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Hilfreiche Sätze und Aussagen bei Depressionen?

J
Hallo ihr Lieben,

Normalerweise bin ich eher im Angehörigenbereich zu finden, aber ich hätte mal eine Frage.
Hintergrund dazu ist, das ich meinem Freund, der sich gerade mal wieder in einem Tief befindet und sich einigelt gelegentlich eine kurze Mail, quasi als Nachricht von draußen schicke, so das er weiß das da jemand ist wenn es ihm wieder danach ist.
Keine Forderungen, nichts was Antworten erfordert, sondern ein kurzer Gruß.

Nun liest man ja überall, was man an Depressionen Erkrankten nicht sagen soll. Aber was Mut oder Hoffnung macht oder einfach ein positives Gefühl geben könnte findet man leider nirgends. Daher nun meine Frage, was hättet ihr in solchen Momenten gerne von euren Lieben gehört. Mir ist klar, das es jeder anders empfindet. Es geht auch nicht um eine 1:1 Anleitung sondern eher um eine grobe Richtung, was positiv sein könnte.

Passt gut auf euch auf

Lg
Just_me

08.08.2020 15:36 • x 12 #1


Kate
Hi,
ich finde es schön, wie viele Gedanken Du Dir machst.
Ich habe meiner Tochter mal ein Fotoalbum gestaltet, da hatte ich vorn drauf geschrieben,

Wenn alle gegangen sind, bin ich es die für immer bleibt

Ich hatte dies mal irgendwo gelesen und finde es sagt so viel und passt auch auf so viel.

LG Kate

08.08.2020 15:42 • x 9 #2


A


Hallo Just_me,

Hilfreiche Sätze und Aussagen bei Depressionen?

x 3#3


Alexandra2
Was mir geholfen hätte:
du bist wunderbar und wirst wieder rauskommen
du hast den Willen und die Zähigkeit, auch dieses Tal zu durchschreiten
Ich glaube an Dich, dass Du über Dich hinauswachsen kannst
Ich bleibe bei dir

09.08.2020 22:13 • x 8 #3


Blume71
Hallo, eine tolle und richtige Frage, die Du da stellst.
Danke von Herzen dafür.

Sie ist so nötig und ich frage mich gerade, warum ich bis dahin nicht selbst drauf gekommen bin.

Eigentlich wollte ich gerade losschreiben, aber @Alexandra2 hat mir förmlich die Worte aus dem Mund genommen.

Ich weiß noch, wie ich am Anfang meines Burnouts gar nichts verstand. Was passiert da gerade mit mir und bei mir?

Irgendwann kam die Diagnose und das Erstaunen war groß! Was soll ich haben?
Damit hätte ich nicht im geringsten gerechnet, obwohl meine Oma vor vielen Jahren auch daran erkrankt war.

So dann hatte ich die Diagnose und fühlte mich wie im luftleeren Raum und alle um mich herum gefühlt wie in Schockstarre.

Getan wurde viel für mich in meinem Umfeld - auch zugehört - aber auch mit viel Unverständnis reagiert.

Mein größter Wunsch war, dass man mich einmal in den Arm nahm und sagte: Alles wird gut. Es geht vorbei und Du schaffst das. Es gibt Hilfe und Wege daraus.

Bei meinem 1. Therapiebesuch konnte mir davon in kleinen Teilen etwas mitgegeben werden, allerdings auch nicht zuviel. Da ja wirklich niemand wissen kann, wo die Reise hingeht.

Seine Ängste auszusprechen und positive Resonanz zu bekommen, Entwarnung sozusagen, war Balsam für meine Seele und auch Arbeitsunfähigkeit sein zu dürfen. Auszuruhen sozusagen, in Ruhe zu genesen.

Aber ich schweife gerade ab.
Eigentlich möchte ich mich nur Alexandra anschließen, sie hat es wunderbar auf den Punkt gebracht.

Schönen Abend!

09.08.2020 22:45 • x 5 #4


M
Du bist nicht allein.

09.08.2020 23:42 • x 5 #5


Alexandra2
Mir ging es genau wie @Blume und die Bestürzung meiner ebenso hilflosen Freunde hat mich genauso getragen wie die Freude, sie bleiben bei mir. Niemand hat anfangs verstanden, worum es ging, aber sie bleiben bei mir. Und das geschah alles nonverbal....

10.08.2020 06:20 • x 4 #6


maya60
Zitat von Alexandra2:
Was mir geholfen hätte:
du bist wunderbar und wirst wieder rauskommen
du hast den Willen und die Zähigkeit, auch dieses Tal zu durchschreiten
Ich glaube an Dich, dass Du über Dich hinauswachsen kannst
Ich bleibe bei dir


Hallo @Just_me , auch ich danke dir für diese tolle Anfrage an uns und diese liebevolle Idee. Wer kommt schon auf die Idee als Angehöriger oder Freund, einfach mal andere Betroffene zu fragen, was ihnen geholfen hätte, helfen würde? Das ist eine solch wunderbare Herzenshaltung der Zugewandtheit, die sich darin zeigt, dass mir ganz warm wird.

Ich weiß nicht, in welcher Krankheitsphase dein/e Familienangehörige/r ist. Wenn da eine Akzeptanz und ein Wissen ist, depressiv zu sein, dann finde ich auch die Versicherungen von @Alexandra2 wundervoll, denn die habe und hätte ich auch von so einigen Nahestehenden gebraucht und da, wo ich sie immer wieder hörte, taten sie so gut.

In der Anfangsphase jedoch, wenn Verwirrung vorherrscht und Nichtwahrhabenkönnen, in eine ganz veränderte Wahrnehmung, ein ganz verändertes Fühlen und Denken und Können hineingerutscht zu sein und irgendwie noch gehofft wird, dass das genauso wieder plötzlich verschwindet wie es gekommen ist, wenn das Wort Depression noch wild abgewehrt wird (Ich doch nicht) und sich aber doch schon zurückgezogen wird aus Überforderung mit sich selbst und den versagenden Kräften im Alltag, dann würde ich noch vorsichtiger sein. Weil jeder Ratschlag ja eben auch den -schlag mit sich führt, dass derjenige die Dinge besser überschaut als ich momentan.
Da würden solche liebevollen Worte wie die von Alexandra eher in die Richtung missverstanden werden: Ihr habt mich wohl schon abgeschrieben, was?

In der Phase des Kämpfens gegen eine unverständliche Verwirrung und die Angst, unterzugehen, da würde ich einfach nur schreiben oder sagen:

Du, ich habe das schon sooft von anderen gehört nach Stressüberlastung, all diese Sachen wie Schlafstörungen, Magenprobleme, Kopfschmerzen, völliges Chaos im Fühlen und Denken und alle denken, sie sind die Einzigen, das stimmt aber gar nicht. Stress macht krank, immer mehr Menschen, das ist eine Masseneerscheinung, kein Loserbeweis.

Und ich bin immer für dich da und liebe dich und nur, weil du dich jetzt ganz anders fühlst, bist du trotzdem für mich der wundervolle Mensch, den ich liebe.


Liebe Grüße! maya

10.08.2020 06:57 • x 6 #7


Alexandra2
Auch @ Maya hat es so wundervoll beschrieben, und erinnerte mich an schwarze Zeiten. Dann hat mir geholfen, daß jemand da war, weil ich keine Familie habe, die mit mir lebt, jemand der angerufen hat und plauderte. Oder mit mir spazierenging, die Botschaft war dieselbe: ich bin bin bei Dir, Du bist mir wichtig. Das tat einfach nur gut.
Liebe @just_me, das Zurückweichen vor einer psychischen Erkrankung ist immer noch weit verbreitet und daher ist der Rückzug des Kranken schädlich und verständlich. Wenn dann jemand da ist, der imaginativ einen Schutzwall bietet, ist das eine große Hilfe und hat mich sehr beruhigt
Ich finde großartig, dass Du Dich bei Betroffenen informierst!
Liebe Grüße Alexandra

10.08.2020 09:45 • x 5 #8


J
Hallo @maya60 ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und ein herzliches Danke natürlich auch allen anderen.

Ich wollte nur kurz auf deine Antwort zum besseren Verständnis eingehen.

Mein Freund ist seit ca. 8 Jahren mit schweren Depressionen geschlagen, mit Therapie, mit stationärem Aufenthalt usw.
Ihm ging es lange Zeit sehr schlecht, hat sich dort wie ich finde super toll durch gekämpft und auch schon große Fortschritte gemacht. Lange Zeit zwischendurch auch stabile Phasen, in denen es ihm vergleichsweise gut geht, bzw. ging.
Ich kam quasi letzten Herbst hinzu. Wir beide kennen und mögen uns seit mehr als 20 Jahren, wohnten früher im gleichen Ort und waren sehr gute Freunde.
Dann lebte ich viele Jahre im Ausland und der Kontakt beschränkte sich überwiegend auf Gratulation zum Geburtstag, Weihnachtsgrüsse etc.

Seit letztem Herbst dann wieder Kontakt. Treffen, Telefonate etc., wobei wir inzwischen gut 200km auseinander wohnen und plötzlich wars mehr als nur Freundschaft. Er erzählte mir auch direkt von seiner Krankheit und geht da offen mit um.
Was ich damit sagen möchte, wir kennen und vertrauen uns mehr als 100%.

Nun ja, nun ist er gerade wieder in einem Tief, er schottet sich ab, igelt sich ein... aber das ändert für mich nichts am Menschen. Das ist nicht er sondern die Krankheit.
Und selbstverständlich bin ich da, wenn sich die dunkle Wolke verzieht.

Nachdem ich vorher nie damit zu tun hatte, habe ich es Anfangs sicher unterschätzt was es bedeutet Depressionen zu haben, aber lesen bildet )

Nach dem ersten Schreck kann ich inzwischen damit umgehen. In den Phasen in denen er abtaucht achte ich auf mich, verwöhne mich selbst um mich nicht mit runterziehen zu lassen. Und so melde ich mich einfach nur gelegentlich per Mail, so das mein Freund weiß das ich da bin, wenn es für ihn wieder passt.

Vieles habe ich scheinbar intuitiv richtig gemacht wenn ich eure Antworten lese.

Und zum Schluss, er ist mir viel zu wichtig und ein viel zu toller Mensch, als dass ich mich von dem schwarzen Hund vertreiben lasse.

Lg
Just_me

10.08.2020 13:37 • x 5 #9


Jedi
Hallo @Just_me !

Zitat von Just_me:
Nun liest man ja überall, was man an Depressionen Erkrankten nicht sagen soll.
Aber was Mut oder Hoffnung macht oder einfach ein positives Gefühl geben könnte findet man leider nirgends.
-------------------------
Daher nun meine Frage, was hättet ihr in solchen Momenten gerne von euren Lieben gehört.

Worte sind u. bleiben nun einmal oft nur Worte.

Was mir damals geholfen hat, die Authentizität meiner Partnerin - ein echtes Interesse an meiner Person (nicht an meiner Erkrankung),
Freiräume lassen, ohne Beurteilung u. Bewertung u.
das unsere gemeinsam getroffenen Verabredungen (Wir lebten ja Zusammen), als Orientierung für mich, eingehalten wurden.

LG Jedi

10.08.2020 16:19 • x 5 #10


J
Hallo @Jedi ,

Wir haben uns ja bereits öfters ausgetauscht und ich bin wie immer dankbar für deinen Input.

Aber Interesse und Authentizität zeigen während der andere sich bewusst zurück zieht geht schlecht, bzw. denke ich das ein Zuviel eher als Bedrängen empfunden wird.
Daher habe ich mich bewusst für gelegentliche kurze Mails entschieden, die er ja dann lesen kann wenn er mag. Und da bleiben eben nur dann Worte, die sich im besten Fall dann im Unterbewusstsein verankern.

Lg
Just_me

10.08.2020 19:03 • x 2 #11


M
Tolle Idee von Dir!

Zitat von Just_me:
Nun liest man ja überall, was man an Depressionen Erkrankten nicht sagen soll. Aber was Mut oder Hoffnung macht oder einfach ein positives Gefühl geben könnte findet man leider nirgends.


Ich hätte mir gewünscht, (sowohl von Ärzten als auch von Angehörigen) mal gesagt zu bekommen, dass eine Depression auch ohne Medikamente vorbei geht. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich schon mehrere Episoden hatte und die alle wieder ohne Medikamente vorbei gingen.

Stattdessen haben mir alle weitere Angst eingejagt.
Ohne Medikamente werden Sie es nicht schaffen! Argument: Der Botenstoffhaushalt im Gehirn sei gestört und das die Ursache der Depression. Ist bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen und wird von immer mehr Ärzten angezweifelt. Entstammt vermutlich der Überheblichkeit der Neurowissenschaften, zu meinen, bildgebende Verfahren würden uns nun ermöglichen, die genaue Funktionsweise des Gehirns zu verstehen.

Für die nächste Episode bin ich vorbereitet. Ich arbeite an einem motivierenden Text, den ich mir als große Tafel ausdrucke und in meinen Kleiderscharank hänge. Der Plan ist: wenn ich es mal wieder als unlösbar ansehe, zu entscheiden, was ich heute anziehe, komme ich an dieser Tafel nicht vorbei

11.08.2020 14:45 • x 2 #12


Alexandra2
Der wissenschaftliche Nachweis der Neurotransmitter ist erbracht. Ob man dran glaubt oder nicht.
https://www.dasgehirn.info/grundlagen/k...-im-gehirn
Ich hätte ohne Medikamente nicht überlebt trotz vieler anderer Maßnahmen und habe unbewusst selbst für den überschießenden Verbrauch der Neurotransmitter gesorgt. 30 Jahre habe ich mich ohne Medikamente durchgeschlagen, was vielleicht funktioniert, wenn man überall Hilfe, Ruhepausen und kiloweise Verständnis erhält. Irgendwas habe ich falsch gemacht, daß mir das nicht gegönnt war...
Im Ernst, bei einer fortlaufenden leichten Disthymie (Leichte lebenslange Depression) sind Medikamente oft nicht nötig, aber ab der mittelschweren Depression sollte sich niemand rumquälen müssen, die Gefahr die Depression zu chronifizieren ist groß. Leitlinien der Neurologie/Psychiatrie helfen weiter.
Oft stecken noch weitere psychische Erlebnisse/Erkrankungen hinter der Depression ZB A D S /A D H S, Traumatisierung und und und, dann ist erst Recht eine Medikation nötig.
Ich finde das Leben mit dem ganzen Komplex sehr anstrengend, warum sollte ich es mir nicht erträglicher gestalten und die Neurotransmitter ersetzen? Es ist noch nicht lange her, als ich beim Stolpern (Bürgersteig) öfter kerzengerade umfiel, weil für die erforderliche Schutzreaktion keine Neurotransmitter mehr vorhanden waren. Ich habe doof geguckt, als der Neurologe das feststellte, Wahnsinn.

Und einmal davon fiel ich neben den Porsche, anstatt darauf, das wäre teuer geworden...

11.08.2020 15:35 • x 3 #13


Kate
Liebe Alexandra, @Michael808 kanns einfach nicht lassen, auf den Medikamenten rumzuhacken, zumal dies gar nicht Thema in diesem Thread ist, er lässt aber auch keine Gelegenheit aus.

Wenn er keine nehmen will, gut so. Andere brauchen sie, auch gut so. Punkt.

LG Kate

Und @Michael808 ich kann mir nicht vorstellen, dass es @Just_me noch ihrem Freund hilft zu sagen, Medikamente sind Teufelszeug, box Dich da alleine raus.

11.08.2020 15:43 • x 2 #14


A


Hallo Just_me,

x 4#15


M
Zitat von Kate:
zumal dies gar nicht Thema in diesem Thread ist, er lässt aber auch keine Gelegenheit aus.

Das Thema ist wenig spezifisch. Thema des Threads ist:
Zitat:
Welche Sätze/ Aussagen hättet ihr gerne gehört

Ich stehe weiterhin zu meinen Erfahrungen und damit verbundenen Meinungen.

11.08.2020 15:53 • #15

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