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Hochfunktionale Depressive

J
Hallo Maya

erst mal danke für deine Antwort.

Sie sagte sie habe keine Gefühle mehr für mich und weiß nicht ob sie mich überhaupt geliebt hat. (nach 6 Jahren)

Sie hat sich immer mehr zurück gezogen war auch in Therapie und Reha.
Ihre Therapeuten sagte das sie es schade finden würde, wenn sie sich Trennt und sie sollte mit mir reden. Was sie leider nicht getan hat.
Sie hat sich dann getrennt von 1,5 Jahren sagte aber dass ich ihr sehr wichtig wäre und sie möchte mich als Freund behalten.
Ich konnte das verstehen da ich selber in ein Loch gefallen bin, was ich nicht merkte.
War aber immer für sie da, auch gefragt ob sie mitwollte, wenn ich weggefahren bin. Von 20-mal ist sie vielleicht nur 8-mal mitgekommen. Sie hatte immer selber noch gesagt lass uns dies machen oder dahinfahren aber leider waren es nur Wort hülsen. Ich hatte ihr gesagt das ich nicht der EX sein möchte der hinterher läuft. Darauf hin sagte sie das bist du nicht. Aber warum das ständige wegstoßen.
Leider kann sie nicht reden. Sie läuft lieber weg und sie fühlt sich dann gegen die Wand gedrückt. Sie hatte das immer so verstanden auch als ich sie so gefragt hatte was los ist, wenn sie abwesend bei mir war. Sie hat glaube es falsch verstanden das sie mir wichtig war und ich sie deswegen immer gefragt habe. Sie wollte auch nicht groß das ich bei ihr schlafe, weil sie meinte sie müsste was machen oder so.
In der Therapie hatte sie angegeben das sie vor der jetzigen 3 sehr schlecht und prägende Beziehungen hatte.
Was mich immer verunsichert hat war das hin und her. Mal eine schöne Zeit dann wegstoßen.
Jetzt sieht sie mich nur Negativ (Urlaub war nicht schön, habe immer alles an mich gerissen, habe ständig Erwartungen. Auf die frage was sie damit meinte. Sagte sie nur sie weiss es nicht.

12.04.2021 16:19 • #31


E
Ich möchte noch hinzufügen: Es muss gar nicht immer die Arbeit sein.

Bei mir waren es die Beziehungen und jetzt die Kinder, die mich so funktionieren .. lassen. Während um mich herum alle zusammenbrachen, musste ich Halt sein. Da sein. Weitermachen. Nicht aufgeben.

Gebraucht werden, schaffen, was einem auferlegt wird .. ist ein starker Ast.

Und ich hangelte mich von einem zum anderen.. Energiesauger.

12.04.2021 16:19 • x 6 #32


A


Hallo maya60,

Hochfunktionale Depressive

x 3#3


maya60
ZITAT Hoffnung21Auch ich habe mit der Einnahme des Antidepressiva gemerkt, was Freude ist, als ich bei der Reha am Tisch gesessen habe und seit langem wieder richtig gelacht habe. Erst da habe ich gemerkt, dass Lachen nicht gleich Lachen ist, dass es einen Unterschied gibt. Ich hätte vorher felsenfest behauptet, dass ich mich natürlich freuen kann. Ich habe ja auch vorher gelacht, dachte ich sei glücklich und zufrieden, wenn nur diese Erschöpfung nicht wäre. Im Nachhinein habe ich an vielen Fotos der Jahre vorher gemerkt, dass es kein Lachen, sondern ein Lächeln war.

Sowas sind die Sätze, eben auch bei Till Raether und einigen hier im Thema, die mir quasi durch und durch bis ins tiefste Herz gehen wie es die Aufzählung aller Burnout-Sünden des schieren Funktionierens noch nicht mal fertig bringen!

Da habe ich zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder gelacht und das fiel mir auch da erst auf.

Da ging es mir zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder gut und mir fiel das auch zum ersten Mal auf.

Da musste ich mich zum ersten Mal nach 25 Jahren nicht mehr andauernd zusammenreißen und mir fiel auf, wie lange ich das vorher gemacht habe.


Das ist doch einfach erschütternd - ich kann nur immer wieder meine Grubenpferd-Assoziation vor Augen bekommen!

Lachen, Sonne, Leichtigkeit, Gutfühlen - das sind doch Lebensgrundlagen, sollten Lebensrechte sein und wir merken es nicht mal, wenn wir und andere uns das Jahrzehnte vorenthalten!

Danke für alle deine Worte, liebe @Hoffnung21 - so ist es einfach, so kenne ich es auch.

Liebe Grüße! maya60

12.04.2021 16:26 • x 2 #33


J
Jetzt hat sie ja wieder kontakt mit ihrer Ex Affäre mit der sie vor uns was hatte.
Ich lasse sie in ruhe wenn sie sich melden würde wäre ich für sie da. Sagte auch mal es wäre doch schon wenn sie wieder zu ihrer Therapeutin gehen würde und vielleicht mit ihr sprechen würde. Kam nur ich weiss nicht was ihr sagen sollte. Darauf hin habe ich ihr gesagt die Positive Sachen die du gemacht hast. Das könnte sie doch auch freuen was von dir zuhören. Ja wollte mich ja schon melden bei ihr ( ca 9 Monate her)
Sagte als letztes zu ihr ich wollte nur in deiner Dunkelheit mich einer Kerze neben dich setzen und dir zeigen das ich da bin und du ein licht siehst

Ich weiß halt nicht ist es die Krankheit oder will sie das. Deine Entscheidung Respektiere ich. Nicht du bist mein Gegner sondern deine Krankheit.
Da hatte sie leicht feuchte Augen. Es kam aber nichts

12.04.2021 16:29 • #34


maya60
Zitat von ClaraFall:
Ich möchte noch hinzufügen: Es muss gar nicht immer die Arbeit sein. Bei mir waren es die Beziehungen und jetzt die Kinder, die mich so funktionieren .. lassen. Während um mich herum alle zusammenbrachen, musste ich Halt sein. Da sein. Weitermachen. Nicht aufgeben. Gebraucht werden, schaffen, was einem ...


Ja und wie! Bei mir ja auch!

12.04.2021 16:34 • x 3 #35


maya60
Hallo @Johnedone - hier geht es um ein anderes Thema als speziell um das Partnerschaftsverhalten von Depressiven.
Wie schwer das für sie selber und für die PartnerInnen, also auch dich, und damit für die Angehörigen ist, weiß ich. Von meinem Mann.

Schwer. Schwer. Schwer.

Das weiß ich sogar selber als Angehörige, weil ich mit einer depressiven Mutter aufwuchs, die bis heute keine genügende Behandlungseinsicht hat und damit wirklich Menschen schädigte und schädigt, wenn noch jemand übrig geblieben sein sollte, der ihr so nah kommt.

Und darum habe ich dir auch gerne und ausführlich hier geantwortet.

Und es gibt hier auch genug andere Themen im Forum, in denen das ständig auch im Themenmittelpunkt steht, in den Angehörigenthemen z.B., weil es so zentral wichtig ist. Gut auch, wie genau du dich interessierst.

Hier jetzt in diesem Thema Hochfunktionale Depressive geht es aber um etwas anderes, ebenso Herzzerreißendes, aber um ein Depressionsthema!

Hier in diesem Thema geht es nur um uns und unsere eigenen schrecklichen Mangel an Lebensfreude und Leichtigkeit, wenn wir selber erst viel zu spät merken, depressiv zu sein oder denken, es ist normal, sich pausenlos zusammenzureißen.

Darum mache ich jetzt mit diesem Thema hier weiter und bitte um dein Verständnis, Johnedone, dass ich nicht weiter antworte zu deinen Beziehungsfragen. Das geschieht z.B. ausführlich in dem Thema Wie gehe ich mit meinem depressiven Partner um?, einem nie endenden und Dauer-aktuellen Sammelthema hier im Forum in einem Unterforum.

Ich wünsche dir viel Kraft und Selbstfürsorge und vielleicht schreiben wir uns ja dann in einem anderen Thema wieder!

Liebe Grüße! maya60

12.04.2021 16:44 • x 5 #36


J
Nochmal Danke Maya

Es sollte auch nicht auf die Beziehung gehen sorry.
Nein Wollte eins nur das wirklich alles so ist Kein Hoch kein Tief und ihr das über mehr als 1 Jahr und wie kann man euch helfen oder beistehen.

Aber danke für deine Antworten.
Wünsche euch allein alles Gute.

12.04.2021 19:52 • #37


S
Mich würde es interessieren ob ihr folgendes ähnlich empfindet:

Ich traue mir nicht zu den Arbeitsplatz zu wechseln,
Es wäre grundsätzlich möglich.

An dem jetzigen habe ich genug Routine,
um mich über Wasser zu halten.
Es wird ja häufig geraten sich beruflich umzuorientieren,
wenn die Arbeit so belastet.
Ich bin mir relativ sicher dass ich Neues
noch weniger schaffen würde und mir die jede Krafft
Für die Einarbeitung fehlt.
Diese Vorstellung Neues zu beginnen löst nur Stress aus,
Auf gar keinen Fall Entlastung.

13.04.2021 06:38 • x 3 #38


E
Zitat von Shana1967:
An dem jetzigen habe ich genug Routine,
um mich über Wasser zu halten.
Es wird ja häufig geraten sich beruflich umzuorientieren,
wenn die Arbeit so belastet.
Ich bin mir relativ sicher dass ich Neues
noch weniger schaffen würde und mir die jede Krafft
Für die Einarbeitung fehlt.
Diese Vorstellung Neues zu beginnen löst nur Stress aus,
Auf gar keinen Fall Entlastung.

Das ist gerade mein Thema, und ich bin unwesentlich älter als du.

Ich denke schon, daß wir das packen.
Wichtig ist aber eine Änderung in uns, daß wir uns nicht mehr so belasten von und mit der Arbeit.

Also ich bin bereit für Neues.

Zitat:
Mangel an Lebensfreude und Leichtigkeit

Ist das wirklich etwas, was einforderbar ist?
Ist es nicht etwas, was nur manche haben, die nicht so viel kämpfen müssen?
Wie kann ich Leichtigkeit empfinden, wenn mir der Affe zwar nicht mehr im Nacken, aber jetzt auf der Schulter sitzt?
Leichtigkeit kann ich nur empfinden, wenn ich nicht mehr belastet bin und solange ich für meinen Lebensunterhalt arbeiten muß belastet mich allein dieser Umstand schon mal sehr.

13.04.2021 08:43 • x 6 #39


S
Guten Morgen Resi,

Ich hab in deinem TB eben gelesen.
Es ist auch vieles bei dir in den äußeren an der Arbeitsstelle
zusätzlich begründet.
Nicht nur die eigenen Aufgaben,
Sondern zusätzlich andere Mitarbeiter ersetzen und deren Arbeitsauftrag mit erledigen.

Ich fange seit Jahren von Ausfallzeiten anderer Mitarbeiter wegen
Pensionierungen ,
Schwangerschaft / Mutterschutz
Erkrankung der Kinder usw. auf.
Da bleiben monatelange die benötigten Arbeitskräfte aus.
Die innere Veränderung diesbezüglich findet erst die letzte Zeit statt,
Ich werde wütend!
Es wird so selbstverständlich voraus gesetzt mit zu leisten und zu überbrücken.
Auch jetzt ist klar, dass vorrangig Mütter HO haben,
Und in Präsenz ist wieder das mitleisten angesagt.
Ja klar verstehe ich, homeschooling usw.
Ich komme teilweise wie ein Arbeitsesel vor, den man noch mehr Last aufdrückt.
Auch wenn es bekannt ist,
Dass ich eingeschränkt belastbar bin.
Und wenn ich meine Arbeitskraft vollständig schrotte,
winkt die Altersarmut als Dank!

13.04.2021 09:08 • x 3 #40


Greta
Zitat von ClaraFall:
Ich möchte noch hinzufügen: Es muss gar nicht immer die Arbeit sein.

Bei mir waren es die Beziehungen und jetzt die Kinder, die mich so funktionieren .. lassen


Egal, was es ist ... ich sehe um mich herum etliche Leute, die das alles schaffen, ohne zusamenzubrechen.
Da denke ich oft: Wie machen die das?
Ich war und bin immer ganz erstaunt, wenn Kollegen nach einem langen Arbeitstag sich noch zum Sport verabreden, zu einem Kaffeeklön, zu Geburtstagen gehen .... was auch immer.
Das kann ich überhaupt nicht!
Ich habe auf alles verzichtet (und musste das auch), damit die Energie für die Arbeit reicht.

Nun lese ich gerade das Buch von Till Raether und erkenne mich darin total wieder. Erschreckend!
Meine derzeitige Wiedereingliederung ist ein weiterer Versuch, zu funktionieren. Und ich schäme mich und ärgere mich auch, dass mir selbst die drei Stunden so schwer fallen.
Immerhin gehe ich inzwischen in die Offensive; wenn jemand fragt, wie es mir geht, sage ich ehrlich: Nicht wirklich gut.

Zitat von Shana1967:
Ich traue mir nicht zu den Arbeitsplatz zu wechseln,


Darüber habe ich in der Vergangenheit auch oft nachgedacht, mich aber stets dagegen entschieden.
In meinem Job habe ich viele Freiheiten, kann mir die Arbeit einteilen, die Pausen, kann später kommen oder früher gehen, wenn's mir mal nicht so gut geht. Ohne diese Flexibilität wäre ich schon längst nicht mehr arbeitsfähig. Nachteil ist, dass ich mich dadurch bisher immer irgendwie über Wasser halten konnte, bis dann irgendwann gar nichts mehr ging. Unter anderen Arbeitsbedingungen hätte ich mich sicher schon viel früher um meine Gesundheit kümmern müssen.

Zitat von Shana1967:
Es wird ja häufig geraten sich beruflich umzuorientieren,
wenn die Arbeit so belastet.


Ich glaube, das Problem ist oftmals nicht die Arbeit oder der Stress im Privaten, sondern die fehlende Belastbarkeit aufgrund unserer Depressionen. Was andere mit Leichtigkeit wuppen oder mit einer Mütze Schlaf hinter sich lassen, bringt uns an unsere Grenzen, da wir ja schon viel Energie darin lassen, überhaupt irgendwie zu funktionieren.
Da muss man aufpassen, dass man bei einem Jobwechsel nicht vom Regen in die Traufe kommt.

13.04.2021 12:17 • x 3 #41


E
Zitat von Greta:
Da denke ich oft: Wie machen die das?
Ich war und bin immer ganz erstaunt, wenn Kollegen nach einem langen Arbeitstag sich noch zum Sport verabreden, zu einem Kaffeeklön, zu Geburtstagen gehen .... was auch immer.


Das kannte ich z.b. auch immer. Außerdem einen sehr schweren depressiven Episoden. Aber wenn du Kinder hast, aber kein Vater dazu, der einfach vielleicht mal ein Stündchen er von der Arbeit kommt oder sich einfach mal ein Tag Homeoffice einrichte dann kannst du das nicht tun wie sollst du als Mutter zum Sport gehen nach der Arbeit, wenn du gucken musst dass du innerhalb von zehn Minuten an der Kita oder an der Schule bist um deine Kinder einzusammeln und um danach irgendwie noch den Haushalt zu schmeißen und sich um Garten zu kümmern oder noch tausend andere Familienmitglieder irgendwie irgendwie zufriedenzustellen.

Mein Therapeut hat mal gesagt: wenn sie nicht von so vielen a*********** umgeben wären, dann würde es ihnen glaube ich ganz schön gut gehen. Und das ist doch der Punkt. Es ist das, was uns angetan wurde, was uns zu dem gemacht hat wer wir heute sind in unseren Schwächen.

Die Leute, die das vielleicht hinbekommen, die hatten vielleicht einfach Glück weil sie solchen Menschen in der Form so nie begegnet sind. Die Unterstützer haben, keine Runterdrücker.

13.04.2021 12:46 • x 5 #42


S
Clara , Greta

Nochmal danke für euere passenden Beschreibungen.

Ja, es gab keine Unterstützer - auch jetzt nicht, auch nicht am Arbeitsplatz.
Und gut, war nie gut genug

Liebe und Geborgenheit tragen einen durchs ganze Leben,
steht auf meinem Kalendar

Ich hab viel Kraft schon früh gebraucht um zurecht zu kommen,
genauso hab ich einige Krisen überwinden müssen,
Vielleicht hab ich so nur noch einen geringen Pegel übrig,
Auf den ich aufpassen und mir einteilen muss.

13.04.2021 13:15 • x 1 #43


maya60
Zitat von Greta:
Egal, was es ist ... ich sehe um mich herum etliche Leute, die das alles schaffen, ohne zusamenzubrechen.
Da denke ich oft: Wie machen die das?
Ich war und bin immer ganz erstaunt, wenn Kollegen nach einem langen Arbeitstag sich noch zum Sport verabreden, zu einem Kaffeeklön, zu Geburtstagen gehen .... was auch immer.
Das kann ich überhaupt nicht!
Ich habe auf alles verzichtet (und musste das auch), damit die Energie für die Arbeit reicht.


Liebe @Greta - die Gesunden sind auch nur NormalneurotikerInnen!


Ich habe mich ja immer beruflich, privat und in meinen Ehrenämtern bis vor 4 Jahren kreuz und quer unter den sogenannten Normalos bewegt und auch meine FreundInnen galten bis auf einzelne als gesund.

Trotz meiner angeborenen A.DHS-Einschränkungen war ich von Kleinauf neugierig und gesellig überall unterwegs.

Und habe ja, lange schon, bevor ich überhaupt begriff, dass meine Probleme Krankheitswert haben müssen und noch viel länger, bevor ich überhaupt mit fast 50 Jahren meine Diagnosen endlich bekam, begriffen, dass sehr sehr wenige Erwachsene im Alltag sich richtig freuen und dass viele viele völlig erschöpft und überarbeitet sind. So kannte ich die Hausfrauen früher mit vielen Kindern, alleinerziehende Mütter mit Ehemann, und so kannte ich später meine FreundInnen ab Elternschaft spätestens auch und so kannte ich meine kinderlosen FreundInnen spätestens ab mehrjähriger Berufstätigkeit auch. So kannte ich alleinerziehende Mütter mit und ohne Ehemann und so kannte ich Leute, die daheim blieben und Angehörige pflegten.

Studienzeit, Berufseinstieg, das passierte noch - bei Gesunden - fröhlich und kraftvoll und mit After-Work-Parties und Fitnesscenter usw. Aber etwa ab 30 bis allerspätestens 35 Jahren bekam das Ganze eine Art Verbissenheit und Verkniffenheit und Spaßfreiheit, die entweder auf die Doppelbelastung mit Kindern verwies oder auf ein Workaholicleben, letzteres nicht mal unbedingt freiwillig.

Wenn ich in meinen Ehrenämtern mit Berufstätigen oder nicht Berufstätigen, mit Eltern oder nicht Eltern zusammensaß, z.B. mit lauter Leuten in ihren Vierzigern in unserer Kirchengemeinde, dann hatten alle gemeinsam, dass sie überarbeitet waren, auch im Ehrenamt hetzten, dass ihre Freude und ihr Lachen zu schrill waren und ihre Parties gierig nach Lebensgenuss und viel zu Alk..

Der Unterschied zu mir chronisch Depressiver war da, dass sie (noch) mehr Kraft hatten, aber sicherlich nicht weniger ungesunder Laster und Schlafstörungen, Aufputsch- sowie Beruhigungsmittelkonsum und Missbrauch von Alkohl ganz verbreitet.

Workaholicleben sind kranke Leben, ob sie so genannt werden oder nicht. Die mogeln sich genauso ihre Unordnung im Haus, ihre Fassadenaussehen, ihre ganzen Haushaltsvernachlässigungen hin wie ich als Antriebsarme mit Depressionen.

Die Fröhlichen, starken Gutverdiener mit Vollzeitstellen, die Feierabends noch mit Elan Hobbies frönen, die gibt es vielleicht noch in jungen Berufsenstiegsjahren, danach nicht mehr.

Es ist, das hat mir Till Raethers Buch gezeigt, eine doppelte Tragik: Die erste Tragik ist unsere menschliche Widerstandslosigkeit und Anspruchslosigkeit, Jahrzehnte auf Lebensfreude, Leichtigkeit und Zeiten, in denen wir uns nicht pausenlos zusammenreißen, zu verzichten.

Und dass das nur möglich ist, weil es alle machen und weil dadurch eben auch eine Arbeitswelt, in der auch Freude, Lachen und Leichtigkeit herrschen, nicht existiert. Die meiste Zeit des Tages stecken Berufstätige in einer solchen toxischen und deprimierenden Falle.

Ich sehe es doch jetzt, wo ich nach langer Zeit nicht depressiv bin: Die Welt bleibt genauso deprimierend wie aus meiner kranken Wahrnehmung. Darum ist mein Ton auch derzeit in einigen Dingen etwas scharf. Weil ich jetzt mit noch klarerem Blick all die Zumutungen sehe und die Menschens- und Lebensrechtverletzungen, die so unbewusst weitergelebt werden, dass ich 60 Jahre werden musste, um sie zu durchschauen, vorher hielt mich dieses Leben zu sehr im Hamsterrad.

Liebe Grüße! maya60

13.04.2021 13:20 • x 3 #44


A


Hallo maya60,

Depressionen Hilfe Tipps

x 4#15


Hoffnung21
Heute habe ich mir das Buch von Till Raether (Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben?) gekauft. Zuhause fing ich gleich an zu lesen und auf der ersten Seite habe ich mich wiedergefunden in den vielen Jahren vor meinem Zusammenbruch. Seit langem habe ich mal ein Buch in der Hand und daneben einen Marker. Da sind so viele tolle Stellen drin, die ich bestimmt noch öfters lesen werde. Der Schreibstil gefällt mir und ich musste schon ein paarmal so herzhaft und laut lachen, dass ich mir dachte wow, so viel Freude hab ich schon länger nicht mehr empfunden und das beim Lesen eines Buchs. Selbst jetzt heben sich meine Mundwinkel nach oben, nur bei der Erinnerung daran.

Zitat:
..gab mir die Verhaltenstherapie einfach noch ein paar Instrumente mehr an die Hand für meinen großen Besteckkasten, aus dem ich mich als hochfunktionaler Depressiver bediente, um über die Runden zu kommen...in gewisser Weise waren das für mich Flicken, Pflaster und Reparaturanleitungen...

das könnte ich nicht besser schreiben wie ich es empfinde.

Zitat:
Das Ermüdende an der Depression ist, dass sie immer noch und immer wieder da ist, auch wenn sie weg ist. Was ich damit meine: Nachdem ich mein Leben mit Hilfe der Verhaltenstherapie geflickt, gepflastert und repariert hatte, war das Leben wirklich sehr viel besser, und ich war in diesem Leben sehr viel zufriedener. Aber die Depression lächelte im Hintergrund und sagte: Wie schön, jetzt bist du ein Depressiver mt einem reparierten Leben. Aber denk nicht, dass du mich los bist.

An dieser Stelle musste ich Lachen, dass es mir direkt die Tränen in die Augen getrieben hat. Ich hab es meinem Mann vorgelesen, aber ich glaube, das versteht man nur wenn man drin steckt. Ich muss immer wieder lachen bei der Vorstellung, wie die Depression das sagt, verschmitzt, mit einem Augenzwinkern, wie sie mir über die Schulter schaut.

Zitat:
Ende 2017 hatte ich eine Art Zusammenbruch. Ich sage eine Art, weil es wieder nicht dieses ganz große Ding war, mit Blaulicht ins Krankenhaus oder wochenlang im Bett ohne Appetit und ohne Duschen. Aber es gab einen klar erkennbaren Tag, an dem ich so unglücklich und gestresst, so energielos und überfordert war, dass ich wusste: Es muss sich was ändern, und zwar deutlich mehr als bisher.

Auch an dieser Stelle musste ich Lachen. Das ist ein Gefühl, als hätte er meine Gedanken aufgeschrieben. Er beschreibt auch etwas später den Wunsch nach einer ernsten Erkrankung, so dass man sich gar nicht mehr aufraffen könnte, um es irgendwie zu überstehen.

Zitat:
Es ist, wie wenn man seit Tagen oder Wochen an so einer leichten Erkältung laboriert, und sie ist nie stark genug, um sich wirklich mal ein oder zwei Tage ins Bett zu legen, man schleppt sich, wie das dann heißt, immer noch zur Arbeit, aber es kostet einen immer mehr Kraft, und insgeheim hofft man irgendwann, so krank zu werden, dass einem die Entscheidung abgenommen wird: Fieber oder etwas anderes Messbares, Unmissverständliches, das einem endlich die Lizenz gibt, sich krankzumelden und sich hinzulegen.

Das ist genau das Problem bei der Depression, man kann sie nicht messen, nicht objektiv darstellen. Der Arzt, das Umfeld, Freunde, der Partner, Alle sehen nur das, was man ihnen zeigt, sie verstehen nur das, was man ihnen nicht erklären kann, weil man es ja selbst nicht versteht. Und es gibt keinen Parameter, der diesen ultimativen Beweis liefert, dass du nicht einfach faul bist, keine Lust hast, oder maßlos übertreibst, weil sich das ein Gesunder einfach nicht vorstellen kann.

Zitat:
Irgendwann ist es ja auch eine Frage der Lebenszeit. Aus wie vielen Wochenenden oder Abenden oder Arbeitstagen besteht das Leben, wenn man am Ende meist nur froh ist, sie irgendwie durchgestanden zu haben? Und was, wenn es immer mehr Kraft kostet, die Dinge durchzuhalten, und die Energie, die man hat, immer weniger wird?

Diese letzte Stelle für heute sagt mir einfach, das man etwas tun muss. Das Leben einfach zu kostbar, um es an sich vorbeirauschen zu lassen.

Danke noch mal @maya60 für diesen Buchtipp. Das ist soooooo schön.
Entschuldigt den langen Text, aber ich hatte einfach das Bedürfnis, dieses tolle Erlebnis, das ich beim Lesen hatte mit Euch zu teilen.

Liebe Grüße Hoffnung 21

13.04.2021 18:36 • x 5 #45

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