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Depressives Rollenverhalten

Proband
Hallo, bin neu hier, Mitte 50 und nach einer schwierigen Trennung zur Zeit depressiv. Auch vorher schon hatte ich immer wieder mit depressiven Schüben zu tun und bin letztlich deswegen berentet. Im Moment fühle ich eine grosse Schwermut und Angst in mir.
Komme irgendwie nicht von der Stelle.Nach aussen falle ich oft in die Rolle des Coolen und Ironischen zurück . Aber letztlich ist das nur eine oberflächliche Maske um gegen vermeintliche Rückschläge und Niederlagen zu bestehen.
Tief in mir drin ist da noch ein emphatisches und freundliches Ich was darum kämpft die Oberhand zu erringen. Aber das ist sehr schwer nach jahrzehntelangem Verleugnen.

23.07.2021 19:11 • x 6 #1


selly
Toll wie offen Du das schilderst und dazu stehst!
Das muss ich einfach nur mal sagen.
Nicht jeder kann sich so reflektieren. Das ist sicher ein guter erster Schritt . Sich das einzugestehen

23.07.2021 19:46 • x 2 #2


A


Hallo Proband,

Depressives Rollenverhalten

x 3#3


Proband
Danke, aber das ist eben nur der erste Schritt, so richtig weiter geht's irgendwie nicht. Ich verfalle immer wieder in die alten Muster obwohl ich sie eigentlich hasse. Man hält mich für den im Leben stehenden, selbst auf Fotos strahle ich das aus, aber das bin ich nicht...

24.07.2021 07:07 • x 2 #3


selly
Ich verstehe was Du meinst. Eigentlich genau wie Du es schilderst ist es bei meinem Freund.oder wohl ehr Exfreund.., er ist das zweite mal jetzt schon seit 8 Monaten in starken Depression in der Zeit wir zusammen waren.erst 9 Monate, dann wieder alles wunderbar und jetzt seit 8 Monaten (auch lebenslang diese Schübe) und von ihm dann kaum was kommt und wenn dann nur kalt. Sehr hart für Angehörige, aber Ich weiß dass er im restlichen Umfeld und auch in seinem Job die gleiche Maske trägt die Du beschreibst. Er kann sogar lustig sein Vorspielen.

Meine persönliche Meinung ist, dass es ohne eine gute und lange Therapie wahrscheinlich schwer sein wird, ich wünsche jedem dem es so geht wie ihm und wie Dir, dass er die Kraft hat sich zu einer Therapie durchzuringen, oft ist das ja nicht der Fall und dann kommen diese Schübe in immer kürzeren Abständen, so erlebe ich es bei ihm. Und es war große Liebe und außerhalb der Schübe alles perfekt. Aber in der Depression drin verändern die Betroffenen sich so sehr, das merken Kollegen vielleicht nicht so, aber die Angehörigen sind dann wie Luft, das tut weh. Ich weiß nicht ob da einem als Betroffener bewusst ist

Aber ich vermute, dass ein guter Therapeut, und wenn man sich dafür die Zeit nimmt und dran bleibt, sehr viel helfen kann.
So habe ich es bei vielen hier gelesen, die vorher auch sehr schlimme Phasen hatten

Wäre das nicht eine Option?

24.07.2021 09:21 • x 1 #4


Proband
Das mit den guten Therapeuten ist so ne Sache. Find erst Mal einen und Krieg dann n Termin möglichst ohne
länger Wartezeit. Hab bis dato nichts.
Es ist ein ewiger Kreislauf den man durchbrechen will aber das ist sehr schwer. Aber das ist letztlich die einzige Option. Ich möchte einen Neuanfang versuchen nach all den Scheidungsmodalitäten. Nach dem Motto jede noch so schlechte Situation ist gleichzeitig die Chance auf einen Neuanfang.
Irgendwann möchte ich dann wirklich voll im Leben stehen, jeden Tag leben, mich neu verlieben und die Frau wertschätzen und glücklich aber auch dankbar sein ...

24.07.2021 09:45 • x 3 #5


selly
Ich finde Deine Einstellung richtig toll. Wirklich. Und das Ziel was Du Dir vornimmst auch.
Es muss sicher unheimlich schwer sein, sich selber daraus zu bekommen. Wahrscheinlich grübelt man nur und kommt aus diesem Grübelkreis nicht heraus, es muss sehr belastend sein.
Bei Dir finde ich es aber toll, dass Du diesen Willen hast. Und Du hast Dich hier angemeldet, was ja auch Kraft kostet und zeigt dass Du Hilfe oder Austausch suchst/was ändern willst.

In diesem Forum finde ich gut mir Gleichgesinnten zu schreiben, aber auch mal mit der Gegenseite zu schreiben, also alle Sichtweisen zu hören.
Mir hat dieses Forum schon viel geholfen innerlich

24.07.2021 09:53 • x 3 #6


Proband
Ja es ist sehr schwer...Aber ich bin jetzt Mitte 50 und hab 50 Jahre in diesen Rollen festgehangen. Am Anfang sicher auch den einen Erfolg gehabt mit meiner Coolness.
Ich würde gern

24.07.2021 13:17 • #7


Proband
...Ich würde gern tiefer leben und meine vielleicht noch verbleibenden 30 Jahre intensiv nutzen, das wahre ehrliche Leben intensiv nehmen und geben. Nur das kann doch der wahre Sinn dieses Lebens sein.

24.07.2021 13:21 • x 2 #8


selly
Was würde Dir helfen dies zu tun, es so zu beginnen zu gestalten wie Du es Dir wünscht?

24.07.2021 13:26 • x 1 #9


Proband
Was würde mir helfen ? Gute Frage ...
Zunächst Mal positiv denken, die Depression überwinden ... Nach vorne schauen statt zurück .
Gute Gespräche bzw Gesprächspartner so wie Du etwa.
Ja und dann eine zur Abwechslung Mal gute und tiefe Beziehung ...

24.07.2021 13:45 • x 3 #10


Jedi
Hallo @Proband

Zitat von Proband:
nach einer schwierigen Trennung zur Zeit depressiv.

Da Du schon mit depressiven Schüben zu tun hattest, ist es jetzt gar nicht ungewöhnlich,
wieder in eine depressive Episode hineingerutscht zu sein.
Zitat von Proband:
Im Moment fühle ich eine grosse Schwermut und Angst in mir.

Nun, kannst Du für Dich gerade feststellen, was Dir alles so Deine Gedanken so erzählen,
vorallem die Gedanken, die unreflektiert irgendeine Geschichte erzählen ?
Kannst Du ausmachen, worin der Schwerpunkt liegt - gerade auch bei den Grübelgedanken ?
Zitat von Proband:
Aber letztlich ist das nur eine oberflächliche Maske um gegen vermeintliche Rückschläge und Niederlagen zu bestehen.

Das mit der Maske kenne ich aus eigener Erfahrung recht gut, aber sie wirkt nach Innen mit der Zeit zerstörerisch.
Man nimmt selbst sehr gut wahr, wie man von Außen gesehen wird u. was für Bilder sich die Menschen in unserem
Umfeld von uns machen.
Aber unbewusst entsteht eine Distanz, zwischen unserem Bild, was wir nach Außen zeigen u. unserem Inneren
Selbstbild. Dies befeuert dann nicht nur die Depression, oftmal gesellt sich dann auch die Angst hinzu.

Es kostet sehr viel an Energie, die Maske u. die Bilder nach Außen immer wieder zu erhalten, um gegen mögliche
Rückschläge u. Niederlagen bestehen zu können.
Die Energie, die wir da verbrauchen, fehlt uns an anderer Stelle, nämlich uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind.
So erschöpfen wir recht schnell u. die Diagnose heißt dann recht häufig BurnOut = Erschöpfungs-Depression.

So erschöpfen wir uns nicht nur in unserem Berufsleben, sondern auch schwierige Beziehungen können
uns erschöpfen u. führen auch nicht selten in eine Depression.
Es scheint, dass Deine schwierige Trennung, auch ihren Anteil daran hat, dass es Dir gerde nicht gut geht.
Zitat von Proband:
Aber das ist sehr schwer nach jahrzehntelangem Verleugnen.

Und das sicher auch ein Anteil, was es behindert, der zu werden, der Du sein willst u. wo dann auch immer wieder
gegen alte Verhaltensmuster angekämpft werden muss.
Ist gerade keine leichte Situation für Dich, aber man kann es schaffen, hin zu einem realen Selbstbild u. die alten Muster
zu tranformieren.

24.07.2021 13:49 • x 1 #11


Jedi
Zitat von selly:
Was würde Dir helfen dies zu tun, es so zu beginnen zu gestalten wie Du es Dir wünscht?

Zitat von Proband:
Gute Frage ...


Zitat von Proband:
positiv denken,

Nach möglichkeit reales denken, nichts konstruieren - zbspl. Zuversicht.
Zitat von Proband:
die Depression überwinden

Das ist sicherlicher ein längerer Prozess
Zitat von Proband:
Nach vorne schauen statt zurück .

Stimmt !
Es wäre doch auch sinnvoll, Frieden zu schliessen mit den Vergangenheitserfahrungen.
Zitat von Proband:
Gute Gespräche

Finde ich auch gut u. wichtig !
Zitat von Proband:
Ja und dann eine zur Abwechslung Mal gute und tiefe Beziehung ...

Der Wunsch ist berechtigt, doch gibt es eine ganz besondere Beziehung, auf die ich hier einmal hinweisen möchte u. die oft vergessen wird - dass ist die Beziehung zu uns selbst.
Ich bin überzeugt, schaffen wir es uns Anzunehmen u. zu Akzeptieren mit all unseren Anteilen,
erschafft das eine gute Beziehung zu uns selbst u. das wird sich auch darauf auswirken,
wie wir eine tiefe u. gute Beziehung zu einem anderen Menschen haben werden.

24.07.2021 14:26 • x 3 #12


Proband
OK und danke für Deinen Kommentar .... Lass das erstmal auf mich wirken ...

24.07.2021 15:24 • x 1 #13


Proband
Ich denke bei mir hat das auch viel mit meinen Eltern zu tun. Mein Vater der Erfolgstyp immer unter Kontrolle und meine Mutter die Emotionale und Gefühlvolle. Dann meine Jobs, erst als gelernter Handwerker, der harte und trinkfeste Typ, dann im Büro und beim Kundenkontakt abgeklaerte und verkaufspsychologisch geschulte Kaufmann.
Das alles hat mich und meine Rollen trefflich ausgeprägt.
Aber der durchaus weiche und emphatisches Kern wurde immer verleugnet und klein gemacht.
Was hab ich an Zeit verschenkt in diesen Rollen. Nach dem Motto mein Haus, mein Auto, mein Konto ...alles nur oberflächlich ... alles nicht wirklich von Wert und nun als 56 - jähriger will ich s nochmal wissen . Nur weiss ich noch nicht wie ?

24.07.2021 19:43 • x 4 #14


A


Hallo Proband,

x 4#15


Jedi
Zitat von Proband:
Was hab ich an Zeit verschenkt in diesen Rollen.

Du solltest jetzt so nicht denken, denn auch diese Zeit ist keine verschenkte Zeit.
Du könntest diese Erfahrungen darin einfließen lassen, indem was Du nun noch machen möchtest.
Zitat von Proband:
Nur weiss ich noch nicht wie ?

Villt. ist jetzt noch nicht die richtige Zeit u. gebe Dir die Zeit, dass für Dich auch richtige zu finden !
.........................................................................
Zitat von Proband:
Ich denke bei mir hat das auch viel mit meinen Eltern zu tun.

Sicher nehmen wir unsere Prägungserfahrungen mit in unser Erwachsenenleben.
Aber nun hast Du noch die Möglichkeit, die Weichen für Dich neu zu stellen, hin zu mehr Zufriedenheit in Deinem Leben.
Therapeutische Hilfe wird Dich dabei ein guter Begleiter sein. - Auch wenn es gerade nicht einfach ist,
einen Therapeuten zu finden - gib nicht auf u. bleibe auf der Suche am Ball.

24.07.2021 20:21 • x 2 #15

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