Mir ging es vor 3 Jahren wie Dir. Allerdings in etwas abgewandelter Version: Morgens war ich wie tot, konnte nichts fühlen, mich über nichts freuen, alles war kalt und grau, und auch ich war kraftlos und mir war eiskalt, selbst mitten im Hochsommer. Irgendwann im Laufe des Tages gab es dann ein aktivierendes Ereignis, ab dem ich mich plötzlich besser fühlte, und bis abends war dann alles halbwegs erträglich. Dieses Ereignis kam manchmal schon um 11 Uhr vormittags, manchmal auch erst abends um 8, aber ich konnte mich darauf verlassen, dass es irgendwann kommt. Vor dem Schlafengehen beschlich mich dann immer die furchtbare Vorahnung der vor mir liegenden schalflosen Nacht, so dass ich die negativen Gefühle dann meistens mit DVDs und Süßigkeiten betäubt habe. Anschließend begann der ganze Zyklus wieder von Neuem, und das jeden Tag. Furchtbar! Ich dachte dann immer, wie schön es wäre, jetzt einfach zu sterben, und alles wäre überstanden. Hätte man mir eine Suizid-Fernbedienung in die Hand gedrückt, ich hätte den Knopf gedrückt. Aber für einen realen Suizidversuch fehlte mir die Energie, bzw. in den Phasen, wo ich die Energie hatte, ging es mir nicht mehr schlecht genug, um sterben zu wollen.
Wenn man so tief drinsteckt wie ich damals bzw. Du jetzt, dann gibt es meiner Erfahrung nach kaum etwas, das man tun kann, außer durchhalten, warten und versuchen, nicht zu versumpfen. Wenn an einem Tag z.B. ein Anruf von einem Freund dafür gesorgt hat, dass es mir etwas besser ging, konnte ich mir fast sicher sein, dass die selbe Sache am nächsten Tag nicht noch einmal funktioniert. Das einzige, was mir da geholfen hat, war, dass ich mich jeden Tag versucht habe mit angenehmen Dingen zu beschäftigen, die möglichst keinen praktischen Nutzen für irgendjemand außer mir selbst haben, in der Hoffnung, dass es mir dadurch irgendwann besser geht, was auch tatsächlich der Fall war. Es hat allerdings einige Wochen gedauert, und die Zeit bis dahin war die Hölle. Ich konnte auch nicht fühlen, dass es mit mir wieder bergauf geht, sondern musste auf das Urteil meines Verstandes vertrauen und mir immer wieder selbst einreden, dass ich nicht aufgeben soll.
Was mir bei diesem Prozess sehr geholfen hat, war das Buch Wenn das Leben zur Last wird von Rolf Merkle. Kann ich sehr empfehlen, wenn man ganz ganz tief unten ist.
Und hast Du schon mal über einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Tagesklinik nachgedacht? Dort ist man unter Gleichgesinnten und wird von geschultem Personal wieder aufgepeppelt.
03.08.2011 22:03 •
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