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Ehemann hat einen Burnout und keine Lust mehr

J
Hallo zusammen,

ich bin neu hier und total verzweifelt. Mein Mann hat auch einen Burnout und das schon seit einigen Monaten. Festgestellt haben wir es letztes Jahr im März.
Mittlerweile bin ich ausgezogen. (Seit 2 Wochen) Wir sind zwar nicht offiziell getrennt, aber haben auch nicht viel Kontakt. Er sagt einfach, dass er viel Ruhe braucht und er sich immer unter Druck fühlt, wenn ich zuhause bin. Ich hätte ja Erwartungshaltungen und das macht ihm Druck. Er geht weiter zur Arbeit und geht seinen Hobbies nach und ruht sich viel zuhause aus.

Sind das Verhaltensweisen, die auch jemand von euch kennt? Er schreibt mir oft, dass er mich liebt und an mich denkt, er aber Zeit braucht. Ich bin so verzweifelt. Auf S. hatte er in den letzten Monaten gar keine Lust. Wir hatten seit August keinen S. mehr, also jetzt 5 Monate. Das war vor seinem Burnout nie so. Das kenne ich von ihm gar nicht. Ist das alles normal in seiner Situation? Wie lange dauert seien Heilung? Ich bin so verzweifelt.

Danke für eure Hilfe.

23.01.2020 15:30 • #1


L
Hi,
Bin auch neu hier und kenne das alles was du beschreibst leider nur zu gut. Nur hat mein Partner eine diagnostizierte Depression.

Wie bei dir auch kann er arbeiten gehen und Freunde treffen etc, nur der Kontakt zu mir geht fast nicht.
Ich denke das er mich verantwortlich für seine Zustand macht und als Schuldigen ansieht da ich Forderungen stelle die er nicht erfüllen kann.
Er sagt mir auch immer wieder das er mich liebt, widersprüchlich aber auch Das er mich so gern verschlagen würde für das was ich ihm antuen würde.
Ist wohl ein Fehler um seine Anerkennung und Aufmerksamkeit zu kämpfen.

Ich weis so etwas tut verdammt weh und sehr verletzend so auf Distanz gehalten zu werden, hängen gelassen zu werden, nicht zu wissen ob hin oder her.
Das macht einen wahnsinnig und es ist nur schwer nachzuvollziehen warum das alles überhaupt so ist.

Ich kann dir leider keine Ratschläge geben oder Hilfen, da ich selbst nicht weis was richtig oder falsch ist in so einer Situation. Ich kann dir nur anbieten wenn du jemand zum austauschen brauchst, dem es genauso geht, dann darfst dich gern bei mir melden

05.02.2020 15:14 • x 1 #2


A


Hallo Janina_19,

Ehemann hat einen Burnout und keine Lust mehr

x 3#3


M
Ich könnte mir vorstellen, dass er sich durch Deine Anwesenheit unter Druck gesetzt fühlt, beziehungstechnisch wie gewohnt zu funktionieren, was ihn daran hindern könnte, sein momentan verändertes Innenleben erstmal so anzunehmen wie es gerade eben ist. Vielleicht ist ihm die Beziehung auch so wichtig, dass er den Abstand will, um sie zu retten. Das wäre dann keine Ablehnung, sondern eigentlich das Gegenteil.
Wahrscheinlich ist es am besten, ihm so viel Zeit für sich zuzugestehen wie er braucht und zu warten, bis er von sich aus wieder mehr Nähe zulassen kann und das kommuniziert.
Was ist schon normales Verhalten.

05.02.2020 16:03 • x 1 #3


ZeroOne
Hallo zusammen!

Ich kann als Erkrankter dazu sagen, dass es oft schwer ist, die Realität zu erkennen: oftmals stellt der Partner, oder das weitere soziale Umfeld gar keine Erwartungen an einen.
Selbst denkt man aber, dass diese Erwartungen automatisch da sind, wenn alles nicht mehr so leicht von der Hand geht wie früher. Man sieht nicht, dass die Erwartungen und der Druck von einem selbst kommen und nicht von außen.

Bei mir hat das damals auch länger gedauert, bis ich das verstanden und eingesehen hatte.
Den Druck hab ich dummerweise auch Jahre später noch - weiß jetzt aber, woher er kommt.

LG
ZeroOne

05.02.2020 16:27 • x 3 #4


L
@ZeroOne

Wie kann man denn aber begreiflich machen, das dieser Druck doch gar nicht da ist? Das man den Menschen doch einfach nur liebt und irgendwo eben auch seine Liebe brauch um durch schwere Zeiten gemeinsam durch zu gehen?

05.02.2020 16:53 • #5


ZeroOne
@Lennien1417

Ich glaube, dass es sehr schwer ist, von selbst auf den Trichter zu kommen. Und seinem direkten Umfeld glaubt man oft nicht. Ich denke, dass mir persönlich dabei Psychotherapie und auch der Austausch mit Gleichgesinnten (wie hier im Forum) erst die Augen geöffnet hat.

LG
ZeroOne

05.02.2020 17:08 • #6


Jedi
Hallo Zusammen !

Schön, dass ihr hier ins Forum gefunden habt u. seit von mir herzlich Gegrüßt,
wobei der Anlass weniger schön ist.

Ich war auch von einem Burn Out betroffen, was aber heißt, dass ich mich physisch u. psychisch erschöpft hatte.
Hinzu kam noch die Diagnose Depression u. eine Angststörung.
Ich denke, dass es wichtig für den Betroffenen ist, recht früh sich professionelle Hilfe zu suchen.
Sei es bei einem Facharzt für Psychiatrie-Psychologen oder gar in eine Fachklinik für Psychiatrie.
Da oft die Wartezeiten auf einen Therapieplatz lang sein können, sollte da auch nicht gezögert werden u.
wenn möglich, sich zeitnah um einen solchen Therapieplatz zu kümmern.

Warum ein Betroffener abstand haben muss von seiner Partnerin, ist mir persönlich nie wirklich klar geworden u.
warum die Partnerin Druck auslöst, erklärt sich mir nicht, obwohl auch hier im Forum so einige davon berichten.
Ich war froh, dass ich meine Partnerin hatte, auch wenn sie durch meine Erkrankung mehr Verantwortung
übernehmen musste.
Aber sie hat ihr Leben weiter gelebt, hat sich mit Freundinnen getroffen und vieles Andere gemacht, was ihr wichtig war.
Das einige Betroffene noch ihrer Arbeit nachgehen u. sich mit Freunden treffen können, um mit ihnen etwas zu unternehmen,
war mir persönlich nicht mehr möglich u. so habe ich meinen Job aufgeben müssen u. leider hat sich auch
mein Freundeskreis, durch meine Erkrankung verändert.
Aber dies ist natürlich meine persönliche Geschichte !


Jannina sprach vom Verlust des Intimleben, welches sich so erklären lässt, dass eine Erschöpfung sich langsam entwickelt
u. Stress sich bei den Betroffenen nicht mehr regulieren lässt.
Wer dann noch arbeiten geht, verbraucht meist die gesammte Energie für seinen Job,
Zuhause ist meist dann keine Energie mehr vorhanden.
Auch sind Gefühle u. das seelische Gleichgewicht sind massiv gestört, so dass ich behaupten möchte,
dass diese Unlust nichts mit euch persönlich zu tun hat u. das würde ich als gesichert so behaupten !

Ich würde euch die Empfehlung geben, macht euch nicht vonm Verhalten eures Partners abhängig u. tut,
wonach euch ist.
Helfen muss sich der Betroffene selbst u. ihr könnt euren Partnern diese Verantwortung auch nicht abnehmen.
Davon würde ich euch dringend abraten, ihm helfen zu wollen !
Das funktioniert nicht !

Wenn eure Partner euch auf Distanz halten, dann kümmert euch gut , um euer eigenes Leben,
denn der wichtigste Mensch in eurem Leben, ist u. bleibt ihr selbst !

Soweit von mir u. meinen persönlichen Erfahrunge !

LG Jedi

05.02.2020 17:09 • x 4 #7


ZeroOne
Zitat von Jedi:
Das einige Betroffene noch ihrer Arbeit nachgehen u. sich mit Freunden treffen können, um mit ihnen etwas zu unternehmen,
war mir persönlich nicht mehr möglich


Als bei mir der Burnout dann voll zugeschlagen hat, war ich auch auf kompletter Flatline: da ging weder Job, noch Familie, noch Freunde, noch Hobbies, etc.

Aber in der Zeit vor dem Zusammenbruch - als ich schon auf dem letzten Zylinder gelaufen bin - war es tatsächlich so, dass ich meine restliche Kraft auch lieber in das zwanglose, unverbindliche, verantwortungsfreie Feiern mit Bekannten und in meine Hobbies investiert hatte, weil ich mich da ohne irgendwelche Gedanken und Verpflichtungen einfach gehen lassen und abschalten konnte. Ich hab sozusagen ein Extrem mit einem anderen kompensiert (bzw. es versucht).

Im Nachhinein betrachtet war das ganz klar nicht unbedingt die Musterlösung und Glanzleistung meines Lebens.

LG
ZeroOne

05.02.2020 17:21 • x 1 #8


L
Muss echt sagen, es tut wirklich mal gut, auch mal die andere Seite zu hören wenn man selbst nicht daran erkrankt ist. Das hilft sehr sich überhaupt mal Bild davon machen können.

Meinem Partner fällt es wohl sehr schwer überhaupt darüber zu reden oder er kann es einfach nicht. Sagt immer nur keine Ahnung oder ich weis es nicht zu so ziemlich allem.

Wie kann man denn überhaupt eine Hilfe oder Unterstützung sein?
Tut mir leid das ich das so sage, aber in unserem Fall jetzt ist es wirklich sehr schwer und beziehungstechnisch einfach belastend. Dazu haben wir noch kleine Kinder, obwohl er mit ihnen eigentlich normal klar zu kommen scheint die wenige Zeit die er hier ist.
Aber gegenüber mir ist er einfach so komplett anders als zu allen anderen in seinem Umfeld, so agressiv als wäre ich sein Feind und er gibt mir ja auch die Schuld an seiner Depression, das sie wegen mir da ist und wegen mir leiden muss. das ist echt hart damit zurecht kommen zu müssen.
Vorhin hat er mich angebrüllt als ich ihm gesagt habe, dass es mir fehlt das Gefühl zu haben ihm überhaupt noch was zu bedeutet. Hat mich beschimpft, mir für alles die Schuld gegeben. Das ich schuld bin, dass er sich distanziert usw
Habe das Gefühl er versteht gar nicht was ich überhaupt meine oder sage, als gäbe es nur eine Sichtweise in allem und das ist seine und die ist die einzig richtige.
Er sagt ich wäre die kranke und gestört und wenn ich nicht selbst zum Psychiater gehe, dann beendet er das alles. Also er hat mich quasi erpresst so dass ich, damit er aufhört zu toben, mir wirklich ein Termin gemacht habe und ich weis nicht mal für was.

05.02.2020 18:10 • x 2 #9


J
Danke für deine Erklärungen und Worte.

Es hilft mal von einem Betroffenem zu hören.

Bei uns ist es immer noch so, dass mein Mann in unserem Haus wohnt und ich erst mal in einer zum Glück freien Wohnung bei meinen Eltern wohne. Das jetzt seit 4 Wochen. Mein Mann meldet sich jeden Tag bei mir. Er fragt wie es mir geht usw. Am Sonntag hatte er mich zum ersten Mal gefragt, ob wir zusammen Essen gehen wollen, also ein Date wie früher. Ich habe natürlich ja gesagt und wir hatten einen schönen Abend. Er hat mich abgeholt und wieder zurück gebracht.

Ich habe nichts von dem Thema angesprochen. Einfach nur ganz normal geredet.

Dazu muss ich dosages, dass ich seit den 4 Wochen nichts mehr angesprochen habe. Ich wollte ihm keinen Druck machen. Ich melde mich nie von mir aus, warte immer bis er sich meldet.

Ob das alles richtig ist, weiß ich nicht.

Mir geht es nicht gut und ich hoffe, dass bald alles wieder gut ist. Ich fürchte aber, dass es noch lange dauert.

Mein Mann geht nicht mehr zur Therapie. Er sagt, dass er es abgebrochen hat, weil er da nicht gerne hingegangen ist. Er will sich glaube ich selber helfen. Er sagt, dass er viel Ruhe braucht und sich die Ruhe nimmt, wenn er sie braucht.

Ob das alles richtig ist, weiß ich nicht.

Danke für den Austausch hier. Das hilft wenigstens etwas.

05.02.2020 20:44 • #10


Jedi
@Lennien1417 !

Zitat von Lennien1417:
Meinem Partner fällt es wohl sehr schwer überhaupt darüber zu reden

Ja, dass geht eine ganze Reihe von Männern so u. hat auch seine Gründe.
Diese jetzt hier zu erläutern, würde absolut den Rahmen sprengen.
Da haben die Frauen den Männern auch sehr viel voraus, sind offener, auch wenn es um die Hilfe
einer Therapie geht.
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Zitat von Lennien1417:
Er sagt ich wäre die kranke und gestört und wenn ich nicht selbst zum Psychiater gehe,
dann beendet er das alles.
Also er hat mich quasi erpresst so dass ich, damit er aufhört zu toben, mir wirklich ein Termin gemacht habe und
ich weis nicht mal für was.

Warum hast Du es denn dann gemacht ?
Warum lässt Du Dich erpressen ?
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Zitat von Lennien1417:
als gäbe es nur eine Sichtweise in allem und das ist seine und die ist die einzig richtige.

Wenn es aus seiner Sicht so ist, dann lasse es so stehen.
Du kannst ihm ja seine Sicht lassen u. Du behälst Deine.
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Zitat von Lennien1417:
er gibt mir ja auch die Schuld an seiner Depression,
das sie wegen mir da ist und wegen mir leiden muss.

Dem Partner oder der Partnerin für eine Depression verantwortlich zu machen, ist natürlich Quatsch.
Die Gründe für eine Depression können sehr vielfältig sein.
In einer therapeutischen Begleitung kann man der Ursache nachgehen, dafür muss man aber auch bereit sein,
eine Einsicht haben, diese Hilfe zu benötigen.
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So wie ich Deinen Beitrag lese, wird es zur Zeit keinen Sinn machen, für ein gemeinsames Gespräch.
Villt. ist die Distanz zu wahren, im Moment die bessere Entscheidung.
Weiter offen zu bleiben, um einen besseren Zeitpunkt zu finden, wo ein konstruktives Gespräch möglich sein wird.
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05.02.2020 20:55 • #11


Jedi
@Janina_19 !

Zitat von Janina_19:
Ob das alles richtig ist, weiß ich nicht.

Finde, dass Du es richtig machst !
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Zitat von Janina_19:
Mein Mann geht nicht mehr zur Therapie.

Das ist sehr schlecht !
Zitat von Janina_19:
Er will sich glaube ich selber helfen.

Bin absolut davon überzeugt, dass das nicht funktionieren wird !
Wir Menschen brauchen Resonanz u. gerade in einer Therapie, brauchen wir die Erkenntnis der Selbsterfahrung (Therapie ist Selbsterfahrung) - der Selbstwirksamkeit - u. wir brauchen Strategien, wie wir Zukünftig mit Stress,
unseren unreflektierten Gedanken u. Verhaltensmuster u. der Depressionserkrankung einen Umgang finden können.
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Zitat von Janina_19:
Ob das alles richtig ist, weiß ich nicht.

Denke, dass das nicht richtig ist u. ich glaube, dass Dir das auch bewusst ist.
Ist aber nicht Deine Verantwortung !

Meine Antworten hier, sind natürlich meine ganz persönlichen Erfahrungen u. meine persönliche Meinung dazu.

05.02.2020 21:30 • #12


L
@Janina_19
Wie hältst du das aus mit dieser Trennung?
Mich macht das so fertig kein Kontakt zu dem Menschen der mir alles bedeutet zu haben

05.02.2020 21:38 • #13


J
Ja, ich weiß, das er zur Therapie muss. Ich kann ihn aber nicht zwingen. Natürlich ist es nicht meine Verantwortung, aber sein Verhalten beeinflusst ja irgendwie auch mein Leben. Wenn es ihm nicht besser geht, geht unsere Ehe auch nicht weiter und mir geht es schlecht. Ich weiß also wirklich nicht, was ich machen soll. Endgültig trennen und mir ein neues Leben aufbauen fällt mir auch schwer.

Ich bin sehr oft traurig. Ich habe mir eigentlich bald eine eigene Familie gewünscht aber das geht jetzt so alles nicht mehr.

05.02.2020 21:39 • #14


A


Hallo Janina_19,

x 4#15


J
Total schlecht geht es mir damit. Dieser Mann war auch immer mein bester Freund. Jetzt diesen Menschen nicht mehr zu haben ist so schrecklich.

Du hast noch Kinder dazu, dann muss das noch schwieriger sein.

Ich habe mir auch immer eine Familie gewünscht und irgendwie geht das alles jetzt nicht mehr. Das macht mich zusätzlich so traurig.

05.02.2020 21:42 • #15

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