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Erwartungen nicht erfüllen können - ich bin ein Blender

blackJoy
Hallo zusammen

vielen Dank, dass ich hier meine Sorgen und wirren Gedanken niederschreiben darf. Ich fange mal an und erkläre meine derzeitige Situation:

Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen Job. Ich (30) arbeite im (Online-)Marketing in einem Familienunternehmen.
Die Stelle ist sehr umfassend. Man könnte sie eher als Mädchen für Alles, was die Neuen Sozialen Medien betrifft, nennen. Zudem bin ich für die neue Website/Onlineshop zuständig. Auch sind schon Grafik-Aufgaben angefallen, wie einen Flyer für ein neues Konzept zu erstellen. Letzters war mir bei der Jobauswahl sehr wichtig: Nicht nur delegieren, sondern endlich selbst kreativ tätig zu sein bzw. selbst gestalten zu können. Das hat mir in meinen bisherigen Jobs sehr gefehlt.

Ich glaube, dass es bisher an ganz gut lief: Ich fühlte mich wohl, ich war super offen und kreativ. Gedanken, wie was denken die anderen? oder Erfülle ich die Erwartungen meines Chefs? kamen zwar auf. Ich konnte aber gut mit ihnen umgehen bzw. mir einreden, dass diese Gedanken unbegründet sind. Der Chef wird schon sagen, wenn ihm etwas nicht passt, dachte ich. Diese Einstellung tat mir gut und half mir nicht in negative Gedankensprialen abzudriften.

Jetzt, seit einigen Wochen habe ich das Problem, dass ich mich kaum noch konzentrieren kann und komplett blockiert bin. Ich komme mit manchen Aufgaben überhaupt nicht voran bzw. weiß schon gar nicht mehr was ich konkret tun soll. Ich bin wie in einer Schockstarre. Nachts im Bett liege ich wie ein Brett. Und heute habe ich mich krankgemeldet, weil ich Angst habe. Angst vor den Blicken der Kollegen und Angst vor der Ewartungshaltung meines Chefs. Denn müsste ich nicht gerade jetzt, als erfahrene Onlinerin, viele Ideen und Vorschläge einbringen.

Durch die Corona-Krise musste sich das Unternehmen nämlich vor zwei Wochen schlagartig umstellen und einen Lieferdienst anbieten. Die Situation ist für alle neu und erzwingt jeden Tag Änderungen und Optimierungen. Der geplante Marketing-Plan ist aufgrund der Situation nun auch hinfällig, sodass es für mich keine Struktur gibt.

Ich fühle mich schuldig, dass ich mit der neuen WebsiteOnlineshop nicht so schnell vorangekommen bin. Denn vielleicht hätte die neue Website alles erleichtert. Jetzt wurde der alte Onlineshop aufgestockt. Dies aber von den Söhnen meines Chefs. Damit hatte ich eigentlich nicht viel zu tun. Ich fühle mich irgendwie nutzlos. Als hätte ich sogar versagt.
Viele der Kollegen sind nun in Kurzarbeit, müssen täglich Waren zusammenstellen und arbeiten unter Druck. Ich bin die, die blöde Bildchen in den sozialen Netzwerken postet oder unsere Werbung umplant. Ich packe nicht so hart an, wie die anderen. Mein Job ist nicht so wichtig, und ich arbeite noch zu vollem Gehalt und dies wahrscheinlich überbezahlt.

Ich habe zugenommen, mache nicht mehr so fleißig Sport und fühle mich richtig unwohl. Ich halte diese Anspannung nicht mehr aus. Am liebsten würde ich einfach nichts tun wollen. Suizid-Gedanken kommen immer wieder auf, ist aber nichts was beunruhigen müsste.

Ich kenne dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Starre von meinen bisherigen Jobs schon. Letztes Jahr war ziemlich durcheinander: Kündigungen, lange Krankschreibungen, Therapie, Arbeitslos, Fortbildung gemacht, etc.
Die Verhaltenstherapie hat mir sehr geholfen und war wichtig mich selbst und mein Verhalten besser zu verstehen. Ich fühlte mich wieder startklar und gut gerüstet für einen neuen Job, einen Job in den mir keiner reingeredet hat, den ich ganz für meine Bedürfnisse ausgesucht habe. Nur wenige Freunde wissen von ihm. Ich wollte es nämlich erst meiner Familie erzählen, wenn ich die Probezeit bestanden habe. Sie denken, dass ich noch in der vorherigen Firma bin.

Ich habe das Gefühl mich selbst immer in solche auswegslosen Situationen zu manövrieren. Das nervt und macht mich kaputt.

Vielleicht war von euch schon mal einer in einer ähnlichen Situration und kann mir irgendwie einen Tipp geben oder mir die Angst nehmen. Oder mir sagen, was ich falsch gemacht habe oder unbedingt ändern muss.

Liebe Grüße bleibt's gesund!

06.04.2020 14:29 • #1


Dani82a
Hey,

wenn ich deinen Beitrag so lese, stolpere ich über ein paar Begriffe, die mir zeigen, dass du sehr von dem abhängst, was das Außen von dir denkt/denken könnte.

Ich spüre hier so eine Art Angst, nicht gut genug zu sein bzw Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Aber den Job hast du dir ausgesucht, nicht wahr?
Und anfangs war das auch okay für dich.
Dann kommt der Bruch durch das Corona und du stehst nun ohne Plan da.
Es läuft nicht so, wie es angedacht war - wie du es dir vorgestellt hast.

Natürlich ist da Frust, keine Frage.

Hast du denn bei der Erstellung des neuen Onlineshops um Unterstützung gebeten?
Oder musstest du das alleine machen?

Hast du Angst, dass wenn du dir und den anderen deine momentane Unsicherheit eingestehst, dein Job gekündigt wird?

Niemand kann für die momentane Lage etwas. So bitte laste dir nicht die Schuld für die Situation auf deine Schultern auf.
Wenn jemand sehr auf Pläne und Kontrolle bedacht ist, kann es auf jeden Fall zu Glatteis kommen, wenn man sich nicht zumutet außerhalb des Plans zu handeln/zu arbeiten.
Versuche dich auf die derzeitige Situation einzulassen.
Auch wenn du nur Bildchen online stellst oder so - momentan.
Bedeutet nicht, dass du deine Kompetenzen abgegeben hast.
Derzeit müssen sehr sehr viele ganz anders arbeiten und handeln, als sie es gewohnt sind.
Man muss in solch einer schwierigen Lage zusammenhalten und sich unter die Arme greifen.
Meinst du, deine Kollegen bzw deine Vorgesetzten würden deine Problem verstehen?

Ein Blender bist du meines Erachtens nicht.
Eher jemand, der gerade die Ruder nicht mehr in der Hand hat und auf dem offenen Meer vor sich hin treibt.
Daran kannst du in jedem Fall etwas ändern.
Suche den Kontakt zu deinen Vorgesetzten und biete dich an evtl noch bei anderen Kollegen zu helfen, wenn deine Kapazitäten derzeit nicht ausgeschöpft ist.

Kommunikation ist wichtig und die Akzeptanz, dass die Dinge gerade nicht so laufen, wie sie normalerweise laufen würden.

Zitat:
Denn müsste ich nicht gerade jetzt, als erfahrene Onlinerin, viele Ideen und Vorschläge einbringen.


Kleine Meetings mit Brainstorming sind effektiv, um Ideen gemeinsam zu sammeln. Gerade derzeit ist das eine prima Möglichkeit den Zusammenhalt zu fördern und den Kollegen das Gefühl von wir sitzen alle im selben Boot zu fördern.

Du allein bist nicht für das Unternehmen zuständig. Gemeinsame Entscheidungen müssen her, damit das Unternehmen nicht allzu geschwächt aus der Krise hervorgeht.

06.04.2020 18:03 • #2


A


Hallo blackJoy,

Erwartungen nicht erfüllen können - ich bin ein Blender

x 3#3


blackJoy
Hallo @Dani82a

vielen Dank für deine Antwort.
Du hast natürlich recht, dass ich nicht allein für das Unternehmen zuständig bin und ich nicht alleine irgendwas richten kann. Es ist jetzt wichtig zusammen das Beste aus der Situation rauszuholen und ggf. Gewohnheiten aufzugeben. Du hast auch richtig erkannt, dass ich mir mit der Kommunikation schwer tue und ich meine Unsicherheit oder meine Probleme nicht ehrlich
Ich habe gar keine Angst meinen Job zu verlieren, sondern einfach nur den Chef zu enttäuschen. Ihm das Gefühl zu geben, dass er sich in mir getäuscht hat.

Ich würde gerne Ideen einbringen, aber ich denke nach und denke nach und komme zu nix sinnvollem. Das macht mich wahnsinnig und zeigt mir einfach, dass ich keine Ahnung von irgendwas habe. Der Chef und seine Familie machen viel unter sich aus. Einerseits finde ich das blöd, andererseits weiß ich, dass wenn sie mich fragen würde, ich eh keine Ideen habe.

Ich habe so Angst morgen in die Arbeit zu fahren.
Ich werde aber versuchen deinen Rat befolgen und meinen Chef über meine Unsicherheiten informieren und Feedback von ihm einholen. Ich brauche auf alle Fälle klare Ansagen, sonst geh ich unter.

Noch kurz zur Website: Die habe ich soweit fertig aufgebaut. Jetzt fehlt nur noch die endgültige Umstellung. Das kann aber jetzt fatal sein, wenn wir einen Tag wegen Tests oder Bugs verlieren. Ich würde deswegen raten, dass nicht jetzt zu machen wo das Geschäft noch zu hat und der aktuelle Shop ja halbwegs läuft.

Hättest du noch einen Tipp wie ich mit den Blockaden umgehen soll? Einfach die vorübergehende Dummheit akzeptieren?

06.04.2020 19:29 • #3


Dani82a
Hey,

bitte, bitte!

Wenn du mit deinem Chef sprichst, dann kannst du deine Unsicherheit mit der aktuellen Lage in der Wirtschaft begründen. Das sich dadurch auch Abläufe verändern (siehe Strategie, die nun nicht gefahren werden kann), etc.
Natürlich möchtest du weiterhin dein Bestes geben und würdest dich über Informationen/Ideen zu gegenwärtigen Projekten (oder so) sehr freuen.
Das lässt dich dann nicht blöd dastehen.

Ideen entstehen immer am besten innerhalb einer Gruppe/eines Teams.
Brainstorming.
Viele Köpfchen können eine wunderbare Idee zu Tage fördern.
Weiß nicht, wie ihr das handhabt: ich würde mich mit dem Vorgesetzten zur dieser Idee abstimmen und dann alle mit einer genauen Fragestellung (vorab) für ein Meeting einberufen. Das Ganze für 15min. Kurz und effizient.

Mir helfen immer Notizen. Zu jedem Gedanken. Im Nachhinein konnte ich so etwas aufgreifen und doch noch was draus machen.

Inwiefern hast Du direkt mit dem Chef und seinen Verwandten zu tun?
Würdest Du die Informationen durch den Chef für gut und aktuell halten?
Wenig Information kann zu Unsicherheit führen.

Blockaden kommen immer wieder mal - und gehen auch.
Versuche dich nicht mehr selbst so zu beschimpfen, so streng zu dir zu sein.
Das würde die Sache etwas entkrampfen.
Wenn du dir immer sagst Mir fällt eh nichts ein - dann fällt dir auch nichts ein.
Mach eine Runde über den Flur (zwischendurch) oder geh eine Runde um den Block (in der Pause).
Wenn Du Druck spürst, mach kurz Pause und atme tief ein und aus.

Versuch es - und wenn es nicht gleich morgen klappt, bleib dran.
Die vorübergehende Dummheit verabschiedet sich, sobald du dir nicht die Last für alles aufbürdest und stattdessen schaust, was gerade benötigt wird, wie du helfen kannst, etc.

06.04.2020 19:41 • #4


blackJoy
Hey

ja, ich werde versuchen ihm das zu sagen.
Das würde mir sicher den Druck nehmen, den ich mir selbst mache.

Rausgehen oder tief ein und ausatmen muss ich unbedingt wieder öfter machen. Das hilft ja wirklich.

Aktuell ist es so, dass die Familie (Chef, Chefin + 2 Söhne) sich am Abend was überlegt und am nächsten Tag gibts dann irgendwelche News oder Änderungen und dann muss ich halt sehen wie ich damit umgehe. Die Infos sind mir manchmal schon zu ungenau bzw. kann ich oft nicht ableiten, was ich nun tun soll. Was von mir erwartet jetzt wird. Ich glaube mein Chef hat zu viel Vertrauen in mich und denkt ich brauche keine Ansagen. Aber dies führt bei mir zu Unsicherheiten und erst recht zu Starre.
Einer der Söhne sitzt mir aktuell nun gegenüber und teilt sich die Aufgaben mit mir bzgl. der Bestellungen, Produkte in den Shop stellen, etc. Gefühlt hat er aber gerade den besseren Überblick als ich oder macht mehr, obwohl er erst 18 ist.

Was mich aber neben den ganzen Job-Gedöns schrecklich deprimiert, ist dass ich nicht mehr die super schlanke und sportliche Frau bin. Ich habe richtige Heißhungerattakten und komm einfach nicht mehr auf mein Idealgewicht. Irgendwie habe ich einfach nichts mehr auf was ich stolz sein kann. Oh man, ich komme mir dabei echt dämlich vor so was zu schreiben. Aber ich fühle mich echt nicht gut damit.

06.04.2020 20:14 • #5


blackJoy
Leider habe ich es noch nicht geschafft mit meinem Chef zu sprechen. Es ist gerade viel zu viel los u und es herrscht Chaos.
Heute habe ich fast 2 Stunden gebraucht um aus dem Bett zu kommen. Ich musste mich richtig zwingen. In der Arbeit komme ich kaum voran und ich verliere dauernd den Faden. So kann ich einfach nicht arbeiten. Wenn ich meine Kollegen was frage, stotterte ich rum und habe teilweise sprachliche TotalAusfälle bzw. Wortfindungsstörungnen. Super peinlich.

In der Arbeit wurde ich nun sogar angesprochen, ob es mir gut gehe, weil ich traurig aussehe. Ich war ziemlich überrascht. Ich möchte nicht, dass die mir irgendwas ansehen.ich bin ja auch nicht traurig, ich bin einfach nur müde und fühl mich einfach nicht gut.

Soll ich wieder zu Antidepressiva greifen, damit ich mal wieder klar komme?
Ich hab sie vor ca. 1/2 Jahr abgesetzt, weil ich ziemlich lahmar***ig wurde. Aber zumindest war ich nicht mehr so zerstreut und angespannt.

08.04.2020 19:44 • #6


Dani82a
Hey

Ob du wieder zu den Medis greifen solltest, da würde ich mit deinem Psychiater drüber reden.
An sich, keine schlechte Idee.

Hast du die Medis selbständig abgesetzt oder in Absprache?

09.04.2020 08:27 • #7


blackJoy
Ich hab die damals selbst abgesetzt. Mir ging's dann wieder viel besser.
Und eigentlich will ich sie auch nicht mehr nehmen.
Ich muss diese Anspannung loswerden... und muss Sport machen. Das hilft ja doch immer ganz gut!

09.04.2020 12:45 • #8


A
Hallo!
Ich würde versuchen, mit Deinem Chef zu sprechen, das wolltest du ja noch machen. Und du warst ja nicht untätig, du hast sogar die Website fertig gebaut, das ist doch gut, oder?

09.04.2020 23:27 • #9


blackJoy
Wollte ich, ja. Irgendwie hab ich's nicht gepackt. Obwohl mein Chef schon bon sich aus gefragt hat, ob's mir gut gehe. Er mache sich Sorgen.
Ich war darüber so überrascht, dass ich abgewunken habe und meinte, dass alles OK ist. Icb hab aber auch gesagt dass ich gern mehr machen will, es aber irgendwie nicht geht... Er hat dann nur gemeint, dass es schon passt und ist gegangen. Hm.
Ich will dort nicht mehr sein. Ich schaff das glaub ich nicht.

10.04.2020 20:43 • #10


A
Zitat von blackJoy:
Er hat dann nur gemeint, dass es schon passt und ist gegangen.

Dann meint er es auch sicher so.
Was denkst du was dir helfen könnte damit du dich dort besser fühlst?

10.04.2020 22:07 • #11


kalle68
Hallo blackJoy,

schön, dass du hier her gefunden hast

Zitat:
Ich kenne dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Starre von meinen bisherigen Jobs schon. Letztes Jahr war ziemlich durcheinander: Kündigungen, lange Krankschreibungen, Therapie, Arbeitslos, Fortbildung gemacht, etc.
Die Verhaltenstherapie hat mir sehr geholfen und war wichtig mich selbst und mein Verhalten besser zu verstehen. Ich fühlte mich wieder startklar und gut gerüstet für einen neuen Job


Du schreibst, dass du letztes Jahr so einiges durch gemacht hast. Hattest du letztes Jahr oder schon vorher einen Burnout erlebt ? Denn deine Beschreibungen wie, kaum Konzentration, Komplette Blockade, dass man sich mit Aufgaben überfordert fühlt, Schockstarre, Schlafstörungen, Angstzustände, soziale Isolation dh dass man Kollegen scheut, Schuldgefühle, Gewichtszunahme, Suizid Gedanken, Gefühl der Hilflosigkeit. All diese Beschreibung sind Merkmale eines fortgeschrittenen frischen Burnout.
Du schriebst dass du letztes Jahr Therapie hattest. Meinst du damit eine stationäre Reha, die du mal besucht hattest und hat sich das alles was du oben beschreibst mit Kündigungen, lange Krankschreibungen, Therapie, Arbeitslos, Fortbildung gemacht, etc inner halbe eines Jahres abgespielt ? das ist ganz schön heftig.
In der Verhaltenstherapie hast du gelernt wie man theoretisch mit Stresssituationen umgeht und fühlst dich danach wieder startklar. Hast du dich intensiv schon mal mit Burnout auseinander gesetzt, wenn nicht tue das bitte. Im Web wirst du reichlich Infos finden und es gibt such sehr gute YouTube Videos darüber.
So wie ich dich verstehe, hast mit fortgeschrittenen Burnout zu kämpfen und hattest eine Therapie, danach hast dich stark genug gefühlt , jedoch hast du weiter hin mit Burnout eine neue Stelle begonnen und dein Burnout kommt durch die Belastung wieder zum Vorschein.
Burnout ist kein Zustand, dass man mal mit einer Therapie auskuriert und gut ist es. Menschen mit Burnout sind nicht mehr so belastbar, wie vorher und müssen mit Gegenmaßnahmen leben. Dafür gibt es spezielle Reha Kliniken und Psychotherapien wo spezielle Techniken und Maßnehmen zu erlernen gibt und diese müssen langfristig umgesetzt werden und wahrscheinlich leben lang. Dein Problem ist, dass du eine neue Stelle mit alten wiederkehrenden Symptomen angenommen hast und das dich im Moment psychisch und physisch stark belastet.
Zu Gewichstzunahme muss du wissen, dass der Körper unter viel Stress auch viel Cortisol ausschüttet. Dieses Hormon blockiert dein Stoffwechsel so dass der Körper die Kalorien speichert anstatt sie zu verbrennen.
Es bringt dir nicht viel dich besser zu fühlen, dadurch werden die Symptome nicht verschwinden dh du muss (d)einen Psychiater aufsuchen und frag mal nach eine Therapie. Eine Auffrischung kann nicht schaden.

Bis auf Suizid Gedanken habe ich alles was du beschrieben hast durchlebt und warte seit über 6 Monaten auf einen Reha Termin und bin seit 13 Wochen krankgeschrieben. Vor mein Burnout war ich ein unermüdlicher Arbeitsmaschine und jetzt ist es so, dass ich schnell erschöpft werde und brauche öfter Erholungspausen. Auch ich muss damit leben, dass ich nach der Reha nicht mehr das sein werde, was ich war. Wenn ich zu meinen alten Arbeitsplatz zurückkehre, muss ich höllisch aufpassen, dass ich in mein alten Muster nicht zurückfalle, denn wer ein Burnout hatte kann ihn erneut haben.

Also Kopf hoch und versuche innerlich zu Ruhe zu kommen und bleib bitte gesund.
LG

10.04.2020 23:39 • x 2 #12


Dani82a
Zitat von kalle68:
Burnout ist kein Zustand, dass man mal mit einer Therapie auskuriert und gut ist es. Menschen mit Burnout sind nicht mehr so belastbar, wie vorher und müssen mit Gegenmaßnahmen leben. Dafür gibt es spezielle Reha Kliniken und Psychotherapien wo spezielle Techniken und Maßnehmen zu erlernen gibt und diese müssen langfristig umgesetzt werden und wahrscheinlich leben lang. Dein Problem ist, dass du eine neue Stelle mit alten wiederkehrenden Symptomen angenommen hast und das dich im Moment psychisch und physisch stark belastet.
Zu Gewichstzunahme muss du wissen, dass der Körper unter viel Stress auch viel Cortisol ausschüttet. Dieses Hormon blockiert dein Stoffwechsel so dass der Körper die Kalorien speichert anstatt sie zu verbrennen.
Es bringt dir nicht viel dich besser zu fühlen, dadurch werden die Symptome nicht verschwinden dh du muss (d)einen Psychiater aufsuchen und frag mal nach eine Therapie. Eine Auffrischung kann nicht schaden.


Kann ich so unterschreiben.
Mir ergeht es - wieder einmal - genau SO.

11.04.2020 07:08 • x 1 #13


blackJoy
Hallo @kalle68

erstmal vielen Dank für deine lange Nachricht.
Was ich durch deine Nachricht auf alle Fälle kapiert habe, ist, dass ich mich selbst wieder in einen Job manövriert habe, der mir einfach eine Nummer zu groß ist. Zu umfangreich. Ich kann nicht mehr viele unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig koordinieren oder gar erledigen. Das hätte ich vor der Bewerbung bedenken müssen. Ich hätte darüber mit meiner Therapeutin sprechen und mir Rat einholen müssen. Ich habe oft das Problem, dass ich denke ich muss alles alleine schaffen.

Ich glaube ich hole an dieser Stelle kurz aus und starte meine Story nochmal neu. Ich versuche es halbwegs kurz zu halten. Ich glaube es hilft mir nochmal zu reflektieren was bei mir so los war/ist.

Im Frühjahr 2018 ging es los, dass ich sehr schlecht geschlafen habe und schlimme Träume hatte. Ein Traum der mir sehr in Erinnerung geblieben ist, als ich von dem Tod meiner Eltern geträumt habe und nachts mit Atemnot und einem Heulkrampf aufgewacht bin. Das war so intensiv und hat mich bisschen erschrocken. Bis zum Sommer hatte ich immer mal wieder mit Schlafstörungen zu kämpfen, aber hat mich aber nicht gestört. An den Wochenenden habe ich nie ausgeschlafen, weil ich immer das Gefühl hatte, ich muss Radfahren, Sport machen. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich keine übergewichtige Person bin. Aktuell wiege ich 60 kg bei 173cm. Aber vor 3 Jahren war ich bei 55/56 kg: gut durchtrainiert und schön schlank. Bzw. habe ich mich so sehr wohl gefühlt. Ich war aber auch mit Freunden beim Feiern oder auf Festivals. Es war also nicht so, dass ich nur für mich rumgesportelt habe
In diesem Sommer habe ich mich dann auch anderweitig beworben. Das war an einem Sonntag eine Schnellschuß-Reaktion. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was der Auslöser war. Im alten Job habe ich einfach nur noch gerödelt und habe viele Überstunden gemacht, sodass ich irgendwann auch keine Kraft mehr hatte nach der Arbeit irgendwas zu machen. Das hat mich glaube ich ziemlich genervt. Die Bewerbung war nicht sonderlich gut, aber ich habe die Stelle bekommen. Also habe ich gekündigt und habe im November 18, die neue Stelle angetreten. Mit der Hoffnung, dass ich zur Ruhe komme, dass ich weniger arbeiten muss. In diesem Unternehmen hätte ich nämlich auch Überstunden ausgleichen können und insgesamt 2,5 Wochenstunden weniger zu arbeiten. Mehr Gehalt, mehr Urlaubstage. Also eigentlich alles super duper. Ein Karrieresprung.
Nach ca. 2 Wochen gings dann aber bergab und ich habe gemerkt, dass sich gar ncihts bessert. Dass es mir immer noch nicht besser geht. Ich nur noch mehr gestresst bin. Vorallem dieses Großraumbüro...Das war mir zu laut. Und so viele neue Leute...Ich fand das ziemlich anstrengend. Dann ging dass auch los mit den Essattacken. Und weil ich teilweise bis in die Nacht rein gegessen habe, konnte ich auch nicht schlafen. Am nächsten Tag war ich dann natürlich super träge und konnte mich zu gar nichts aufraffen.
An diesem Punkt habe ich mich dann dazu entschlossen zum Arzt zu gehen, aber eher weil ich dachte ich hätte irgenwas mit dem Magen. Also erste Krankschreibung....
Im Januar 19 wurde ich dann in der Probezeit gekündigt. Mittlereweile war ich wegen Depressionen oder ähnlichem krankgeschrieben und nahm erste Antidepressiva.Auf anraten meiner Ärztin habe ich eine Verhaltenstherapie angefangen. Gut war, dass ich recht schnell einen Termin bekam. In Therapie war ich regelmäßig bis Ende 2019.
Im März habe ich dann wieder bei meinem vorherigen Job angefangen. Mit 35 Stunden/Woche und nur noch einem Aufgabenbereich. Meine Therapeutin meinte es sei eine gute Übung, um das in der Theraphie gelernte anzuwenden. Ich dachte auch dass das alles eine gute Idee ist. Aber dann ging wieder alles von vorne los. Es hat einfach nicht geklappt. Es hat mich wieder alles so angestrengt und die Blockaden wurden schlimmer.
Im Mai gab es dann auch noch ein sehr aufreibendes Erlebnis mit meiner Mutter. Sie hat mir und meinen Geschwistern sehr gemeine Sachen an den Kopf geworfen. Es wurden sehr verletzende E-Mails verschickt und gemeine Sachen gesagt. Weil ich mich so hilflos fühlte und nicht mehr wusste wie ich es meiner Mama recht machen kann, hatte ich paar fiese Alk. und ich habe mich teilweise geritzt. Aber nicht schlimm. Ach, ich will gar nicht mehr daran denken. Ich vermute meine Mama ist auf alle Fälle depressiv und kann ihre Bedürfnisse nicht mitteilen (was ich teilweise selbst auch immer noch nicht so gut kann). Wenn ihr was nicht passt wird sie nur aggressiv und gemein. Meine Eltern haben sich damals sehr viel gestritten, teilweise sehr gewaltätig. Ich hatte schon immer die Rolle der Vermittlerin und Zuhörerin. Seis vermitteln zwischen Papa und Mama oder zwischen meiner Schwester und meiner Mama. Die haben ebenfalls ein seltsam schwieriges Verhältnis...

Im August wurde ich dann nach zwei Wochen Krankschreibung in der Probezeit gekündigt.
Ich habe das keinem erzählt, weil ich mich dafür immer noch schäne und nicht wollte, dass irgendwer das Gefühl hat er muss sich um mich kümmern. Obwohl das natürlich sau dumm war. Den September und Oktober habe ich viel zu Depressionen, etc. gelesen, habe ein JobCoaching vom Arbeitsamt gemacht. Ich habe mir Gedanken gemacht was mir beruflich Spaß machen würde, womit ich mich besser identifizieren kann, als dieses Projektmanagement. Deswegen habe ich dann eine ca. 1,5monatige Fortbildung im Bereich Mediendesign gemacht. Das war richtig gut. Ich wollte also in einen Job, in dem ich kreativ sein kann. In dieser Zeit wurde ich wieder viel entspannter und hab mich was den Sport betrifft auch nicht mehr so unter Druck gesetzt. Habe versucht mehr auf meinen Körper hören. Ich muss sagen, dass hat echt gut geklappt. Ich habe mich wieder mehr mit Freunden getroffen und wurde spontaner was irgendwelche Unternehmungen betrifft.
Deswegen war ich mir sicher, dass das mit dem neuen Job dieses Jahr sicher klappt. Ich bin sowas von well prepared, dachte ich.

Noch weiter zurück in meiner Vergangenhet und nur als Info: Mit 20/21 war ich zwei mal in der Geschlossenen, aber nur 1 oder 2 Tage. Das erste Mal bin ich betrunken auf die Autobahn. Das zweite Mal bin ich betrunken mit Paracetamol zu meinem damaligen Freund gefahren, der dann irgendwann den Notarzt gerufen hat, weil ich mich so oft übergeben habe.
Mein damaliges Problem war, dass ich meinen Körper gehasst habe: ich hatte so Angst vor S.; ich habe mich so geschämt für meinen Mini-Busen; ich wusste nicht wie ich darüber jemals reden kann; ich wusste nicht wie ich es ändern kann; Ich wollte so nicht sein und wusste dann keinen anderen Ausweg. Zu der Zeit wollte ich einfach nicht mehr da sein.
Vor ca. 5 Jahren habe ich mir dann meine Brüste auf eine normale Größe vergrößern lassen. Da gab es einen Moment, in dem ich wusste ich muss das jetzt ändern. Dieser Schritt hat mir und meinem Selbstbewusstsein sehr gut getan.

Oh man...Ich könnte noch paar Zeilen tippen, aber ich höre jetzt auf...

Bitte fühlt euch nicht gezwungen irgenwas dazu zu sagen. Und das meine ich ernst

Schöne Osterfeiertage auf alle Fälle die hier mitlesen!

11.04.2020 11:31 • x 2 #14


A


Hallo blackJoy,

x 4#15


kalle68
Hi blackJoy,

herzlichen Dank für die vielen wertvollen Zeilen über dein Leben

Zitat:
ich mich selbst wieder in einen Job manövriert habe, der mir einfach eine Nummer zu groß ist. Zu umfangreich


Es geht nicht darum, dass der neuer Job für dich eine Nummer zu groß ist sondern, du muss verstehen, was der Wesen des Burnout ist und was es für dich bedeutet. Auch ein Job, was weniger umfangreich ist, wird dich an deine Grenzen führen, weil du dich mit dem eigentlichen Problem auseinander setzen muss.

Denn, wie du selbst schreibst
Zitat:
Ich kann nicht mehr viele unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig koordinieren oder gar erledigen

ohne strategische Hilfe und dauerhafte Maßnahmen wirst du immer wieder zu Erschöpfung und Energielosigkeit zurückgeworfen.

Zitat:
Ich hätte darüber mit meiner Therapeutin sprechen und mir Rat einholen müssen. Ich habe oft das Problem, dass ich denke ich muss alles alleine schaffen.


Dass man nicht um Hilfe bittet und möglichst die Dinge selber erledigen möchte basiert leider auf Burnout Symptome, weil Menschen unter dem Einfluss von Burnout sich anders verhalten als die ohne. In diesem Fall ist dein bester Freund oder Freundin ist die Psychiater(in) und Therapeut(in). An denen muss du dich festklammern, denn die verstehen was in dir vorgeht und die wissen, wie man dir auf schnellstem Weg gezielt helfen kann.
Wenn du das Gefühl hast dass du Hilfe benötigst, rauf dich zusammen und konsultiere die beiden Helfer, weil niemand ansonsten Gedanken lesen kann, ob jemand Hilfe braucht oder nicht.

Also aus dem was ich gelesen habe und zwar vor dem neuen Job entnehme ich, dass es sich nicht nur um einen fortgeschrittenen Burnout handelt, sondern auch dass du auf Grund unglückliche Lebensumstände unter Depressionen leidest. In den Fachkreisen wird Burnout nicht als Depression bezeichnet sondern wird als arbeitsbedingte Erschöpfungszustand eingegliedert. In deinem Fall hast du sowohl die Merkmale des Burnout und der Depressionen.

Ich denke dass dein Arzt und Therapeut wissen was zu tun ist. Mit 30 ist man noch relativ jung und man möchte so gern noch die Welt erobern und noch so vieles schönes machen und tun. Ich möchte dir dein Leben nicht schön reden und sagen mach du dir kein Kopp es wird alles gut. So ist es leide nicht. Deine Seele und Körper werden dich nicht in Ruhe lassen, so lange du dich nicht mit ihre Nöte auseinander gesetzt hast.

Bedenke bitte es gibt viele Jobs die kommen und gehen aber du hast nur ein kostbares Leben. Aus den Gründen, dass du sowohl an wiederkehrenden Burnout als auch Depressionen leidest, solltest du dein Leben ernst nehmen aber auch wertschätzen, so dass du Suizid aus den Vokabular wegradierst. Wenn du gelernt hast wirklich zu Ruhe zu kommen, dann wirst du tief in deinen Herzen viele Erinnerungen finden, die dir Freude schenken werden. Das wird deine Kraftquelle sein und daran kann man sich fest halten.

Zitat:
Bitte fühlt euch nicht gezwungen irgenwas dazu zu sagen. Und das meine ich ernst


Ich habe dir gern geschrieben und wünsche dir viel Ruhe und Gesundheit

Frohe Ostern
LG

11.04.2020 14:17 • x 1 #15

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