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Erschöpft wegen anstrengender Arbeit - es zieht mich runter

W
Ich schreibe noch nicht lange hier im Forum, aber ich habe das dringende Gefühl, ich muss mich aussprechen.
Mein Leben mit Depressionen ist jetzt schon ziemlich lang, wenn ich genauer nachdenke, schon über 20 Jahre. Mehrmals war ich in der Klinik, das letzte Mal vor 31/2 Jahren und zwar 9 Monate lang.
Nach der anschließenden Reha habe ich versucht, mein Leben ganz umzukrempeln.
Ich bin in eine andere Stadt gezogen und habe versucht hier neu anzufangen.
Ich weiß, man nimmt sich immer selbst mit, aber es ist eine ganze Zeit lang relativ gut
gegangen.
Obwohl auch hier einiges schief gelaufen ist. Zur gleichen Zeit wie ich, fing auch mein neuer Dienstvorgesetzter, den ich aus dem Studium kannte und während einer Fortbildung auch schätzen gelernt hatte, hier an. Leider wurde er schon nach wenigen Wochen sehr krank und starb ein paar Monate später. Das war für unser gesamtes Team ein herber Schlag und es hat mich ganz schön runtergezogen. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis ein Neuer kam.
Als Team haben wir dann eine längere Fortbildung mit mehreren Modulen und 2 - jähriger Fachbegleitung gemacht, weil wir jetzt alle in größeren Räumen unseren Dienst ausüben.
Obwohl wir alle unterschiedlich sind, erlebe ich das Team als gut. Jede(r) kann sich einbringen und nach seinen Fähigkeiten und Arbeitsfeldern arbeiten, es herrscht auch ein guter Austausch und auch menschlich klappt es ganz gut zwischen uns. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich die einzige Frau in unserem Team bin (insgesamt sind wir 7).
Das heißt für mich schon, dass ich auch immer die weibliche Perspektive vertrete, zumal ich in einer Institution tätig bin, in der Männer das Sagen haben, die Angesprochenen aber meistens weiblich sind.
Ja, und dann kam Corona.
Viele sagen, es wäre jetzt nicht so viel zu tun. Ich empfinde es als äußerst kräfteraubend. Ständig überlegen, wie können Menschen zusammen kommen ohne sich zu begegnen, obwohl wir das im Grunde unseres Herzen ja eigentlich ermöglichen wollen.
Eigentlich vertrautes muss ganz neu gedacht werden. Es ist so anstrengend und ich fühl mich tierisch erschöpft - wenn ich ehrlich bin - viel mehr als das.
Ich kann nicht mehr und ich spüre, wie die dunklen Gedanken sich einnisten und das Schwere mich umhüllt.
Danke fürs Lesen
wozu

20.01.2021 21:05 • x 9 #1


R
Liebe wozu
Das tut mir unendlich leid und schmerzt mich zutiefst, dass es dir so schlecht geht.
Ich umarme dich und bin mit meinen Gedanken bei dir.
Herzlichst Robbe

20.01.2021 22:06 • x 2 #2


A


Hallo wozu,

Erschöpft wegen anstrengender Arbeit - es zieht mich runter

x 3#3


R
Liebe wozu,
bist du momentan in Behandlung?
LG, Robbe

21.01.2021 18:04 • x 1 #3


W
Nein, ich bin jetzt seit Sommer letzten Jahres nicht mehr in Behandlung. Also zur Psychiaterin gehe schon noch, aber was ist das schon.
Letzte Woche habe ich meine (jetzt ja ehemalige) Therapeutin angerufen, sie hat einmal in der Woche eine telefonische Sprechstunde.
Sie konnte verstehen, wies mir geht und war erst mal auch erfreut, dass mir das selbst aufgefallen ist, ein Erfolg der Therapie.
Normalerweise nehme ich nicht so wirklich wahr, was mit mir los ist, weil ich mich so in die Arbeit reinkniee.
Und der Zusammenbruch für mich dann ganz unerwartet kommt.
Meine Therapeutin riet mir in eine Tagesklinik zu gehen. Das wäre für mich ein absolutes Versagen meinerseits. - So nach dem Motto: - ich habe es schon wieder nicht geschafft, ich schaffe es nicht, meinen Beruf auszuüben und kann dann auch nicht in diesem (meinem Traumberuf) mehr sein, denn die Voraussetzung ist psychische Stabilität.
Ihr anderer Vorschlag: wenigstens zur Psychiaterin zu gehen und mich krank schreiben lassen. Sie hat mich gefragt, ob ich das schaffe. Vollmundig habe ich ja gesagt, aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe.
Noch etwas, das mir zu schaffen macht. Ich habe eigentlich nur berufliche Kontakte. Freunde oder Familie habe ich das letzte Mal im Sommer gesehen.
wozu

22.01.2021 20:38 • x 3 #4


R
Liebe wozu,
mir tut das so leid für dich, wenn ich das lese. Aber ich finde es toll, dass du mittlerweile merkst dass es dir nicht gut geht, das ist viel wert.
In meinen Augen bist du keine Versagerin! Du hast die ganze Zeit gearbeitet und das obwohl es dir nicht gut geht.
Gut dass du mit der Therapeutin reden konntest. Ich persönlich finde ihren Vorschlag mit der Tagesklinik sehr gut, weil du bist dort unter anderen Betroffenen, du hast Therapie, Sport, Gespräche u.v.m. und du bist nicht alleine!
Ich war auch mal in einer Tagesklinik und es hat mir sehr viel gebracht und ich kann es wirklich nur empfehlen.
Ich verstehe dich, dass es dein Traumberuf ist und du ihn nicht aufgeben willst, aber ist es das letztendlich wert, dass du an diesem zerbrichst?
Ich arbeite nicht mehr bin zu Hause, Haushalt und so. Da ist mir komischer Weise genau das gleiche passiert wie auf der Arbeit, ich hab mich immer wieder übernommen und mir ging es wie dir, liebe wozu, ich hab mich als totale Versagerin gesehen:Nicht einmal die Hausarbeit kriegst du hin! Das ist mir immer und immer wieder passiert, bis ich verstanden habe, dass ich das nicht bin. Ich bin halt nicht mehr leistungsstark, dass ich mehrere Stunden was machen kann ohne dass es Konsequenzen für mich hat.
Mittlerweile hab ich verstanden für mich, dass ich langsam machen muss und zwischendurch auch Pausen einlegen muss, aber frag nicht, das hat lange gedauert, aber jetzt hab ich gelernt damit umzugehen und das tut mir soooooo gut. Bin ich deswegen eine Versagerin? Nein. Ich bin wie ich bin und dazu lerne ich immer mehr zu stehen, natürlich auch mit Rückschlägen, aber das gehört dazu.
Ach, ich wünsch dir alles Liebe und werde für dich beten.
LG, Robbe

22.01.2021 21:12 • x 9 #5


W
Liebe Robbe,
vielen Dank für deine Antwort.
Ich finde es ausgesprochen gut, dass du für dich eine Entscheidung getroffen hast, nicht mehr zu arbeiten. Vielleicht ist einiges in deinem Leben jetzt einfacher, auch wenn es offensichtlich ein schwerer und mühsamer Schritt für dich war. Die Gefühlslagen sind ja mit meinen sehr gleich.
Da ist auch so ein Haken, den ich habe. Meine Therapeutin hat mich oft gefragt, was würden Sie demjenigen, der jetzt vor Ihnen sitzt raten? - Dazu fiel mir eine Antwort ein.
Mir selber kann ich das nicht zugestehen.
Und ich bin mir nicht mal genau sicher woran es liegt:
- ist es Hochmut ?
- bin ich es mir nicht wert?
Ich tendiere eher zum zweiten- viel halte ich nicht von mir, obwohl ich doch ständig auch bei der Arbeit versuche zu zeigen, dass ich eigentlich ganz okay bin.
Aber da kommt die nächste Frage: wie lang kann ich diese Fassade noch aufrecht erhalten?
Ich weiß es nicht, ich weiß nur ich fühl mich unendlich erschöpft, müde und kraftlos.
wozu

25.01.2021 23:39 • x 3 #6


E
Liebe wozu,

ich erkenne mich in vielem wieder, was du schreibst.

Mal ne praktische Frage:
Kannst du dir es leisten, aufzuhören?

Also ich kann es nicht und muß deshalb auch schauen, stabil zu bleiben, auch wenn es oft eine ziemliche Gradwanderung ist.
Im Moment hast du noch die Wahl, aber wenn du so weiter machst und immer wieder über deine Möglichkeiten und Kräfte gehst, hast du keine Wahl mehr und wir Frauen jenseits der haben nicht mehr so viele Kraftquellen in uns, uns ständig zu regenerieren.
Ich würde dir daher dringend eine Auszeit empfehlen.
Und es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man immer wieder strauchelt und hinfällt- aber du kannst lernen, zu sehen, daß du eben nicht mehr 100 % leistungsfähig bist, und das müssen wir auch nicht mehr sein.
Aber nur du hast es in der Hand, dafür zu sorgen, daß es dir besser geht, niemand anderer.

Zitat:
Ihr anderer Vorschlag: wenigstens zur Psychiaterin zu gehen und mich krank schreiben lassen. Sie hat mich gefragt, ob ich das schaffe. Vollmundig habe ich ja gesagt, aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe.

Warum nicht?
Was würde denn passieren?
Würdest du zur Arbeit gehen, wenn du einen Herzinfarkt hättest oder dir die Hüfte brichst?

Zitat:
Freunde oder Familie habe ich das letzte Mal im Sommer gesehen.

Ist ja dieses Jahr auch alles ziemlich schwierig
Ich habe fünfmal Besuch gehabt seit Sommer und fühle mich schon fast schuldig, weil ich Kontakte hatte .
Aber auch das ist verständlich:
Woher sollst du denn noch die Energie haben, deine Kontakte zu pflegen?
Ich kann das voll verstehen. . .

26.01.2021 07:45 • x 5 #7


R
Liebe wozu,
ich habe die Entscheidung für mich nicht getroffen, dass ich nicht mehr arbeiten gehe. Ich schaffe es nicht mehr als 3 Std. auf dem Arbeitsmarkt zu arbeiten und deshalb bin ich berentet worden.
Ich habe immer gekämpft mein ganzes Leben, ich habe dagegen angekämpft, dass mir schon als Kind prophezeit wurde, dass aus mir mal nichts werden wird, außer vielleicht Toilettenputzerin. Ich hatte kein Selbstvertrauen, woher auch, keine Selbstachtung, keine Selbstwertschätzung. Mir ist immer nur vermittelt worden, dass ich Leistung bringen muss, stark sein muss, nicht aufgeben darf, dass es immer nur um die anderen geht und nicht um mich usw.
Genauso habe ich dann auch mein Leben gelebt, bis zu dem Punkt an dem ich 2011 dann zusammen gebrochen bin und ich habe mich nicht davon erholt. Meine Leistung bzw. meine Kraft ist sehr gering, ich muss immer wieder Pausen machen, wenn ich z.B. den Haushalt mache und ich bin schnell erschöpft.
Aber weisst du was das verrückte an der Sache ist?, dass ich mich jetzt viel besser annehmen kann als früher. Ich habe gelernt zu meinen Schwächen zu stehen, was ich früher überhaupt nicht konnte. Ich habe gelernt mich so anzunehmen wie ich eben bin und dafür bin ich sehr dankbar.
Ich weiss heute dass ich niemand etwas beweisen muss, mir nicht, den anderen nicht und Gott schon gar nicht aber das hat viele Jahre gebraucht.
@Resi hat recht, nur du hast es in der Hand, dafür zu sorgen, dass es dir besser geht, niemand anderer und ich füge noch hinzu, du darfst es dir wert sein für dich einzutreten, weil du ein wertvolles und geliebtes Kind Gottes bist.
Herzliche Grüße, Robbe

26.01.2021 11:58 • x 3 #8


E
Hallo Robbe,
Zitat:
ich habe die Entscheidung für mich nicht getroffen, dass ich nicht mehr arbeiten gehe.

Bist du dir sicher?
Als ich meine katholische Opferrolle aufgeben konnte habe ich durchaus meine Eigenverantwortung gesehen, die zu meinem Zusammenbruch geführt hat.


Zitat:
Mir ist immer nur vermittelt worden, dass ich Leistung bringen muss, stark sein muss, nicht aufgeben darf, dass es immer nur um die anderen geht und nicht um mich usw.

Ich glaube, so geht es den meisten hier- damit bist du sicherlich nicht allein.
Schön, daß du einen Weg gefunden hast.
Hast du einen Partner, der dich dabei unterstützt?

Und :
Ich akzeptiere deine Religiösität und die anderer User..
Die hat aber mit mir nichts zu tun.
laß also bitte Gott im Zusammenhang mit mir aus dem Spiel!
Ob ich für mich eintreten darf entscheide tatsächlich ich.
Danke.

26.01.2021 13:24 • x 3 #9


R
Hallo Resi,
ich weiss gar nicht was du jetzt für ein Problem hast, ich wollte überhaupt nichts von dir! Ich habe zu deinem Zitat extra dazu geschrieben, dass ich dazu noch etwas ergänzen möchte.... ....
Das mit der katholischen Opferrolle hab ich auch nicht verstanden, was willst du mir denn damit sagen? Natürlich kann ich mich entscheiden eine private Aufgabe zu beenden, aber ich habe bis zum Schluss nicht gemerkt dass ich krank bin, ob du das jetzt glaubst oder nicht, es war so, und dementsprechend kann ich nichts dafür dass es heute so ist wie es ist.
Du hast ja scheinbar das Glück gehabt, dass du nach deinem Zusammenbruch wieder arbeitsfähig wurdest, das war und ist aber bei mir eben nicht so.
Ja, ich bin verheiratet, also nicht alleine, wofür ich auch sehr dankbar bin.
Gruß, Robbe

26.01.2021 19:47 • x 1 #10


E
Gut, dann zur Erklärung:


Zitat von Robbe:
weil du ein wertvolles und geliebtes Kind Gottes bist.

Weder bin ich ein Kind Gottes noch eine Tochter Allahs oder weiterer unbekannten Größen.

Zitat:
was willst du mir denn damit sagen?

Nichts.
Wie kommst du darauf?
Ich habe dich nicht explizit angesprochen, nur von meiner Erfahrung geschrieben, wie du das ja auch tust.

26.01.2021 20:34 • #11


R
Du schreibst, dass du mich nicht persönlich angesprochen hast, aber du hast doch Hallo Robbegeschrieben oder ist das nicht persönlich?
Mit Kind Gottes warst nicht du gemeint, sondern wozu, die ich persönlich angeschrieben habe und die auch ein Kind Gottes ist. Außerdem, das hatte ich dir aber vorher schon geschrieben, habe ich zu deinem Zitat extra dazu geschrieben, dass ich persönlich, also damit bist du nicht mehr gemeint, hat also nichts mehr mit deinem Zitat zu tun, noch etwas ergänze, nämlich....

26.01.2021 20:51 • #12


E
Ich bin nicht aggressiv.

Ich mach nur meinen Standpunkt klar.
Zitat:
Ich akzeptiere deine Religiösität und die anderer User..
Die hat aber mit mir nichts zu tun.


Das wars an Erklärungen von mir.

Wir sind hier jetzt OT.

Danke.

26.01.2021 20:55 • x 1 #13


R
Was ist den OT?

26.01.2021 21:01 • x 1 #14


A


Hallo wozu,

x 4#15


E
OT =Off Topic:

Das zuletzt geschriebene gehört nicht zum eigentlichen Thema des Thread-Erstellers.

Lassen wir es gut sein.
Ich hab nichts gegen dich

26.01.2021 21:40 • x 2 #15

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