So zum Feierabend und nach einem echt massiv stressigen Tag melde ich mich hier auch einmal zu Wort oder versuche hier hoffentlich die passenden Worte zu finden.
Ich denke, wir sind hier alle erwachsen und ich glaube, jeder weiß hier oder ich hoffe, dass jeder hier einschätzen kann, wie viel Schriftverkehr an Intention schlucken kann und außerdem auch, wie sehr auf die Meinung anderer im Notfall gegeben werden kann, wenn sich das für einen selbst wirklich einfach falsch anfühlt. Aus Sicht einer Angehörigen kann ich verstehen, wie schlimm es ist, aus einer Depression heraus/mit einer Depression/unter Vorschub einer Depression (was es sicherlich auch gibt) nicht nur verlassen zu werden, sondern dann auch noch ohne wirklich zu wissen, was genau passiert ist, ohne die Möglichkeit nachzufragen und von jemandem, der psychisch in der Ausnahmesituation ist, gegebenenfalls wirklich wahrhaftige Antworten zu erhalten. Man sitzt ziemlich unerwartet auf einer kalten Treppe vor einem Haus, wo man vorher noch willkommen war und geliebt wurde, im Regen, mit Sch am Schuh und dann fährt auch noch ein Auto auf der Straße vorbei und man hat den ganzen Dreck von der Straße auch noch drauf. Ich persönlich erhebe keinen Anspruch darauf, dass es mir in dem Moment schlechter geht als dem Partner/Angehörigen (wem auch immer), aber gut tut diese Situation nun wirklich nicht.
Ich denke auch, dass eine Depression von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich erlebt wird. Die Depression eines Jedis hat vielleicht mit der Depression einer ... weiß ich nicht ... Wem auch immer, im Notfall auch potentiell meiner eigenen persönlichen durchaus Gemeinsamkeiten, aber gleich wird sie wohl nicht sein. Das kann man von außen einsehen und von allem was man so aus Erfahrungsberichten aus dem Innenleben eines Depressiven liest auch ein wenig von innen sehen. Entweder schlafe ich mehr, oder weniger. Entweder nehme ich ab, weil ich mich nicht zum essen motivieren kann, mache nehmen zu, weil sie die Leere auffüllen. Wenn es so schwer für das Fachpersonal ist, Depressionen zu diagnostizieren, weil es eben kein eines Gesicht gibt, dann wird das Innenleben wahrscheinlich genauso divers um die Ecke kommen. Es gibt wahrscheinlich viele Depressive, die sich aus Verzweiflung, Gefühlslosigkeit, Entfremdung, Wut und Frust, Ballast abwerfen, Partner schützen und was weiß ich für Gründen vom Partner trennen und dies im Nachhinein bitter bereuen. Kann man sich darauf verlassen - nein. Weil es durchaus sein kann, dass diese durch Depression genommen Gefühle eben auch genommen bleiben. Oder Denkweisen bleiben. Oder einfach kein Platz mehr für einen Partner ist auf nicht-absehbarer Zeit oder weil man eben doch der Buhmann ist, der an die Depression erinnert und und und. Letzten Endes kann nur der Erkrankte selbst erzählen, wie es war - wenn überhaupt, weil ich auch oft höre, dass im Nachhinein die Gedanken und Gefühle so wenig nachvollzogen und selbst von Erkrankten nicht mehr verstanden werden, dass es unmöglich ist, genau das einem Außenstehenden zu erklären. Ich lese überall, dass Depressionen das nicht können ist und mit wollen, wenig am Hut hat. Und wenn man nicht mal mehr weiß, wer oder was man ist und was man will... ich glaube, ihr wisst was ich meine (und auch ich hab nicht den totalen Durchblick und das absolute Verständnis).
Ich persönlich finde manch gemachte Aussagen oder geteilte Meinung hier teils ein wenig... weiß ich nicht. Nicht unbedingt böswillig und auf jeden Fall durchaus erweiternd, aber vielleicht nicht unbedingt konstruktiv. Mich persönlich hat es nicht verletzt, ich denke auch nicht, dass ein Rückzug aus dem Forum oder aus diesem Thread unbedingt nötig ist. Ich denke, man kann sich durchaus auch mal schreiben, wenn etwas vorschnell oder hart geurteilt war oder es so rüberkommt und sich so liest. Wenn ich das gelesen hätte, als das noch alles frisch war, dann hätte es mich sehr tief getroffen, kann ich sagen. Man zweifelt sowieso an allem, auch als Angehöriger und das dann zu lesen, wäre härter gewesen, als ich es hätte verkraften können, sprich auf der Treppe sitzen im Regen ... und dann wird mir noch ein Betonklotz von oben draufgeknallt gewesen.
Letzten Endes bin ich aber nicht mehr frisch dabei, ich kann mich nicht erinnern, dass mir hier irgendjemand etwas am Anfang gesagt hat, was es alles noch schlimmer gemacht hat, ich denke Diskurs ist das beste was einem passieren kann und andere Perspektiven einnehmen sowieso.. und ein Ar. ist auch manchmal echt (bei mir) nötig und das beste, was einem ab und zu passieren kann.
In a nutshell: ich hoffe, das alles war nicht zu unerwünscht und wichtigtuerisch meinerseits. Ich kann hier nur sagen, dass ich ohne diesen Thread und ohne dieses Forum wahrscheinlich nicht so schnell über den Berg oder im Sinne der Depression aus dem Tal gekommen wäre und das liegt an jedem hier, ob nun aktiv in diesem Thread oder nicht, der sich traut hier etwas mitzuteilen, zu raten und zu helfen. Und wenn dabei die eine oder andere Ecke aufgekratzt wird, dann denke ich, sollte man das sagen und kritisieren dürfen und die Möglichkeit geben, das zu erklären. Das passiert den Besten.
Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr euch das vorstellen könnt und ich habe hier Menschen oder Avatare kennengelernt, die mein Leben wirklich sehr bereichert haben und ich fänd es persönlich sehr schade, wenn ein ehrlicher, offener Austausch nicht mehr möglich ist, weil man hier auf Eierschalen rumwackelt. Und erst recht in einem Thread, der bis zu diesem Punkt immer mehr Angehörige involviert und weitergeholfen hat.
27.01.2022 20:42 •
x 7 #5243