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Erstes Einzelgespräch war bitter!

Pessimist
Hallo zusammen!

Ich hatte heute Mittag mein erstes, längeres Einzelgespräch mit dem Psychologen in der Tagesklinik. Und danach war ich fertig mit den Nerven!

Während des ganzes Gespräches fühlte ich mich irgendwie unterlegen und konnte machmal auch gar nicht reden oder wusste gar nicht wie ich die eine oder andere Frage beantworten könne! Es war echt schlimm!

Der Psychologe meinte auch, dass es ihm schon bewusst ist, dass es für mich sehr unangenehm ist! Von ihm gab es auch so viel Input, das konnte ich alles überhaupt gar nicht verarbeiten! Irgendwie fühlte ich mich hin und wieder sogar etwas angegriffen. Allerdings bin ich schon immer sehr empfindlich und fühle mich eh immer schnell angegriffen.

Jetzt habe ich echt Angst vor der nächsten Sitzung! Das ging mir so richtig an die Substanz und ich fühlte mich regelrecht hilflos und ausgeliefert!

Am Schluss des Gesprächs sagte mir dann der Tiefenpsychologe, dass er mit Absicht teilweise etwas frech war und ich wieder runterkommen solle. Ich sagte ihm das ich eh nicht alles behalten könne. Darauf sagte er, dass das völlig in Ordnung so sei und ich mir keinen Kopf machen solle, es ist ihm schon sehr bewusst, wie sehr unangenehm das Gespräch für mich war.

Ist das denn so üblich ? Vor allen Dingen ist ja wunderbar auf solche Gespräche vorbereitet, da er nun mal Experte auf diesem Gebiet ist. Aber ich fand das heute Mittag schon verdammt bitter!

Grüße
Pessimist

09.02.2022 21:16 • x 6 #1


aurora333
Lieber @Pessimist ich habe Dir eine PN dazu geschrieben...Du weisst ich halte nicht viel von derartigen Methoden...

09.02.2022 23:23 • x 2 #2


A


Hallo Pessimist,

Erstes Einzelgespräch war bitter!

x 3#3


Stromboli
Guten Morgen
Ich hab deinen Post gestern spät noch gelesen und mochte dann nicht mehr schreiben.
So wie du das Gespräch schilderst, finde ich es ganz und gar nicht üblich. Wie der Psychologe es schildern würde, weiss ich natürlich nicht, aber für dich zählt, wie DU dich dabei gefühlt hast, und sein Job ist, dich darin ernst zu nehmen.
Zumindest scheint ihm ja klar gewesen zu sein, dass es für dich schwierig war.
Warum er dir ein schwieriges Gespräch zumutet, wird für mich nicht klar.
Jedenfalls müsste aus meiner Sicht beim zweiten Gespräch erstmal das Hauptthema sein, dass du dich jetzt so mies fühlst nach dem ersten. Und wenn er dann nicht in der Lage ist, DIR erstmal einfach zuzuhören, wenn er dich mit Rezepten, Vor-Schlägen usw eindeckt und unter Druck setzt, dann wäre es gut, du könntest dich abgrenzen und sagen, sorry das tut mir nicht gut. Kann ich grad nicht brauchen. Ich weiss, sagt sich für mich hier leicht und ist in der Situation schwer. Möchte dir trotzdem Mut machen, dich selbst ernst zu nehmen und deinem Gefühl zu vertrauen.
Herzlich Stromboli

10.02.2022 08:39 • x 6 #3


H
@Pessimist
Ich denke du solltest ihm beim nächsten Gespräch genau sagen, wie du dich gefühlt hast! Meiner Meinung nach ist das Tempo für ein Erstgespräch zu arg!
Die Intension eines Psychologen sollte sein dass der Patient erst mal Vertrauen fasst und sich gut aufgehoben fühlt. Es war sicher gut gemeint aber kontraproduktiv.
Vielleicht will sich der Psychologe selbst etwas beweisen?
Ich drücke dir die Daumen! Wenn es dir zu nahe geht, sage "Stop"!

10.02.2022 09:01 • x 4 #4


Pessimist
Irgendwie habe ich eher das Gefühl, dass ich dem Psychologen machtlos ausgeliefert bin! Wenn ich STOP sage und ihm klar mache, dass es mir in dieser Form zu weit geht oder mir seine Gangart nicht passt gibt es Ärger... für MICH!?

Und seht Ihr, schon habe ich wieder Angst vor etwas und fühle mich total ausgeliefert und unterlegen! Ein Gefühl, dass sich wie ein Roter Faden durch mein gesamtes Leben zieht, was ich ja schließlich auch gewohnt bin. Aber das ich dieses Gefühl von Angst, Macht- und Hilflosigkeit sogar jetzt auch noch in einer solchen Klinik haben würde, das hätte ich nie gedacht!

10.02.2022 09:27 • x 4 #5


Ziva
Huhu,
hier ist ja fast schon die Antwort aus meiner PN-Frage.

Ich finde genau hier muss dein Therapeut nun durch sein geschultes Auge und seine Erfahrung bemerken, worum es u.a. bei dir geht. Wie Stromboli oben schon schreibt, es ist so wichtig, dass du deinem Therapeuten im nächsten Gespräch genau mitteilst, wie du dich während des ersten Gesprächs gefühlt hast. Nur so kann es ohne schlechte Gefühle und Ängste weitergehen.


Ein bitteres Erstgespräch muss übrigens nicht bedeuten, dass der Rest auch mies wird.
Vertrau dir und hab den Mut deine Sorgen anzusprechen.

10.02.2022 11:49 • x 5 #6


maya60
Zitat von Pessimist:
Irgendwie habe ich eher das Gefühl, dass ich dem Psychologen machtlos ausgeliefert bin! Wenn ich STOP sage und ihm klar mache, dass es mir in dieser Form zu weit geht oder mir seine Gangart nicht passt gibt es Ärger... für MICH!?


Dein Therapeut scheint ja bewusst konfrontativ ("frech") vorgegangen zu sein.
Auch wenn dein roter Lebensfaden das Empfinden von Machtlosigkeit ist, hat der Therapeut das noch verstärkt.

Finde ich unverschämt und widerspricht Vertrauensaufbau!

Ganz schlechter Stil! Eitelkeit? Schlechter Therapeut?
Niemand kommt in eine Klinik, weil er sich stark fühlt.

Zitat von Pessimist:
Ein Gefühl, dass sich wie ein Roter Faden durch mein gesamtes Leben zieht,



Zitat von Ziva:
es ist so wichtig, dass du deinem Therapeuten im nächsten Gespräch genau mitteilst, wie du dich während des ersten Gesprächs gefühlt hast.


Genau, finde ich auch! Steh für dich ein!

10.02.2022 14:49 • x 4 #7


Pessimist
@maya60 Ich hatte gestern die Gelegenheit mit dem Psychologen 30 Minuten ausführlich über das Einzelgespräch mit ihm zu reden. Ja, es war so voll beabsichtigt!

Er hätte sich gewünscht, dass ich ein Fass aufmache und ich mich wehre. Ich sagte ihm, dass ich ihm eigentlich Sachen an den Kopf hätte werfen können, die ich mich so nie trauen würde. Aber genau das hatte er eigentlich von mir erwartet!
Also eine Wortwahl und Rhetorik die mir eigentlich völlig fremd ist gegenüber einer Autoritätsperson! Man kann sagen, das war eine Art Konfliktgespräch, wobei ich jedoch innerlich zusammengefallen bin und mich deshalb sehr zurückgenommen habe. Genau das war falsch!

Darauf sagte ich ihm, dass ich Angst hätte aus der Klinik zu fliegen! Er sagte mir, dass ich definitiv keine Angst vor negativen Konsequenzen und einem Rauswurf aus der Klinik zu haben bräuchte! Das ist der Punkt!

Für mich sind solche Konfliktgespräche schon immer ein Problem, jedoch bin ich bisher IMMER dabei eingeknickt! Das ist der Fehler und das muss weg!

Für mich ist das auch alles sehr komisch und ungewohnt. Genau daran muss ich arbeiten!

11.02.2022 09:23 • x 2 #8


Ziva
Hi Pessimist,

schön, dass du nochmal darauf eingegangen bist.
Das erklärt ja einiges, auch für dich.

Trotzdem finde ich die für mich doch sehr krasse Herangehensweise fragwürdig.
Ich meine, was erwartet der Therapeut denn - Schnellheilung?

Wenn du seit über 30 Jahren - so wie du bist - durchs Leben gehst und in der Klinik ein Therapeut so mit dir umgeht - beim ERSTgespräch ... das verstehe ich nicht. Weiß ich auch nicht. Ich finde, das hat auch nichts mit einer guten Taktik zu tun. Ich verstehe total, dass du dich unwohl gefühlt hast und deine Ängste kann ich mit diesem Zusammenhang viel besser verstehen. Mir würde es ganz genauso gehen und ich hätte erstmal nicht den Mut gehabt, es anzusprechen. Ich wäre in mich gegangen und hätte vermutlich dicht gemacht. Von dem Standpunkt aus Betracht ein riesen Lob an dich, dass du es angesprochen hast ! Das ist mutig. Und du bist für dich eingestanden.

Und ich wünsche mir für dich, dass dein Therapeut sich etwas zurücknimmt.
Erfolge erzielt man auch, wenn man sich auf Augenhöhe sieht.

11.02.2022 09:53 • x 5 #9


Pessimist
@Ziva In der Tat, er hätte beim Erstgespräch wenigstens einen Gang runterschalten können! Und dann nach und nach aufbauen können. Aber na ja, er wird sich wohl etwas dabei gedacht haben. Die Menschen sind nun mal nicht alle gleich, haben unterschiedliche Geschmäcker, unterschiedliche Herangehensweisen... so ist es nun mal mit uns Menschen.

Es hat mich gestern schon einiges an Überwindung gekostet, dass Einzel nochmal anzusprechen und ganz offen und ehrlich zu sagen wie ich mich diesbezüglich fühle. Aber das gehört einfach dazu, da bin ich mir schon sicher!
Er hat sich auch sehr gefreut, dass ich das nochmal so angesprochen habe! Alleine schon meine Körperhaltung hat ihm gestern schon viel besser gefallen! Ich weiß sehr gut was er meint damit. Das hat mir mein Krav-Maga-Trainer schon vor Jahren gesagt: Mein Gott, wie stehst du denn da? du siehst ja aus wie ein Opfer! Ja, genau das ist das!

Ich bin Jahrzehnte so etwas nicht gewohnt und genau das wird oft in unserer Gesellschaft ausgenutzt, man wird ganz schnell platt gemacht, alles viele viele Jahre selber erlebt.

11.02.2022 10:06 • x 2 #10


Ziva
Zitat von Pessimist:
In der Tat, er hätte beim Erstgespräch wenigstens einen Gang runterschalten können! Und dann nach und nach aufbauen können. Aber na ja, er wird sich wohl etwas dabei gedacht haben. Die Menschen sind nun mal nicht alle gleich, haben unterschiedliche Geschmäcker, unterschiedliche Herangehensweisen... so ist es nun mal mit uns Menschen.

Jap, da stimme ich dir zu.
Es hätte aber auch in die Hose gehen können. Ist es nicht, weil du für dich eingestanden bist! Toll !

Ich finde es total interessant hier lieber Pessimist. Und ich finde es noch viel interessanter, wie du das Ganze in der Klinik angehst.

Zitat von Pessimist:
Es hat mich gestern schon einiges an Überwindung gekostet, dass Einzel nochmal anzusprechen und ganz offen und ehrlich zu sagen wie ich mich diesbezüglich fühle. Aber das gehört einfach dazu, da bin ich mir schon sicher!

Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Hut ab!
Sicher gehört es dazu, für sich einzustehen. Aber nicht jeder kann das. Das ist ja die Misere.
Du bist schon einen sehr großen Schritt weiter.

Zitat von Pessimist:
Ich bin Jahrzehnte so etwas nicht gewohnt und genau das wird oft in unserer Gesellschaft ausgenutzt, man wird ganz schnell platt gemacht, alles viele viele Jahre selber erlebt.

Ja, das kenne ich auch.
Mir hat die Klinik da auch sehr viel geholfen. Ich lasse nicht mehr alles zu.

Ich lasse dir einen Drücker da.
Ziva*

11.02.2022 10:23 • x 3 #11


buddl1
ich finde auch, dass es ehr a-untypisch war, gleich beim Erstgespräch dir auf den Zahn fühlen zu müssen.
du bist dort hin, um Bestenfalls verstanden und Geholfen zu werden und nicht darin, ohne jegliche geschaffene Vertrauensbasis an deine Belastungsgrenze geführt zu werden.
aber,
er suchte eben jene Grenzen bei dir, wo du dich im realen Leben zurücknimmst, dabei kann er noch nicht wissen aus welchen Grund, den es doch herauszufinden gilt.
ja, es war wichtig, dass sofort anzusprechen um Gewissheit zu haben,
fraglich dabei bleibt, ob das zu schaffende tiefgründige Vertrauen so noch möglich sein kann.
den etwas wird dich nun immer zurückhalten, ganz offen diese Punkte anzusprechen, weil er wiederum
ohne Ankündigung seine Position von Oben einnehmen kann, um zu reizen, zu fordern, zu provozieren.
es ist eine Art von Therapie, sicher, aber kann die zu dir passen?
vor allem nach der Sitzung allein darüber befinden zu müssen?
und erst Tage später zu erklären, zu befinden?
es wäre besser, sowas im Anschluss sofort zu erhalten, damit du erleichtert, nicht erschlagen seine Räumlichkeiten verlässt,
nicht auszudenken, wenn du mehr an dir zweifelst, als dass Hoffnung zu keimen möglich ist.
für mich wäre das so, wie allein auf der sinkenden Titanic zu stehen und man sagt spring, aber den Rettungsring,
gibt es erst in der nächsten Sitzung. bis dahin lern schwimmen....
buddl1,

13.02.2022 09:26 • x 2 #12


Pessimist
Am kommenden Freitag habe ich wieder ein Einzelgespräch. Diesmal aber mit meiner Bezugstherapeutin. Ich habe ihr im Vorfeld schon gesagt, dass ich neulich große Probleme beim Einzelgespräch mit dem Psychologen hatte!
Mal schauen wie sie darauf reagiert und was sie dazu sagt...

Irgendwie fühle ich mich dennoch weiter hilflos und denen machtlos ausgeliefert!

15.02.2022 07:22 • x 1 #13


Pessimist
Heute Mittag hatte ich nun das Einzelgespräch mit meiner Bezugstherapeutin. Neben anderen Punkten haben wir auch über das Einzelgespräch mit dem Psychologen in der vergangenen Woche geredet.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die mit Gewalt an die Sache bei mir rangehen wollen! Wie erwähnt, gefühlt von mir.
Man will wohl um jeden Preis einen Erfolg bei mir am Ende der TK sehen!? Nach fast 60 Jahren soll ich wohl nach den kommenden 2 Monaten ein anderer Mensch sein!? Mal eben so...

So wie sich das heute angehört hat, wird das nächste Einzel mit dem Psychologen wohl nicht anders laufen! Habe jetzt schon wieder Bammel davor!

18.02.2022 20:43 • x 2 #14


A


Hallo Pessimist,

x 4#15


Ziva
Lieber Pessimist,

geh in deinem Tempo. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Lass dich nicht unter Druck setzen.

Du bist dort für dich.

19.02.2022 11:44 • x 2 #15

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