Es allen Recht machen / nicht NEIN sagen können

M
Zitat von Isi:
Aber ich werd ja auch älter
Ja, das ist das einzige Problem, das sich im Laufe der Zeit von ganz allein erledigt
Zitat von Isi:
Ich weiß nicht, ob ich mein Verhalten dauerhaft ändern kann.
Dazu denke ich, dass man sich sowieso nicht vollkommen auf links krempeln kann. Nur, wenn man über Jahre hinweg deswegen immer wieder eine vor den Latz geknallt bekommt, ändert man so nach und nach seine innere Einstellung und das macht es dann leichter. Das nützt dir nur jetzt gar nichts . Versuche halt am Ball zu bleiben, damit sich alles auf einem erträglichen Level einspielt

19.02.2010 19:05 • #16


S
Liebe Isi,

ich finde es richtig gut, wie konstruktiv Du Dich mit diesem Thema auseinandersetzt. Du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Du schaust es Dir an, weil Du etwas verändern möchtest. Hut ab!

Ich möchte Dir nochmal sagen, dass das auch ein großes Lebensthema von mir ist, deshalb spricht mich dein Thread auch so an!

Du fragst, was ich denn getan habe, dass ich besser damit zurechtkomme?

Zum einen möchte ich trotzdem dazu sagen, dass ich diese Einsamkeitsgefühle, diese Angst, verstoßen zu werden auch noch in mir trage. Zum Beispiel mit meiner Feundin sagbe ich, dass ich trotzdem traurig darüber war.
Also das, was ich eben nicht mache, ist, den anderen einen Vorwurf daraus zu machen, d.h. ich greife sie nicht an.
Meistens trage ich es still mit mir rum, wobei ich auch nicht weiß, ob das eine gute Lösung ist.
Aber manchmal teile ich mich auch mit, abe ohne Schuldzuweisung.
Anstatt zu sagen: Ich bin sauer, weil Du Dich nicht gemeldet hast oder Du hättest Dich besser kümmern können, weil ich schließlich auch so viel für Dich gemacht habe sage ich vielleicht folgendes: Ich bin traurig oder ich finde es schade, dass Du Dich nicht gemeldet hast. Oder: Ich hätte mir gewünscht, dass Du Dich meldest, weil ich so traurig war

Das ist dann einfach nur eine Mitteilung meiner Gefühle ohne Vorwurf. D.h. der andere muss nicht zurückweichen, weil er die Schuld zugesprochen bekommt, sondern er kann einfach ganz normal darüber nachdenken oder eben auch nicht.

Zum anderen mache ich mir bewusst Gedanken, wann ich wem was gebe und auch wieviel ich gebe.
Ich denke jetzt bewusst darüber nach, warum ich das jetzt geben möchte und was ich damit verbinde.
Will ich dem anderen wirklich etwas gutes tun, also ganz selbstlos oder möchte ich irgendwas damit erreichen, sprich, möchte ich vielleicht besonders gewürdigt werden, dass ich das jetzt getan habe oder möchte ich beim anderen dafür einen besonderen Platz im Leben einnehmen.

Wenn ich merke, ich mache es selbstlos, weil es einfach in mir steht, dann tue ich es.
Wenn ich merke, ich will damit etwas erreichen, dann lasse ich es, auch wenn´s schwer fällt.

Ich bin ein Mensch, der oft besonders viel gibt. Wenn ich mich mit anderen vergleiche, dann war ich meist derjenige, der das meiste getan hat. Ich hatte oft einen Drang, immer noch mehr geben zu müssen. Ich dachte, ich müsste für Liebe und Zuwendung etwas leisten, vor allem besonders viel leisten. So kannte ich es aus meiner Kindheit und es hat sich manifestiert.
Mittlerweile halte ich mich mehr zurück. Als Beispiel nenne ich hier mal folgendes: Ich habe öfter Gruppentreffen in einer Gruppe. Hinterher sollte noch zusammen aufgeräumt und geputzt werden. Rat mal, wer immer saugt und auch noch den Boden wischt und auch noch den Müll weg bringt? Ich natürlich. Selbstverständlich freiwillig, ich habe es sogar fast an mich gerissen.Ich möchte nämlich gerne vom Gruppenleiter gemocht werden, weil er mir am Herzen liegt, und hoffte wahrscheinlich insgeheim, dass ich so eine besondere Aufmerksamkeit bekomme. Aber das war nie wirklich der Fall. Beim letzen Mal habe ich diese Aufgaben einfach jemand anderem übertragen und mal nichts gemacht. Und ich habe mich komischerweise trotzdem gut gefühlt und hatte die gleiche Aufmerksamkeit vom Gruppenleiter wie vorher, nicht mehr oder weniger.

Mit solchen kleinen Beispielen und Erfolgserlebnissen gehe ich Schritt für Schritt nach vorne, falle auch mal wieder zurück, aber ich möchte aus diesem Teufelskreis auch entrinnen.

Bei mir gibt es auch Zeiten, wie auch gerade, wo so gut wie keiner anruft. Da kommen natürlich auch wieder diese Gedanken. Wenn es aber mein Wunsch ist, Kontakt zu haben, dann rufe ich eben an, auch wenn öfter ich diejenige bin, die sich meldet. Was ist schlimm daran? Ansonsten bin ich doch immer in einer Warteposition und verharre in meinem Elend, warum ich so alleine bin und mich keiner mag. Das ist nicht produktiv und führt leider zu nichts.

19.02.2010 23:20 • #17


A


Hallo Isi,

Es allen Recht machen / nicht NEIN sagen können

x 3#3


S
Hier noch eine kleine Fortsetzung.

Zitat von Isi:
Es bleibt ausgewogen, solange der Kontakt gut ist. Es ändert sich erst, wenn jemand sich zurückzieht oder abweisend reagiert. Dann fängt dieses Aufrechnen an.

Das ist der springende Punkt. Wenn der Kontakt gut ist, fühlst Du Dich geliebt und geschätzt. Das heißt, Deine Seele ist genährt. Da ist man zufrieden, wie ein kleines Baby, dass Muttermilch bekommen hat und jetzt satt ist.

Wenn sich jemand zurückzieht, bekommst Du Angst, diese Liebe zu verlieren oder verloren zu haben.
Dann bist Du nicht mehr genährt, Du bist unterversorgt, es fehlt das Gleichgewicht und Du möchtest gerne einen Ausgleich für das, was Du gegeben hast.

Einem guten Freund von mir, der Heilpraktiker und übrigens auch der Gruppenleiter ist, habe ich auch mal mein Thema erzählt, wieviel ich in Freundschaften investiert habe und wie enttäuscht ich bin, dass wenig zurück kommt.
Der sagte zu mir, dass es immer einen Ausgleich gibt. Nur fixieren wir uns darauf, dass wir etwas bestimmtes von einem ganz bestimmten Menschen haben wollen. Wenn nichts zurückkommt, dann sind wir enttäuscht, meinen, wir würden immer zu kurz kommen und dass wir es nicht verdient haben, etwas zu bekommen. Das ist die Abwärtsspirale.
Wir werden dann blind für das, was wir trotzdem bekommen haben, auch wenn es von ganz anderen Personen kam.

Vielleicht hat uns ja eine Nachbarin zu einem Kaffeetrinken eingeladen, weil sie uns was gutes tun wollte?

Vielleicht hat ja auch eine weit entfernte Verwandte angerufen und sich nach dem Befinden erkundigt? Wir haben es nicht beachtet, weil wir ja auf den Anruf einer bestimmten Freundin warteten.

Er sagte, dass es oft im Leben vorkommt, dass wir für das, was wir geben, von ganz anderer Stelle etwas zurück bekommen, was zwar nicht im direkten Zusammenhang steht und wir es daher oft nicht beachten.
Und genau solche Situationen versuche ich mir in Momenten der Einsamkeit oder Abwärtsspirale vor Augen zu führen. Und ich muss immer wieder feststellen, dass ich doch nicht gerade wenig geschenkt bekomme, wenn ich mal alles zusammen rechne.

Geheilt bin ich leider auch noch nicht und es gibt auch bei mir Rückschläge,aber ich stelle an mir fest, dass ich mittlerweile etwas schneller wieder aus dieser Spirale entkommen kann, weil ich mir versuche, die Dinge bewusst zu machen.

Ich wünsche Dir viel Mut und Durchhaltevermögen!

Lieber Gruß

vom Sonnenblümchen

P.S: Ich hoffe, das Dich diese Flut jetzt nicht erschlagen hat!

19.02.2010 23:36 • #18


I
Liebe Martina,

ja, stimmt, es wird dauern. Und trotzdem, ich merke, ich fange wieder an zu hoffen, dass es besser wird. Sind halt Phasen. Vor zwei Jahren, als ich meinen riesigen Freundeskreis hatte, hab ich immer gedacht, ich werde NIE WIEDER einsam sein. So ist es eben nicht. Naja, wieder was gelernt ; - ). In ein paar Tagen habe ich Geburtstag, und ich habe dieses Jahr eine sehr überschaubare Gruppe eingeladen. Nicht mehr wie früher. Aber es macht nicht mehr so viel aus. Komisch eigentlich.
Wie schön, dass du es inzwischen geschafft hast, diese Gelassenheit zu finden. Das macht mir Mut.

Liebe Grüße, Isi

20.02.2010 14:44 • #19


I
Danke, liebe Sonnenblume! Mach dir bitte keine Gedanken, natürlich hast du nicht zuviel geschrieben!

Auch für mich ist dieses Thema ein Lebensthema. Solange ich denken kann, hat es mich immer stark beschäftigt und war wichtiger als alles andere.
Vor einer Weile habe ich wieder einmal in meinen Tagebüchern geblättert, und etwas gefunden, das ich mit 13 geschrieben habe. In dem Eintrag liste ich auf, welche Bereiche meines Lebens gut sind, und welche nicht.
Sinngemäß steht da, dass ich zwar gut in der Schule bin, aber meistens unglücklich, weil ich das Gefühl haben, nicht gemocht zu werden und dass mich keiner versteht. Ständig ist davon die Rede, wie traurig ich bin, dass mich jemand nicht eingeladen hat oder ich übriggeblieben bin, wenn es darum geht, Gruppen zu bilden oder Aufgaben zu verteilen. Ich bin in dem Alter auch oft mit Jugendgruppen verreist, und das, was du über deine Gruppentreffen schreibst, kommt mir ganz bekannt vor. Ich saß meistens still am Rand und habe zugesehen, und mir sehnlichst gewünscht, dass mich jemand beachtet. Ich habe kein Wort gesagt, aber verzweifelt gewartet, dass jemand mich bemerkt. Ich habe viel gemacht, aufgeräumt und organisiert, und saß dann dabei und hab mich nicht getraut, etwas zu sagen. Ich dachte, ich hätte etwas an mir, was die anderen dazu bringt, mich zu meiden. Und dass ich immer doppelt so hart arbeiten muss, damit man mich mag oder auch nur bemerkt. In der Zeit hatte ich eine einzige und beste Freundin, die ich sehr gern hatte. Sie war ganz anders als ich, auffällig, laut und ungezwungen. Mit ihr konnte ich locker sein und Dinge tun, die ich mich sonst niemals getraut hätte. Ich habe ihr total vertraut, so sehr, wie danach nie wieder einem Menschen. Als wir 17 waren, hatte sie ihren ersten Freund. Ich war damals viel zu schüchtern, und hab geglaubt, dass sich für mich nie ein Mann interessieren würde. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sie sich von mir distanziert. Das Vertrauen, dass sie früher zu mir hatte, war weg. Sie meinte, sie sei jetzt ein anderer Mensch und hätte neue Erfahrungen gemacht. Wir hatten uns nichts mehr zu erzählen. Je mehr sie sich zurückzog, desto verzweifelter lief ich ihr hinterher. Bis sie mir eines Tages gesagt hat, dass sie nicht mehr so weitermachen möchte und mich nicht mehr sehen will.
Danach bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich bin einen ganzen Sommer nur zuhause gesessen, habe geweint und getrauert und fast nichts mehr gegessen. Es war mir einfach alles egal. Danach habe ich beschlossen, mich selbst neu zu erfinden. Als ich angefangen habe, zu studieren, war die Chance dafür da.
Ich habe im Wesentlichen nur Verhaltensweisen kopiert, aber ich hatte Erfolg. Manchmal denke ich, ich habe sie einfach imitiert, ihre Art zu sprechen, ihre unkomplizierten Umgangsformen, weil ich gesehen habe, dass solches Verhalten gefragt ist, und meine Art niemand versteht und will. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber mit einem Mal hatte ich buchstäblich tausend Freunde. Zu meinem nächsten Geburtstag kamen 20 Leute, zu meinem übernächsten schon 50. Ich habe nie etwas ernsthaftes von mir erzählt, war immer lustig, aufgeschlossen, nett und freundlich. Wie eine Maske, die ich morgens aufgesetzt habe und erst abends wieder ausgezogen habe. Ich war lustig. Immer lustig. Immer nett. Immer da. Wie eine Aufziehpuppe.
Um es kurz zu fassen: Das ist nach hinten losgegangen. Ich habe mich falsch gefühlt, wie jemand, der den anderen etwas vorspielt und nie er selbst ist. Und habe angefangen, denjenigen, die ich besonders mochte, wieder echte Teile von mir selbst zu zeigen. Ich musste es, denn ich war verzweifelt. Und habe wieder die Erfahrung gemacht, dass viele - nicht alle, zum Glück - damit nicht zurechtkommen und mich fallenlassen. Ach ja.
Ich würde so gern glauben, dass es in Wirklichkeit so ist, wie du sagst, dass man sich weniger Gedanken machen soll. Aber die meisten Leute haben die falsche Person, die ich ihnen vorgespielt habe, total gemocht und konnten mit der wahren Person, die oft traurig und selbstkritisch ist, nur wenig anfangen.

Ich denke oft, dass die meisten Menschen eigentlich verzweifelt sind, und es nur besser vor sich selbst verbergen können als ich. Was ich auch tue, es kommt immer wieder durch.
Wenn es ein Lebensthema ist, dann ist es wahrscheinlich auch eine Lebensaufgabe. Ich denke, es wird mich immer wieder einholen, so wie du es ja auch schreibst: Dieses Gefühl der Geborgenheit ist leicht zu erschüttern. Aber aufgeben werde ich nicht!
Danke, dass du mich verstehst.
Alles Liebe, Isi

20.02.2010 15:14 • #20


I
Was mir noch aufgefallen ist: Die Sache mit dem Ausgleich könnte stimmen.
Im Sommer, als es mir am allerschlechtesten ging, hat mich eine flüchtige Bekannte gefragt, ob ich kurzfristig mit ihr in den Urlaub fliegen will. Sie hatte Sonderkonditionen, ich war also für nur 100 Euro ne Woche mit ihr am Meer.
Und tatsächlich hab ich inzwischen ein engeres Verhältnis zu manchen Leuten, die für mich früher nur Bekannte gewesen sind...obwohl mir das ein bisschen Angst macht, und ich eigentlich glaube, dass sie mehr an meinem Freund interessiert sind als an mir.
Und ein paar Leute, die ich durch ein Praktikum kennengelernt habe, treffen sich noch regelmäßig mit mir, und ich habe gemerkt, dass wir langsam auch mal über persönlichere Dinge reden.
Ja, das ist schon was.

20.02.2010 19:29 • #21


I
Heute mal ein kleiner Nachtrag...noch immer beschäftige ich mich viel mit der Frage, wie es zu dieser verfahrenen Situation kommen konnte.

Immer wieder versuche ich, innezuhalten und mich erst in Toleranz zu üben, bevor ich etwas Unüberlegtes tue und dabei vielleicht jemanden vor den Kopf stoße, der mir gar nichts böses wollte. Ich versuche, mir zu sagen, dass ich nicht von allen erwarten kann, dass man mich mag. Aber dann überkommt mich wieder diese Traurigkeit und Enttäuschung. Jahrelang war meine Devise Alles für die anderen. Was ist davon geblieben? Bin ich aus lauter Verbitterung zu einem Egoisten geworden, der gar nicht mehr merkt, dass er andere belastet? Warum hatte ich früher diese Probleme nicht? Ich war sehr anpassungsfähig und habe meine schlechte Laune und meine Probleme permanent überspielt. Das hat sehr viel Kraft gekostet, und irgendwann war ich fertig. So müde. So leid, es immer allen recht zu machen und dabei auf der Strecke zu bleiben.

Vor drei Wochen habe ich einer ehemaligen Freundin, die sich auch schon monatelang nicht mehr gemeldet hat, ne Mail geschrieben, ob sie noch Kontakt möchte. Ich hab versucht, es locker zu formulieren, damit sie sich nicht gezwungen fühlt, was falsches zu schreiben. So nach dem Motto möchte bloß mal Bescheid wissen, ich kann auch ne negative Antwort verkraften. Aber ich war ihr noch nicht mal ne Antwort wert, bis zum heutigen Tag. Ich fühl mich behandelt wie Dreck.

Wie finde ich bloß einen Mittelweg? Neulich bin ich nachts aufgewacht und fühlte mich mit einem Mal so verlassen, dass ich nur zitternd dalag und geweint habe. Selbst mein Freund konnte mir nicht helfen. Er lag hilflos neben mir und hat mich in den Arm genommen, aber es hat kaum was gebracht. Ich denke noch immer: Was ist schon eine Beziehung, Beziehungen gehen, nur auf Freunde kann man sich verlassen. Und nachdem meine Freunde mich im Stich gelassen haben, heißt das wohl, dass ich immer allein und einsam sein werde. Auf meine Familie verlasse ich mich nicht. Noch nie. Ich hatte nie starke Wurzeln. Ich war so stolz, erreicht zu haben, dass burchstäblich alle mich lieben und schätzen. Zu sehen, wie sie mir diese Zuneigung wieder entziehen, ist und war für mich ein ultimatives Scheitern, ein persönlicher Super-Gau.

Mir fehlt mein früheres Selbstbewusstsein, auch wenn es nur gespielt war. Oft ertappe ich mich dabei, negativ daherzureden. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ein Gespräch über was Normales führen soll, ich finde, ich jammer nur rum, kein Wunder, dass mich nie wer fragt, ob ich was machen will. Kein Wunder, dass die Leute auf mich gleichgültig reagieren, wenn sie mich kennenlernen.
Selbst hier im Forum merke ich, dass alle anderen - sogar die, deren Probleme viel größer sind als meine - es schaffen, sympatische Beiträge zu schreiben, auf die andere gern reagieren. Nur ich nicht.

Ich hab mir also für eine Woche ein Redeverbot über persönliche Themen verordnet. Denn sobald ich das Fass öffne, kann ich es nicht wieder zumachen. Und offenbar hassen alle meine Probleme und mein Gejammer. Offenbar nimmt mich keiner so an wie ich bin. Offenbar muss man sich immer verstellen, um anerkannt zu sein. Wenn ich eines aus der Sache gelernt habe, dann das. Bitter, aber nicht zu ändern.
Mal schauen, ob es tatsächlich so ist, wie ich meine. Vielleicht sollte ich mir nen Vorrat an unverbindlichen Themen zurechtlegen und diese Notizen dann vor jedem Treffen mit anderen durchlesen. Damit ich bloß nicht in Versuchung komme, was von mir selbst zu zeigen. Oh Gott, ist das armselig. Aber nicht zu ändern, ich kann einfach nicht mehr.

09.03.2010 17:41 • #22


I
Hallo mal wieder,
so, jetzt hab ich mal nen Tag versucht, dieses Verhalten bewusst zu vermeiden. Hat ungefähr so gut geklappt wie ne Diät, bei der man nur eine Sache essen kann und alles andere verboten ist. Will heißen: Gar nicht.
Schon am abend waren wir mit Bekannten verabredet. Ich saß mit am Tisch und hab mich mal wieder total fehl am Platz gefühlt. Mein Freund hat derweil enthusiastisch Konversation betrieben und glaub ich gar nichts bemerkt. Irgendwann hat dann jemand zu mir die Bemerkung gemacht: Es ist so toll, dass ich deinen Freund kennengelernt hab, ich mag ihn ja total gern, so ein super Mensch, und ich hab fast angefangen zu weinen. Es ging mir so nah, alles was ich denken konnte war: Wie schön, dass ihr mich nur wegen meines Freundes akzeptiert. Ich hab dann schnippisch erwidert: Find ich auch toll, dass ich dein Leben wenigstens dadurch bereichern kann, dass ich dir meinen Freund vorstelle. BÖSER FEHLER! Warum mache ich sowas bloß?!!! Ist doch klar, dass ich damit alle vertreibe...

12.03.2010 12:28 • #23


I
Wieder ein paar Wochen später.
Ich mach grad relativ viel mit anderen, aber eher locker und auf Abstand. Bis auf das eine Mal (von dem ich im letzten Eintrag geschrieben habe), hab ich auch keine persönlichen Abgründe mehr angerissen, sondern mich normal und angepasst verhalten.
Momentan treffe ich mich oft mit Leuten, die ich nur locker kenne, meistens, um etwas zu tun (Sport, Kochen, Kino, Weggehen etc.), und das funktioniert soweit ganz gut. Bloß nicht in Situationen kommen, in denen ich mich zu lange unterhalten muss. Denn je mehr man mit den Leuten spricht, desto näher kommen sie mir und desto schneller komme ich in diese Eifersucht hinein. Momentan möchte ich das nicht. Ich will lockere Kontakte, nichts enges, nichts kompliziertes.
Es geht besser, als ich dachte. Aber auf Dauer ist das keine Lösung. Ich will ja anderen nahe sein, aber das ist für mich gefährlich. Ich kann keinen Gang mehr zurückschalten, wenn ich es einmal zugelassen habe.
Es wäre so schön, ohne diese Eifersucht und Unsicherheit zu leben. Ich sehe es ja bei anderen, die sich diese Gedanken nicht machen.
Aber vielleicht muss ich mich erstmal einfach damit abfinden, wie es nunmal ist.

28.03.2010 13:17 • #24


I
So viele Gefühle in mir...manchmal denke ich, ich lebe sie auf die falsche Weise aus.
Deshalb habe ich wieder mit Sport angefangen. Vielleicht hilft das. Schwimmen, Radfahren etc.
Ich will kein solcher Emotionsvulkan mehr sein, der bei jeder Kleinigkeit explodiert.
Oder der vor lauter Traurigkeit nicht mehr aus dem Bett kommt.
Und als Ausgleich hab ich mir ne Kamera gekauft und gehe in die Natur, fotografieren. Die Kamera ist gebraucht und nicht besonders toll, aber die Bilder werden ganz schön. Vielleicht stelle ich mal ein paar ins Forum.
Bin grade ein bisschen stolz auf mich. Dass ich mich überwinde und nicht nur rumliege...das hab ich schließlich lang genug getan.

01.04.2010 12:18 • #25


M
Toll Isi, dass du dich aufraffen kannst.
Solche Berichte sind immer eine große Motivationshilfe.
LG
Monty

01.04.2010 14:14 • #26


I
Danke, sehr lieb von dir
Damit ermutigst du mich auch...
Liebe Grüße, Isi

01.04.2010 21:54 • #27


M
Hallo Isi,
Zitat von Isi:
Bloß nicht in Situationen kommen, in denen ich mich zu lange unterhalten muss. Denn je mehr man mit den Leuten spricht, desto näher kommen sie mir
Ich glaube, dass Du gerade eine Riesen-Mauer um Dich herum aufbaust! In gewisser Weise kann ich das verstehen, aber ob das auf Dauer gut ist? So vermeidest Du ja nur die Situationen, mit denen Du eigentlich besser umgehen möchtest. Je länger Du das betreibst, um so dicker werden die Mauern.

Ich benötige auch immer mal wieder den Rückzug von allem (auch von den Menschen, so wie im Augenblick) aber nach kurzer Zeit nehme ich wieder neuen Anlauf und bin schnell wieder mitten im Leben. Verpaß bitte den Anchluß nicht

02.04.2010 14:11 • #28


I
Hallo Martina,
ich weiß, was du meinst, aber ich hoffe, ich kann das vermeiden...aber im Moment ist es einfach besser, den Ball ein bisschen flacher zu halten.
Denn ich merke, wie sehr mir auch so was wie Smalltalk gefehlt hat...besser als nichts, und besser als komische Stimmung ist es auf jeden Fall.
wink zurück,
Liebe Grüße, Isi

02.04.2010 19:52 • #29


A


Hallo Isi,

x 4#15


I
Momentan arbeite ich viel, das ist gut und schlecht für meine Psyche zugleich...es lenkt mich ab, aber es macht mich panisch...mal mehr, mal weniger.

Es gibt mal wieder Stress in meinem Freundeskreis, hervorgerufen durch ne Trennung, naja, eigentlich mehr durch ein Wieder-Zusammenkommen.
Diesmal halte ich mich aber raus, hab mich in solchen Sachen schon viel zu oft aufs Glatteis gesetzt...am liebsten möchte ich immer, dass sich alle vertragen, aber das ist wohl nicht möglich.
Schade...denn irgendwie weckt das wieder diese Zweifel. Ich möchte kein solcher Moralist sein, aber es fällt mir schwer, nichts zu sagen, wenn einem Freund wehgetan wird und ihn machen zu lassen, wenn ich ganz deutlich sehe, dass er nur benutzt wird. Ich werde wohl warten, und für ihn dasein, wenn er mich braucht. Und meine Meinung nur zum besten geben, wenn ich gefragt werde.

08.04.2010 22:39 • #30

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