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Diagnose Double Depression - und nun?

D
Hallo zusammen,

ich bin neu und hab da mal ein paar Fragen.

Nachdem ich mich jetzt endlich dazu aufgerafft habe, noch mal einen Therapeuten aufzusuchen, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt, bzw. mein Verhalten mal in den Griff zubekommen und ich einen Ersttermin hatte, stellen sich mir aufgrund der ersten Diagnose einige Fragen.
Der Therapeut sagte, dass er denkt, dass ich eine Double Depression hab. Dysthymie und schwere Depression. Auf meine Frage, ob es mir dafür nicht zu gut geht, meinte er, dass das an der Dysthymie liegen würde, weil ich es nicht anders kenne.

Nach Hause gekommen und einiges gegoogelt. Dysthymie könnte sein, seit meiner Kindheit, würde viele andere Sachen mit erklären.

Aber bei der zusätzlichen schweren Depression hab ich einige Zweifel. Natürlich hab ich meine Momenten, in denen ich ganz unten bin, nichts mehr mag, mich selbst gerne los werden und mein Leben hinwerfen würde. Auf der anderen Seite komme ich in meinem Alltag aber eigentlich klar. Es ist nicht so, dass ich nur zuhause sitze, nichts mehr schaffe und den ganzen Tag weine. Für mich passt das mit ner schweren Depression nicht zusammen. Müsste ich im normalen Alltag nicht wesentlich mehr Probleme haben, als nur meinen eigenen Selbsthass zu kontrollieren? Mir von negativen Sachen, die schönen Dinge nicht kaputtmachen lassen?

Man hört immer, auch von Bekannten, die unter Depressionen leiden, dass sie sich zurückziehen, auf rein gar nichts mehr Lust haben und sich selbst vernachlässigen. Das habe ich nicht.

Ich frage mich jetzt, ob der Therapeut durch die Schilderung meiner Probleme die ich habe, aber halt nicht tagtäglich, sondern nur phasenweise, dass er zu einem falschen Schluss gekommen sein könnte. Er sagte mir, dass ich einen Psychiater aufsuchen solle, um mir erst einmal Medikamente zu verschreiben, dass ich aus dem Tief rauskommen soll, bzw. dass die negativen Gefühle nicht mehr so hoch laufen und die positiven unterdrücken, dass ich mal auf ein normales Level gebracht werde. Natürlich ist es einen Versuch wert, aber ich habe Angst, dass mein Problem eigentlich woanders liegt.

Weswegen ich mich hier angemeldet hab, ist die Hoffnung, dass mir anderen sagen, wie es Ihnen ergeht. Zieht ihr euch zurück, igelt euch ein oder ist es tatsächlich so, dass man auch mit schwerer Depression seinen Alltag mehr oder minder immer noch gemanagt kriegen kann? Ich fühl mich momentan, als hätte ich bei meiner Symptomatik gelogen, dabei geht's mir sch. und ich mag mich nicht, aber ansonsten läuft doch ziemlich vieles, was es doch normalerweise mit der Diagnose nicht dürfte.

Entschuldigt den wirren Beitrag. Vielleicht habe ich mich jetzt selbst verrückt gegooglet. (Man findet ja auch nur Beiträge, in denen steht, wir schlimm und einschränkend eine Depression eigentlich ist.) Ich hab morgen gottseidank noch ein Zweitgespräch und werde das den Therapeuten ebenfalls fragen. Aber mir würde es echt helfen andere Meinungen dazu zu hören. Von Menschen, die es betrifft.

Viele Grüße
Dumbo

24.05.2020 12:02 • #1


buddl1
der Mensch, der dir zuhört,
er kann nur das widerspiegeln was er zuvor gehört hat...

einen Menschen nach dem ersten Gespräch zu kennen,
er wäre fasst einem Gott gleich gestellt...

man muss tief in einem suchen, vieles mit seinen Augen sehen können und auch wollen
um zu verstehen...

sicher Medis schaffen zunächst erst mal Ruhe,
das ewige Grübeln nicht unbedingt förderlich ist.
warte das Morgen ab und wer weiß, was sich darauf für dich ergibt...

ein guter Weg jedoch,
ist hier Antworten zu finden
weil allein ist keiner der hier seine Spuren hinterlässt...
buddl1,

24.05.2020 14:08 • x 2 #2


A


Hallo dumbo,

Diagnose Double Depression - und nun?

x 3#3


bones
Kann man pauschal nicht sagen, wie man sich bei einer schweren Depression sich bewegt. Es gibt Menschen, die das haben und dennoch alles weiterhin das tun , weil sie damit besser klar kommen . Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die sind überhaupt nicht mehr in der Lage bzw. nur schwer in der Lage irgendwas zumachen.

Bei mir war von beiden etwas vorhanden.

24.05.2020 14:20 • #3


K
Wenn man es von klein auf gewohnt ist kann man irgendwie viel ertragen. Man erträgt es halt. Es ist ja normal für einen. Für andere aber eher nicht.
Das hab ich auch schon festgestellt.
Man lebt ja schon solange damit und funktioniert halt.
Was ist dann eine schwere Depression? Tiefe Traurigkeit?
Lg
Karin

24.05.2020 19:16 • #4


bones
Zitat von Karin0905:
Wenn man es von klein auf gewohnt ist kann man irgendwie viel ertragen. Man erträgt es halt. Es ist ja normal für einen. Für andere aber eher nicht.
Das hab ich auch schon festgestellt.
Man lebt ja schon solange damit und funktioniert halt.
Was ist dann eine schwere Depression? Tiefe Traurigkeit?
Lg
Karin



Schwere depressive Episoden werden diagnostiziert, wenn alle drei Hauptsymptome und mindestens vier zusätzliche Symptome vorhanden sind. Außerdem müssen die Beschwerden mindestens über zwei Wochen anhalten.

24.05.2020 19:52 • #5


maya60
Guten Morgen, Dumbo, und Willkommen hier im Forum, zuerst möchte ich mal feststellen, dass ich alle beneide, deren ÄrztInnen so gut sind, dass sie überhaupt etwas wie Double Depression in den Raum stellen.
Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es das offiziell gibt, und ich bin 60 Jahre alt, und fand es nur logisch, weil ich es ganz offensichtlich selber habe.

Und da laut meinen oberflächlichen Internetrecherchen Dysthymie und chronische Depression dasselbe darstellen sollen (?), habe ich das wohl auch, also meine offizielle Diagnose lautet chronische Depression, und dazu noch ein bis zweimal jährlich akute Phasen von schwerer Depression, die wochen- oder monatelang dauern können, ärztlicherseits aber niemand erkannte bisher.
Meine bisherige These war aber, dass es aufgrund meines ADHS und meiner extremen Reizoffenheit bei mir seit Jugendzeit spätestens zu immer häufigeren Erschöpfungsdepressionen kam und das wurde dann dauerhaft.

Die schweren Episoden sind Traumafolgen und darauf kam auch kein Arzt, aber meine Psychologin und ich selbst.

Und, ja, ich habe damit 49 Jahre lang, außer jedes Jahrzehnt etwa eine Psychotherapie, die dann einen schweren depressiven Zusammenbruch verbesserte, keine zutreffenden Diagnosen bekommen und damit aus lauter Gewohnheit gelebt und damit auch nicht die bei mir überaus notwendige medikamentöse Behandlung gehabt, um meine verrückte Hirnchemie zu stabilisieren, besonders mein ADHS und dann aber auch meine chronischen Depressionen.

Wenn ich heute, mit richtiger medikamentöser Einstellung und regelmäßiger psychologischer Unterstützung und Selbsthilfe-Lebensanpassung mal wieder fühle bei Medikamentenumstellungen, was ich jahrzehntelang als Normalität aushielt und womit ich durch reinstes Daueradrenalin durch meinen Alltag getrieben wurde, wenn ich dieses wieder fühle, dann ergreift mich das Grauen, wie ich es in einem solchen vergifteten Emotionenklima überhaupt aushielt.

Naja, mit 46 Jahren war ich dann komplett und völlig ausgebrannt und das war wohl das Resultat.

Wenn du also Phasenweise immer wieder abstürzt in psychische Symptome oder Burnout, dann kann das eine schwere Depression sein, während der ganz normale Alltag, wenn du eine Dysthymie hast und nicht anderes kennst, ganz und gar nicht heißen muss, dass du kraftlos im Bett liegst und dich zu nichts aufraffen kannst, du kannst auch von der getriebenen Sorte sein und wenn die Dysthymie leicht oder mittelgradig ist, dann kannst du auch Freude fühlen, nur viel seltener und alles mehr grau in grau, so jedenfalls bei mir.

Mein bester Test für die chronische Depression war, mir mal detaillierte Depressionstests anzuschauen und dort festzustellen, dass ja wohl die ganze Welt nur noch grinsend durch die Gegend laufen müsste, wenn man dem dort möglichen zuversichtlichen Lebensblick zustimmen würde.

Und wie mir meine Behandlung zeigt, kann man die Grundbefindlichkeit stark verbessern, die emotionale. Und, ich hoffe, die wiederkehrenden schweren Episoden auch. Damit dann auch die Belastbarkeit und die gesamte Lebenshaltung hin zu mehr Freude und Emotionenbreite, so meine Erfahrung.

Soweit erstmal.

Liebe Grüße! maya

25.05.2020 06:12 • x 6 #6


D
Hallo zusammen,
Und Hallo Maya,

deinen Beitrag zu lesen hat mir Mut gemacht, mich aber auch etwas geschockt. Ich gehe auf die 40 zu und habe auch schon viel zu lange meine Probleme (versucht) zu verdrängen leugnen. etc.
Von einer Double Depression oder Dysthymie hatte ich vorher auch noch nichts gehört und ich hab im letzten Jahr viel im Netz verbracht, auf der Suche herauszufinden, was mit mir nicht stimmen könnte. Tja Und dann kommt einer, der schlägt dir nach 30 Minut3n was vor, und in Bezug auf die Dysthymie sagst du dir... Joa.. Da könnte er echt getroffen haben.

Hatte heute mein Zweitgespräch bei besagtem Therapeuten. Die Diagnose ist nicht endgültig, auch dass ich meinen Alltag eigentlich wuppe hat er aufgenommen. Er sagte, es ist immer schwierig abzugrenzen, was schwer, mittel und leicht ist und die Fragebögen dazu sind sehr starr in den Grenzen. Er fragte auch nach, ob ich mit der Diagnose etwas anfangen kann oder was ich dazu meine. Mich beruhigt, dass es für ihn nicht in Stein gemeißelt ist. Und mir ist die Diagnose jetzt auch endlich erstmal zweitrangig, weil ich will, dass es mir besser geht und da kann mir theoretisch egal sein, was ich hab, wenn die Therapie + Tabletten funktionieren.

Auch um einen Termin beim Psychiater für Tabletten will ich mich kümmern. Was hab ich schon zu verlieren, wenn ich Pech hab, helfen sie nicht, dann kann ich sie aber jederzeit wieder absetzen. Wenn ich Glück hab, ändert sich irgendwas, was ich mir gerade noch nicht vorstellen kann. (Ein Dauergrinsen Stelle ich mir gerade noch sehr sehr anstrengend vor. )

Auf die Frage, was ich will, konnte ich ihm heute nicht recht antworten, es kam nur, ich wäre gerne glücklich und normal, das wäre zur Abwechslung mal schön.

Leider erwähnte er auch, dass er nicht weiß, ob er momentan einen Therapieplatz für mich hat.

Auf meine Nachfrage, ob er mir andere Therapeuten empfehlen kann, hab ich gleich am Samstag einen neuen Termin bekommen, in dem wir uns damit befassen, auch wenn es bei denen ebenfalls nur um einen Platz auf der Warteliste geht. Aber, wenn die Symphathie passt, sind mehrere Plätze evtl nicht verkehrt und ich kann meine Probleme mal irgendwann anfangen aufarbeiten und doch noch normal leben. Oder zumindest meinem Freund das Leben nicht so zur Hölle machen. Der bekommt meine angestaute Wut/Reizbarkeit leider jedesmal ab.

Euch allen einen schönen Abend.

25.05.2020 18:09 • x 3 #7


Julie_Norden
Liebe @dumbo,

du fragst nach unseren Erfahrungen und ich berichte dir gerne von meiner, vielleicht vermag es dir zu helfen. Ich befinde mich seit gut 5 Jahren in einem Burn-out. Allerdings, und das verstehen meine Ärzte und Therapeuten leider nicht sehr gut, habe ich bis auf die Grunderschöpfung und in zugespitzten Phasen auch eine Lebensunlust keine Anzeichen eines typischen Burn-outs. Ich habe zu keiner Zeit Antriebschwäche gehabt, eher das Gegenteil. Ich hab nicht geschafft loszulassen. Mein Hirn hat immer prima funktioniert, kein Problem mit Konzentration oder keine Lust auf schöne Dinge unternehmen, Libido, Appetit alles gleich. Das hat natürlich gar nicht gut in das Schema der behandelnden Ärzte gepasst. Ich bin ein gut gelaunter Misantroph und habe eine Panik vor Lärm. Aber echte depressive Züge gibt es nicht.

Ich mag also sagen, es gibt die verrücktesten Kombinationen und nicht immer passt alles in den Rahmen, den der Schulmediziner so kennt. Ich finde es klasse, dass du den starken Willen hast, dass es dir besser gehen soll. Und dich so aktiv in die Gespräche begibst. Ich drück dir alle Daumen, dass du schnell einen guten Platz findest!

Liebe Grüße
Julie

25.05.2020 18:25 • x 1 #8


Pilsum
Hallo Dumbo,

natürlich verstehe ich, dass es Dir angenehm wäre, wenn Du eine klare Diagnose hättest.
Die gibt es bei psychischen Störungen leider eher selten.

Ein wesentlicher Grund besteht darin, wie auch @buddl1 es schon gesagt hat
Zitat:
der Mensch, der dir zuhört,
er kann nur das widerspiegeln was er zuvor gehört hat...


Dies bedeutet, wenn Du Dein Problem noch nicht genau genug beschreiben kannst,
kann folglich auch die gestellte Diagnose nur ungefähr zutreffen.

Das ist aber nicht schlimm. Weil Deine Therapiegespräche wirst Du selbst nach Deinen
Wünschen und Bedürfnissen mehr oder weniger gut selbst steuern.
Wo Deine psychischen Probleme vermutlich liegen erkennst Du meistens dann,
wenn Du beobachtest, wie Du mit anderen Menschen kommunizierst (umgehst).
Zitat:
Oder zumindest meinem Freund das Leben nicht so zur Hölle machen. Der bekommt meine
angestaute Wut/Reizbarkeit leider jedesmal ab.


Wofür brauchst Du hier eine weitere Diagnose? Beseitige mal diesen sichtbaren Teil
dieser Verhaltensstörung. Möglicherweise gehst Du mit Dir selbst ja genauso um,
wie mit Deinem Freund. So etwas kannst Du lernen abzustellen.
Danach kannst Du weiter danach suchen, was Du im zwischenmenschlichen Bereich
noch erkennst.

Viele Grüße

Bernhard

06.06.2020 11:49 • #9


D
Zitat von Pilsum:
Wofür brauchst Du hier eine weitere Diagnose? Beseitige mal diesen sichtbaren Teil
dieser Verhaltensstörung. Möglicherweise gehst Du mit Dir selbst ja genauso um,
wie mit Deinem Freund. So etwas kannst Du lernen abzustellen.

Nicht nur möglicherweise, ich gehe so mit mir selber um, bzw. noch schlimmer. Hatte ich oben nicht erwähnt. Ich habe eine ziemlich stark (erlernte) Selbstablehnung, Selbstherabwürdigung. Ich weiß sogar ziemlich genau woher sie kommt, was mir leider bisher nichts im Umgang mit mir und anderen geholfen hat.

Bei dem Therapeuten war ich jetzt viermal im Sinne des Vorgesprächs. Er hat ganz zu Beginn gesagt, er empfehle mir eine längere Therapie, jetzt sagte er, er würde erstmal mit einer Kurzzeittherapie anfangen und gucken, wohin uns das führt. Er meinte auch, dass er das Hauptthema darin sieht, dass ich Konflikte besser bewältige, woraufhin ich ihn korrigieren musste, denn ich seh mein Problem nicht im Konflikt, sondern darin, dass ich diese Konflikte mit meinem Verhalten auslöse und das würde ich gerne ändern.

Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte. Entspannter zu reagieren, wenn etwas gerade nicht funktioniert oder nicht so schnell erledigt ist, wie ich es will. Entspannt auf eigene Fehler schauen können, ohne Über-Perfektion von mir selber zu erwarten. Meine Bedürfnisse einfach mal wörtlich ausdrücken können, ohne wie ein Kleindkind zu reagieren, überhaupt herauszufinden, was ich in bestimmten Situationen überhaupt will anstatt gleich wütend zu werden.

Ich hatte überlegt, ob es sinnig ist, die Therapie bei dem Therapeuten durchzuführen oder doch zu warten bis ein anderer Platz hat, der meinte, ich habe zusätzlich zur Depression einen Anteil der emotional, instabilen Persönlickeitsstörung des impulsiven Typs. Gottseidank steht mein Freund trotz allem hinter mir, kennt mich sehr gut und meinte, fang doch da erstmal an. Wenn sich herausstellt, dass es nichts ist, kannst du wechseln. Wenn du jetzt auf den anderen wartest und dann da anfängst, denkst du dasselbe andersherum, nämlich, dass du doch lieber bei dem Ersten hättest bleiben sollen. Und er hat Recht, ich bin echt unfähig Entscheidungen zu treffen, ohne sie vorher tot durchdacht zu haben.

Ich hab halt Angst, dass ich wieder Zeit verschwende, die ich besser hätte einsetzen könnten. Meine letzte Therapie war vor 3,5 Jahren der totale Reinfall, aber ich war leider unfähig, dem Therapeuten zu sagen, dass es mir nicht hilft, wenn er mich zurück anschweigt, wenn ich nichts zu sagen habe und ansonsten gerne hätte, dass ich das Verhältnis zu meinem Vater bessere, denn er sieht, dass mich das belastet. *kräftig mit den Augen roll* Manchmal kann man bestimmte Dinge eben einfach nur abhaken und nicht nachholen, weil die andere Person das nicht möchte/will/kann.

Ich schweife ab. Ich werd beim 5. Vorgespräch nochmal klar machen, worum es mir geht in der Therapie und auch fragen, wie diese aus der Sicht des Therapeuten ablaufen soll. Was mich erwartet. Ich weiß teilweise nicht, worüber ich reden soll, was erwartet mein Gegenüber... Vergangenheit, Gegenwart, Probleme, schöne Dinge... Ich find das echt schwierig. Ich wurde beim letzten Termin gefragt, woran ich merken würde, dass mir die Therapie helfen würde bzw. was passieren müsste damit es besser wird. Und ich saß da und dachte mir, also wenn ich das wüsste, säße ich doch nicht dort. Also war es ein, ich weiß es nicht, ich wünschte halt, mir würde jemand sagen, tu doch mal dies oder jenes und schaue wie es läuft, mir eine Art Anweisung gibt, was ich probieren kann, damit es besser wird.

Mal gucken, was nächste Woche noch raus kommt.

06.06.2020 13:32 • x 1 #10


Pilsum
Vielen Dank für Deine aussagekräftige Antwort.

Ich habe den Eindruck, Du weißt ziemlich genau, was Du möchtest. Zumindest schriftlich
hast Du das hier klar ausgedrückt. Dann kannst Du es sicher im Gespräch auch in Worte fassen.
Zitat:
Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte. Entspannter zu reagieren, wenn etwas
gerade nicht funktioniert oder nicht so schnell erledigt ist, wie ich es will. Entspannt auf eigene Fehler schauen
können, ohne Über-Perfektion von mir selber zu erwarten. Meine Bedürfnisse einfach mal wörtlich ausdrücken
können, ohne wie ein Kleinkind zu reagieren, überhaupt herauszufinden, was ich in bestimmten Situationen
überhaupt will anstatt gleich wütend zu werden.


Hervorragend zusammengefasst hast Du das, finde ich. Dann gehe es an. Nun wirst Du fragen.
Und wie mache ich das?
Du kannst ganz langsam beginnen Dir bewusst anzuschauen, wie Du normalerweise reagierst.
Nun sagtest Du. Zukünftig möchte ich gern anders reagieren. Das kannst Du langsam lernen, wenn
Du das möchtest.
Voraussetzung dafür ist, dass Du Dich ein wenig damit beschäftigst, wie wir mit unserem Kopf denken
und was wir machen sollten, wenn wir etwas ändern möchten.

Dein Freund wird Recht haben. Du solltest einfach anfangen. Dann kannst Du immer noch überlegen, ob
Du dabeibleibst oder etwas anderes lieber machst.
Das Du Zeit verschwendest, davor brauchst Du keine Angst zu haben. Wenn Du jetzt intensiv trainierst,
Deine Empfindungen etwas besser zu kontrollieren, wirst Du Erfolg haben.
Zitat:
Also war es ein, ich weiß es nicht, ich wünschte halt, mir würde jemand sagen, tu doch mal dies oder jenes
und schaue wie es läuft, mir eine Art Anweisung gibt, was ich probieren kann, damit es besser wird.

Zitat:
Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte.


Erkennst Du, wie sich diese beiden Aussagen von Dir widersprechen?

Mal abgesehen davon, dass das Leben fast nie so läuft, wie wir es gern hätten, solltest Du weniger
andere fragen, was Du machen sollst. Weil wenn Du immer andere fragst, entscheiden die für Dich
und dann läuft es noch seltener so, wie Du es möchtest. Und Deine Aggressionen steigen weiter.
Zitat:
Und er hat Recht, ich bin echt unfähig Entscheidungen zu treffen, ohne sie vorher tot durchdacht zu haben.


Wenn Du glaubst, Dein Freund hat hier Recht, dann beginne heute noch Entscheidungen schneller
zu treffen, ohne sie bist zum toten Ende zu durchdenken. Falls Du später feststellst, dass eine andere
Entscheidung für Dich besser gewesen wäre, kannst Du Deine Entscheidung später eventuell nochmal korrigieren.

Viele Grüße

Bernhard

06.06.2020 16:57 • #11


Mas83
Liebe Dumbo,

Ich möchte nur kurz über meine eigene Erfahrung erzählen, vielleicht bringt dir das was.

Ich habe (in Nachhinein diagnostiziert) mindestens 3 depressive Episode gehabt. Bei der erste hatte ich konkrete Vorstellungen wie ich mich umbringen könnte, ich könnte kaum einem Zug sehen, weil ich dachte, ich springe auf den Gleisen und jeder Tag hatte ich unglaublich viele Panikattacke, ich könnte nie ruhig sitzen, war komplett klaustrofobisch und schaffte es doch irgendwie den normalen Alltag zu bewältigen. Einfach weitermachen.

Bei der zweite Episode war ich zu müde zu Duschen, sah ich den Sinn von vielen Dingen nicht ein, hatte aber keine Suizidgedanken und bin weiterhin arbeiten gegangen.

Der jetzige Episode dauert fast schon 2 Jahre, vor ungefähr einem Jahr ist sie diagnostiziert. Seitdem arbeite ich nicht mehr. Ich habe keine Panikattacke, ich kann ruhig sitzen, habe keine Suizidgedanken, aber ich war sehr oft hoffnungslos, traurig und bin in einem Platz gelandet wo alles schwarz und leer und ohne Gefühle war, und ich bin unendlich müde. Seit ein paar Monate nehme ich Medikamente und das hat mich viel geholfen, um nicht mehr in diesem schwarzer Loch zu fallen. Ich bin aber noch immer müde und vieles kostet mir Kraft.

Was ich damit sagen will, ist das jeder Depression anders ist. Auch mein Psychiater meinte, ich hätte eher eine schwere Episode, meine Psychologin meint mittelschwer. Und am Ende ist es auch egal.

Ich glaube, du weißt was du willst. Hör auf deinem Gefühl. Und nimm vielleicht den Platz an, wechseln kannst du immer noch.

Alles Gute für dich.

LG,
Mas

06.06.2020 17:34 • x 2 #12


Mira13
Hallo Dumbo,
ich bin neu hier im Forum und auf deinen Bericht gestoßen.
Ich kann mich mit deiner Situation gut identifizieren. Ich komme im Alltag zurecht, gehe arbeiten und nehme am Leben teil. Jedoch immer mit einer Grundtraurigkeit. Seit einiger Zeit erkenne ich, dass es bei mir irgendwie schon immer so war. Momentan fühle ich mich depressiver als vor einigen Jahren. Vor ca 5 Jahren begann eine schwere Schicksalszeit bei mir und das war sicher der Auslöser. Panikattacken hatte ich auch ganz lange, jedoch überstanden. Nun bin ich irgendwie in der Phase zu akzeptieren, bewusst erkennen, wütend zu sein und Lösungen zu suchen.... Wie du schon schreibst,.. es ist schwer zu beschreiben wie man fühlt und ein bisschen durcheinander. So geht es mir auch. Danke für deinen Bericht!

Wie geht es dir momentan?
LG Mira

10.08.2020 09:18 • x 1 #13


D
Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung wie es mir momentan geht. Irgendwie so lala. Mein Alltag läuft wie üblich weiter. Momentan ist's gut, dass wir Urlaub haben. Diese und nächste Woche noch. Ich bin froh, dass wir doch nicht weggefahren sind, wie ursprünglich mal geplant. Hatte absolut keine Lust auf rumlaufen und Sachen anschauen. Mein Freund ebenso wenig. Mag auch daran liegen, dass es in unseren Jobs die letzte Zeit sehr sehr stressig war und wir einfach mal froh sind abzuschalten. Und ich sowieso gefühlt nur noch müde bin.

Ich werde morgens nicht richrig wach und könnte eigentlich gleich wieder nickern. Ist aber eine schlechte Idee, weil ich dann abends hellwach sein werde. Muss mich schon ganz schön aufraffen, Dinge zu unternehmen. Erst wenn ich mittendrin bin, merke ich, wie gut sie mir tun und wie gut es sich abends anfühlt auf der Couch zu sitzen oder draußen auf der Terasse und den Tag ausklingen zu lassen.

Ich hab ein wenig Angst davor, dass mir die Diagnose als Ausrede dienen wird, wenn ich mal keine Lust auf bestimmte Dinge haben. Ach, ich hab ja ne Depression, also kann ich doch auch liegen bleiben. Bisher klappt's aber meist noch mit m Aufraffen und wenn wir mal nen Tag wenig tun ist das auch ok.

Mein größeres Problem ist aber anscheinend wohl mein Selbstwert. Daran arbeite ich auch gerade in der Therapie. Bin bei dem ersten Psychologen geblieben. Der tut mir ganz gut. Ich hätte zwischenzeitlich noch Probesitzungen bei einer anderen sehr jungen Psychologin. Hab allerdings gemerkt, dass sie mir eher auf die Nerven geht. Sie redete zu viel, hat mich ständig gelobt, wie weit ich doch eigentlich bin und dass ich auch einem guten Weg bin etc pp blablabla. Gerade das Loben hat mich ziemlich genervt. Ich weiß ja selber, dass ich vieles schon erkannt hab und nun an einem Lösungsweg arbeite aus meinen ganzen alten, erlernten Verhaltensmuster auszubrechen. Ich brauche dafür kein Lob, das bringt mir so gar nichts. Ich finde Lob von anderen Menschen ok, es ist ihre Sicht der Dinge, kann ich hinnehmen, aber ich ziehe da nichts draus, mag sein, dass andere Menachen das brauchen und es ihnen wichtig ist, Anerkennung zu bekommen von anderen, mir nicht. Ich muss lernen, dass ich mich selber mag, dass ich selbst da hin komme mich zu loben, stolz auf mich zu sein, auf Dinge, die ich tue oder eben sein lasse, dass ich ok bin. Das lerne ich leider nicht dadurch, dass andere mich loben. Das wirkt auf mich eher albern. Mag vielleicht auch an ihrem Alter gelegen haben und daran, wie sie das Lob aussprach. Der Therapeut, bei dem ich dann geblieben ist, macht das irgendwie anders. Er lobt eher indirekt ohne zu sagen oh, das ist aber sehr gut, dass sie das gemacht haben, da können Sie aber stolz auf sich sein! Es ist eher so Merken Sie, was sie da gemacht haben? Was empfinden sie dabei? Er bringt mich eher in die Richtung bestimmte Dinge anzuerkennen und andere zu akzeptieren, die ich bisher als total furchtbar angesehen habe, dass sie vielleicht gar nicht so schlimm sind. Er bringt mich zum nachdenken, zzm überlegen. Manchmal ist er auch still. Das war am Anfang furchtbar. Unerträglich. Ist es eigentlich immer noch, aber ich versuche zu lernen, es anzunehmen, einfach mal 5 Minuten gar nichts sagen, da sitzen, fühlen, wie es mir geht, die Anspannung wegzulassen. Immerhin Sitz ich in den Sitzungen nicht mwhr so oft in der Abwehr, hab Acht Stellung, sondern teilweise zurückgelehnt, fast entspannt.

Ich werde am 24.8. mit meinen Tabletten anfangen und hoffe, dass ich etwas aus dieser Trägheit rauskomme. Dass ich vielleicht nicht mehr bei so vielen Dingen vorher nörgle, dass ich da absolut keine Lust drauf hab, sondern sie einfach tue. Ggf sogar von vornherein Spaß dran habe. Manchmal glaube ich, dass ich mir unbewusst solche Dinge aufzwinge/mich zu Sachen verabrede, damit ich nicht ganz abrutsche und nur noch vor mich hinvegetiere. Ich hoffe, man versteht, was ich meine.

Ich meine, ich hab mittlerweile wohl schon ein wenig dazu gelernt. Ich wünschte, es würde alles nicht immer so ewig dauern und so mühsam sein. Dinge zu ändern ist echt Schwerstarbeit. Blöd, dass ich es alles erst so spät erkannt habe und nicht früher schon daran gerüttelt/gearbeitet hab. Ich find die Diagnose immer noch etwas komisch und auch merkwürdig, dass mir mein früherer Therapeut nie solch eine gestellt hat. Das war vor über 15 Jahren, damals war ich wegen SVV in Verhaltenstherapie, aber ne Diagnose hatte ich damals nicht wirklich bekimmen, hat mich damals auch nicht gestört, es war ja wegen dem SVV. Manchmal denke ich aber, dass man das früher hätte erkennen können dann hätte ich schon was tun können und nicht so viel Zeit verschwendet... Dann werde ich wieder sauer, weil es meinen Eltern scheinbar auch egal war, die hätten mich auch zu dem Kinderpsychologen schicken sollen. Ich war damals so auffällig neben der Spur. Aber so ist es halt eben. Nun bin ich dabei alles anzunehmen, zu ändern, zu akzeptieren. Schwierig.

15.08.2020 11:35 • x 2 #14


A


Hallo dumbo,

x 4#15


Mira13
Liebe Dumbo,
Danke für deinen Bericht. Ich kann mich da sehr gut wiederfinden. Vor allem diese Stimmung, die du beschreibst. Ich hatte auch erst Urlaub und war auf Rügen und hatte auf Unternehmungen wenig Lust. Da habe ich es so gemacht... Mir gesagt. Es ist ok, wenn ich keine Lust habe! Ich habe eine Depression. Du sagst, du hast Angst davor das dir die Depression als Ausrede dienen wird. Diesen Punkt finde ich sehr wichtig. Sie ist einfach da und du kannst ihr den Raum geben. Ich kenne das. Ich bin sehr perfektionistisch, habe gern alles unter Kontrolle und mir fällt es schwer vor anderen nicht mehr fröhlich, hilfsbereit und die Gute zu sein. In den letzten Monaten habe ich gelernt so zu sein wie ich gerade bin. Depressiv. Und das lerne ich momentan noch. Die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen. Was tut mir gut? Nichts zu machen, zu relexen,... Mir tun viele Dinge gut. Mit meinem Partner ist es so, dass er lernt damit umzugehen. Das ist ein Prozess und reden ist da ganz wichtig. Reden kann ich auch erst seit ein paar Monaten so richtig drüber. Ich habe schon immer gespürt... Irgendwas stimmt nicht mit mir. Vor 5 Jahren war ich beruflich sehr aktiv, auch noch nicht so depressiv. Dann folgten mehrere Schicksalsschläge nacheinander... Die Depression war da und Panikattacken. In dieser schweren Zeit habe ich mich entwickelt, war lange krankgeschrieben, hatte einen Therapeuten und meinen christlichen Glauben. Nach wie vor mein Anker und Entwicklungsprozess.
Es ist sehr schwer. Aber ich sehe diese Tiefen auch als Chance. Vorallem in geistiger Ebene zu wachsen. Ich bin trotzdem oft wütend und nehme meine Zustand BEWUSST jetzt erst wahr.

Mit Psychologie habe ich mich schon eit meiner Jugend beschäftigt. Da ist mir gestern eingefallen... Es gibt ja die Trauerphasen. Die sind im Allgemeinen für Sterben, Trauer und auch Krankheitseinsicht gedacht.
1: Nicht-Wahrhaben - Wollen
2: aufbrechende Emotionen
3: suchen und sich trennen
4: neuer Selbst - und Weltbezug.
Der Prozess ist nicht leicht. Ich weiß.

Schön, dass dir die Therapie gut tut. Dieses Loben mag ich auch nicht. Klingt so wie bei einem Kind.
Was die Kindheit betrifft... Ja, das ist mit ein sehr wichtiges Thema!
Mit meiner Mutti bearbeite ich die Kindheit, seit mein Papa vor 4 Jahren verstorben ist, sehr intensiv. Und mit meiner Schwester. Das hilft sehr!
Viele Themen, worüber man viel schreiben kann.
Liebe Grüße!

15.08.2020 12:58 • x 2 #15

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