.


Aha verstehe ! Ich wusste nicht dass diese Medikamente solche krassen Nebenwirkungen haben. Und wenn du da so eine Abneigung mittlerweile empfindest, dann denke ich ist es auch der richtige Zeitpunkt um das aufzugeben.

viel Erfolg !

Sanduhr

03.12.2011 21:49 • #54


David Spritz
Die Experten streiten sich noch über das Suchtpotential von Mirtazapin. Ich empfinde es aber für mich persönlich als hoch.

04.12.2011 11:36 • #55


David Spritz
Kurzes Update zwischendurch: Ich gehe meinen Schmerz jetzt mit der Meditations-CD Befreie und heile das Kind in Dir von Robert Betz an, jeden zweiten Morgen. Das ist eine sehr anstrengende weil tiefgehende Meditation, aber sie tut mir sehr gut. Die Schmerzen in der Brust, die seit dem Tabeletten-Absetzen wieder da sind und die schon wieder angefangen hatten, mich in den Wahnsinn zu treiben, sind dadurch phasenweise sogar komplett weg, und ich fühle mich einigermaßen kraftvoll und energiegeladen.


Es gibt aber noch häufig kleine Einbrüche, wo ich nachdenklich und auch antriebslos werde und anfange zu frieren, besonders wenn ich mich mit meiner Ex auseinandersetzen muss. Aber fürs Wundenlecken nehme ich mir dann auch immer Zeit, jedenfalls wenn der Arbeitsalltag es zulässt.

Insgesamt bin ich sehr froh, keine chemischen Stimmungsaufheller mehr nehmen zu müssen und fühle mich endlich wieder überwiegend wohl in meiner Haut. Nur die Sache mit dem Hausverkauf belastet mich sehr, aber da muss ich jetzt durch. Sonst werde ich meine Schulden nicht los, und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis mich die nächste Depression ereilt. Mein Leben selbst in die Hand zu nehmen kostet zwar Kraft, aber mein Herz freut sich darüber, wenn ich wieder etwas geschafft habe, und schenkt mir immer wieder neuen Mut, um das durchzustehen.


Die dritte Woche ist jetzt fast rum, und ich rechne damit, nach 4 Wochen keine Entzugs-Beschwerden mehr zu haben. Alles, was mich dann noch quält, kann ich nicht mehr auf die Tabletten schieben.

04.12.2011 22:37 • #56


David Spritz
Ich bin wieder einen Schritt weiter. Nachdem ich zu dem Schluss gekommen war, dass meine Ex Borderline hat und mir ein Selbsthilfebuch für Angehörige von Borderlinern gekauft und bereits zur Hälfte gelesen habe, wurde mir schmerzhaft bewusst, was ich da all die Jahre mit mir habe machen lassen. Ich wurde emotional vergewaltigt und habe die selbstzerstörerischen Muster, die sie mir antrainiert hat, tief verinnerlicht und trage sie noch heute mit mir rum. Noch immer habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich etwas für mich tue, z.B. abends vorm Schlafengehen die Zähne putzen oder am Wochenende die Wohnung saubermachen. Ich verfalle noch häufig in leichte Depressionen, Ängste und eine leichte Hypervigilanz, nachdem ich mit ihr gesprochen habe, weshalb ich unseren mündlichen Kontakt auf ein absolutes Minimum begrenze. Ihr Stimme ist noch immer in meinem Kopf, und es wird noch eine Weile dauern, bis ich sie da rauskriege.

Ich fühle mich gedemütigt und beschmutzt, weil sie in meine Gedanken und meine Gefühle eingedrungen ist und dies auch noch heute immer wieder versucht. Sie weiß halt, welche Knöpfe sie bei mir drücken muss, um mich zu manipulieren. Ich überprüfe aber jetzt jedes ihrer Worte mit Hilfe von Freunden und Foren auf Realitätsgehalt, und das meiste was sie mir sagt, übersteht diese Prüfung nicht.

Es war zwar etwas niederschmetternd, dass sie noch so viel Macht über mich hat. Ich dachte, ich wäre schon weiter. Aber der Trennungsschmerz ist dafür jetzt komplett dem anderen Gefühl gewichen. Das ist dann wohl der nächste Schritt auf meiner Leiter in die Freiheit!

23.12.2011 22:14 • #57


S
Das ist doch schon mal ganz viel, was du erkannt hast. Du kannst jetzt dagegen agieren und vor allem auch reagieren. Du weisst jetzt, wie es läuft.

Serafina

23.12.2011 22:19 • #58


David Spritz
Noch nicht ganz. Aber ich bin auf dem Weg.

24.12.2011 01:13 • #59


A


Hallo David Spritz,

x 4#15


S
Zitat von David Spritz:
Ich wurde emotional vergewaltigt und habe die selbstzerstörerischen Muster, die sie mir antrainiert hat, tief verinnerlicht und trage sie noch heute mit mir rum.


yep, die falschen Freunde zu haben kann sehr zerstörerisch sein ! Wie bist du drauf gekommen ?

mfG Sanduhr

24.12.2011 12:40 • #60

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