Liebe Trinidat
Für mich liest es sich schon depressiv. Aber das Label (die Diagnose), die man deinem Zustand gibt, ist ja nicht das Entscheidende, sondern wie du damit umgehen kannst, dass du dich so schlecht fühlst.
Deine Beschreibung, was diese Pfingsttage mit dir machen, ist mir aus meinem eigenen Leben sehr vertraut, ich hatte langjährige Phasen, als es mir ganz ähnlich ging. Kein soziales Netz, keine Menschen, mit denen ich hätte sprechen können, keine verlässlichen und stabilen Freundschaften ... und das wird dann an solchen Feiertagen ganz besonders schmerzlich spürbar.
Selber erinnere ich von solchen Zeiten, dass es dann ganz schwer ist, sich etwas Gutes zu tun, sich abzulenken, sich überhaupt für irgendetwas zu motivieren oder gar Freude zu empfinden. Eher haben solche Gedanken bei mir dann noch den Druck verstärkt, den ich mir selber machte: Nun reiss dich mal zusammen, geh raus, geniess die Sonne (falls sie scheint), kauf dir was Feines ... das hat nie funktioniert, hat stattdessen die Versagensgefühle verstärkt, dass ich nicht mal dazu fähig sei.
Ob es dir momentan ähnlich geht?
Auswege daraus fanden sich bei mir erst, als ich langsam fähig wurde, in solchen Notsituationen Mitgefühl für mich selber aufzubringen. Mich nicht mehr selber runterzumachen und damit alles noch schlimmer zu machen, sondern mich sozusagen selber in den Arm zu nehmen, zu mir zu sagen: Mensch, das ist wirklich gerade schlimm für dich, ich kann dich so gut verstehen und ich bin da für dich, egal wie es dir gerade geht ... mich selber zu trösten und vor allem mit allem ernst zu nehmen, was da war.
Das war und ist aber ein langer Prozess und auch heute gibt es immer wieder Momente, wo ich erstmal an meiner Verzweiflung verzweifle ...
Ich drück dich mal, wenn's recht ist, und wünsche dir von Herzen, dass du gut für dich sorgen kannst.
Herzlich, Stromboli
06.06.2022 07:46 •
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