Essstörung ja oder nein / Probleme mit dem Essen

Jalin
Danke dir für die ehrlichen und aufmunternden Worte.

Ich bin ja wie gesagt momentan noch bei der Beratung, dort ist grade eher die Familie Thema, vllt. kann ich es langsam auf die Essstörung lenken.
Und wegen der Therapie muss ich erst mal den Doctor kennen lernen und versuchen, bei meiner Krankenkasse die Stunden bezahlt zu kriegen.
Ich kann mir das sonst nicht leisten...

Aber, auch wenn ich es ungern zugebe: Wahrscheinlich hast du Recht und ich muss aufhören, mir 'Hoffnungen' auf die Schilddrüsenunterfunktion zu machen. Das Problem muss sich anders lösen lassen...

15.11.2010 12:56 • #16


I
Hallo Jalin,

darf ich hier ein bisschen was dazugeben?

Ich schreibe dir unter anderem, weil ich genauso groß bin wie du und exakt das gleiche Gewicht habe. Meine Geschichte mit Diätversuchen, Abnehmen, wieder Zunehmen etc., ist zu lang, um sie hier aufzuschreiben (ist ja dein Thread), aber meine heutige Meinung zum Thema ist, dass man nur abnehmen kann, wenn man erstmal den IST-Zustand akzeptiert. Sich selbst und seine Bedürfnisse (auch die körperlichen Bedürfnisse) annimmt, wie sie nun mal sind. Nicht jeder Mensch lebt gern asketisch, und das ist vollkommen in Ordnung so. Kluge Tipps und Sprücheklopfen von anderen hin oder her.

Aus deinen Zeilen spricht sehr viel Wut und Aggression gegen dich selbst. Du verachtest dich regelrecht für deine Schwäche, lässt dir von deiner Mitbewohnerin Tipps geben, du beschäftigst dich rund um die Uhr damit, warum du nicht beherrschter essen kannst. Warum, frage ich dich, ist eine schlanke Figur so wichtig für dich? Warum darf ein Mensch keine Schwäche haben? Du hast Übergewicht, das ist so, ich hab auch Übergewicht, aber es ist nicht gesundheitsgefährdend viel, und sieht auch nicht besondern auffällig aus. Das denkst du dir nur selbst, diese Vorstellung machst du dir selbst, und diese Vorstellung bringt dich dazu, dich selbst immer weniger zu mögen.

Versuch doch, mal einen Tag lang, genau das zu essen, worauf du Appetit hast. Also nicht nen Joghurt mit Müsli zu frühstücken, weil das gesund und kalorienarm ist, sondern dir, falls dir der Sinn danach steht, ein Omelett mit frischen Brötchen zuzubereiten. Oder nicht mittags einen Salat und Vollkornbrot zu essen, weil das gutes Essen ist, sondern dich nach deinem Bauchgefühl zu entscheiden: Was möchte ich essen? Worauf habe ich Appetit?
In anderen Worten: Gönn dir das, worauf du Lust hast, und zwar rechtzeitig. Denn deine sogenannten Fressanfälle könnten auch bedeuten, dass dein Körper sich auf diese Weise holt, was du ihm sonst nicht gönnst. Was ist so falsch und schlimm daran, gerne gut zu essen, und auch mal etwas zu sich zu nehmen, das scheinbar ungesund ist und dick macht?

Wenn ich zu Mittag Nudeln mit einer gehaltvollen Soße und einen leckeren Salat (nein, nicht den, den man nur mit Salz und Zitronensaft anmacht) esse, bis ich satt bin, brauche ich bis abends nichts mehr. Wenn ich dagegen nur eine Suppe und etwas Salat esse, fängt mein Magen nach zwei Stunden wieder an zu knurrren...und ein Fressanfall ist vorprogrammiert. Iss dich satt, und versuch, den Gedanken an Kalorien auszublenden. Gib deinem Körper das, was er braucht, und ohne schlechtes Gewissen, dann wirst du (außer es liegt tatsächlich ein gesundheitliches Problem vor), keine solchen Fressanfälle mehr haben. Warum auch? Du bist ja satt, und hast gut gegessen. Du hast dir was gegönnt, und das ist vollkommen ok.

Dies nur als kleine Anregung ; - )

Liebe Grüße, Isi

19.11.2010 12:07 • #17


A


Hallo Jalin,

Essstörung ja oder nein / Probleme mit dem Essen

x 3#3


Jalin
Hey, Isi, danke für deine lieben Worte!

Im Moment ist es bei mir leider so, dass ich mir so oft 'was gönne', sprich, genau das esse, worauf ich Appetit habe - und dann nehme ich zu und hasse mich selbst dafür.
Ich finde mich selbst unattraktiv (besonders, wenn ich mit meinen Freundinnen unterwegs bin), kriege von zuhause Druck und habe schon mehrmals Kommentare meiner Mitstudenten gehört, die nicht grade nett waren und sich immer auf mein Gewicht bezogen.
Klar, ich weiß, man soll nicht auf andere hören, aber wenn man 13 Jahre lang in der Schule immer 'Fetti' war und das auch in der Uni noch weiter geht (obwohl es ja stimmt, im Vergleich zu vielen anderen ist mein Übergewicht gar nicht so sehr sichtbar), dann kann man das irgendwie nicht mehr ausschalten.
Und daher wohl mein Hass auf mich, wenn ich selber nicht konsequent genug bin, mit dem Abnehmen...

Es ist ein Teufelskreis ._.

Ich futtere aus Frust, wenn ich Beleidgungen höre, hasse mich dafür uns fresse aus Frust weiter...

19.11.2010 18:56 • #18


I
Liebe Jalin,

das klingt ja schlimm - in der Form hab ich das noch nie erlebt...das macht natürlich klarer, warum du dich so unwohl fühlst.
Allerdings lebst du ja nicht, um anderen zu gefallen, oder? Wenn du dich selbst im Spiegel ansiehst, siehst du dann wirklich einen hässlichen Menschen? Oder sind das die Meinungen anderer, die du ungefiltert aufnimmst, und dann auf dich beziehst?

Es gibt oberflächliche Menschen, klar gibt es die, und viele Leute, denen das Äußere extrem wichtig ist, aber du allein entscheidest, wie du zu diesen Menschen stehst. Möchtest du mit diesen Menschen befreundet sein? Möchtest du einen oberflächlichen Partner, der anfängt zu meckern, wenn es mal ein paar Kilo mehr sind? Möchtest du Freundinnen, die hinter deinem Rücken lästern, dass du zugenommen hast? Oder möchtest du einfach die sein, die du bist, und so gemocht werden, wie du bist? Es ist anstrengend, eine Marionette fremder Erwartungen zu sein.

Liebe Grüße, Isi

19.11.2010 22:14 • #19


Jalin
Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich untrainierte Fettröllchen, die ich versuche, unter nicht-passenden Klamotten zu verstecken, ich seh mich auf Fotos neben meinen Freundinnen, die ich teilweise zweimal sein könnte und ich mag mich einfach nicht, so wie ich ausseh.

Klar möchte ich auch einfach so gemocht werden, wie ich bin, und ja, es gibt auch solche Menschen in meinem Umfeld...
Aber ich hab zum Beispiel heute erst erfahren, dass selbst Leute, die ich meine 'Freunde' genannt habe, hinter meinem Rücken ständig über mich gelästert haben.
Das ist auch nicht gerade gut für das Selbstbewusstsein, aber ich will auch nicht meinen kompletten Freundeskreis auslöschen, nur aus Angst, ob sie es ehrlich mit mir meinen...

Das ist alles so deprimierend...

Lg,
Jalin

20.11.2010 00:19 • #20


I
Liebe Jalin,

das klingt in der Tat deprimierend, aber dennoch - auch wenn du dir nicht gefällst, so wie du momentan aussiehst, Abnehmen löst nicht alle Probleme...
Fühlst du dich im Moment unausgelastet? Oder gestresst? Hast du Zeit, die du bewusst nutzt, zum Beispiel mit einem Hobby, oder für andere schöne Dinge. Oder hetzt du von Termin zu Termin, und findest keine Ruhe?
Ob du nun zuviel oder zuwenig Zeit hast, beides (Langeweile oder Überforderung) kann dazu führen, dass man sich selbst und seine Bedürfnisse vernachlässigt. Vielleicht lässt sich an dieser Situation etwas ändern...
Vor ein paar Monaten hab ich mit Bauchtanz angefangen, und seitdem seh ich mich immer lieber im Spiegel an. Hab zwar nicht abgenommen, aber die untrainierten Röllchen werden langsam immer kleiner. An der Uni gibts so viele Sportkurse, die sogar kostenlos sind oder ganz wenig kosten. Es muss ja nicht immer gleich so hart sein, dass es keinen Spass mehr macht. Durch Sport fühlt man sich viel wohler in seinem Körper. Nur so ein kleiner Tipp ; - ))

Lg, Isi

21.11.2010 20:42 • #21


Jalin
Hey, Isi.

Ich hab dieses Jahr versucht, endlich mal wieder Badminton anzufangen, von der Uni aus. Leider war der Kurs zu schnell voll, ich habe keinen Platz mehr gekriegt.
Stress habe ich momentan keinen, das Semester ist entspannt wie nie, ich verbringe mehr Zeit mit Lesen als in der Uni.
Aber ich habe auch nichts... Besonderes in meinem Alltag, nichts, was mich mal aus dem üblichen Trott raus reißt.

Ich wohne in einer sehr kleinen Stadt, viel unternehmen kann man hier nicht und ich bin kein Partymensch.
Dazu kommen dann noch Geldprobleme, die es einem verschließen, einfach mal nach Berlin oder so zu fahren...

Ich sehe also momentan nicht viele Chancen auf eine Möglichkeit, mich zu verändern, wie dich das Bauchtanzen verändert hat, leider...

21.11.2010 21:48 • #22


I
Liebe Jalin,

das mag ein wenig gewollt klingen, aber: Wenn du soviel Zeit übrig hast, und nicht weißt, wie du sie füllen kannst, such dir doch einen Job! Vielleicht am besten einen, bei dem du dich bewegen musst (Verkauf, Gastro, etc.). Das ist harte Arbeit, aber man fühlt sich danach sinnvoll beschäftigt, und mir ging es immer so: Wenn ich gearbeitet habe, hab ich viel weniger gegessen (vor allem dieses Essen aus Langeweile bleibt komplett aus). Zwei Fliegen mit einer Klappe ... und beim Arbeiten kann man leicht neue Leute kennenlernen ; - )) Außerdem: Dann hast du genug Geld für Urlaub, Abenteuer, Shoppen...und kannst auch deinen Trip nach Berlin machen!


Lg, Füchschen

22.11.2010 10:47 • #23


Jalin
*lach*

Gute Idee, Isi, nur leider schwer machbar.

Zum einen arbeite ich immer in den Semesterferien bei der Post (und glaub mir: da verdien ich in 8 Wochen mehr als in 4 Monaten in der Gastronomie UND krieg noch mehr Bewegung) und das reicht mir persönlich eigentlich.
Zum anderen wohne ich wie gesagt in einer kleinen Stadt. Hier will jeder 2. Student nebenbei jobben, dementsprechend schnell sind die 'guten' Jobs weg und noch mal ins Call Center will ich definitiv nicht.
Gastronomie hab ich während der Schulzeit schon mal ausgetestet, da hab ich am Ende mehr Geld gelassen als verdient, da ich mehr Gläser hab fallen lassen als serviert. Ich bin ein Tollpatsch.

An und für sich hast du natürlich Recht, ein Job wäre eine gute Idee - leider für mich aus noch mehr als den oben genannten Gründen während des Semesters nicht realisierbar.

Lg,
Jalin

22.11.2010 11:23 • #24


A
Hallo Jalin,

es ist nicht so richtig leicht, dir zu raten, da du die meisten Vorschläge abweist. Vielleicht kannst du nochmal genauer formulieren, welche Erwartungen und Wünsche du an das Forum hast?

Liebe Grüße
Anna

22.11.2010 23:24 • #25


Jalin
Hey!

Ja, ich weiß, ich bin nicht einfach.

Eigentlich wünsch ich mir nur einen Platz, wo ich das, was mich momentan 'behindert', was mir selbst im Weg steht, aufschreiben kann und wo Leute mich vllt. verstehen.
Ich versuche meine Ernährung jetzt noch mal durch einen Wochen-Essensplan umzustellen oder auch zu regulieren, habe Mittwoch meinen nächsten Beratungstermin und nächsten Monat auch die erste Kennenlerntherapiestunde.

Ich würde dieses Forum gerne nutzen, um zu schreiben, wie es mir dabei geht, egal, ob ich Antworten kriege, oder nicht, aber dass ich weiß, das jemand da wäre, der mich evtl. versteht, wenn ich Antworten brauche.

Oder bin ich da hier falsch? :(

Lg,
Jalin

22.11.2010 23:28 • #26


A
Hej Jalin,

nein, da bist du richtig. Ich hatte nur das Bedürfnis, dir Ratschläge zu geben. Wenn du diese Erwartung nicht zwangsläufig hegst, weiß ich Bescheid und kann es besser einordnen.

Liebe Grüße
Anna

23.11.2010 18:18 • #27


Jalin
Ich bin auch dankbar für die Ratschläge, nur weiß ich bei vielen leider aus Erfahrung, dass sie für mich gerade nicht umsetzbar sind. :(
Ärgert mich ja selber auch, wenn ich dann abblocken muss...

Lg,
Jalin

23.11.2010 18:44 • #28


Jalin
Um mich noch mal auszukotzen.

Mir gings den ganzen Tag nicht gut, wollte früh ins Bett.
Hab von 21 bis 23 Uhr geschlafen.
Seitdem bin ich wach.
Hab mich ne Stunde rumgewälzt, dann mehr so als Hoffnungsschimmer mal Mängelexemplar von der Kuttner angefangen (durchs Lesen wird man ja oft müde. ), dann war das aber so kurzweilig und interessant und sprach mich total an, dass ich es komplett gelesen habe, in 2 1/2 Stunden
Und jetzt bin ich immer noch wach.
Ich war gestern schon nicht in der Uni, eigentlich wollte ich heute endlich mal wieder zu den beiden Seminaren, nen Termin bei meinem Berater hab ich auch, muss also in 4 Stunden aufstehen.
Und ich bin hellwach.
Trinke Tee, sitze am PC, bin rastlos, hab schon ne Kopfschmerztablette genommen.
Ich weiß einfach nicht, was los ist. Erst kann ich gar nicht genug schlafen und jetzt klappts überhaupt nicht mehr.
Und dann hatte ich in den zwei Stunden auch noch so realistische Alpträume, mit Kidnapping und so was
Und nein, ich hab mich nicht übergessen, hab nämlich das letzte Mal um 14 Uhr was gegessen: Viel zu viel, aber bis jetzt hatte ich auch keinen Hunger (und jetzt im Moment hab ich ja Tee).

Irgendwas stimmt da ganz gewaltig nicht.
Mal schaun, ob der Berater mir da nachher was zu erzählen kann. und dann mal schaun, was die Uni sagt, hin muss ich spätestens auf 16 Uhr sowieso, hab nen Termin bei ner Dozentin. Aber die Seminare.

Es ist alles so verflucht s.cheiße im Moment, ich will einfach nur heulen (und tus auch. ).

Sorry fürs Ausko.tzen.

24.11.2010 03:46 • #29


A


Hallo Jalin,

x 4#15


Jalin
Hab heute meine Erstdiagnose gekriegt: Mittelschwere Depression.

Ich bin eigentlich seltsam glücklich: Eine Diagnose heißt, es gibt eine Behandlung.

24.11.2010 20:26 • #30

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