539

Fehlende Anerkennung - oder erwarte ich zu viel?

Lilly-18
Ich hatte über Weihnachten und Silvester fast 3 Wochen Urlaub. Da ich ja montags sowieso frei habe waren das nur ganz wenige Urlaubstage. Leider habe ich vor Weihnachten keinen Termin mehr bei meinem Therapeuten bekommen. Das wäre mir sehr wichtig gewesen.
Mein Freund musste noch bis Weihnachten arbeiten, dann hatte auch er frei.
Von der Arbeit konnte ich gut abschalten, ich habe kaum daran gedacht. Meine große Tochter war über die Feiertage bei uns, das habe ich sehr genossen. Die Kleine war mit ihrem Freund die ganzen Ferien in Urlaub und an Weihnachten nicht da. Ich habe sie sehr vermisst, habe ihr aber den tollen Urlaub sehr gegönnt.
Meinem Freund ging es den ganzen Urlaub immer schlechter. Er leidet unter furchtbaren Existenzängsten, seiner Firma geht es nicht gut und er muss ab Januar kurzarbeiten. Er war kaum zu motivieren, mit mir etwas zu unternehmen, Ich hatte oft das Gefühl, die Zeit vergeht sinnlos. Denn wenn mein Freund zuhause ist mache ich auch nicht so viel als wenn ich alleine bin. Er meint dann immer, ich soll mich doch auch mal ausruhen und erholen, aber ich brauche Bewegung, möchte was erleben und wenn ich zuhause bin werkle ich rum. Das kann er gar nicht verstehen, weil er eben momentan total durchhängt. Früher haben wir schon öfter zusammen was unternommen und mein Freund hat auch zuhause viel gemacht. Davon ist momentan nichts mehr übrig.
Seit dem 7.1. arbeite ich wieder und ich muss zugeben, dass ich mich wieder auf die Arbeit gefreut habe, weil es mir zuhause zu langweilig war. Es ist auch gut gelaufen bisher, ich komme relativ gut zurecht, aber mein Chef gibt mir schon wieder zu verstehen, dass ich effektiver arbeiten müsste, kritisiert wie ich meine Arbeit organisiere und ich fühle mich immer wieder unsicher. Ich weiß dass ich anders auftreten müsste, kann es aber nicht. Ich weiß auch, dass ich das alles zu persönlich nehmen. Mein Chef hat momentan große familiäre Probleme, die ihn sehr mitnehmen. Dafür habe ich auch Verständnis. Und ich weiß auch, dass er mich oft mit meinem Vorgänger vergleicht, der ganz plötzlich und sehr jung verstorben ist. Der hatte den Job aber auch lange gemacht und auch gelernt.
Ich bin so wie ich bin, eigentlich finde ich mich ganz ok. Ich glaube, dass ich ein netter und liebenswerter Mensch bin, sehr gutmütig, hilfsbereit und niemand merkt wahrscheinlich etwas von meinen furchtbaren Ängsten. Ich habe auch meine Medikamente wieder erhöht und erhoffe mir etwas Linderung davon.
Wie ich ja schon geschrieben habe, macht mir mein Partner momentan große Sorgen. Umso größer ist der Druck für mich, zu funktionieren. Einen Verlust meines Arbeitsplatzes kann ich mir überhaupt nicht leisten. Aber das steht Gott-sei-Dank auch gar nicht im Raum. Eigentlich kann ich mich relativ sicher fühlen.
Ausgerechnet jetzt, wo ich mich beruflich wieder festige und meine Freizeit genießen könnte, fällt mein Freund in ein Loch und ich bin voll gefordert. Manchmal wundere ich mich woher ich die Kräfte nehme. Ich weiß es schon, es sind meine Kinder, die meinem Leben Sinn geben. Sie sind mein ganzes Glück und ich kann gar nicht beschreiben, wie stolz ich auf sie bin. Ich habe von Ihnen zu Weihnachten einen Städtetrip geschenkt bekommen. Sie haben mir eine Karte geschrieben die so voller Liebe, Anerkennung und Wertschätzung war, ich habe geweint vor Rührung. Schon seit die Kinder klein sind machen wir jedes Jahr einen Mädelsausflug, mal nach Hamburg ins Musical, mal an den Gardasee. Als ich noch gut verdiente und Unterhalt für die Kinder bekam habe ich das natürlich bezahlt. Inzwischen kann ich das nicht mehr und schon letztes Jahr haben Sie mir den Ausflug nach Barcelona zum Geburtstag geschenkt. Heuer ist es Stockholm. Manchmal ist mir das ein bisschen peinlich, dass ich nicht mehr so kann wie ich möchte, aber den Kindern geht es so gut inzwischen, die können sich das problemlos leisten und es bedeutet ihnen viel, dass wir Zeit zusammen verbringen.
Meine Kinder geben mir sehr viel Halt. Sie sind inzwischen so erwachsen geworden und wir sind uns so innig verbunden, eigentlich brauche ich vor nichts mehr Angst haben. Ich habe mein Lebensziel erreicht.
Ich fühle mich stark genug, die Krise meines Partners durchzustehen und in meinem Job richtig gut zu werden.

15.01.2020 22:07 • x 2 #61


mrsrobot
Hmmm, wenn ich Deine Zeilen lese, klingt das für mich, als ob Du mantraartig Dir innerlich etwas vorgibt bzw. Dich knechtest. Was sagt Dein Bauch und nicht Dein Kopf?

17.01.2020 11:07 • x 1 #62


A


Hallo Lilly-18,

Fehlende Anerkennung - oder erwarte ich zu viel?

x 3#3


L
Zitat von Lilly-18:
. Denn wenn mein Freund zuhause ist mache ich auch nicht so viel als wenn ich alleine bin. Er meint dann immer, ich soll mich doch auch mal ausruhen und erholen, aber ich brauche Bewegung, möchte was erleben und wenn ich zuhause bin werkle ich rum. Das kann er gar nicht verstehen, weil er eben momentan total durchhängt


Zitat von Lilly-18:
Meine Kinder geben mir sehr viel Halt. Sie sind inzwischen so erwachsen geworden und wir sind uns so innig verbunden, eigentlich brauche ich vor nichts mehr Angst haben. Ich habe mein Lebensziel erreicht.
Ich fühle mich stark genug, die Krise meines Partners durchzustehen und in meinem Job richtig gut zu werden.


Diese Zeilen geben tatsächlich zu erkennen, dass du auf Pflichterfüllung ausgerichtet bist. Das erlebe ich bei mir ja genau so, aber es ist nicht richtig. Es gibt auch noch ein Leben nach der Arbeit und der Pflicht. Das wissen wir beide, trotzdem leben wir es anders .

Es fehlt die Leichtigkeit, die aber auch in uns steckt. Sie wird aber von außen unterdrückt, weil wir immer auch auf die Anderen schauen. Alle sollen gut versorgt sein und es steht in unserer Pflicht das zu unterstützen. Hat sicher auch etwas mit dem Alk. unserer Eltern und der Erfahrung die wir in der Kindheit und Jugend gemacht haben zu tun.

Zumindest kann ich in der Sache eine Gemeinsamkeit unserer Muster feststellen.

Es geht darum, gut für uns selbst zu sorgen.

Eine Therapeutin gab mir das Mantra (wenn wir schon von Mantren sprechen) ERST KOMME ICH! mit auf den Weg. Manchmal klappt es, meist jedoch nicht, weil wir uns verpflichtet fühlen .
Aber sind wir das wirklich?

17.01.2020 18:33 • x 2 #63


Lilly-18
Danke für eure Antworten. Natürlich klingt das schon so, als würde ich mir etwas einreden. Nein, das tue ich nicht.
Ich glaube schon, dass ich sehr reflektiert bin und das was du, laluna, vermutest sehe ich auch so. Vieles ist in dem, was wir in unserer Jugend und Kindheit erlebt haben, begründet. Aber glaub mir, wir sind wirklich so und können aus unserer Haut nicht raus.
Ich habe festgestellt, dass es mir nichts nützt, aus meiner Haut raus zu wollen. Mein Kopf ist manchmal schon etwas übermächtig, aber ich höre schon auch auf mein Herz. Ich habe schon das Gefühl, dass sich beides die Waage hält.

Und das Mantra ERST KOMME ICH, lerne ich gerade. Das war sicher lange Zeit für mich sehr schwierig, das zu erkennen. Es bedeutet im Moment für mich, dass ich Dinge tue, die mir gut tun, notfalls auch alleine, wenn mein Partner keine Lust hat. Ich gehe alleine in die Berge wenn mir danach ist. Ich gehe Sport machen wenn ich Lust dazu habe. Und ich fahre mit meinen Kindern weg. Das tut mir sehr gut.
Ich fühle mich eigentlich niemandem mehr verpflichtet. Was ich für andere tue, tue ich aus Liebe. Und es macht mich zufrieden.

19.01.2020 00:42 • x 1 #64


Lilly-18
Diese Woche war ich mal wieder alleine im Büro. Ich konnte in Ruhe vor mich hin arbeiten, habe vieles geschafft und war eigentlich ganz zufrieden. Trotzdem sitzt mir immer die Angst im Nacken, ob mein Chef wohl zufrieden mit mir ist. Ich bin so unsicher, sobald er im Büro ist. Er lobt mich nie, ich habe immer das Gefühl, er erwartet mehr von mir. Natürlich könnte ich ihn fragen, aber das traue ich mich gerade nicht. Ich ziehe mal wieder den Kopf ein und hoffe, dass mir keiner rauf haut.
So gehe ich seit vielen Jahren durchs Leben. Weiß aber genau, dass ich nicht aus meiner Haut kann.
Ich wäre so gerne selbstbewusster, möchte so gerne meine Leistungen hervorheben, für mich einstehen. Aber das fällt mir so schwer. Und das ist der Grund, warum ich zu nichts komme. Frechheit siegt. Leider kann ich das nicht.
Für mich ist es gut, wenn es läuft. Ich habe keinen Ehrgeiz, weiter zu kommen, mir reicht es wenn es so bleibt wie es ist. Für meinen Chef ist das glaube ich enttäuschend. Aber ich bin kein Draufgänger, ich bin froh, dass ich mich so gut eingearbeitet habe, fast keine Fehler mehr mache und ich merke, dass ich sehr wohl immer wieder ein Stückchen weiter komme. Es macht mir schon Spaß, was zu lernen. Aber ich habe das Gefühl, meinem Chef geht das nicht schnell genug. Und wenn ich etwas falsch mache, was wirklich nicht mehr oft vorkommt, habe ich das Gefühl, ihn persönlich zu beleidigen. Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein, aber ich empfinde das eben so.
Ich muss lernen, gelassener zu werden. Nicht alles so persönlich zu nehmen. Ich darf mich nicht dauernd selbst so unter Druck setzen.

25.01.2020 09:53 • x 2 #65


Lilly-18
Heute habe ich meinem Chef das erste Mal seit langem wieder eine Grenze gesetzt. Ich hatte einfach die Nase voll, immer kritisiert zu werden, immer zu hören worauf ich achten muss, was ich selbständig erkennen müsste und wie ich zu arbeiten habe. Ich weiß, er meint es nicht böse, aber heute habe ich mich gewehrt und gemeint, ob er nicht glaubt, dass ich das alles schon selber wüsste. Gerade wenn er neben mir steht und schaut, was ich mache, werde ich nervös. Dann redet er mir dazwischen, wenn ich telefoniere. Ich finde das manchmal übergriffig, auch wenn er mein Chef ist.
Er ist sofort zurück gerudert, als ich aufbegehrt habe, hat sich rausgeredet und versucht, mir etwas positives zu sagen.
Er hat gemeint, dass es schon passt mit uns. Ich bin mir sicher, dass er genau wusste, dass er zu weit gegangen ist.
Ich sollte mich viel öfter wehren.

28.01.2020 22:34 • x 2 #66


Lilly-18
Mein Chef hat mich zu einer Fortbildung angemeldet. Die muss ich machen, weil ich branchenfremd bin und eigentlich das, was ich mache, gar nicht machen dürfte. Davon redet mein Chef schon seit Monaten, schiebt es aber immer vor sich her. Jetzt hat er wohl Druck von oben bekommen und ich muss das endlich machen. Blöd ist nur, dass ich die Fortbildung in meiner Freizeit machen muss. Ok., das ist jetzt insofern keine Problem als ich ja Zeit habe zu genüge. Und eigentlich freue ich mich ja auch, dass ich mal wieder was lernen darf. Ich tue das ja gerne und erwarte mir davon, dass ich mich dann leichter tue bei der Arbeit. Mal sehen. Und ich möchte, wenn ich die Prüfung gut bestanden habe, auf jeden Fall mehr Gehalt. Irgendwie muss sich der Aufwand ja auch lohnen.
Ich habe auch das Gefühl, mein Chef ist in letzter Zeit doch froh, dass er mich hat. Er sagt sogar ab und zu was Positives, was mich freut und motiviert. Umso mehr macht mir meine Arbeit auch Spaß.

10.02.2020 11:59 • x 1 #67


Lilly-18
Ich war jetzt eine Woche krank und morgen ist mein 1. Arbeitstag nach insgesamt 10 Tagen. Mir geht es nicht gut aber ich habe keine Fieber mehr und bin eigentlich froh, wenn ich wieder was tun kann. Trotzdem habe ich Angst. Ich bin ja alleine im Büro und habe keine Vertretung. Es liegt alles noch so da wie ich es zurück gelassen habe. Hoffentlich schaffe ich es, das alles rein zu arbeiten.
Ich habe viel nachgedacht in dieser Woche. Eigentlich mache ich den Job nur, weil ich, als ich arbeitslos war, keinen anderen gefunden habe. Es ist ok. für mich, dass ich arbeiten kann, aber mein Idealismus hält sich in Grenzen.
Die bevorstehende Fortbildung mache ich, weil es mein Chef verlangt. Ob mir das was nützt weiß ich noch nicht. Ich möchte auf keinen Fall überfordert werden, dafür bin ich schon zu alt.
Ich finde es sehr anstrengend, dass mein Chef so idealistisch ist. Er geht in seinem Job auf und kann es gar nicht verstehen, wenn seinen Kunden nicht alles so wichtig ist wie ihm. Als ich den Job angefangen habe, vor über einem Jahr, da hat mich das eingeschüchtert. Er hatte so große Pläne mit mir, mit sich selber und wollte so viel machen. Er schafft das aber auch nicht und ich erst recht nicht. Inzwischen ertappe ich mich dabei, dass ich ihn oft nicht mehr ernst nehmen kann. Ich sage ja,ja und denke mir, schauen wir mal, was wir davon wirklich machen. Das brauche ich zum überleben.
Heute habe ich sehr lange geschlafen, bin vollkommen schlapp und komme kaum auf die Beine. Werd mich aber aufraffen. Und raus werde ich auch mal gehen. Gestern war ich spazieren, danach bin ich sofort auf der Couch eingeschlafen. Ich bin vollkommen erschöpft.
Ich hoffe, dass ich diese Woche durchstehe. Dann habe ich wieder Montag und Dienstag frei. Ich brauche momentan viel Zeit, um mich zu erholen.

17.02.2020 10:02 • x 1 #68


Lilly-18
Hab den ersten Arbeitstag gut überstanden, auch wenn ich mich noch etwas schlapp fühle.
Momentan spüre ich wieder Angst. Meine Tochter hat sich von meinem Chef ein Angebot machen lassen, das sich nach monatelanger Prüfung nun als doppelt so teuer entpuppt als ursprünglich geplant. Jetzt ist sich meine Tochter nicht mehr sicher, ob sie das machen will oder nicht. Mein Chef versteht das absolut nicht, weil er der Meinung ist, das braucht sie unbedingt. Der Meinung bin ich auch, finde den Preis aber auch überlegenswert und suche nach Kompromissen, die eventuell günstiger sind.
Ich fühle mich schlecht, weil ich die Entscheidung natürlich meiner Tochter überlassen muss. Hab aber auch Angst, dass ich mich unter Druck setzen lasse. Ich sollte mich vollkommen raushalten und hoffe, dass ich das schaffe.
Was sein Geschäft angeht, ist mein Chef kompromisslos. Das stresst mich manchmal, weil ich das überhaupt nicht bin.

18.02.2020 22:45 • x 1 #69


Lilly-18
Habe eine unruhige Nacht hinter mir. Ich grüble wieder viel, nehme mir alles so sehr zu Herzen. Bin dünnhäutig. Ich weine sehr selten, aber heute habe ich mich in den Schlaf geweint.
Ich wäre so gern etwas gelassener und selbstbewusster.
Mein Freund hat Nachtschicht momentan und ich sehe ihn kaum. Er ist so müde, ich spüre, dass auch er so sehr kämpft. Wir kämpfen beide. Es geht zwar immer irgendwie weiter, aber einfach ist es nicht.
Vielleicht sollten wir uns mal wieder etwas schönes gönnen, um auf andere Gedanken zu kommen. Die Woche zuhause, als ich krank war, hat mir gar nicht gut getan. Ich bin richtig versunken.

19.02.2020 07:56 • x 1 #70


Jedi
@Lilly-18 !

Zitat von Lilly-18:
Ich grüble wieder viel,

Was sind das für Grübelgedanken ?
Wenn die Grübelgedanken eher negativer Art sind, gar Selbstverurteilend oder gar mit einer großen Portion Selbstzweifel
zu tun haben, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich diese Gedanken zu Herzen nimmt.
Auch die Dünnhäutigkeit ist dabei kein ungewöhnliches Phänomen !
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von Lilly-18:
Wir kämpfen beide.

Villt. entscheidet ihr Euch beide einmal nicht mehr zu kämpfen !
Das Leben ist nicht da , um zu kämpfen, sondern zu leben, mit all seinen Facetten !
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von Lilly-18:
Es geht zwar immer irgendwie weiter,

Und es geht auch ohne zu kämpfen weiter.
Kämpfen bedeutet, seine Energien zu verschleudern u. woanders fehlen sie uns dann.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von Lilly-18:
aber einfach ist es nicht.

Stimmt !
Oftmals ist das Leben nicht einfach u. lässt uns eher die dunkle Seite erfahren.
Aber da ist kämpfen auch nicht hilfreich u. es reicht, wenn wir diese dunkle Seite annehmen u. akzeptieren.
Es hilft uns dagegen, dass wir glauben dem Ohnmächtig gegenüber zu stehen, sondern wir haben die Chance
auch mit einer anderen Sicht, wieder mehr an Selbstbestimmung zu gewinnen.

LG Jedi

20.02.2020 21:15 • x 2 #71


E
Zitat von Lilly-18:
. Trotzdem habe ich Angst. Ich bin ja alleine im Büro und habe keine Vertretung. Es liegt alles noch so da wie ich es zurück gelassen habe. Hoffentlich schaffe ich es, das alles rein zu arbeiten.

Das finde ich ja schon krass, daß es niemanden gibt, der dich unterstützt oder deine Krankheits-und Urlaubsvertretung machst- wie soll das denn gehen?
Ist da nichts dabei, was tagaktuell bearbeitet werden muß?

Ich wünsch dir eine dickere Haut
Zitat:
Ich wäre so gern etwas gelassener und selbstbewusster.

Glaub ich dir- aber es kann (wieder) kommen, das A und O ist es eben, es auch zu üben- man kann das, ich bin der Beweis dafür.
Das heißt nicht, daß ich superstabil bin, aber im Moment schon und auch wenn ich damit nerve:
Es hat wirklich damit zu tun, sich selbst immer wieder ganz freundlich zurück zu holen, wenn sich die Gedanken verirren, weil das Hier und Jetzt wichtig ist, die Atmung, die Herzschläge, das Blut, das uns am Leben hält, die Sonne, die uns wärmt, der Regen, den die Erde braucht,- es klingt einfacher, als es ist, aber es ist lernbar.
Mir hat mal jemand gesagt, daß man sich entscheiden kann, glücklich zu sein.
Ich hab das damals vehement abgetan , aber da ist was dran.

Gelassen sein heißt auch, den Dingen manchmal einfach ihren Lauf lassen, das Leben ist nie planbar.
Und Selbstbewußtsein zu haben schwierig- ich gebe es zu.
Das was ich früher für Selbstbewußtsein hielt war eine gewisse Arroganz und Distanziertheit, die aber nur Unsicherheit verschleiert
Es bedeutet, bei sich zu bleiben, sich anzunehmen, sich eben nicht zu vergleichen (da ist man ja bei den anderen).

Hab einen schönen Tag!

21.02.2020 08:21 • x 4 #72


Lilly-18
Ich danke euch sehr für eure Antworten! Ich habe viel darüber nachgedacht und versuche, für mich etwas Positives daraus zu ziehen.
Liebe Resi, es gibt tatsächlich nichts was ich tagaktuell machen muss. Mein Chef hat außerdem Zugriff auf meinen Terminkalender und wenn ich nicht da bin, muss er vieles eben selber machen. Insofern geht schon nichts unter. Aber trotzdem fühle mich ich schon ganz schön unter Druck, weil ich meinem Chef quasi alleine ausgeliefert bin. Das klappt eigentlich ganz gut, weil wir uns schon verstehen, aber er sitzt natürlich am längeren Hebel und ich habe keinerlei Möglichkeit, mich selbst irgendwie einzubringen. Ich arbeite ihm zu und er verlangt, dass ich alles genauso mache wie er es möchte.
Aufgrund meiner bisherigen beruflichen Erfahrungen möchte ich alles besonders gut machen, um keine Kündigung zu riskieren. Das ist mir nämlich schon 3 x passiert und hat mich schwer traumatisiert. Diese Angst kriege ich nicht mehr los und verhindert, dass ich gelassen bin. Bei jedem Fehler, den ich mache, habe ich Angst, meinen Job zu verlieren. Und gerade durch diesen Druck, den ich mir selbst mache, mache ich Fehler. Ein Teufelskreis. Und weil mein Chef Perfektionist ist, verzeiht er keine Fehler. Ich habe das Gefühl, er sieht nur meine Fehler.
Zitat von Jedi:
Wenn die Grübelgedanken eher negativer Art sind, gar Selbstverurteilend oder gar mit einer großen Portion Selbstzweifel
zu tun haben, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich diese Gedanken zu Herzen nimmt.
Auch die Dünnhäutigkeit ist dabei kein ungewöhnliches Phänomen !

Zitat von Jedi:
Villt. entscheidet ihr Euch beide einmal nicht mehr zu kämpfen !

Meine Grübelgedanken sind sehr negativ, mit Angst behaftet, und ich schaffe es leider nicht, obwohl ich mich sehr bemühe, etwas positiver zu denken.
Zitat von Jedi:
Oftmals ist das Leben nicht einfach u. lässt uns eher die dunkle Seite erfahren.
Aber da ist kämpfen auch nicht hilfreich u. es reicht, wenn wir diese dunkle Seite annehmen u. akzeptieren.

Ich nehme die dunklen Seiten an und akzeptiere sie. Ich kämpfe dagegen an, dass sie nicht übermächtig werden und mich verschlingen. Würde ich nicht kämpfen, würde ich untergehen. Zumindest empfinde ich das so.
Mein Freund hat zu allem Überfluss auch noch große Probleme in der Arbeit und ein Alk.. Natürlich müssen wir dagegen ankämpfen! Ich kann das nicht laufen lassen und von ihm verlange ich auch, dass er dagegen etwas tut.
Erst heute habe ich zu ihm gesagt, wenn ich nicht mehr kämpfe dann habe ich aufgegeben. Und genau das möchte ich auf keinen Fall.
Zitat von Resi:
Mir hat mal jemand gesagt, daß man sich entscheiden kann, glücklich zu sein.
Ich hab das damals vehement abgetan , aber da ist was dran.

Liebe Resi, ich kenne diesen Spruch, und ich mag ihn sehr. Ich entscheide mich immer wieder dafür, glücklich zu sein. Dafür hab ich sehr viele Gründe, es ist nicht alles schlecht in meinem Leben. Und das sehe ich durchaus.
Und es stimmt auch, dass man sich dafür entscheiden kann, glücklich zu sein. Es ist ja schon ein Glück, dass ich überhaupt eine Arbeit habe. Das sehe ich schon. Und trotz aller Probleme, die mein Freund hat, liebe ich ihn sehr und weiß, dass auch das ein Glück ist, dass ich zu solchen Gefühlen fähig bin.
Aber du hast schon Recht, liebe Resi, manchmal sollte man sich wirklich mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren.
Ich werde auch dieses Tal durchschreiten und hoffe, dass wieder eine Zeit kommt, wo ich es ein bisschen laufen lassen kann. Im Moment ist das aber nicht der Fall.

23.02.2020 23:09 • x 3 #73


Lilly-18
Ich habe das Gefühl, dass ich mich langsam mit meinem Job aussöhne. Anlass ist auch ein Gespräch mit meinem Chef. Er hat unumwunden zugegeben, dass er momentan total überlastet ist und nicht mehr nach kommt. Das erklärt natürlich vieles in seinem Verhalten. Ich habe ihm erklärt, dass ich das gespürt habe und dass ich oft nicht weiß, wie ich seine Ansprüche erfüllen soll. Ich glaube, diese Offenheit hat die ganze Arbeitssituation erstmal ein wenig entlastet. Ich weiß, dass er froh ist, dass ich ihm so vieles abnehme und mich um Dinge kümmere, für die er absolut keine Zeit hat. Es motiviert mich auch, möglichst effektiv und ihn entlastend zu arbeiten.
Meine Prioritäten haben sich auch etwas verschoben. Mein Chef neigt dazu, mich mit Arbeit zu überfrachten. Das hat mich sehr lange ziemlich rotieren lassen und es hat mir auch zugesetzt, dass es unmöglich war, alles zu schaffen. In unserem Gespräch habe ich ganz offen gesagt, dass ich mich ab sofort nur noch darauf konzentriere, was wirklich im Moment wichtig ist. Priorität hat das, was IHN momentan entlastet. Ein paar Dinge, die Terminsachen sind. Alles andere stelle ich hinten an. Statistik interessiert mich momentan überhaupt nicht, das hat keine Eile. Und Bestandsüberprüfungen kann ich immer noch machen, wenn ich viel Zeit habe. Das wird in nächster Zeit nicht sein.
Ich glaube, diese Klarstellung hat unser Verhältnis entlastet und viel Druck von mir genommen. Ich arbeite strukturierter und zielgerichteter und nicht mehr immer mit dem Gefühl, dass ich das alles nicht schaffe. Natürlich schaffe ich nicht ALLES, aber was nicht geht geht eben nicht.
Ich habe jetzt auch eine Fortbildung begonnen und freue mich eigentlich darüber, wieder was lernen zu dürfen. Blöd ist, dass ich das in meiner Freizeit machen muss, sprich an meinen freien Tagen. Aber die Ausbildung endet mit einer IHK-Prüfung und die gehört mir. Damit finde ich auch überall wieder eine Stelle, falls es meinem Chef doch einfällt, in Rente zu gehen und ich noch ein paar Jahre abklopfen muss. Also eigentlich eine prima Sache.

02.03.2020 09:22 • x 2 #74


A


Hallo Lilly-18,

x 4#15


E
Klingt richtig gut, Lilly.

Solche Gespräche sollte es viel häufiger geben- ich hatte das am Samstag auch mit meinem Chef, hab ihm gesagt, was ich mir vorstelle, und daß wir das bitte als Ausgangsbasis für ein Team-Gespräch in dieser Woche nehmen sollen- ansonsten bleibt alles beim Alten und nichts tut sich.
Er fand das super, weil ihm jemand die Strukturierung der neuen Aufgaben, Verteilung, etc. abgenommen hat, womit er sich total schwer tut, dagegen bin ich gut im Organisieren.

Man arbeitet viel besser zusammen, wenn man im Dialog, im Gespräch bleibt.

02.03.2020 09:27 • x 2 #75

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag