Hallo,
meine Antwort wird dir wahrscheinlich nicht so gefallen, wie die anderen.
Ich bin jetzt seit 8 1/2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Ich liebe ihn, aber mir geht es in einigen Punkten ähnlich, wie deiner Frau.
Der Unterschied ist, dass ich das nicht (bzw. selten) aggressiv an meinem Partner oder meinem Umfeld auslasse, sondern an mir selbst.
Zitat von Daywalker1310:Oft kam dann von ihr die Aussage stell dich nicht so an, ich habs auch in 2-3 Jahren geschafft, mich selbst da raus zu ziehen. Das hat mich dann immer richtig verletzt und auch unter Druck gesetzt, weil ich dann dachte na toll, wieder kriegst du nichts geschissen. Außerdem bin ich der Meinung, nur weil jemand das in 2-3 Jahren schafft, muss das doch nicht automatisch für jeden anderen Borderliner auf diesem Planeten gelten, oder?
So ähnlich krieg ich das auch manchmal von meinem Freund zu hören. Er hat(te) zwar keine BPS, sonder nur eine Depression und eine Essstörung, aber er hat es raus geschafft. Er braucht keine Therapie und keine Medis mehr. Ich dagegen kämpfe seit vielen Jahren, mache Therapie um Therapie, lande immer wieder in der Klinik und futtere Medis ohne Ende.
Er unterstützt mich zwar, aber manchmal hab ich schon das Gefühl, dass er sich denkt, dass es doch irgendwann mal besser werden muss.
Gerade den Medis gegenüber ist er sehr negativ eingestellt. Ich müsse so langsam doch mal ohne klar kommen. Komme ich aber nicht.
Das macht mich manchmal sehr traurig und auch irgendwie aggressiv. Ich verstehe dich diesbezüglich sehr gut.
Also nein, es schafft nicht jeder es, eine psychische Erkrankung in kurzer Zeit oder überhaupt komplett hinter sich zu lassen. Die Frage ist, wie man damit umgeht, wenn es dem Partner eben nicht so gelingt, wie einem selbst.
Sie kann es scheinbar nicht, denn Aggressionen und Beschuldigungen ihrerseits tragen sicher nicht dazu bei.
Zitat von Daywalker1310:Auch, das ich die Wäsche nicht faltenfrei aufhängen oder nach ihrem Gusto falten konnte, führte des öfteren zu Streitigkeiten
Ich kann sowas auch nicht haben. Diese Kleinigkeiten machen mich wahnsinnig und es ärgert mich sehr, wenn ihm das egal ist bzw. er nicht dran denkt.
Ich drehe innerlich durch, wenn z.B. die Handtücher falsch gefaltet sind. Aber auch hier wieder: Ich raste eher innerlich aus. Aber manchmal pampe ich ihn auch wegen solchen Kleinigkeiten an, weil ich einfach kurz vorm Explodieren bin.
Es tut mir zwar leid, aber ich kann mich in dem Moment nicht beherrschen.
Ich weiß nicht, ob es deiner Frau auch so geht.
Ich schade lieber mir selbst, als anderen.
Zitat von Daywalker1310:Es ist auch in der Ehe sehr oft vorgekommen, das sie mir nach dem S. an den Kopf geknallt hat Ich hab das jetzt nur wegen dir gemacht, ich selbst hatte keine Lust. WAS SOLL DAS?... Kann sie sich nicht ansatzweise vorstellen, wie ich mich dabei gefühlt habe?
Ich würde es mal anders rum betrachten: Sie hat keine Lust auf S., tut es aber trotzdem dir zu liebe.
Dass sie dir das danach sagt, ist für dich bestimmt nicht schön, aber immerhin ist sie ehrlich.
Auch diese Situation kenne ich nur zu gut. Ich habe selten Lust auf S., tue es aber meinem Freund zu liebe. Allerdings auch hier wieder: Ich sage ihm das nicht, sondern mache es mit mir selbst aus.
Ich lehne mich jetzt mal ziemlich weit aus dem Fenster und behaupte, dass deine Frau ihre Erkrankung keineswegs überwunden hat und auch, dass sie keinerlei Krankheitseinsicht hat.
Es tut mir irgendwie leid, das zu schreiben, denn damit bestätige ich gerade so ziemlich alle Vorurteile, gegen Menschen mit BPS, also auch gegen mich selbst. Aber das was du schreibst, ist eben typisches BPS-Verhalten.
Manche Borderliner machen ihre Gefühlsachterbahn eher mit sich selbst aus, andere terrorisieren ihr Umfeld. Deine Frau scheint zu letzteren zu gehören.
Das tut mir leid für dich, denn niemand hat einen solchen Umgang verdient.
Wenn es dir selbst nicht gut tut, musst du wohl den Schritt gehen und die Beziehung beenden.
Einer meiner Ex-Freunde war so ein richtiger Psychopath. Beleidigte mich öffentlich, hat mich mehrfach fast verprügelt, mich zu gewissen Sachen gezwungen und noch einige andere unschöne Dinge.
Ich habe ihn gehasst, es aber trotzdem lange nicht geschafft, ihn zu verlassen.
Fazit: Ich kann deine Gedanken/Aussagen absolut nachvollziehen (wenn ich sie richtig einschätze, das kann ich nicht so gut), einige ihrer Aussagen/Taten aber auch.
Ich hoffe, es ist okay, dass ich jetzt meine Gedanken dazu geschrieben habe.
Es tut mir leid, wenn mein Text etwas wirr geschrieben ist, in meinem Kopf herrscht mal wieder das Chaos.
Aber vielleicht hilft dir das ja auch irgendwie weiter. Vielleicht auch nicht, dann tut es mir leid, dir mein Gedankenchaos aufgedrängt zu haben.