@Lilly80 seine Prioritäten-Liste lässt einen natürlich erst einmal schlucken. Aber je nach Branche und Position wird einem nichts verziehen, weder Lücken im Lebenslauf, noch Karriereknicke oder Schwächen. Das habe ich vor ein paar Jahren auch insgesamt 1,5 Jahre lang zu spüren bekommen.
Letzten Endes habe ich damals die Branche wechseln müssen (bin dann durch die Hintertür wieder rein) und das Bundesland. Hätte ich damals einen Partner gehabt, dann wäre er in der Zeit wohl auch zu kurz gekommen, nicht weil ich ihn nicht mehr geliebt hätte, sondern weil ich auch alle Zeit und Energie in die Suche eines neuen Jobs gelegt hätte, egal wie. Einfach weil ich nicht unerhebliche finanzielle Verpflichtungen habe, die ich weder so einfach abschaffen kann noch selbiges auf einen Partner schieben wollen würde.
Für mich ist aus bestimmten Gründen Unabhängigkeit sehr wichtig, dass würde für mich in egal welcher Situation immer Priorität haben, diese zu erhalten. Diese Unabhängigkeit habe ich aber nur mit einem Job. Dass ich für die Suche Zeit bräuchte, welche ggf temporär dem Partner nicht zur Verfügung steht, hierfür würde ich mir von ihm Verständnis wünschen. Im Gegenzug würde er dies auch von mir bekommen bzw hat mein Ex auch von mir bekommen und bekommt es noch.
Warum ist denn für dich Abstand gleichbedeutend mit Ablehnung? Jede Beziehung pendelt doch immer zwischen Nähe und Distanz (was ja Abstand auch bedeutet). Im Idealfall ist es ein Tanz miteinander, ein ausgewogenes Verhältnis von beiden Bedürfnissen bei beiden Partnern. Ich nenne es gerne Tango tanzen, weil dies mein Lieblingstanz ist.
Dann gibt es aber auch Phasen, in der mal der eine Partner mehr Bedürfnis nach Distanz hat, mal der andere. Oftmals entwickelt man sich in solchen Phasen auch weiter. Das Distanzieren löst beim Partner oft Ängste aus den verschiedensten Gründen aus, sei es z. B. Angst vor Verlust oder Veränderungen. Es wird dann oft von demjenigen, der das Bedürfnis nach Nähe hat versucht, diese Distanz wieder zu verringern anstatt dem anderen den Freiraum für dessen Bedürfnis zu geben und das Risiko des Verlustes in Kauf nimmt weil sich der andere vielleicht in eine andere Richtung weiter entwickelt, welche keine gemeinsame mehr sein könnte. Diese Versuche, die aufgekomme Distanz wieder zu verringern führen in der Regel dazu, dass derjenige, der das Bedürfnis nach mehr Distanz hat entweder noch mehr auf Distanz geht oder sich zumindest eine zeitlang gegen sein Bedürfnis führen lässt, um dann letzten Endes doch auszubrechen.
Meines Erachtens sollte man dem anderen den Freiraum zugestehen, seine Probleme selber zu lösen. Das Problem des einen sollte nicht zwingend zum Problem des anderen werden. Nicht, dass man in einer Beziehung nicht auch Probleme gemeinsam lösen kann und sollte aber jeder Partner sollte auch in einer Beziehung für sich selber selbstbestimmt entscheiden können und dürfen, was sein eigenes Problem ist und wie es gelöst werden kann ohne den anderen zu sehr in das Problem hineinzuziehen. Natürlich kann am Ende dieses Prozesses aus verschiedenen Gründen eine Trennung stehen, aber das Risiko hat man ja immer.
Um auf den Tango zurück zu kommen: dem anderen eine Möglichkeit zu geben, einen Schritt auf einen zuzugehen, ist z. B. selber einen Schritt zurück zu gehen.
LG
05.04.2021 20:28 •
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