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Gibt es jemals Hoffnung auf Besserung?

Lost111
Aktuell bin ich durch ein tiefes Tal gegangen und nun auf dem Wege der Besserung. So bilde ich es mir jedenfalls ein. Ich will mich nicht beklagen. Ich will auf jeden Fall nächste Woche wieder arbeiten gehen.
Was mich die letzten Tage beschäftigt ist die Frage, ob es jemals wenigstens einigermaßen erträglich wird. Mir ist klar, dass ich immer wieder depressive Episoden erleben werde. Da mache ich mir auch nichts vor. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es jedes Mal schwerer wird, aus einer tiefen Depression wieder ins Leben zu finden
Oder habe ich einfach immer noch nicht wirklich und 100%ig akzeptiert, damit zu leben?
Ich habe im Laufe der Jahre so einiges an Strategien erlernen dürfen, die mal mehr, mal weniger gut helfen.

Aber ich werde mich wohl damit abfinden müssen. Radikale Akzeptanz - so nennt man das.

Warum fällt es mir immer noch so verdammt schwer, mich damit abzufinden?

29.12.2021 00:54 • x 3 #1


H
@Lost111
Ich erkenne mich in deinen Zeilen wieder!
Bist du sicher dass du wieder arbeiten kannst?
Ich habe Mitte des Jahres den Fehler gemacht, es war zu früh.
Ich möchte dir dringend ans Herz legen, deine aentscheidung zu überdenken!

29.12.2021 08:45 • x 2 #2


A


Hallo Lost111,

Gibt es jemals Hoffnung auf Besserung?

x 3#3


Greta
Liebe @Lost111,

zunächst einmal ein Zitat von dir aus einem deiner anderen Threads.
Zitat von Lost111:
Und wieder ist eine Woche vergangen. Ereignislos und nichtssagend. Und es geht mir nicht wirklich besser.
Dabei habe ich mir vorgenommen, im neuen Jahr wieder arbeiten zu gehen. Das ist der Anspruch an mich. Ich will es schaffen. Egal wie. Meine Gefühle sagen mir anderes, aber da muss ich dann wohl durch. Ich MUSS es schaffen!
D.h. konkret, dass ich in 2 Wochen bereits wieder arbeiten werde. PUH.

Dieses Zitat stammt vom 21.12.2021!
Bist du sicher, dass sich bei dir innerhalb der vergangenen 8 Tage soviel verbessert hat, dass du wieder arbeiten kannst?
Und warum willst du das unbedingt schaffen? Woher kommt dieser hohe Anspruch an dich selbst?
Gibt es einen Therapeuten, mit dem du dieses Thema mal aufdröseln kannst?

Hör auf dein Gefühl!

Aus eigener Erfahrung möchte ich dir allerdings abraten, zu früh wieder arbeiten zu gehen.
Ich hab's im April diesen Jahres versucht. Nach sechs Monaten Auszeit fühlte ich mich sogar gut und wollte deshalb unbedingt zurück ins Büro. Habe mir einen Wiedereingliederungsplan gestrickt, ganz nach meinen Bedürfnissen... und bin nach wenigen Wochen bei einem Pensum von vier Stunden an vier Wochentagen gescheitert.
Nun weiß ich, man muss sich nicht nur besser/gut fühlen sondern man muss auch stabil sein.
Bei dir sehe ich momentan beides nicht.

Wenn du das mit dem Arbeiten dennoch unbedingt probieren willst, mach eine Wiedereingliederung.
Dann kannst du ganz langsam starten mit weniger Stunden und weniger Tagen. Und du kannst die Wiedereingliederung jederzeit abbrechen, wenn du es nicht schaffst.

Liebe Grüße
Greta

29.12.2021 10:20 • x 3 #3


aurora333
Liebe Lost111, auch ich möchte Dich ermuntern Dir diesen Stress, der arbeiten für Dich eben auch bedeutet, nicht an zu tun ! Auch ich machte immer wieder die Erfahrung , dass wenn ich mir zu früh zu viel zutraue ich dann Zurückkrebsen muss. Niemand wählt aus freien Stücken depressiv und angstgestört zu sein. Wir alle tun unser bestes wieder so weit funktionieren zu können, dass wir unseren Beitrag im Leben erfüllen können. Deshalb bitte sei lieb zu Dir und gib Dir Zeit !
Ganz abgesehen davon, dass die Pandemiesituation ja eher dazu animiert im nächsten Monat möglichst wenig unter die Leute zu gehen. Spielt aber nur eine Nebenrolle, wichtig, dass Du Dir selbst sagen kannst, ich bin auch ok wenn ich nicht arbeite, wenn ich zu mir schaue, für mich sorge !

29.12.2021 10:41 • x 2 #4


X
Hallo liebe @Lost111

Erstmal freut es mich sehr zu lesen, dass es dir aktuell ein wenig besser geht!
Und wenn es sich für dich stimmig anfühlt, arbeiten zu gehen, dann tue es! Das weißt nur du! Höre in dich hinein und folge deinem Gefühl! Ganz unbeirrt, was andere Menschen dazu denken. Denn schließlich ist jeder Mensch anders gestrickt! Zu arbeiten kann anstrengen und erschöpfen, aber Arbeit kann auch unglaublich gut tun: Die (äußere) Struktur, vielleicht das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, in einer Tätigkeit aufzugehen etc. Wie erlebst du es für dich? Spürst du dich gut?

Auch ich denke viel und oft daran, was die Zukunft bringen mag. Ob es irgendwann besser wird? Ich kann absolut nachempfinden, dass es schwierig ist, die Erkrankung zu akzeptieren. Sich einzugestehen, dass (wahrscheinlich) immer wieder depressive Phase auftreten werden, bedeutet, ein Stück Gesundheit, Unbeschwertheit und Leichtigkeit abgeben zu müssen. Warum? Warum ich? Damit zu hadern, ist nur menschlich. Ich glaube erstens, dass es durchaus möglich ist, die Wellen der Depression (mittels Psychotherapie, Antidepressiva, achtsamer Arbeit etc.) abzuflachen, zweitens, dass es nicht unsere Aufgabe ist, unsere Zukunft in zehn Jahren abzubilden. Unser Aufgabe ist es vielmehr, das Heute zu gestalten. Heute zu sehen, dass der Tag etwas Gutes für mich bereit hält. Und dann morgen. Dann nächste Woche... Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Ich persönlich hoffe und glaube daran, dass ich irgendwann ein glückliches und sinnerfülltes Leben führen darf. Aber auch hier gilt: Jeder Mensch ist anders; ist anders weit; braucht anderes. Ich für mich schöpfe aus dieser Hoffnung.

Das ständige Auf und Ab kostet enorm viel Kraft. In kann gut nachvollziehen, dass es jedes Mal schwerer scheint, aus einer Depression zurück ins Leben zu finden. Man ist geschwächt - körperlich, seelisch, geistig. Ich glaube, es ist daher umso wichtiger, sich selbst viel Zeit und Raum einzugestehen, geduldig zu sein mit sich selbst und hineinzuspüren, was ich möchte, was geht, was (noch) zu viel ist.

Viel gute Kraft liebe Grüße!

29.12.2021 10:54 • x 1 #5


Lost111
Hallo ihr Lieben, @Hexe4269 , @Greta , @aurora333 , @Lischen ,

erstmal ganz lieben Dank für eure Antworten und Erfahrungen, die ihr mit mir geteilt habt!
@Greta
Zitat:
Bist du sicher, dass sich bei dir innerhalb der vergangenen 8 Tage soviel verbessert hat, dass du wieder arbeiten kannst?
Und warum willst du das unbedingt schaffen? Woher kommt dieser hohe Anspruch an dich selbst?
Gibt es einen Therapeuten, mit dem du dieses Thema mal aufdröseln kannst?

Ich will es auf jeden Fall versuchen, das ist der Anspruch an mich selber. Woher auch immer das kommen mag. Ich schätze, dass es u.a. mit meiner Kindheit zu tun hat. Da war ich nie gut genug. Egal, was ich getan oder nicht getan habe.
Und ich weiß auch: heute bin ich kein Kind mehr. Aber ich bin auch Jemand, der was schaffen will. In meinem Elternhaus war/bin ich nur was wert, wenn ich arbeiten gehe. Und meine 4 Stunden täglich werden auch schon belächelt - es sind doch nur (!) 4 Stunden! Dabei ist das auch Arbeit.
Ich bin jetzt seit dem 19.10. krank geschrieben. Es ist auch so, dass ich wieder arbeiten gehen will.
Therapeutische Unterstützung habe ich derzeit nicht, will mich aber um einen Therapieplatz bemühen.
@aurora333
Zitat:
Spielt aber nur eine Nebenrolle, wichtig, dass Du Dir selbst sagen kannst, ich bin auch ok wenn ich nicht arbeite, wenn ich zu mir schaue, für mich sorge !

Da sagst du was! Es fällt mir nach wie vor so schwer, für mich selbst zu sorgen. Deshalb warte ich auch immer ewig und wahrscheinlich zu lange, bis ich mich überhaupt krank schreiben lasse. Aber ich habe immer noch ein furchtbar schlechtes Gewissen meinen Kollegen gegenüber.
@Lischen
Zitat:
Zu arbeiten kann anstrengen und erschöpfen, aber Arbeit kann auch unglaublich gut tun: Die (äußere) Struktur, vielleicht das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, in einer Tätigkeit aufzugehen etc. Wie erlebst du es für dich? Spürst du dich gut?

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich meine Arbeit mag und gerne mache. Ich arbeite seit annähernd 30 Jahren in dem Beruf. Die von dir erwähnte Struktur ist auch nicht ganz unwichtig, denn momentan fühle ich mich immer noch wert- und nutzlos. Ich denke, ich bin bereit und stabil genug, wieder arbeiten zu gehen. Auch wenn ich Angst davor habe.

Eure Zeilen haben mich zum Nachdenken angeregt, danke dafür.
Ich ziehe in Erwägung, wieder zum Arzt zu gehen, wenn ich das Gefühl habe, es nicht zu schaffen. Aber erstmal will ich am Montag wieder starten. Ich will mich dem stellen. Außerdem habe ich die 2. Januarwoche Urlaub. Also wären erstmal nur 5 Arbeitstage zu schaffen. Allein das wird schon eine Herausforderung für mich sein.

LG Lost111

29.12.2021 19:56 • x 4 #6


B
Zitat von Lost111:
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich meine Arbeit mag und gerne mache. Ich arbeite seit annähernd 30 Jahren in dem Beruf. Die von dir erwähnte Struktur ist auch nicht ganz unwichtig, denn momentan fühle ich mich immer noch wert- und nutzlos. Ich denke, ich bin bereit und stabil genug, wieder arbeiten zu gehen. Auch wenn ich Angst davor habe.

Eure Zeilen haben mich zum Nachdenken angeregt, danke dafür.
Ich ziehe in Erwägung, wieder zum Arzt zu gehen, wenn ich das Gefühl habe, es nicht zu schaffen. Aber erstmal will ich am Montag wieder starten. Ich will mich dem stellen. Außerdem habe ich die 2. Januarwoche Urlaub. Also wären erstmal nur 5 Arbeitstage zu schaffen. Allein das wird schon eine Herausforderung für mich sein.



Ich kann deinen Weg vollkommen nachvollziehen.

Mach das so, wenn es sich für dich richtig anfühlt.

Ich würde es genau so tun.

Beweise dir, dass du es kannst.

29.12.2021 21:59 • x 3 #7


B
Jeder kleine Erfolg zählt

Gehe langsam Schritt für Schritt.

Achte auf deine Grenzen, aber gehe deinen Weg, zurück in die Normalität.

29.12.2021 22:04 • x 2 #8


Lost111
Zitat von blue_:
Jeder kleine Erfolg zählt

Gehe langsam Schritt für Schritt.

Achte auf deine Grenzen, aber gehe deinen Weg, zurück in die Normalität.

Das ist das Schwierige an der Sache - auf meine Grenzen zu achten. Und mir auch eingestehen, dass ich auch Scheitern könnte. Aber daran mag ich jetzt nicht denken. Wird schon schiefgehen. Wie war das gleich - die Macht der Gedanken?
JA, vielleicht will ich mir tatsächlich was beweisen. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.

29.12.2021 22:11 • x 1 #9


B
Zitat von Lost111:
auf meine Grenzen zu achten.


das ist auch mein Thema. Ein lebenslanger Prozess so wie ich meine.

Sehe diese Möglichkeit als Chance daran zu arbeiten.

Aber aufgeben würde ich nicht.

29.12.2021 22:12 • x 1 #10


B
Ein Mensch braucht auch Erfolgserlebnisse und aus den paar Zeilen, die ich von dir lesen konnte, habe ich das auch bei dir feststellen können.

Deswegen finde ich es gut, dass du es versuchen willst

29.12.2021 22:16 • x 1 #11


X
Wie wäre es, wenn du dir ganz bewusst jeden Tag eine Zeit nimmst, um dich hinzusetzen, in dich hineinzuspüren und dich ganz ehrlich und aufrichtig zu fragen, ob du zur Arbeit gehst, da sie dir Sinn gibt, dir Struktur auferlegt und du Erfolgserlebnisse damit verbinden kannst oder ob es gerade dahingehend kippt und du zur Arbeit gehst, um dir selbst und anderen etwas zu beweisen - über deine Grenzen hinweg, um Stärke (?) zu zeigen?

Ich glaube, es ist Gratwanderung. Sei achtsam! Herzliche Grüße!

29.12.2021 23:01 • x 2 #12


Lost111
Zitat von Lischen:
Wie wäre es, wenn du dir ganz bewusst jeden Tag eine Zeit nimmst, um dich hinzusetzen, in dich hineinzuspüren und dich ganz ehrlich und aufrichtig zu fragen, ob du zur Arbeit gehst, da sie dir Sinn gibt, dir Struktur auferlegt und du Erfolgserlebnisse damit verbinden kannst oder ob es gerade dahingehend kippt und du zur Arbeit gehst, um dir selbst und anderen etwas zu beweisen - über deine Grenzen hinweg, um Stärke (?) zu zeigen?

Jetzt aus dem Bauch heraus würde ich sagen, das letzteres eher zutrifft... Natürlich will ich auch wieder Struktur haben.
Und JA - verdammt! - ich will mir natürlich auch beweisen, dass ich es KANN. Sorry.
Es ist in der Tat eine Gratwanderung. Aber was habe ich zu verlieren?

29.12.2021 23:11 • #13


X
Bei wem entschuldigst du dich gerade? Bei dir selbst?

29.12.2021 23:13 • #14


A


Hallo Lost111,

x 4#15


Lost111
Zitat von Lischen:
Bei wem entschuldigst du dich gerade? Bei dir selbst?

Eher bei den Mitlesern... Und auch bei mir?! Ich bin sonst nicht wirklich ein impulsiver Mensch. Das eben war sehr spontan von mir. Das hat mich erschreckt. Hört sich das schräg an?!

29.12.2021 23:16 • #15

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