Freund ist kühl - komme nicht an ihn ran

C
Hallo Ihr,

also mein Freund nimmt aufgrund einer depressiven Episode momentan ein Antidepressiva (Venlaflaxin) seit ca. 2 Monaten; eine Therapie macht er derzeit nicht.

Das Problem ist, er hat wieder einen Rückfall was das rauchen angeht. Er hatte zwar zunächst endlich damit aufgehört gleichzeitig mit der AD-Einnahme, (geht schon seit Jahren so, mit kurzer Unterbrechung; früher auch noch recht viel Alk.), aber seit ein, zwei Wochen *beep* er nun wieder täglich! Wieviel genau weiß ich nicht, er raucht meist draußen. Er hat es der Psychiaterin beim letzten Termin nicht gesagt und nun ist sie im Urlaub. Ich mache mir total Sorgen, was da passieren kann. Außerdem könnte die Wirkung des Medis dadurch auch vermindert werden, oder?! Die vielleicht sowieso schon nicht ausreicht, sonst bräuchte er das *beep* wohl gar nicht.
Er fährt noch dazu Auto, das finde ich unverantwortlich.

Er ist echt ein lieber Mensch und oft eine Stütze für mich, aber im MOment ist es eine Belastung. Mir geht es ja selbst nicht gut...
Wir wohnen zusammen- ich bekomme also alles hautnah mit.

Ich komme nicht an ihn ran, kann sagen was ich will. Diese Hilflosigkeit macht mich fertig.

Wenn jmd. einen Tip für mich hat, wäre ich dankbar.

LG, Cleo

PS: dem Teenie-Alter ist er eigtl. längst entwachsen (er ist 32!), also seine Freunde k. auch schon lange nicht mehr. Nur anscheinend eine Arbeitskollegin, die ihn wohl auch wieder angesteckt hat.

29.05.2010 11:20 • #1


J
Zitat:
zwei Wochen *beep* er nun wieder täglich! Wieviel genau weiß ich nicht, er raucht meist draußen. Er hat es der Psychiaterin beim letzten Termin nicht gesagt und nun ist sie im Urlaub. Ich mache mir total Sorgen, was da passieren kann. Außerdem könnte die Wirkung des Medikamente dadurch auch vermindert werden, oder?!

Hallo Cleo!
Ich befürchte, daß nicht die Wirkung des Medikamente vermindert wird, sondern daß das *beep* selber in seinen Gemütszustand eingreift. Für ihn wäre es sicher von Vorteil, wenn er zu einer Dro. gehen würde und das Problem Sucht grundsätzlich mal in Angriff nehmen würde.
Ob und in wie weit Du da auf ihn einwirken kannst, weiß ich nicht, aber es zieht sich ja wie ein roter Faden, wohl schon seit Jahren, durch sein Leben.
Ich hoffe, daß ihr einen Weg findet!

29.05.2010 13:33 • #2


A


Hallo cleo,

Freund ist kühl - komme nicht an ihn ran

x 3#3


S
Hi Cleo,

Das Medikament stoppt den Neurotransmitter Serotonin in der Synapse wieder von der prä-Synapse aufgenommen zu werden. Serotonin ist ein Faktor, welcher, wenn er die post-Synapse stimuliert, das Gefühl der Freude bzw Heiterkeit erhöht (deshalb wird es dann auch anti-depressiva genannt).

THC macht etwas ähnliches. THC bewirkt letztendlich dass der Neurotransmitter Adrenalin ausgeschüttet wird. Auch Adrenalin ist ein Faktor, welcher das Gefühl der Freude bzw. Heiterkeit erhöht.

Das Medikament und THC bewirken also (mehr oder weniger) das Gleiche nur auf eine andere Art und Weise.

Somit wird wohl das Medikamnt nicht die gewünschte Wirkung haben, die er sich erhofft (wirkung wohl zu schwach ohne THC)

Einzig und allein ist das Problem wohl durch eine Therapie zu lösen.

Mehr kann ich dazu leider nicht sagen.

29.05.2010 13:43 • #3


C
Hallo und vielen Dank für eure Antworten! Das sind zumindest schon mal ein paar Ansätze, die mir weiterhelfen.

@ Salamander: Ich habe auch schon vermutet, dass das Antidepressiva einfach nicht ausreichend wirkt.
Wenn es in etwa dieselbe Wirkung hat, dürfte es ja nicht so gefährlich sein, es zu kombinieren, oder?!

@ Josie: Er hat schon mal eine Psychotherapie über etwa 1 Jahr gemacht, und in dieser Zeit war er abstinent; kurz danach fing er leider wieder an. Ich hatte ihm schon extra mithilfe meiner Thera neue Therapeuten rausgesucht, aber bisher nimmt er es nicht in Angriff.
Dro. wäre nochmal ne andere Idee, vielleicht ist er da zugänglicher.
Mann, ich gerate immer an Süchtige und bin dann diejenige, die sich n Kopf macht... ich glaube, er kapiert gar nicht, wie belastend das für mich ist.

LG, Cleo

29.05.2010 18:54 • #4


S
Naja, ob das gefährlich ist oder nicht, da kann man sicherlich drüber streiten. Auf jedenfall haben THC und Venlaflaxin keine entgegengesetzte Wirkungen.

Was aber auch möglich ist, ist das durch das THC bei ihm eine Psychose ausgelöst werden kann. Das kommt ganz auf seine Konstitution an. (Es gibt z.B. Fälle, die rauchen nur einmal THC und haben davon eine Psychose bekommen.)

Ich persönlich würde mir über folgendes Szenario am meisten Sorgen machen:

Dadurch, dass seine Stimmung gehobener ist, weil er beides kombiniert, ist die Frage zu stellen, was denn passiert, wenn er die Antidepressiva oder das Rauchen einstellt. Dadurch gehts ihm ja dann wieder schlechter als wenn er beides kombiniert und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er wieder beides kombiniert. Würde er mit beidem aufhören ist das Loch noch größer.....

Also die Kombination macht es meines Erachtens schwieriger von den Medikamenten und vom THC auf langer Sicht loszukommen...

29.05.2010 20:26 • #5


C
Hallo,

wollte mal berichten, dass ich meinen Freund leider nicht dazu kriege, sich Hilfe zu suchen. Weiß nicht, wie ich damit umgehen soll; es fällt mir schwer, einfach dabei zuzusehen. Bin so sauer und enttäuscht, und mache mir Sorgen...

LG, Cleo

31.05.2010 15:40 • #6


J
Hallo Cleo!
Zitat:
Bin so sauer und enttäuscht, und mache mir Sorgen...

Das ist natürlich eine schwierige Sache, wenn der Partner nicht mitzieht. Ich denke, jetzt kommt es darauf an, wie sehr dich das belastet und selber runterzieht?!
Spricht er überhaupt mit dir darüber oder blockt er total ab??

Letztendlich kann ich jetzt nur von mir ausgehen, ich würde mit wahrscheinlich eine Auszeit nehme, nicht weil ich ihn in der schwierigen Phase nicht weiterhelfen kann, sondern weil ich weiß, daß der Betroffene erst dann etwas ändert, wenn er niemanden mehr um sich hat, der sich um ihn kümmert und der sich Sorgen um ihn macht.

31.05.2010 15:58 • #7


C
Hallo Josie,

er blockt leider total ab. Wenn ich mit ihm darüber reden will, kommt nur sowas wie nerv nicht, ist doch alles gar kein Problem und geht dann aus dem Zimmer. Er verhält sich wie ein Kind und ich komme ganz schnell in so eine Mutterrolle, also für eine Beziehung natürlich schlecht.

Es zieht mich schon sehr runter, weil ich dieses Auf und Ab jetzt schon seit Jahren mitmache und mich so gefreut hatte, als er vor einer Weile endlich wieder aufgehört hat. Davor hatte ich schon mal einen Partner, der ein Alk. hatte, meine Mutter trinkt auch zu viel... d.h. ich hab das Thema Sucht echt über.

Das mit der Auszeit ist halt so ne Sache, würde ich normalerweise wahrscheinlich machen, aber wir wohnen seit 2 Jahren zusammen, haben einen Hund usw. Da ich auch noch gesundheitlich nicht besonders stabil bin, wäre ein Auszug ein riesen Kraftakt - körperlich und emotional.
Wahrscheinlich wird es aber auch nicht viel bringen, wenn ich ihm die Pistole auf die Brust setze und ihn warne, dass ich ausziehen werde, wenn er so weitermacht.

LG, Cleo

31.05.2010 16:23 • #8


J
Hallo Cleo!
Die Pistole auf die Brust setzen nützt nur dann etwas, wenn Du das auch durchziehen kannst, anosnsten hat das nicht viel Sinn.
Daß Du auf Grund deiner Familiengeschichte und deines letzten Freundes schon ein gebranntes Kind bist und auch das Thema Sucht über hast, das kann ich gut nachvolllziehen.

Vielleicht solltest Du wirklich nicht versuchen, die Mutterrolle zu übernehmen, dich einfach aus dem Thema zurückziehen, da er sich ja wie ein Kind verhält, kann es sein, daß er eben auch wie ein Kind reagiert, indem er das macht, was alle Kinder machen, nämlich das Gegenteil von dem was die Eltern sagen.

31.05.2010 16:32 • #9


S
Hallo Cleo,

Zitat von josie:
Letztendlich kann ich jetzt nur von mir ausgehen, ich würde mit wahrscheinlich eine Auszeit nehme, nicht weil ich ihn in der schwierigen Phase nicht weiterhelfen kann, sondern weil ich weiß, daß der Betroffene erst dann etwas ändert, wenn er niemanden mehr um sich hat, der sich um ihn kümmert und der sich Sorgen um ihn macht.

Ich finde diesen Ansatzpunkt von Josie sehr gut. Eine Auszeit nehmen, wenn man nicht weiß, wo man hinziehen soll ist natürlich schwer.
Aber der Punkt, dass der Betroffene wahrscheinlich nichts ändert, wenn alles im Umfeld prima weiterläuft, ist klar, zumal er sehr uneinsichtig zu sein scheint.
Diese Erfahrungen habe ich auch mit meiner Mutter gemacht. Sie war über 10 Jahre Alk. und sie machte nichts, um da raus zu kommen. Erst als mein Vater ausziehen wollte, ich war mittlerweile schon von zuhause ausgezogen und wir ihr klar mitteilten, dass wir das nicht mehr mitmachen wollen , hat sie zur Einsicht gebracht, dass sie in eine Entzugsklinik gegangen ist.

Ich sprach damals mal mit ihrem Arzt. Der sagte zu mir, auch wenn es schwer ist, Sie müssen ihre Mutter fallen lassen, das ist die einzigste Chance, dass sie selbst aktiv wird. Natürlich sagte er auch, dass es genausogut auch schlecht ausgehen könnte.

Du schreibst, dass Du das schon lange mitmachst und es ist sehr verständlich, dass Du dazu keine Lust mehr hast.
Und in dem Fall, gerade weil Du selbst krank bist, solltest Du auf sehr auf Dich achten, wie es Dir bei der ganzen Sache geht.

Zitat von cleo:
Er verhält sich wie ein Kind und ich komme ganz schnell in so eine Mutterrolle, also für eine Beziehung natürlich schlecht.

Warum sollte aus dem Kind ein erwachsener Mann werden, wenn er von seiner Mutter so gut betreut wird.

Ich würde ihm sagen, dass Du ihn gerne bei dem Weg raus aus der Sucht unterstützen wirst, aber dass Du nicht mehr bereit bist, die Sucht zu unterstützen. Erkläre ihm auch ruhig, wie es Dir dabei geht!
Ob es etwas nützt, das weiß man nicht, ich würde es Euch natürlich sehr wünschen.

31.05.2010 16:35 • #10


C
Zitat von josie:
Vielleicht solltest Du wirklich nicht versuchen, die Mutterrolle zu übernehmen, dich einfach aus dem Thema zurückziehen, da er sich ja wie ein Kind verhält, kann es sein, daß er eben auch wie ein Kind reagiert, indem er das macht, was alle Kinder machen, nämlich das Gegenteil von dem was die Eltern sagen.

Da hast du wahrscheinlich Recht. Es hat wohl wenig Sinn, meine wenigen Kräfte dadurch zu vergeuden.
Nur merke ich auch, dass meine Gefühle für ihn gerade total abkühlen, wahrscheinlich ein Selbstschutz. Ist halt nicht angenehm, wenn man zusammenwohnt und sich jeder nur noch in sein Zimmer zurückzieht.

@ Sonnenblume: auch dir Danke für deine lieben Worte.
Er weiß schon, dass ich ihm helfen möchte, aber er will es nicht. Und wie es mir damit geht, scheint ihm im Moment ziemlich egal zu sein. Hab ihm gesagt, dass es für mich schwer ist, das mitanzusehen, dass ich mir Sorgen mache und es mich quält. Habe den Eindruck, gegen seine Sucht kommt nichts an!

Vor ein paar Jahren gab es schon mal eine schwierige Situation: da hatte er eine OP, kein schwerer Eingriff, aber mit Vollnarkose. Danach hat er sich im KH wie ein Kleinkind benommen; er sollte eigtl. bis abends dort bleiben, pinste aber die ganze Zeit herum, dass er nach Hause will. Er sollte zumindest noch die Visite der Ärztin abwarten, machte er aber nicht, zog sich an und ich sollte ihn heimbringen, es war nichts zu machen.
Zuhause ging es dann weiter: er *beep* - Und das nur ein paar Std. nach der Narkose!! Ich war am Abdrehen. Damals haben wir noch nicht zusammen gewohnt; ich sagte ihm, dass ich das nicht aushalte und jetzt in meine Whg. gehe.
Und genau das, wirft er mir heute manchmal noch vor; ich hätte ihn da im Stich gelassen, und hätte total egoistisch gehandelt, und meine Ängste in den Vordergrund gestellt. Stattdessen hätte ich doch gerade bei ihm bleiben müssen, wenn ich mir tatsächlich so Sorgen um ihn gemacht hätte.
Glaube, so ähnlich denkt er sich das im Moment auch.

LG, Cleo

31.05.2010 17:14 • #11


J
Zitat:
Und genau das, wirft er mir heute manchmal noch vor; ich hätte ihn da im Stich gelassen, und hätte total egoistisch gehandelt, und meine Ängste in den Vordergrund gestellt. Stattdessen hätte ich doch gerade bei ihm bleiben müssen, wenn ich mir tatsächlich so Sorgen um ihn gemacht hätte.
Glaube, so ähnlich denkt er sich das im Moment auch.

Liebe Cleo!
Den Schuh solltest Du dir wirklich nicht anziehen, so langsam komme ich wirklich in Rage. Wenn er Aktionen startet, die gegen jegliche Vernunft sind und ihr darüber auch lang und beit diskutiert, dann ist einzig und allein ER daran schuld.
Da er wirklich keinerlei Rücksicht auch auf dich nimmt und Du bist selber auch krank, dann würde ich den Ball einmal zu ihm zurückspielen.
Er nimmt auf dich als Person und an auf dein Wohlergehen keinerlei Rücksicht, sondern verhält sich wie ein Pubertierender, der keinerlei Rücksicht auf sich selber und vorallem auch auf Mitmenschen in seiner nächsten Umgebung nimmt, das ist...................

31.05.2010 17:24 • #12


C
...ja, sein Verhalten ist wirklich rücksichtslos, das kann man nicht beschönigen.
Mann, wenn ich nicht selbst krank wäre, könnte ich das alles besser aushalten. Ich stecke in einer echt blöden Situation, weil ich mich auch irgendwie von ihm abhängig fühle. Mir sind nicht mehr viele Freunde geblieben, meine Familie ist sowieso keine große Hilfe für mich; verdiene momentan kein eigenes Geld usw..... Unsere Finanzen sind zwar getrennt, aber ich kann hier günstig wohnen, weil sein Vater die Whg. gekauft hat und ich nur einen relativ kleinen Mietanteil zahlen muss.
Dazu hat er sich halt im letzten Jahr schon auch viel um mich gekümmert, als es mir sehr schlecht ging - das muss ich ihm zugute halten, und es führt wahrscheinlich u.a. dazu, dass ich zu viel Mitleid und Nachsicht mit ihm habe.

LG, Cleo

31.05.2010 17:48 • #13


M
Hallo Cleo,

gibt es niemanden, der euch beistehen könnte ? Seine Eltern, Geschwister, sonstige Verwandte, Freunde, Ärzte, sozialpsychiatrischr Dienst, auch Dro. ?

LG von Mona.

31.05.2010 18:52 • #14


A


Hallo cleo,

x 4#15


C
Zitat von Mona 1:
Hallo Cleo,

gibt es niemanden, der euch beistehen könnte ? Seine Eltern, Geschwister, sonstige Verwandte, Freunde, Ärzte, sozialpsychiatrischr Dienst, auch Dro. ?

LG von Mona.


Hallo Mona,

danke fürs Mitdenken. Seine Eltern dürfen noch nicht mal wissen, dass er Zig. raucht - obwohl er 32 Jahre alt ist . Die werden immer geschont. Der Rest der Familie lebt nicht in Deutschland. Sein Freundeskreis ist arg geschrumpft, und die meisten sind Psychologen, denen er das wohl nicht erzählt, weil die sich vermutlich an den Kopf langen, wenn sie das hören (trotzdem habe ich überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, mit denen zu sprechen). Einen gemeinsamen Freundeskreis haben wir nicht so richtig, jedenfalls ist die Distanz zu meinen Freunden zu groß, als dass sie ihm da reinreden könnten.
Zur Dro. oder anderen Anlaufstellen kriege ich ihn wie gesagt leider nicht. Am ehesten würde er sich wahrsch. noch an seine Psychiaterin wenden, im Prinzip hat er einen ganz guten Draht zu ihr, nur ist die halt im Urlaub. Und k.A. ob er ihr dann tatsächlich sagt, was Sache ist...

LG, Cleo

31.05.2010 19:34 • #15

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