Habe ich eine schwere Depression?

Cherry28
Hallo, ich bin's mal wieder. Nachdem ich am Samstag abend von jetzt auf gleich wieder eine sehr merkwürdige Stimmungsschwankung hatte (auf einmal fand ich mich ganz schlimm und hässlich usw.), ging es ab Sonntag wieder alles erstaunlich gut. Am Sonntag hatten wir Besuch, was mich nach einer gewissen Zeit zwar etwas angestrengt hat (bin einfach immer so müde!), aber an sich war es ein schöner Tag.
Ist das normal, dass man Momente oder ganze Tage hat, in denen man sich von jetzt auf gleich schrecklich fühlt und bitterlich weint (eigentlich grundlos) und dann ist es wieder 3, 4, 5 Tage alles ziemlich gut?!?!? Ich bin völlig verwirrt und dann denke ich an solchen Sonnentagen: Hey, du übertreibst, du bist doch nicht depressiv, dir geht es doch gut!!
Bin ratlos! Ich kann das nicht einschätzen!!

26.10.2010 11:09 • #16


A
Hallo Cherry,

ob das normal ist, weiß ich nicht. Ich kenn das von mir aber auch. Am Sonntag ging es mir echt ganz gut. Ich konnte mich auf den nächsten Tag freuen und hab positiv gedacht. Hab mich auch gefreut, weil früher die Wochenenden immer furchtbar waren, weil nichts zu tun war, und ich mich wieder auf den Montag freute. Na ja, wie auch immer. Seit Montag hänge ich jedenfalls wieder durch. Hab die Uni geschwänzt und bin nur am gammeln. Mir geht es nicht besonders schlecht, aber ich hab ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht funktioniere. Wieso das so ist? Keine Ahnung. Es kann auch einfach daher kommen, dass ich mich vorher so überfordert habe. Dann gibt's eben jetzt die Rechnung. Ich wollte dir damit nur sagen, dass es nicht immer einen unmittelbaren Auslöser geben muss. Können auch permanent viele kleine Dinge sein, oder etwas, das ein paar Tage zurück liegt, abgeklungen ist und die Erschöpfung jetzt durchschlägt.
Und ja: an diesen Sonntagen geht es dir gut! Und das ist doch auch schön. Genieß es. Depressionen bleiben trotzdem Depressionen. Wär ja auch schlimm wenn es keine guten Phasen gäbe.

Alles Liebe,
Amparo

26.10.2010 11:21 • #17


A


Hallo Cherry28,

Habe ich eine schwere Depression?

x 3#3


S
Hi Cherry!

Zitat:
Ist das normal, dass man Momente oder ganze Tage hat, in denen man sich von jetzt auf gleich schrecklich fühlt und bitterlich weint (eigentlich grundlos) und dann ist es wieder 3, 4, 5 Tage alles ziemlich gut?!?!? Ich bin völlig verwirrt und dann denke ich an solchen Sonnentagen: Hey, du übertreibst, du bist doch nicht depressiv, dir geht es doch gut!!

Bis zu einem gewissen Grade kann das durchaus normal sein. Gerade diese Stimmungsschwankungen sind ja sehr oft die Tücken einer Depression.
Gewisse Wechselepisoden gehören zu der Depression wohl wie das Amen in der Kirche.
Die Kunst ist die guten Tage nicht damit zu verbringen darüber nachzudenken wieso es einem auf einmal wieder gut geht und was die vorigen Tage los war, sondern diese auszukosten.

Sicherlich solltest du beobachten wie oft diese Wechselepisoden bei dir stattfinden und wie ausgeprägt sie sind (vom einen ins andere Extrem?). Ab einem gewissen Grade kann dies durchaus in die Richtung Manie gehen, was dann aber auch unbedingt ärztlich abzuklären wäre.

Apropos; konntest du bisher einen Arzt aufsuchen? Magst du ein wenig berichten?

26.10.2010 11:25 • #18


Cherry28
Hallo Amparo,
lieben Dank für deine Antwort. Wahrscheinlich suche ich immer noch nach Beweisen dafür, dass ich gar keine professionelle Hilfe brauche. Aber es stimmt, das ändert nichts an der Tatsache, dass ich mich oft genug schlecht, minderwertig und ausgepowert fühle...
Dir auch alles Liebe!
Cherry

26.10.2010 11:27 • #19


Cherry28
Hallo Sandra,
*schlechtes-gewissen-hab* nein, ich habe noch keinen Arzt aufgesucht. Ich kann diese Hemmungen irgendwie nicht ablegen. Und wenn ich dann ausgerechnet einen Termin an einem Tag bekomme, an dem es mir gut geht, habe ich Angst, dass mir dann nicht geglaubt wird, wie schlecht ich mich manchmal fühle und wie viel ich nachdenke und grüble... ich weiß, das Vorhaben allein wird mich nicht weiterbringen, ich muss endlich handeln... auch mein Mann redet mir gut zu. *seufz* Ich hoffe, ich bringe bald die Kraft auf, es durchzuziehen!!

26.10.2010 11:30 • #20


S
Liebe Cherry,

dir brauch das nicht unangenehm sein. Man merkt ganz deutlich, dass du noch sehr befremdlich auf deine Symptomatik reagierst. Ich habe das Gefühl du stehst dir auch genau deshalb selbst im Weg. Du glaubst dir noch nicht so recht, hm?

Vielleicht wäre es für dich ja eine Möglichkeit, dass du dich vor einem Arztbesuch an eine psychologische Beratungsstelle wendest. Dort bist du auch nicht unbedingt dazu verpflichtet dich auszuweisen, kannst also weitesgehend anonym bleiben und der Druck fällt weg, dass du dich direkt einer Behandlung unterziehen musst. Dort wirst du so gut es geht beraten und dir wird die Symptomatik nahe gelegt/erklärt.
Du hast dann natürlich auch die Möglichkeit über diese Stelle weitere Wege in Anspruch zu nehmen, was aber - soweit ich informiert bin - nicht Pflicht ist.

Falls du lieber völlig anonym bleiben magst, gibt es auch psychologische Beratungshotlines.

Ich denke es wäre ganz wichtig, wenn dir einmal vor Augen geführt wird, was es überhaupt bedeutet unter einer depressiven Symptomatik zu leiden und wie es weitergehen kann. Vor allem aber, dass dies nichts ist wofür man sich schämen muss.

Zitat:
Und wenn ich dann ausgerechnet einen Termin an einem Tag bekomme, an dem es mir gut geht, habe ich Angst, dass mir dann nicht geglaubt wird

Du stehst nicht vor einem Richter, liebe Cherry. Du bist Hilfesuchende und sollst nichts bezeugen. Auch einem Arzt ist bewusst, dass es nebst den depressiven, auch normale Episoden gibt - das gehört schließlich dazu.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du irgendwie einen Zugang zu deiner Erkrankung und dir selbst findest.

26.10.2010 13:38 • #21


Cherry28
Liebe Sandra, besten Dank für deine lieben Worte.
Heute früh war ich ganz knapp davor, endlich den ersten Schritt zu machen und einen Arzt aufzusuchen. Gestern Abend meinte mein Mann, dass ich gar nicht mehr fröhlich sei in letzter Zeit und er das Gefühl habe, nicht an mich ranzukommen und es mir nicht recht machen zu können. Es belastet auch ihn, das merkt man deutlich, und das war wieder so ein Punkt an dem ich feststellen musste, dass ich wohl echt ein Problem habe, dass ich allein nicht lösen kann.
Also, heute früh auf dem Weg zur Arbeit habe ich drüber nachgedacht, beim Arzt anzuhalten, es einfach schon mal zu adressieren, aber das Pflichtbewusstsein... ich wäre sicher zu spät zur Arbeit gekommen und das war wieder die perfekte Ausrede es nicht zu tun. :-(
Mittlerweile merke ich sogar, dass ich manchmal das Gefühl habe nicht richtig durchatmen zu können. Das hatte ich schon mal, als ich vor Jahren prüfungsbedingt sehr angespannt war.
Ich weiß, dass ich handeln muss und dennoch tue ich es nicht. Warum???
Ich hab u.a. Angst, dass ich vielleicht krank geschrieben werde, aber was sagt man da dem AG?

04.11.2010 15:44 • #22


S
Hallo Cherry,

entweder bist du krank oder nicht. Nach deinen Beiträgen zu urteilen, solltest du dir wirklich Hilfe suchen. Allein schaffst du es wohl nicht mehr.

Hab den Mut und geh zu deinem Arzt. Er muß dich ja nicht gleich krankschreiben. Vllt gibt es ja noch einen Mittelweg.

Alles Gute für dich.

Serafina

04.11.2010 17:08 • #23


S
Hallo Cherry,

Zitat von Cherry28:
Ich hab u.a. Angst, dass ich vielleicht krank geschrieben werde, aber was sagt man da dem AG?

Falls Du krank geschrieben wirst, brauchst Du dem AG lediglich die Krankmeldung zukommen lassen.

Du hast nicht die Verpflichtung, über Diagnosen zu sprechen, auch wenn Deine Vorgesetzten oder Kollegen Dich vielleicht dazu drängen. Sag einfach, falls Du Bedenken hast, gar nichts zu sagen, Dir geht es nicht gut und es müssen Untersuchungen durchgeführt werden.

Warst Du denn noch nie mal wegen Erkältung oder anderen Krankheiten krank geschrieben?

04.11.2010 17:15 • #24


Cherry28
Hallo,
nachdem nun auch familiäre Probleme hinzukamen, wurde meine Lage verzwickter. Ich hab Kopfschmerzen, bin total erschöpft und unkonzentriert, sehr nachdenklich... heute Morgen war ich beim Arzt. Leider war mein Hausarzt ausgerechnet heute nicht da, aber seine Vetretung war nett und hat mir, nachdem ich sein Sprechzimmer regelrecht überflutet habe, erstmal 3 Tage krank geschrieben. So kann ich ein wenig zur Ruhe kommen. Das Weitere soll ich am Montag mit meinem Hausarzt besprechen, aber der Vertretungsarzt hat schon die Themen antidepressive Mittel und Psychotherapeut in den Mund genommen *seufz* damit ich das Leben wieder fühle. Lt. Krankmeldung ist es eine depressive Episode. Oh Mann, es steht noch so viel an die nächsten Wochen, da kann ich doch nicht schlapp machen!!
Jedenfalls, mein Mann hat mir direkt angeboten, am Montag mitzukommen, um mir den Rücken zu stärken. Ich freu mich, dass ich hier viel Rückhalt bekomme und bin froh, den ersten Schritt gemacht zu haben.
Ab nun kann es nur noch aufwärts gehen, oder?
Viele Grüße
Cherry

10.11.2010 13:41 • #25


S
Hallo Cherry28,

Zitat von Cherry28:
Ich freu mich, dass ich hier viel Rückhalt bekomme und bin froh, den ersten Schritt gemacht zu haben.

Schön, dass Du den Mut hattest, diesen wichtigen Schritt zu tun.

Es wird auf jeden Fall weiter gehen, wenn Du am Ball bleibst. Ich bin mal gespannt, was Dein Hausarzt am Montag sagen bzw. Dir raten wird. Wenn Du magst, kannst Du ja mal berichten.

10.11.2010 16:26 • #26


Cherry28
So...
mein Hausarzt (dessen Sprechzimmer ich auch wieder halb überflutet hab - Emotionen NULL im Griff momentan) hat mich diese Woche noch krankgeschrieben und mir eine Überweisung zum Psychotherapeuten gegeben. Psycosomatisches Erschöpfungssyndrom. Er meint, ich solle aufpassen - wenn ich so weitermache, bekäme ich bald einen völligen Nervenzusammenbruch und dann bin ich mehrere Monate außer Gefecht gesetzt. :-( Super Aussichten. Aber sehen wir es positiv: der Anfang ist gemacht....
Schönen Abend euch allen.
Cherry

15.11.2010 22:13 • #27


uniquenessy
Hallo Cherry,

hast du sich auf die Suche nach einem Therapeuten begeben?
Wie soll es für dich nächste Woche weiter gehen?

Lieben Gruß
Uni

18.11.2010 14:54 • #28


K
Hallo Cherry,
ich weiß, es ist nicht einfach, den ersten Schritt zu machen. Was sollen die Leute denken? Ich kenne das:

ich will es allen Recht machen,
bloß nicht krank schreiben lassen,
es allen Recht machen.

Es tut mir Leid, wenn ich mich jetzt so ausdrücke, aber geb Dir mal einen Tritt in den A....(llerwertesten). Du wirst es nicht bereuen, glaube es mir. Ich habe in dieser Woche auch einen Termin bei meiner Hausärztin, damit sie mir hilft, einen passenden Psychologen zu finden. Und ich muss Dir sagen, klar kostet es Überwindung. Ich war bei 2 Psychiatern, ich fühlte mich nicht verstanden - das muss aber nicht bei jedem so sein... Aber allein die Tatsache den ersten Schritt zu machen, in diese Praxis zu gehen und zu sagen:Hallo, mir geht es total dreckig. Bitte hilf mir! war das Beste, was ich machen konnte.
Ich habe von 2004 bis 2009 in nem Dorf gewohnt, mich haben mal ein paar Leute aus diesem Dorf beim Psychiater rauskommen sehen bzw. meine Ex - Schwiegermutter hat es auch an die große Glocke gehangen und innerhalb von 2 Tagen wusste das ganze Dorf, dass ich beim Psychiater in Behandlung bin - tolles Gefühl
Aber letzten Endes war es mir absolut egal, ich habe den Leuten sprichwörtlich diesen hier gezeigt und bin meines Weges gegangen. Nur weil man bei nem Psychiater / Psychologen in Behandlung ist, heißt das nicht, dass man vollkommen einen an der Murmel hat (sorry, für meine Wortwahl) Auch wir sind NUR Menschen und keine Außerirdischen oder so, nur weil wir zu nem Psycho - Doc (sorry) gehen.

Ich hoffe, mir ist keiner böse, dass ich so geschrieben habe. Solche Ausbrüche habe ich nicht oft und dieser hier war noch recht harmlos... Ich will auch niemand damit persönlich angreifen oder hoffe, dass sich niemand hier persönlich angegriffen fühlt. Ich bin sehr froh, hier zu sein und mich mit anderen Leuten auszutauschen, Rat zu holen usw.

Ich wünsche Dir gaaaanz viel Glück und drücke Dir gaaaanz dolle die Daumen, Cherry.

LG Kathrin

20.11.2010 22:35 • #29


A


Hallo Cherry28,

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Cherry28
Hallo ihr Lieben,
ich bin heute wieder arbeiten und hoffe, mein Zustand bleibt stabil. Nicht, dass ich mich gleich wieder übernehme...
Also, ich hatte bereits gestern einen Termin bei einem Therapeuten. Ist zwar nicht kassenzugelassen, aber da ich u.a. von einem kassenzugelassenen Therapeuten die Auskunft bekam, dass er frühestens in 6 Monaten einen Platz frei habe, war mir das gerade egal. Ich brauche JETZT Hilfe, JETZT bin ich auch bereit dafür und nicht erst in ein paar Monaten. Das ist meine Gesundheit mir mittlerweile auch wert!
Der Termin war gut, er diente der Orientierung, aber der Therapeut war zufrieden, weil ich ihm viel erzählt habe und sehr offen war. Am jetzigen Freitag wird eine Doppelsitzung folgen, damit wir in die Pötte kommen und dann wieder am 10.12. :-) Ich glaube, alles wird gut!
Hauptproblem scheint zu sein, dass ich immer eine Riesenangst habe, nicht zu genügen, ganz schlimm. Hier werden wir auf jeden ansetzen. Ich bin gespannt wie es weitergeht und bin sehr stolz, dass ich diesen Weg nun gehe. Ich binde es nicht freiwillig jedem auf die Nase, aber ich stehe dazu. :-)

Euch auch alles Gute!!

Liebe Grüße
Cherry

23.11.2010 12:42 • #30

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