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Hochbegabung und Depression

maya60
Zitat von Mas83:
Wow, toll, dass sich die Lehrerinnen das zu dir gesagt haben. Fand du es auch toll? Oder wusstest du nicht was du damit anzufangen sollte?

Hallo Mas!

Irgendwie von allem 3 etwas. Ich wusste, dass ich gut erzählerisch schreiben konnte, es war mir aber auch peinlich, wenn ich damit an der Aufgabe einer anderen Textform vorbeischrieb und ich verstand nicht, warum Texte im Deutschunterricht- oder anschließend im Deutsch-Studium wie Objekte behandelt wurden und nicht zutiefst als Subjekte des Selbstausdruckes.
Ich hatte da also wirklich ein tragisches Verständnisproblem, so dass ich auch nicht mehr Deutschlehrerin werden wollte. Also der literarische Anspruch an Texte vermittelte sich mir nicht, nicht besonders intelligent, oder?
Aber die Lehrerinnen begriffen früher als ich, dass Schreiben für mich einzig und allein Selbstausdruck war, darum tat es ihnen so leid.


Ich hatte mal einen Englisch Lehrer und bei einem sehr wichtiger Prüfung über einem Buch, hatte er mir erst keine Note gegeben. Er behauptete, daß Geschriebene sei viel zu gut und ich könnte es nie selbst geschrieben haben. Auf meine Frage, was ich denn normalerweise für eine Note bekommen sollte mit der Prüfung, meinte er einen eins. Zwei Wochen später bekam ich eine zwei und auf meine Nachfrage, warum ich keine eins bekommen hätte, schnautzte er mich an mit:du hast doch jetzt was du wolltest. Danach habe ich mich nie mehr Mühe gegeben bei Englisch und dreier geschrieben. Deswegen finde ich es so toll wie deine Lehrerinnen reagiert haben. Ohne Worte

Was meinst du mit Freak? Und die Diagnose Depression oder? Ich verstehe es nicht so ganz.

Freak meine ich im verspielten Hippiesinn, wie er am Anfang war, als wir noch als Jugendliche der 70er Flowerpowerjahre an Love, Peace and Music glaubten und es noch nicht in S., D.rugs and Rock´n Roll umgeschlagen war. Ich war bis vor 3 Jahren sehr gesellig und unter Leuten und nicht wie die meisten Menschen mit meinen Diagnosen schüchtern, zurückhaltend und einsiedlerisch. Eremitisch bin ich erst jetzt und das sehr gerne. Darum machte ich ja auch keine Sonderling-Erfahrungen wie viele mit meinen Diagnosen. Mehr oder weniger depressiv waren fast alle Leute, fand ich. Allein durch die Kriegstraumata ganzer Generationen.

- kann der hb eine Mitgrund für die Depression sein? (Jahren lang Unterforderung) - denke ich nicht, weil die HB einem ja gerade andauernd 1000 neue Ideen eingibt und man sowieso ein reicheres Innenleben hat als dass man vom Außen abhängig wäre. HB macht ja aktiv, nicht passiv konsumorientiert.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass du das nicht so siehst und so gefühlt hat. Ich glaube aber, wenn man keine gute Passung zwischen wie man ist und seine Umfeld hat, oder zwischen seine eigene kognitive und emotionale Seite, es zu Spannungen führt und damit Energie für sonstige Bereiche verschwendet wird. Ich möchte z. B. immer nett gefunden worden und habe mich immer nach unten angepasst. Ich weiß nicht ob dass so gesund sei. Konsumorientiert bin ich tatsächlich gar nicht.

Ich weiß, was du meinst mit der fehlenden Passung. Das kann eine echte Falle im Leben werden, wenn alle Intelligenz und Kreativität nicht gegen die Fremdbestimmung ankommt, weil sie zu viele Stunden am Tag einfach frisst . Das war ja bei mir so mit der Familienmutter-Rolle. Große Liebe und Segen und Fluch und Falle gleichzeitig. Ich selber kam kaum noch vor.

- wäre es möglich die hb ein zu setzen um die Depression zu mildern oder auf zo lösen? [color=#0080ff]Ja, die Vorlieben ausleben, bestätigen, loben, ausbauen. Bei mir war es Schreiben und Lesen über Gott und die , bei meinem Mann und Schwiegervater alles, was berechnet und konstruiert werden kann und alles, was sie interessant finden, was eine Menge ist
Das ist ein guter Tipp, danke! Hast du während deine Depression genug Kraft zu schreiben und zu lesen? Oder wie fühlst du dich dabei? Ich finde z. B. der Austausch hier sehr schön, habe aber oft gar nicht genug Energie vieles zu lesen oder zu antworten. Dabei kann ich desinteressiert rüberkommen, was ich aber gar nicht bin. Ich würde z. B. gerne öfters Tagebücher hier lesen, Leute unterstützen usw. Aber meistens schaffe ich das nicht.

[i]Ich finde den Austausch hier auch gut und Schreiben und Lesen sind mir so wichtig wie das Atmen. Nur darum funktionieren sie allermeistens in der Depression auch noch. Aber das ist ja bei jedem sehr unterschiedlich. Viel Kraft habe ich nie.

Meine Hochsensibilität, meine Hyperaktivität und meine Intelligenz haben mir sicherlich alle Ideen, Kreativität, Hyperfokus und Lösungen im Leben ermöglicht, um irgendwie auf Umwegen und in Miniform und auf einzigartige Weise mein Leben doch zu leben. Aber der Schmerzpreis war immer sauhoch. Erst seit ich seit 3 Jahren sehr eremitisch lebe, nicht mehr.

Aber so kann ich jetzt erst leben - im Ruhestand. Vorher ging das nicht, weder von den Lebensaufgaben noch von meinen Lebenswünschen und Bedürfnissen her. Da hieß es jahrzehntelang Dauerdrenalin und Dauererschöpfung und heute bin ich u.a. froh, dass ich damals das gar nicht so bewusst auf dem Schirm hatte. Denn es gibt auch heute noch nicht Medikamente und Therapien, die mir mein Leben ermöglicht hätten.


Liebe Grüße! maya


07.06.2020 16:41 • x 3 #16


WhiteOwl
Zitat von Mas83:
Ist die Psyche aber nicht das Gehirn und die Gene? Ich habe immer verstanden, dass die Depression durch ein fehlende Stoff im Gehirn, bestimmte Erfahrungen und genetisch bedingt sein sollte. Aber vielleicht liege ich da falsch? Bin ernsthaft interessiert in deiner Antwort.

Hallo @Mas83 ,ich antworte mal ungefragt auf diese Frage ,
ich selbst bin eine HSP mit Hochbegabung und habe gelegentlich Depressive Phasen :
ich kann sehr vieles von den Beiträgen zu deinem Thema bei mir wiedererkennen !

Unsere Psyche wird von den Genen(Elternhaus , Umfeld) zwar sehr stark vorgeprägt, aber muss nicht vorbestimmt bleiben. Weil wir Einfluss darauf nehmen können. Meiner Erfahrung nach ist die Psyche sehr stark mit dem Gehirn verbunden , was erst widersprüchlich klingt . Der Sitz der Psyche befindet sich aber sowohl im Gehirn wie im Herzen , im Grunde im ganzen Körper .

Das Paradox scheint aber zu sein , das man mit heilsamen Gedanken die Gefühlswelt aufschliessen kann , indem wir lernen unsere Gefühle mitzuteilen .Das Gespräch wagen . Mir selbst hilft es ungemein mich darin zu üben , meine Gefühle in passende Worte zu kleiden . Man hat mir schon öfter gesagt ich könne mich gut in Worten ausdrücken, das war mir immer gar nicht bewusst ,das dies etwas besonderes wäre.

Jemand hat mir mal gesagt , das Gefühle eine Form , ein Kleid bräuchten, welches sie trägt. Sonst zerfliessen sie formlos wie Wasser ! Somit schliesse ich daraus , dass achtsames Denken über unsere Gefühle und Mitteilen derselben auch psychische Krisen abwenden könnte. Bei mir selbst gelang es ein paar Mal dass ich ein Abrutschen in die Depression verhindern konnte. Nur durch das genaue Schildern meiner negativen Gefühle, und den festen Entschluss nicht bis ganz nach unten ins Tal zu rutschen.
Depressionen werden auch durch schlechte Erfahrungen begünstigt, die Gene können dabei auch mitwirken . Bestimmte anregende , neugier weckende Stoffe im Gehirn sind zuwenig vorhanden, werden nicht genug nachproduziert ! Dies sind die Botenstoffe Noradrenalin ,Dopamin und Serotonin.
Alle drei sind Neurotransmitter und haben grossen Einfluss auf die Gesundheit ... Und jeder kann durch Ernährung , Verhalten und sein Gedankenleben direkten Einfluss auf diese nehmen .

Liebe Mas83 , ich hoffe meine Antwort kann dir weiterhelfen ,

08.07.2020 18:43 • x 3 #17


A


Hallo Mas83,

Hochbegabung und Depression

x 3#3


Mas83
Liebe @whiteowl, ich lese deine Beitrag erst heute. Du hast das sehr schön erklärt. Danke dafür! Ich hoffe, du bist jetzt in eine gute Fase.

Was ganz anderes, seid ihr auch ein Mitglied von Mensa oder ähnliches? Bringt das etwas?

Lg

19.07.2020 19:36 • x 2 #18


Kate
Zitat von Mas83:
Was ganz anderes, seid ihr auch ein Mitglied von Mensa oder ähnliches? Bringt das etwas?

Dazu könntest Du Dich auf deren Homepage informieren. Auch über Aufnahmekriterien, Mitgliedsbeiträgen Vorteilen etc. Es dient dem Austausch.
Wer hat denn die Testung bei Dir gemacht? Du brauchst ein besseres Ergebnis als 98% der restlichen Bevölkerung.
LG Kate

20.07.2020 08:47 • x 1 #19


Mas83
Zitat von Kate:
Dazu könntest Du Dich auf deren Homepage informieren. Auch über Aufnahmekriterien, Mitgliedsbeiträgen Vorteilen etc. Es dient dem Austausch.
Wer hat denn die Testung bei Dir gemacht? Du brauchst ein besseres Ergebnis als 98% der restlichen Bevölkerung.
LG Kate


Ich war beim Begabingsdiagnostiker und habe ein besseres Ergebnis als 98% der restlichen Bevölkerung. Das Ergebnis wird bei Mensa auch anerkannt.

Ich weiß, was die alles auf der Homepage haben, aber das ist natürlich auch Werbung und wollte mal nach eventuelle Erfahrungen fragen.

Soviel kann ich nämlich gar nicht machen mit meiner Depression.

Danke für dein Antwort!

20.07.2020 17:20 • x 2 #20


WhiteOwl
Hallo liebe @Mas83 , nein ich bin nicht bei Mensa , aber es hört sich interessant an . Ich mache mich mal schlau darüber . Wie ich darauf kam ,eine Freundin hat mich darauf hingewiesen das ich womöglich hochsensibel u. hochbegabt bin. Das wusste ich schon , nur mit der Hochbegabung hab ich gerade angefangen die zu entdecken. Den Verdacht hatte ich schon , obwohl meine Schulnoten nur durchschnittlich waren ! Ein Selbsttest auf Gimmemore.com ergab das Ergebnis hochbegabt . Das hat mich natürlich gefreut und bestätigt . Auch das so gut wie alle Verhaltensmerkmale derselben Veranlagung auf mich zutreffen , gibt mir die Möglichkeit mich besser zu verstehen ! Doch ich weiss gerade auch nur zu gut von den Schattenseiten dieser Veranlagung und gebe mein bestes um mit diesen zu leben ... Wie z.B das meine Gedanken einen so grossen Einfluss auf meine Gesundheit haben wie die Umwelt . Denn es heisst doch ,, die intelligentesten Menschen haben die lautesten Gedanken . Deutet die Zahl hinter Mas auf dein Alter hin ? Also ich bin Jahrgang 1984 , ich liebe diese Zahl , nicht nur wegen dem Film
Lg

21.07.2020 19:37 • x 1 #21


WhiteOwl
Zitat von Mas83:
Liebe @whiteowl, ich lese deine Beitrag erst heute. Du hast das sehr schön erklärt. Danke dafür! Ich hoffe, du bist jetzt in eine gute Fase.

Was ganz anderes, seid ihr auch ein Mitglied von Mensa oder ähnliches? Bringt das etwas?

Lg

Bin in einer Phase grosser Transformation ! Es passiert viel im Innenleben und aussen bei mir , und bin dabei meine Psyche und Körper neu zu programmieren/prägen ! Dazu brauche ich den Zugriff auf die grösste Kraftquelle , sie befindet sich tief im Innersten des Herzens und des Gehirns .

Es ist die grosse Reise zum eigenen verborgenen noch ungeborenen Wesen in uns ! Doch ebenso dort befinden sich die grössten Verletzungen, Traumata und Ängste. Sie wollen angeschaut , angenommen und durch unsere Liebe wieder erlöst werden . Unsere Liebe ist die Kraft , welche allein die Dunkelheit in uns erlösen kann . Liebe und das Licht der Bewusstheit ...
Lg White Owl

21.07.2020 19:50 • x 1 #22


M
Hallo Mas,
sollte das Thema für dich noch relevant sein: ich habe einen Eintrag im Forum Burnout erstellt zum Thema Burnout und Hochbegabung. Dort findest du meine Situation / Erfahrungen.
Ich war in einer ähnlichen Lage wie @ Alexandra02: Meine Hochbegabung hat mich nie beschäftigt und hat auch nie jemanden interessiert. Erst mit Ende 30, als klar war, dass etwas nicht mehr so läuft wie sonst, und als mein Burnout nicht mehr von der Hand zu weisen war, habe ich mir eine Psychologin gesucht, und angefangen, mich mit meiner Disposition zu beschäftigen. Diese betrachte ich weder als Segen noch als Fluch. Ich bin so, wie ich bin.
Was die Jobsituation betrifft, gebe ich dir recht: ich habe einen Beruf, den andere sehr wohl als intellektuell einstufen würden. Diesen empfinde ich selbst als körperlich anstrengend, aber sowohl intellektuell als auch emotional absolut unbefriedigend. Mit einem Wort: boring! Trotzdem habe ich mich darin aufgeopfert, was zu einer völlig abstrusen und auf den ersten Blick widersprüchlichen Situation führte: Erschöpfung + Bored-Out. Ja, das gibt es! Ich gelangte irgendwann an einen Punkt, wo ich einfach nicht mehr zu meiner ursprünglichen Arbeit gehen wollte. Leider muss das tägliche Leben (Essen, Wohnen, Versicherungen, etc.) finanziert werden, so dass sich nicht jeder erlauben kann, mehrere Monate krankgeschrieben zu sein. Ich versuche daher, einen Mittelweg zu gehen: Mein ursprünglicher Beruf ist mittlerweile mein Brotjob. Ich kann aber allen Betroffenen nur raten, sich nebenher ausreichend Zeit zu nehmen, für das, was sie tatsächlich interessiert, und was eine echte intellektuelle Befriedigung darstellt. Sonst ist eine Depression vorprogrammiert.

Was dein Kind betrifft: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es unheimlich wichtig ist, ein hochbegabtes Kind zu fördern. In meinem Fall hat nie jemand gefragt, nachgeforscht oder mich besonders gefördert. Alles ist immer so gut dahingelaufen, was dazu geführt hat, dass ich auch bei der Berufswahl keine besondere Unterstützung / Beratung hatte. Ich mache niemandem einen Vorwurf (ich bin in einer ländlichen Gegend aufgewachsen, in einer nicht-akademischen Umgebung und selbst meine Lehrer sind damals nicht auf mein Profil eingegangen). Aber im Nachhinein hätte ich nach dem Abitur von Vornherein einen anderen Beruf wählen sollen - einen, der meinem Profil besser entspricht.
Ich bin keine Psychologin, hoffe aber, dass meine Eindrücke dir helfen.
Alles Gute!

28.10.2020 17:58 • x 2 #23

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