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Erfahrungen bei mittelgradig-schwerer Depression - Austausch

B
Hallo, Josef,
ich glaube, niemand kann vorhersagen, ob es weitere Episoden geben wird .Bei Anfang im Jugendalter ist die Gefahr am größten. In meinem Umkreis (bin selbst betroffen) haben viele weitere Episoden bekommen, im Alter gehäuft aber nicht mehr so heftig. Familiäre Belastung? Einige sind nach der Therapie über Jahre gesund geblieben und voller Lebensfreude. Mein Rat: Psychotherapie konsequent und langfristig, um vorzubeugen. Auch, wenn es Dir z.Zt. gut geht ! Jede weitere Episode birgt die Gefahr, dass sich eine Eigendynamik entwickelt und sie außer Kontrolle gerät. Oder - was fast noch schlimmer ist, es kommt zur Chronifizierung. Dann ist man verloren. Dass Dir die Medikamente helfen, ist schon mal ein gutes Zeichen. Achte auf Vorzeichen. Lass Dir helfen, wenn Du merkst, dass sich was zusammenbraut, frühzeitig, sofort! Gruß von bake37

19.04.2020 17:30 • x 1 #16


J
Hallo,

danke für deine schnelle und nette Antwort. Ja vorhersagen kann dies niemand, da stimme ich dir vollkommen zu.
Es wäre eben tatsächlich einfach interessant ob es wirklich auch Personen gibt die 20 Jahre oder länger keinen Rückfall
hatten und auch ob dies dauerhaft mit Medikamenten erreicht wurde oder nicht.
Ich lese immer nur Fälle im Internet wo sich die Krankheit über Jahre so dahinzieht aber keine positiven Berichte in Bezug auf wirklich geheilt.
Das mit den Vorzeichen ist sicherlich auch sehr wichtig, eigentlich begann bei mir alles mit Schlafstörungen. So lange ich aber abends Mirtazapin einnehme kann ich eigentlich keine Vorzeichen erkennen (da ich ja damit gut schlafe).
Momentan fühle ich mich zumindest 90% hergestellt und überlege ob es schon an der Zeit für eine Wiedereingliederung ist.

19.04.2020 18:44 • #17


A


Hallo charmed,

Erfahrungen bei mittelgradig-schwerer Depression - Austausch

x 3#3


B
Hallo, Josef,
wirklich geheilt + 20 Jahre ohne Rückfall, wer dieses Glück hat, der hat den 6er im Lotto. Depression ist behandelbar , nicht heilbar. da man die Ursachen nicht kennt .Die euphorischen Berichte dazu in den Medien, wie gut man doch ... sind total wirklichkeitsfremd und wecken falsche Hoffnungen .Die Kliniken sind voll von Patienten, bei denen sich die Krankheit über Jahre / das ganze Leben hinzieht sowie von den 70% der Patienten, die auf Antidepressiva nicht ansprechen. Doch von denen spricht niemand. Ich wünsche Dir, dass es bei der einzigen Episode bleibt. Damit kannst Du Dich glücklich schätzen.Ich gehöre leider nicht zu diesen glücklichen, mir haben noch nicht mal die 15 Elektroschocks geholfen.
Liebe Grüße von Mensch zu Mensch von
Bake37

19.04.2020 21:57 • x 2 #18


J
Hallo,

ich bin 52 und befinde mich in einer ähnlichen Situation. Mich hat es mit 52 erstmalig erwischt und jeder Tag ist ein Kampf.
Hattest du mit 32 Medikamente bekommen und diese durchgängig genommen oder auch wieder abgesetzt zwischendurch.
Ist die depressive Episode tatsächlich wieder komplett verschwunden ohne jegliche Restsysmptome ?

Danke für deine Antwort

28.07.2020 19:05 • #19


maya60
Hallo Josef, meine Ärzte und Therapeuten haben mir gesagt, was ich dazu auch mir selber angelesen hatte: Ca ein Drittel aller von Depression Betroffenen bekommen die Depression einmalig und danach nicht wieder. Sie können als geheilt gelten und sind auch seltener oder kürzer in Depressionsforen, weil es ihnen dann wieder gut geht.
Ein weiteres Drittel der Betroffenen bekommt Depressionen wiederkehrend, ein Teil von ihnen nur wenige Male oder in großen Abständen, ein Teil von ihnen regelmäßig.
Und dann gibt es noch ein Drittel, bei denen - wie bei mir - die Depressionen chronisch werden.

Jede Depression ist aber bei allen Ähnlichkeiten individuell unterschiedlich, weil eben so viele unterschiedliche körperliche, seelische, berufliche, familiäre, wirtschaftliche, soziale u.a. Faktoren hineinspielen können und sich gegenseitig beeinflussen können.

Gesund bist du erst, wenn du ohne Medikamente deine depressiven Symptome wie Schlafstörungen usw. los bist. Denn Medikamente, die bei schweren immer und bei mittelschweren Depressionen oft nötig sind, sind ja Heilungsmittel, Hilfsmittel, Unterstützungen im Heilungsprozess. Sie zu kurz zu nehmen, bedeutet Rückfallgefahr. Ein zu stressiges Alltagsleben zu leben auch, denn zu Zeiten von von der WHO anerkannten beruflichen Stresserkrankung Burnout, wo Burnout/Depressionen epidemisch werden, sind viele Lebenläufe Depressionen-begünstigend, die aber als ganz normal heutzutage gelten. Also Vorsicht!
Es ist ganz wichtig für die Psychotherapie, deinen Alltag daraufhin zu überprüfen.

Soweit ich es von meinen Ärzten weiß, selber gelesen habe und aus der Selbsthilfe kenne, sprechen ca die Hälfte aller Betroffenen, die schwere oder mittelschwere Depressionen haben, gut auf die gängigen Antidepressiva an, Von der anderen Hälfte spricht wiederum die Hälfte auf A.Ds an, aber nicht so durchgreifend und muss länger suchen, um das Richtige zu finden und dann gibt es noch diejenigen, die andere Hälfte, also 25%, die auf keinerlei Medikamente gegen Depressionen ansprechen.

Ich persönlich habe seit meiner Jugendzeit aufgrund meiner extremen Reizoffenheit (A.DHS bei Erwachsenen) erst episodisch, aber sehr schnell chronische Erschöpfungsdepressionen, allerdings wurde das damals noch alles nicht richtig erkannt und war die medikamentöse Behandlung ein Hammer, der einen umwarf, weshalb ich nur Psychotherapien nahm.

Erst als ich fast 50 Jahre alt war, heute bin ich 60 Jahre alt, kam ich mithilfe von Ärzten und Therapeuten und Fachliteratur auf meine richtigen Depressionen, also A.DHS bei Erwachsenen, chronische mittelschwere Erschöpfungsdepression. Dass da noch episodische schwere Depressionen dazukamen aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse, kriegten wir erst danach heraus, als mal endlich alles sortiert werden konnte.

Also, ich habe mein Leben lang mit Depressionen, leicht bis schwer, gelebt und mit 46 Jahren, als ich auch noch in den Wechsel kam und einen äußerst anfordernden Alltag hatte, da begann die Kraft auszugehen. Seitdem nehme ich A.Ds. Und seit dann das A.DHS-Medi dazukam, lernte ich kennen, ohne ständige Erschöpfung rumzulaufen, welch ein neues Erlebnis.

Endlich konnte ich auf der Basis auch meinen Alltag mit und in Selbsthilfe und Psychotherapie auf diese chronischen Erkrankungen umstellen, denn neben den Medis ist das die zweite wichtige Säule des Gutgehens trotz chronischer Erkrankungen und die psychologische regelmäßige Unterstützung ist die dritte Säule.

Da A.DHS angeboren ist und ich nicht zu denen gehöre, bei denen es sich auswuchs, bleibt mir die chronische Krankheit und auch die chronische Erschöpfungsdepression konnte nicht mehr geheilt werden, allerdings ist sie oft nur noch leicht.
Das Trauma ist gut bearbeitet und die schweren Episoden scheinen (toi toi toi) immer seltener zu werden.

Von daher lebe ich relativ zufrieden und mit Lebensqualität innerhalb meiner besonderen Lebensbedingungen.

Ich bin jetzt im Ruhestand und mein ahnungsloses Leben in ständiger Überreizung, Erschöpfung und Ratlosigkeit dazu erforderte viel kreative Selbstregulation und einen Haufen kreativer Lebenskünstlertricksereien im Alltag, bedeutete Anstrengung, Schmezr und zuviel Alarmstimmung.

Aber, dass man mit chronischen Depressionen verloren ist, kann ich ganz und gar nicht sagen. Und dass niemand nach Depressionen wieder geheilt werden wird, auch nicht.

In den Selbsthilfeforen finden sich sicherlich die längeren Fälle, denn da ist der Austausch ja einfach ein besonderer, den ich nicht an jeder Nachbarstür bekommen kann!

Dir gute Besserung, viel Gesundheit und nur Mut! Ist doch super, wieviel es dir schon besser geht!

Liebe Grüße! maya

28.07.2020 19:49 • x 2 #20


M
Zitat von Josef1968:
Hallo,

ich bin 52 und befinde mich in einer ähnlichen Situation. Mich hat es mit 52 erstmalig erwischt und jeder Tag ist ein Kampf.
Hattest du mit 32 Medikamente bekommen und diese durchgängig genommen oder auch wieder abgesetzt zwischendurch.
Ist die depressive Episode tatsächlich wieder komplett verschwunden ohne jegliche Restsysmptome ?

Danke für deine Antwort

Hallo Josef,

ich hatte in meinem Leben bereits 3 schwere Episoden und zuletzt eine leichte. Jede einzelne verschwand wieder aus heiterem Himmel ohne Medikamente (zuletzt vielmehr trotz Medikament mit schweren Nebenwirkungen) und ohne Therapie. Therapien habe ich zwar nie abgelehnt, aber ich würde rückblickend auch sagen: Die, die ich hatte, nahmen auf den Verlauf keinen wesentlichen Einfluss. Vielmehr habe ich jedesmal selbst lernen müssen, das negative Denkmodell zu brechen. Ich glaube, dass ich es zuletzt dank der sog. ABC-Theorie geschafft habe.

Mir sagten bereits mehrere Ärzte, dass eine Depression immer schlimmer würde, wenn man sie nicht behandelt. In meinem Fall hat das schlicht nicht gestimmt. Die letzte Episode nahm einen viel leichteren Verlauf als die anderen, bis zu dem Zeitpunkt, als ich ein Antidepressiva bekam (was ich künftig grundsätzlich ablehnen werde).

29.07.2020 13:23 • x 1 #21


J
Hallo Michael,

danke für deine Antwort. Das klingt sehr Interessant mit der ABC Therapie. Ich werde mich mal damit beschäftigen.
Darf ich fragen in welchen Abständen du deine Episoden hattest ?

Gruss

Josef

29.07.2020 19:46 • #22


M
Zitat von Josef1968:
Hallo Michael,

danke für deine Antwort. Das klingt sehr Interessant mit der ABC Therapie. Ich werde mich mal damit beschäftigen.
Darf ich fragen in welchen Abständen du deine Episoden hattest ?

Gruss

Josef

Hallo Josef,

gerne! Die Episoden hatten bislang keine feste Frequenz. Zwischen der 1. und 2. lagen etwa 2 Jahre, zwischen der 2. und 3. etwa 1 Jahr und - man mag es kaum glauben - zwischen der 3. und 4. fast 10 Jahre. Ich behaupte: Eine Veranlagung zur Depression bedeutet nicht, dass man in festen oder immer kürzeren Abständen welche bekommt (und die jedes Mal schlimmer werden), sondern dass es die Lebensumstände sind, die diese Depression dann auslösen. Deshalb macht die ABC-Theorie in sofern Sinn: Man übt sich darin, Dinge anders zu bewerten.

Erfreulicher Weise gewinnt das Thema Resilienzförderung in der Psychotherapie immer mehr an Bedeutung. Und mit der ABC-Theorie kann man genau daran arbeiten.

Ich würde mich freuen, wenn du mir irgendwann eine Rückmeldung geben kannst, ob dir ABC geholfen hat.

LG
Michael

30.07.2020 09:53 • #23


M
Zitat von bake37:
70% der Patienten, die auf Antidepressiva nicht ansprechen.

Hallo Bake,
das ist ja hochinteressant. Darf ich fragen, woher du diese Zahl hast?

Nicht, dass ich das nicht glauben würde - im Gegenteil, kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich werde zwar nie wieder Psychopharmaka nehmen, aber das Thema beschäftigt mich weiterhin und ich sammle dazu (möglichst seriöse) Informationen.

LG
Michael

30.07.2020 18:50 • #24


G
Guten abend ich kann sie sehr gut verstehen .auch ich leide seit2jahren an Depressionen manchmal so extrem das ich nur noch raus zum einkaufen gehe aber nicht mehr zu freunde(dinen) vor allen macht es mich fertig egal an wen man sich wendet hilfe wird einen verweigert

31.07.2020 17:47 • #25


C
Hallo an alle,

Ich bin eine Angehörige eines depressiven Partners. Ich lese mich hier ein um besser zu verstehen. Er möchte keine Hilfe, von seinen Freunden nicht, von mir nicht. Er muss aus dem Strudel alleine raus. Das bereits seit April. So wie er berichtet brodelt es schon viel länger in ihm.

Jegliche Form von Angebote werden abgelehnt. Kann mir jemand beschreiben, warum sich ein Mensch in einer depressiven Phase keinen support holt?

30.08.2020 14:07 • #26


M
Erst mal ist die Frage, was du (und Freunde) unter Hilfe verstehen. Ich hatte bei Depression immer den Wunsch, nicht länger im Job auszufallen und Medikamente nehmen wollte ich auch keine. Man müsste näheres zu Hause hm wissen, um es genauer zu sagen.

07.09.2020 07:09 • #27


D
Hallo. Ich bin neue hier. Ich stecke seit April in einer schweren Depression. Mache jetzt auch Therapie und nehme Medikamente. Trotzdem fühlt es sich so an, als würde es nie wieder normal werden. Es fühlt sich so schlimm an.
Wie lange haben eure episoden angedauert?

08.10.2020 14:23 • #28


M
Meine inzwischen 4 Episoden haben jeweils Max. 9 Monate gedauert und waren dann schlagartig vorbei. Dass man denkt, es wird nicht mehr, gehört zum Krankheitsbild, aber es ist Einbildung. Ich kann dir sagen, das Gefühl, wenn es vorbei ist, ist großartig. Halte durch! Ich habe irgendwann aufgehört, dagegen ankämpfen zu wollen und das war die Initialzündung der Heilung. Informiere dich mal über das ABC-Modell, das kann helfen, Dinge neu zu bewerten! Gute Besserung!

08.10.2020 15:12 • #29


A


Hallo charmed,

x 4#15


D
Die letzte Episode war auch plötzlich vorbei. Nur jetzt denke ich : es bleibt diesmal ganz sicher.

08.10.2020 15:16 • #30

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