Na ja, es geht insofern in dieses Thema, weil Depressionen sich bei Männern anscheinend häufig anders äußern als bei Frauen. Ich weiß gar nicht, ob es so stimmt, dass Frauen häufiger betroffen sind, dazu gibt es durchaus Studien, die ich aber auch bei weitem nicht alle zitieren und auf ihre Methodik hin hinterfragen kann - also bin halt einfach nicht vom Fach. Einige Thesen beziehen sich halt tatsächlich darauf, dass Männer nicht über Schwächen und schlechte und übermäßig traurige Stimmung reden möchten und dass deswegen die Dunkelziffer sehr hoch ist. Männer sind halt nun immer stark und die breite Schulter zum ausweinen. Sich einzugestehen, dass man/n das nicht mehr ist, ist für einige Männer grenzwertig unmöglich und gesellschaftlich (noch) nicht unterstützt. Die soziologische Komponente dahinter finde ich sehr interessant. Von man redet nicht darüber, wäscht seine dreckige Wäsche nicht vor anderen und sowieso sind Psychologen sowieso alles Quacksalber hin zu geschlechtsspezifischen Herausforderungen a la Mann oder Maus... ist schon interessant wenn auch genauso tragisch. Eine weitere These ist, dass Männer wohl eher (SEHR mit Vorsicht zu genießen) zu psychosomatischen Problemen neigen und das meist erst darüber der Weg zum Arzt und letzten Endes zum Psychologen folgt, weil physisch nichts gefunden werden kann. Auch hier scheint der Anknüpfpunkt eher über die körperliche Ebene zu gehen als dieses ich fühle mich einfach nicht gut (Zusatz: Ich meine damit, dass die Erstdiagnose unter Umständen eher gestellt wird, weil die vielen körperlichen Symptome keine organische Ursache haben wie z.B. Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, obwohl Magen-Darm-Trakt vollkommen in Ordnung sind). Frauen wurde dagegen - meistens von Männern - schon seit Jahrhunderten entweder Hysterie oder Schwachsinn diagnostiziert. Da ist der Schritt zum Arzt zumindest näher. Wobei ich hier halt einfach auch als Angehörige schreibe und nicht wirklich als Betroffene. Das Ausmaß und die Reflexion, die in jedem einzelnen Betroffenen schrittweise stattfindet, kann ich verstehen, wenn ich es erklärt bekomme, aber nicht von mir aus nachvollziehen.
Um den Bogen zurückzuspannen: Man munkelt, dass die Depressionen bei Männer häufiger durch Reizbarkeit und Aggression zeigt. Letzten Endes ist der Suizid ja auch der größte Akt der Aggression - halt nur zu sich selbst.
Ich kenne das halt aus meiner Therapie, dass man dort anders lernt mit Gefühlen und Gedanken umzugehen lernt. Wenn Aggression also ein Thema ist, die sich in der Depression stark auf sich selbst bezieht, dann klingt es in meinem Kopf jetzt schon nach einem großen Fortschritt, eben diese Aggression von sich weg und nach außen zu steuern. Dass das eventuell nachjustiert werden muss, sollte ebenfalls passieren, aber im Rahmen dessen, dass der Selbstwert zu schützen ist und im Grunde diesem depressiven Denken entgegengewirkt werden soll... das wäre für mich jetzt nicht vollkommen abwegig.
Ich kann halt nur aus meiner Beobachtung als Angehörige und nun Expartnerin reden. Ich will diesen Prozess nicht gut reden, weil er sich auch für den Partner sehr schlimm anfühlt und er in vielerlei Hinsicht unfair ist. So wie ich die Natur dieser Krankheit verstanden habe (was nicht richtig sein muss), könnte ich mir halt nur vorstellen, dass das ein Ansatz ist, um den Erkrankten aus der Krise zu schaffen. Aber auch das... wie gesagt... Denkansätze aus Interesse und Zusammenreimen - da ist nichts wissenschaftliches dran.
25.05.2022 22:45 •
x 2 #25