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Hochfunktionale Depressive

Kate
Ich schätze, ich werde mir das Buch auch mal kaufen müssen. Man verliert ja komplett den Anschluss hier

13.04.2021 18:42 • x 2 #46


maya60
Danke, liebe @Hoffnung21 für deine Zitate und Kommentare! Mir ging es wie dir, zwischen Schock und Lachen.

Besonders auch diese Stelle mit der Verhaltenstherapie - genau sooooo ist es doch für uns chronisch Depressiven. Andauernd kommt jemand und sagt: Mach das und dann bist du es los. Das schreibt Till Raether ja auch so nach dem Motto: JA, für wie doof halten die einen eigentlich? Was ist das denn für ein Kinderglaube, dass wir nur seit Jahrzehnten so mies drauf sind, weil wir 1 einzige Therapieform nicht konsequent genug gemacht haben?

JA, die Flickschusterei mit einer Therapieform bringt schon Linderung, aber die Depression grinst trotzdem im Hintergrund und weiß schon, dass sich das auch wieder abnutzt wie Raether es ja auch beschreibt.

Das ist eben das gleichzeitig Erschütternde und Herzerfrischende an dem Buch: Es ist alles so alltäglich und bekannt und darum auch ziemlich klar, dass das Leben und die Depression sich erstens weniger unterscheiden als gedacht, gerade weil Krankheit wie Normalität wirkt und es auch ist und weil alles viel zu lange ausgehalten wird ohne Freude und Kraft und mit pausenloser Anstrengung. Die Rechnung geht ja nach beiden Seiten auf mit der Frage: Ist noch das Leben oder ist es schon Depression?

Liebe Grüße und gute Nacht! maya60

13.04.2021 20:30 • x 3 #47


A


Hallo maya60,

Hochfunktionale Depressive

x 3#3


Catalie
So, versuche jetzt mal meinen verschwunden Beitrag Neu zu schreiben und überhaupt...
Ich habe Till Raether angefangen zu lesen und es treibt mir die Tränen in die Augen, es ist als hätte ich es selbst geschrieben oder als schrieb er über mich. Ich bin sehr angefasst. Obwohl ich normalerweise ein schnelles Lesetempo habe, komme ich nnicht vorwärts, es bewegt soviel in mir. Das erste Kapitel habe ich schon zwei mal gelesen, dass zweite Mal mit Textmarker in der Hand alle Stellen makierend, die ich bin, um es meinem Mann zu lesen zu geben, weil so gut ausgedrückt ist was ich fühle, wie ich es selbst nicht in Worte fassen kann. Es macht mich sprachlos und euphorisch zugleich, weil es endlich bewusst macht, was ich seit immer fühle. Zusammenreißen ist quasi mein Lebensmotto, Ich bestehe fast ausschließlich aus zusammenreißen, und dem tiefen Gefühl von Scham und Unzulänglichkeit wenn es mal nicht klappt.
Und auch das beschreibt Raether so treffend, es ist eben nie schlimm genug, der entgültig Zusammenbruch kommt nicht. Nichtmal Depression kriege ich anständig hin...

Ich habe mir schon manchmal gewünscht, einen Autounfall zu haben, nichts ernstes, wirklich nur ein kleiner Autounfall, der mich 3/4 Tage ins Krankenhaus brächte, einfach ein paar Tage ohne schlechtes Gewissen rum liegen, nichts machen, nur schlafen und liegen. Hach, herrlich... Aber eben, einen Grund haben fürs rumliegen. Und ich hasse Krankenhäuser, hab selbst lange genug in einem gearbeitet und weiß rational, dass es keine Erholung oder Entspannung wäre.

Das Buch arbeitet eben enorm in mir, Ich schleiche schon die ganze Zeit darum herum, will unbedingt weiter lesen, aber habe heute noch keine Zeile geschafft, weil es aufwühlend ist, anstrengend aber auch Klarheit bringt und ein bisschen Traurigkeit.

@maya60 und nochmal danke ich Dir heute, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, es hilft mir, bringt mich weiter.

13.04.2021 21:20 • x 9 #48


maya60
Zitat @Catalie
Zitat:
Es macht mich sprachlos und euphorisch zugleich, weil es endlich bewusst macht, was ich seit immer fühle.

Ja, genau das ist es! Euphorisch, dass es das, was man sich selber kaum eingestand und glaubte und erlaubte, weil es eben schlimm war aber noch nicht bettlägerig schlimm, dass das öffentlich so verbreitet ist, dieses Schwammige, aber so Leidvolle, dass jemand wie Till Raether das so genau und gut in Worte fasst und ihm stimmen unzählige andere zu .
Dass sowas Nebulöses zwischen So ist das Leben eben und Funktionieren ist alles und Das kann doch nicht normal sein, sich nur immer zusammenzureißen. und so gerade noch durchzuhalten, wirklich ein Lebensschicksal ist, das andere, und zwar viele, auch hier im Forum, genauso kennen.

Euphorisch e n d l i c h so sein zu dürfen und so eine Krankheitsberechtigung zu haben und keine Simulantin zu sein - nein, genau so mit all diesen nicht zu kapierenden schlimmen mittelschweren Leiden gesehen, beschrieben, gemeint und bestätigt zu werden.
Somit eine Kontur und Statur zu bekommen, wo zuvor keine zu sein wagte.

Und gleichzeitig sprachlos, wenn ein anderer das so aneinanderreiht, wie sowas überhaupt so lange ausgehalten wurde.

Wie man sowas so lange sich selber nicht glauben konnte. Und so viele andere genauso, alle still in sich verheimlicht.

Sprachlos, nicht sich selber geglaubt zu haben, wie schwer und schlimm das war.

Und dann an einigen Stellen, wo sich die ganze Absurdität dieser Selbstmissachtung so ballt in Till Raethers Beschreibungen, dass ich in schallendes Gelächter ausbrach wie Hoffung21 das auch beschrieb.

Wo es so lief wie Berthold Brecht schon sagte: Ja, mach nur einen Plan. .. . . dann machst du einen zweiten Plan . . . geh´n tun sie beide nicht . . . . der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihm auf den Hut . . . .

So ähnlich kam mir diese Stelle vor, wo die Depression im Hintergrund lächelt und quasi sagt nach der Verhaltenstherapie: Fein hattu das gemacht, bist jetzt ein reparierter Depressiver. Ich bin trotzdem da.

Ja, auch sowas von Realsatire und völliger Absurdität gehört dazu, denn wie kann man sich sowas auch glauben, sowas absolut Absurdes und Nebulöses und dennoch Qualvolles. Das Lachen ist befreit und offen, aber auch mit einer dicken Prise schwarzem Humor.

14.04.2021 18:42 • x 3 #49


Catalie
Zitat von maya60:
Wie man sowas so lange sich selber nicht glauben konnte. Und so viele andere genauso, alle still in sich verheimlicht.

Ich würde mal gar nicht sagen, dass ich mir selbst nicht geglaubt habe, Ich bin nur nicht oder erst viel zu spät auf die Idee gekommen, dass ich Depressionen haben könnte, auch jetzt noch fällt es mir super schwer das hier so zu schreiben, Ich habe Depressionen, hab ich gar nicht. Depression ist eine Krankheit, Ich weiß das, aber ich fühle mich nicht krank. Ich fühle mich doch nur müde und immerzu erschöpft, aber doch nicht krank. Trotzdem glaubte ich schon, dass da irgendwas mit mir nicht stimmt, bin also von Arzt zu Arzt gerannt, Endokrinologen, Nuklearmediziner, irgendwas mit meinem Hormonhaushalt könnte ja schief sein, alle haben sich angehört was ich zu sagen hatte, alle haben unterschiedliche Blutwerte bestimmt, immer unauffällig, aber niemand hat mal das Wort Depression in den Mund genommen. Dann emdlich, einer fand meine Schilddrüsenwerte zumindest grenzwertig. Juhu, ENDLICH hat wer etwas gefunden, jetzt geht es mir bald besser. Ich hab dann auch ca. FÜNF Jahre lang Schilddrüsenmedikamemte genommen, natürlich ging es mir trotzdem nicht besser. Wenn ich so darüber nachdenke, muss/möchte ich dem guten Mann mal eine Mail schicken. Zwei mal hat er die Dosis erhöht, weil ich keine Verbesserung merkte... Na Ja, ich bin ja eigentlich auch nicht ganz doof und mir ist schon klar, dass ich solange gesucht habe, bis mir endlich jemand eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert hat! War ja auch so schön einfach, hier die Tablette und endlich bin ich fit. Hat nicht geklappt, war ja auch nicht das Problem, dauerte aber, bis ich mir das eingestehen konnte. Also wieder den Arzt gewechselt und da hab ich wohl die Richtige erwischt. Eine Endokrinologin, hörte sich genau an was ich erzählt habe, sagte okay, sie nimmt Blut ab und untersucht auf alles was es nur im entferntesten sein könnte, aber wenn sie nichts findet müsste ich auch an eine Depression denken, Ich hatte es insgeheim schon sehr, sehr lange geahnt, aber es mal jemanden aussprechen zu hören war wichtig für mich um den Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Das ist fast ein Jahr her... Nun, hier bin ich.

14.04.2021 20:27 • x 4 #50


Greta
Zitat von Catalie:
Juhu, ENDLICH hat wer etwas gefunden

Das ging mir ähnlich. Auch ich habe jahrelang gedacht, dass mit mir körperlich was nicht stimmt. Habe immer wieder alle Werte checken, zum Teil auch auf eigene Kosten, in der Annahme, es fehlt vielleicht irgendwas ... zuwenig Vitamin D oder B, zuwenig Eisen. Habe mir Aufbauspritzen verpassen lassen (Selbstzahler, klar). Musste zwei Magenspiegelungen über mich ergehen lassen, da ich ständig Magenschmerzen hatte. Bin immer wieder halb panisch zum Arzt gerannt, weil ich plötzlich ausstrahlende Herzschmerzen hatte. War bei diversen Heilpraktikern und habe mir eine teure TCM-Behandlung gegönnt, die übrigens tatsächlich meinen Magen beruhigt und meine Energie kurzzeitig verstärkt hat.
Beim Kardiologen wurde ein leichter Mitralklappenprolaps diagnostiziert. Da war ich regelrecht erleichtert, dass jemand endlich was gefunden hatte.
Dann kamen die Gelenkschmerzen. Der erste Rheumatologe konnte keine Ursache feststellen. Der zweite tippte auf eine Art Fibromyalgie (Stress- und Schmerzzentrum im Gehirn liegen wohl dicht beieinander).
Aber alles irgendwie so diffus, nicht wirklich greifbar.
Müdigkeit und Erschöpfung zogen sich durch all die Jahre. Regelmäßig verbrachte ich ganze Tage im Bett, weil ich einfach nicht mehr konnte. Aber ich dachte, das sei normal und das Leben sei nun mal anstrengend. War's ja auch, mit Job und Kindern und so manchen herben Einschlägen.
Zwei Mal habe ich therapeutisch versucht die Brüche in meinem Leben zu verarbeiten und Strategien zu entwickeln, um mit den Alltagsbelastungen besser umgehen zu können.
Drei Mal war ich zur Kur, um wieder Kraft zu schöpfen.
Aber niemals war von einer Depression die Rede.
Natürlich hatte ich selbst immer schon mal wieder den Verdacht, habe viel zu Depressionen gelesen, dachte aber dennoch eher an eine Art Burnout, eine Erschöpfung aufgrund der vielen anstrengenden Jahre.
Irgendwann war ich so dünnhäutig und gereizt, völlig antriebslos, tieftraurig und schleppte mich nur noch durch den Tag. Ich fühlte mich innerlich so wund, mein Leben schmerzte mich regelrecht.
Meine Hausärztin schrieb mich immer wieder krank. Diagnose: Erschöpfung.
Schließlich empfahl sie mir eine Neurologin; die sprach zwar das Wort Depression nicht aus, verschrieb mir aber Sertralin.
Mein jetziger Therapeut hat mir dann, nachdem ich ihm gegenüber immer nur von Erschöpfung sprach, einige Fragen gestellt und mir im Anschluß gesagt: Ganz klar, Sie haben eine Depression.
Mittlerweile weiß ich, dass ich schon sehr früh unter Ängsten und Selbstzweifeln litt (Vater sei Dank, dem es nie genug war) und die Depression sich dann mit Mitte zwanzig nach einem sehr traumatischen Erlebnis entwickelte. Dass ich so lange funktioniert habe, lag wohl hauptsächlich an meinen Kindern, die mich einfach brauchten und für die ich stets alleine verantwortlich war.
Nicht umsonst hatte ich meinen ersten heftigen Zusammenbruch genau einen Tag, nachdem meine Tochter ihre Ausbildung beendet hatte. Und mein heftiger Bandscheibenvorfall kam genau zu dem Zeitpunkt, als mein Sohn (als letzter) von daheim auszog. Da brach quasi der Rücken, der so lange so viel getragen hatte.

15.04.2021 05:51 • x 4 #51


maya60
Hallo @Catalie und @Greta - danke euch für diese intensiven Worte über all diesen Wahnsinn und die ja so bekannten Beschreibungen dieses Ärztemarathons, um herauszufinden, was körperlich nicht stimmt mit einem.

Zitat von Catalie:
Depression ist eine Krankheit, Ich weiß das, aber ich fühle mich nicht krank. Ich fühle mich doch nur müde und immerzu erschöpft, aber doch nicht krank.


Ja, genau so! Und obwohl das bei mir dadurch weniger der Fall war, weil meine Mutter und mein Onkel schon Depressionen hatten als ich jung war und mir dadurch klar war, dass ich mehr psychische Beschwerden hatte, war es in meiner Familie bis zur Hypochondrie üblich, ständig zu Ärzten zu laufen.
Und aber auch die Mütter in den Krabbelgruppen, Kitas, Schulen und Kirchengemeinden rannten ständig zu Ärzten. Allergien, Orthopädisches, Migräne, Nervosität, Nahrungsunverträglichkeiten und was nicht alles. Ganz klar reden nämlich nicht nur alte Leute ständig über Krankheiten. Und den Dauerstress natürlich!
Burnout als Normalzustand.

Zitat von Greta:
Das ging mir ähnlich. Auch ich habe jahrelang gedacht, dass mit mir körperlich was nicht stimmt.

Als bei mir dann A.DHS für Erwachsene endlich endlich diagnostiziert wurde, war das natürlich eine Mischung aus psychischer Erkrankung und Hirnchemiechaos, also Hirnstoffwechselstörungen und damit Körperlich-Neurologischem, was ich auch schon lieber hatte als eine psychische Erkrankung.
Und die Erschöpfungsdepression war dann eine Folge. Das hörte sich für mich besser an als Psychofamilienherkunft, was natürlich nach wie vor stimmte, vor allem, als ich dann noch herausfand, dass es da eine zweite Art von Depressionen als Traumafolgestörung vorlag.

Zitat von Catalie:
Also wieder den Arzt gewechselt


Ich weiß gar nicht, ob Till Raether auch soviel Ärztemarathon hinter sich hat auf der Suche nach körperlichen Gründen? HAb das Buch aber auch noch nicht ganz ausgelesen, das vorletzte Kapitel und das davor fehlen noch.
Aber ich verstehe gar nicht, wieso die Hausärzte und Fachärzte nicht von Vornherein, wenn sie etwas nicht herausfinden, sagen: Denken Sie an psychische Stresserkrankungen wie Burnout/Erschöpfungsdepression.

Sogar mein Orthopäde, nachdem ich immer wieder Achillessehnenentzündungen bekam, sagte irgendwann: Das ist syndromatisch, nicht orthopädisch. Mir sagte das zufällig was, weil ich das aus den Diagnosen von SeniorInnen von früher kannte, wo lapidar HOPS oft stand: Hirnorganisches Psychosyndrom, was ich immer so gleichgültig und respektlos fand und sich für mich schon nach Hopsgehen anhörte als Ergotherapeutin.

Zitat von Greta:
Nicht umsonst hatte ich meinen ersten heftigen Zusammenbruch genau einen Tag, nachdem meine Tochter ihre Ausbildung beendet hatte. Und mein heftiger Bandscheibenvorfall kam genau zu dem Zeitpunkt, als mein Sohn (als letzter) von daheim auszog. Da brach quasi der Rücken, der so lange so viel getragen hatte.


Ja, sowas ist ja klassisch! Im Urlaub krank werden, den Urlaub zur Reha hergeben und dann in der Sekunde zusammenbrechen, wenn die Überbelastung weg ist!
Ging mir ab Berufstätigkeit jedes Jahrzehnt einmal ca so mit depressivem Zusammenbruch nach irgend einem Projektende und die Kraft, die ich in der Familienphase verloren habe, kam nie mehr zurück, ist verbrannt für immer.

Ich habe mir durch diesen Thread aber nochmal überlegt, wie es kommen kann, dass wir Jahrzehntelang gar nicht merkten, wie krank wir schon waren und dass dieses epidemisch geworden ist in unserer Leistungsgesellschaft?

Ganz logisch! Andersrum wird ein Schuh draus: Wir sind durch den einmalig langen kriegsfreien Zustand seit dem 2. Weltkrieg ja in westlichen Gesellschaften in der Ausnahmesituation, nicht für das schiere körperliche Überleben zu leben, sondern über die Grundbedürfnisse hinaus Lebenswünsche formuliert zu haben.

Vorher und noch immer in den meisten Weltgegenden war und ist das Leben das reinste Vegetieren, Überlebenskampf , Krieg, Armut, Flucht, Gewalt, Hunger, Lebensgefahr.

Ein Jammertal, wie es die Kirchen noch meinen Großeltern beibrachte! Selbstreflexion ist ein Wohlstandsprodukt und ein Friedensprodukt. Auch wenn das psychische Überleben unter Leistungsstress und Umweltvernichtung ganz ungeahnte neue Krankheiten mit sich brachte!

Habt einen guten Tag!

Liebe Grüße! maya60

15.04.2021 06:27 • x 4 #52


S
Maya, ich bin immer wieder erstaunt wie gut du die Zusammenhänge in Worte packst!

Menschen die nach D. zuziehen, empfinden schon einen Krieg- am Arbeitsplatz.
sind oftmals sehr erschrocken über die Ellenbogengesellschaft.
Abwälzen von Aufgaben, den geringen Teamgeist.

Ich bin fast durch mit dem Hörbuch,
gute Stimme
sehr informativ und entlastend.

Ich würde allerdings das Buch empfehlen,
Weil ich bestimmte Sachen markieren wollen würde,

16.04.2021 06:57 • #53


E
Zitat von maya60:
Ich habe mir durch diesen Thread aber nochmal überlegt, wie es kommen kann, dass wir Jahrzehntelang gar nicht merkten, wie krank wir schon waren und dass dieses epidemisch geworden ist in unserer Leistungsgesellschaft?

Weil man da auch ein Stück weit rein wächst, weil es normal ist.
Man muß erst auf die Nase fallen um zu begreifen.
Hättet ihr mir vor zwei Monaten gesagt, daß ich länger als 2 Wochen zuhause bin hätte ich euch ausgelacht- obwohl ich es hätte wissen müssen, die Anzeichen waren schon früher da.
Ich bin wieder in die Falle getappt.
Wie oft eigentlich noch?
Nach vier Wochen (!) zuhause komme ich langsam in die Ruhe, merke, wie unglaublich viel ich mir wieder aufgebürdet habe- schon wieder.

Zitat:
Da brach quasi der Rücken, der so lange so viel getragen hatte.

16.04.2021 07:15 • x 4 #54


maya60
Gestern freute ich mich, seit November zum ersten Mal wieder meine Psychologin wiederzutreffen! Und ich konnte mir Kraftmäßig auch so sicher sein, hinzukommen, das zu schaffen!
Sie freute sich auch, schließlich treffen wir uns jetzt bestimmt schon seit mindestens 3 Jahren und so ist unsere Arbeit miteinander kontinuierlicher als die meisten Psychotherapien (die lange Pause von November bis April kam von mir aus) und sie ist wirklich psychologische Alltagsbegleiterin für mich als dauerhaft psychisch Kranke und nicht mehr psychotherapeutisch Gesundwerd-orientiert und damit weg von meinem RL seit immer schon.
Letzte Woche hatten wir eine Telefonsitzung, gestern das Treffen, in 2 Wochen wieder eins. Die lange Pause war zum ersten Mal und auch richtig, aber jetzt nicht mehr.

Und da war gestern auch wieder so ein Punkt Ist das schon Depression oder noch das Leben? Auf jeden Fall war es: Zuviel Hochfunktionale Depressive in meinem Ruhestand z.Zt.

Denn ich schilderte ihr, dass ich seit Anfang Februar ja zu meiner eigenen Überraschung eine Depressionspause habe, unterbrochen von Einzeltagen mit Stimmungsabsenkung oder anderen depressiven Symptomen, aber leichten. Jetzt seit 1 Woche aber wieder kontinuierlichere depressive Symptome, oder noch Leben mit Pandemieschäden?

Und ich berichtete ihr auch, dass seit 1 Woche meine Stimmung wieder flacher wird, gefühlte Freude seltener und Migräne wieder vermehrt da ist, ja, wie immer in saisonalen Wetterumschwüngen und besonders Aprilchaos, die mir einfach zusetzen.

Da meinte sie: Ja, aber es IST doch auch einfach so, dass die derzeitige psychische Labilität Ihres Sohnes eine ziemliche Belastung für Sie darstellt! Und ich finde, dass Ihr frühes Aufstehen mit ihm v i e l ist!

Ja, stimmt, merkte ich! Auch wenn ich es gut hinkriege mit Sohni und es mir wirklich mit Liebe, Sinnhaftigkeit und Stolz am Herzen liegt, ihn da zu unterstützen - kriege i c h für mich es nicht gut hin. Sowas ist einfach zuviel für mich wie die Pandemie zuviel für so viele ist, die dadurch, wenn nicht ihr Leben verlieren, aber ernsthafte Schäden erleiden wie auch bei Sohni ja sein seit 9 Jahren schlummerndes Waisenhaustrauma wieder durch Corona aktiviert wurde.

Da ist das Leben krankmachend für viele. Da wird aus gesundem Deprimiertsein eben auch schnell Burnout und Depression. Da schadet das Leben und richtet auch so einiges an, was nicht wieder schnell oder überhaupt gut zu machen ist.

Also ist da wieder einer dieser Punkte, wo Leben und Depression sich treffen und wo ich schon wieder mehr machen muss und will, weil alle Alternativen grausig wären und mir keine Ruhe brächten.

Oh, ich lebe meinen Alltag bewusst und dankbar und viel Ruhestand und Selbstausdruck, nur, die entschwindende Freude ist ein Alarmzeichen und die Flachheit der Emotionen und ich habe seit gestern auch wieder meine Medis erhöht auf mittlere Dosierung. Wie lange weiß ich noch nicht. Ist es eine depressive Gewitterfront oder eine länger Regenzeit? Wir werden sehen.

Liebe Grüße und kommt gut ins WE! maya60

23.04.2021 06:42 • #55


maya60
sorry, hier landete versehentlich ein 2. Text und der war aber für mein TB

23.04.2021 07:06 • #56


maya60
schubs für @blossom79

05.05.2021 10:51 • x 1 #57


Sifu
Als ehemaliger Beamter war wegen den chronischen Depressionen zwar oft krank geschrieben, wurde aber hinterher um so stärker gemobbt. Letztendlich blieb in diesem kranken system nur die Kündigung.

11.05.2021 15:28 • x 1 #58


maya60
Zitat von maya60:
Im Moment ist es für mich sehr wichtig, zu u n t e r s c h e i d e n. Zu unterscheiden, was früher unerträgliche Überforderung viel zu lange und viel zu stark und viel zu intensiv für mich war und wie das heute ausschaut.

Manches ist heute noch genauso, manches aber ganz anders, wenn ich von innen nach außen lebe statt umgekehrt!

Ich habe viel weniger Kraft, dafür bin ich ja auch im Ruhestand und alt.

Aber ich kann mit vielem aus sicherer Distanz nachsichtiger und unkritischer umgehen als zu Zeiten, in denen es diese Distanz nicht gab.

Aber vorsichtig! Kleiner Finger, ganze Hand gilt oft.

Ich möchte dieses Thema nochmal nach vorne bringen!

Schließlich habe ich selber so Jahrzehntelang gelebt und war letztes WE für einige Tage dabei, dort wieder anzuknüpfen, weil es außer mir niemanden für die Leiden meines Sohnes gab. Dachte ich. Aus lauter schlechter Gewohnheit. Dabei brauchte ich nur sein BetreuerInnen-Netzwerk zu aktivieren.

Alte falsche Perfektionismus- und -Helfersyndrom-Selbstsabotagen mir immer schneller bewusst zu machen und abzulegen, das lebe ich heute.

05.02.2022 14:37 • x 1 #59


A


Hallo maya60,

x 4#15


maya60
Und heute, bzw. nach einer Migränewoche, habe ich noch eine andere Sichtweise anzuführen!

Wenn ich mich denn endlich wie Till Raether oder auch ich selber in jahrelanger Selbstreflexion, Therapie und ggfs. auch medikamtös an eine doch wohl länger oder regelmäßig mich immer wieder begleitende Depression in meiner Lebensform angepasst habe, und so wieder zu m e i n e r FREUDE und LEBENSQUALITÄT auch m i t Depression zurückgefunden habe oder FREUDE und LEBENSQUALITÄT endlich kennengelernt habe, . . . . .

. . . . dann gibt es natürlich trotzdem einfach Lebenszeiten (Corona seit Jahren, Krieg, Klimaerwärmung mit lauter Klimakatastrophen und die Folgen für mein unmittelbares Umfeld und meine Lieblingsmenschen und mich), erfahre ich gerade, die enorme STRESSOREN von außen mit sich bringen. MEHR ALS BISHER! UND DIE VERSCHWINDEN AUCH NICHT SO SCHNELL WIEDER!

. . . die Politik spricht von ZEITENWENDE und diese Zeitenwende macht allein durch Corona weltweit 25 % mehr psychische Störungen, Angststörungen und Depressionen aus laut WHO, auch merkbar in meinem unmittelbaren Umfeld und bei meinen Lieblingsmenschen.


EXTRA-STRESSOREN für mich, die ich schon die NORMALO-STRESSOREN als krankmachend erlebte wie zunehmend viele Menschen unserer Gesellschaft, so dass BURNOUT epidemisch wurde? Wie soll ich damit umgehen?

Wie geht ihr hier im Forum damit um? Wobei ich damit kein Coronathema oder Kriegsthema oder Klimathema aufmachen will, ( auf keinen Fall!) sondern einfach, wie ihr diese bleibenden Zusatzstressoren wegsteckt oder nicht wegsteckt?

Ich persönlich merke, dass ich notgedrungen in diesem Jahr wieder mehr f u n k t i o n i e r t habe, wie Till Rather es nennt!
So nach dem Motto: Kein Klima mehr für depressive Entschleunigung?

Tja, mir fiel da jedenfalls keine unmittelbare Entlastung ein! Und nun sind sie wieder da, meine psychosomatischen Warnanzeichen Migräne und Hexenschuss und die FREUDE kommt nicht mehr von selber hervor, sie muss ich mit Energiearbeit, Stille und Spiritualität und therapeutischem Schreiben HERVORLOCKEN!

Das ist nicht gut. Und was ich mir nach wirklich vielen Anforderungen für mich chronisch psychisch Kranker in diesem Jahr an Ruhewochen zwischendurch nun mal im Juli und August gönnen kann, holt nur hervor, welchen Raubbau ich wieder an meinen Kräften unfreiwillig vornahm!

So geht es nicht weiter!

Sondern?

Ideen von euch in eurem Leben?

09.07.2022 16:01 • x 2 #60

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