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Hochsensibel Erfahrungen - wer kennt das auch?

O
Allerdings würde eine Hochsensibilität auch viel erklären, was mein Burnout damals und meine teilweise mangelnde Energie heute, die ich dann schnell wieder als Faulheit empfinde oder denke dass ich das für andere bin, betrifft.

Ja, da denke ich viel darüber nach.
Und kann es (leider?) so ganz und gar nicht zulassen.

29.04.2019 20:19 • x 2 #16


Alexandra2
Hallo ohne Funktion,
Ich finde es auch schwierig, Symptome oder Erscheinungen zu identifizieren und richtig zuzuordnen. DAS ist aber für mich am Wichtigsten. Nur so bekomme ich meine Gefühle benannt und kann herausfinden, was hilft.
Wenn ich das bewerten würde, was ist wertvoll oder wertlos, käme ich total durcheinander. Deshalb bin ich nicht glücklich über das Hochsensible, weiß aber jetzt, daß mir das zusätzlich soviel Energie raubt. Und der Energiemangel (nicht zu verwechseln mit Trägheit) ist bei der Depression auch markant. Wenn ich das nicht wüsste, könnte ich völlig irritiert dazu neigen, meine Gefühle zu bewerten. Das tue ich nicht. Es macht keinen Sinn und verhindert, mich selbst mehr und mehr anzunehmen und mich zu mögen mit allem Drum und Dran.
Ich möchte mich sehr gut behandeln und immer wertfrei mit mir sein
Deshalb: akzeptiere das Chaos in Dir, schaue es wohlwollend an und klammere Bewertungen aus. Du bist Dein bester Freund.
Liebe Grüße
Alexandra

29.04.2019 21:15 • x 3 #17


A


Hallo Annaleen,

Hochsensibel Erfahrungen - wer kennt das auch?

x 3#3


maya60
Hallo @ohneFunktion , ich weiß, was du meinst und das führt auch zu ziemlicher Nutzlosigkeit in Hochsensibilitäts-Selbsthilfeforen, jedenfalls ist das meine persönliche Einschätzung.

Anders als bei Depressionen oder bei ADHS versucht dort ein Teil der Leute, ihre großen psychischen Probleme, Lebensprobleme und Leistungsausfälle statt sie behandeln zu lassen, als Beleg ihrer besonderen hochsensiblen Begabungen zu sehen, die der rohen Leistungsgesellschaft nicht gewachsen sind. Sie tun also nichts dagegen, nur sich gegenseitig verklären und bestätigen.
Es finden sich viele darunter, die sich dann sogar als besonders Begnadete, Geistheiler oder sowas, sehen nach dem Motto: Diejenigen, die eine so hohe Einfühlung in höhere Sphären haben, dass sie zu gut für uns Normalsterbliche sind und unter denen leiden.
Das ist wahrscheinlich deine Befürchtung dabei und ich kann dir sagen, damit liegst du gar nicht falsch. Oft wird dann auch noch Hochsensibilität mit Hochbegabung gleichgesetzt, beides natürlich nie getestet, sozusagen Selbstzuschreibung.

Ein anderer Teil verwechselt Hochsensibilität mit Überreizungsbeschwerden, aber nach der Literatur zur Hochsensibilität ist das ganz und gar nicht dasselbe und Überreizungsbeschwerden weisen eher auf Erkrankungen hin.

Noch ein dritter Teil wehrt sich zurecht gegen diese ganzen selbstgestrickten Vorurteile und erfährt sich als hochsensibel, ohne damit größere Probleme zu haben, aber schon, wie z.B. auch Introvertierte, sich in manchen Situationen sehr unwohl und gestört zu fühlen. Diese leider kleine Gruppe versucht, in die Foren sowas wie sachlichen Austausch zu bringen und weist darauf hin, dass Hochsensibilität für sie Sinn macht und sie sich so erfahren, aber eben, dass weder irgend ein Test noch auch nur ein Buch dazu wissenschaftlich stichhaltig ist und niemand daraus irgend eine Anspruchshaltung ableiten kann und auch keine Rücksichtsnahme, denn es ist keine Krankheit.
Es sind Besonderheiten, die Selbsthilfe interessant machen, aber Besonderheiten, mit denen jeder Normalo fertigwerden muss wie auch damit, ruhiger oder temperamentvoller zu sein.

Diese sachliche Gruppe ist so damit beschäftigt, alle neuen Verschwörungstheorien der Begnadeten abzuwehren und alles, was nicht stichhaltig ist, abzuwehren, dass sie aus dem ständigen Relativieren gar nicht herauskommen und das letzte Forum, in dem ich war, schon fast tot war vor lauter Unmöglichkeit, sich auszutauschen.

Und wenn es stimmt, dass 20-30% aller Menschen hochsensibel sind, dann ist auch völlig klar, dass die Allermeisten gar nicht in Selbsthilfeforen auftauchen, weil sie gar keinen Grund dafür haben, denn es ist halt ein Persönlichkeitsmerkmal, mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Hochsensibilität ist nichts, was bei Krankheitssymptomen auch nur irgendwas weiterhilft.

Wer unter Überreizung leidet, so dass es zu gesundheitlichen Folgen führt, sollte dies unter psychischen Diagnosen als Symptom suchen. Das ist kein Beleg für Hochsensibilität. Nicht mal in der populärwissenschaftlichen Literatur dazu.

Das sind meine subjektiven Erfahrungen und Einschätzungen in den letzten Jahrzehnten.

29.04.2019 22:39 • x 4 #18


maya60
P.S.: Und hoch empfindlich gegenüber Reizen zu sein, ist auch nur überreizt in anderen Worten. Hochsensibel meint dagegen, und das wie gesagt auch nur populärwissenschaftlich, m e h r wahrzunehmen in bestimmten Bereichen ohne Überreizung.

Ich bin zum Beispiel nicht nur geräuschempfindlich, sondern auch noch hellhörig, beim HNO getestet. Ich höre eine größere Bandbreite von Tönen als Normalo. Das nützt mir aber gar nichts, denn durch meine Überreizung verrauscht mir das alles zu einem Geräuschrauschen und -brei, so dass ich zum HNO ging, weil ich dachte, ich wäre schwerhörig, da kam das erst heraus.

Wäre ich hellhörig ohne Überreizung, könnte ich mich vielleicht hochsensibel nennen in dem Bereich, was noch lange nicht hieße, dass ich dadurch hochbegabt wäre und das absolute Gehör hätte musikalisch.

Unser autistischer Sohn unterscheidet die U-Bahntypen an ihren Motorengeräuschen und er und seine Freunde unterhalten sich im U-Bahn-Club der Autisten sogar über die unterschiedlichen Türschließgeräusche der Bahnen unterschiedlicher Städte. Solch eine Hochsensibilität ist bei Autisten als Inselbegabung bekannt. Aber damit hängen keinerlei Beschwerden zusammen.

29.04.2019 22:58 • x 3 #19


Alexandra2
Liebe Maya,
Dein Beitrag ist sehr hilfreich für mich, dankeschön.
Es ist ein schmaler Grat oder Kontinuum auf dem wir uns bewegen. Links auf einer Geraden ist die normale Wahrnehmung angesiedelt, weiter rechts die Hochsensibilität und direkt daneben das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ganz rechts Depression u.a.- jeder Bereich hat seine Belastungsgrenze, die blitzschnell überschritten ist. Dadurch werden Krankheiten getriggert, was ich unbedingt vermeiden will. Deshalb versuche ich den Regler auf dem Kontinuum möglichst weit links zu halten bzw ihn dorthin zu bewegen.
Die Hochbegabung passt dort nicht hinein. Sie ist quälend, weil mentale Verluste, Überreizung und Reizüberflutung anspruchsvolle und länger dauernde Aktivitäten nicht gestatten. Also,was lässt sich mit der Hochbegabung anfangen?
Liebe Grüße
Alexandra

30.04.2019 06:33 • x 2 #20


O
@maya60:
Was du schreibst, trifft es auf den Punkt. Natürl

30.04.2019 07:37 • x 2 #21


O
@maya60:
Was du schreibst, trifft es auf den Punkt. Natürlich habe ich mich mit dem Thema auch befasst und bin auf die Aussagen Begnadeter gestoßen, was mich ziemlich abgestoßen hat.

In meinem Fall ist es so, dass ich immer davon ausgegangen bin, dass alle Leute ähnlich wahrnehmen, nur ich vielleicht unfähig bin mit bestimmten Begebenheiten umzugehen.

Als Teenager war ich sehr emotional: Verliebtsein hat weh getan, Musik brachte mich zum weinen, Stimmungen habe ich stark gespürt, vieles machte mich nervös, ich war schüchtern, lief oft rot an, etc.

Im Erwachsenenalter war diese Emotionalität auch noch da und die Wahrnehmungen. Lärm- und vor allem Geruchsempfindlichkeit. Großes Verständnis für andere und eben auch das Gefühl, dass ich mit der harten Welt schlecht umgehen kann.

Erst nach meinem Burnout bzw einer weiteren schweren depressiven Krise beginne ich zu begreifen, dass ich möglicherweise viele Dinge anders wahrnehme und mir deshalb andere Gedanken mache oder auch mehr Gedanken.

So kann ich mir auch besser vorstellen, dass die erhöhte Sensibilität einen zusätzlichen Stress zum Stress von außen darstellt und daher langfristig zur Überforderumg beigetragen hat.

Und vor allem, dass harte Leute nicht böse Menschen sind oder was gegen mich persönlich haben. Dass der Umgang für mich einfach nur roher und weniger feinfühlig rüberkommt.

Das würde für mich schon einiges erklären.

Jedoch bin ich da noch am Üben im liebevollen Umgang mit mir selbst und mich vor bestimmten Situationen zu schützen.

30.04.2019 07:56 • x 4 #22


O
Ich habe übrigens auch das Gefühl schlecht zu hören. Bzw wundere ich mich immer wie Kellner/innen in einem lauten Lokal die Bestellungen verstehen können.


Was bei mir im Zusammenhang mit dieser Sensibilität auch noch unangenehm mitschwingt ist, dadurch als mimosenhaft rüber zu kommen.

Echt ein kompliziertes, verzwacktes Thema.

30.04.2019 08:01 • x 1 #23


maya60
Hallo Alexandra, ich würde Hochsensibilität und Hochbegabung in den gesunden Bereich einordnen, genauso wie sportlich, handwerklich, introvertiert, extrovertiert. Auch wenn die hohe Ausprägung nicht im Bereich des Durchschnitts-Normalos liegt, liegt sie ansonsten erstmal im Normalo-Bereich der Gesundheit. Viele Genies in allen möglichen Bereichen und genauso die meisten Hochsensiblen leben ein absolut gesundes Leben, auch wenn sie sich auf ihre besonderen Bereiche konzentrieren, aber das tut ja eigentlich jeder mit seinen Vorlieben.
Wenn jemand daran gehindert wird, seinen besonders starken Bereich zu leben, das kann krank machen, aber das geht auch jedem so. Nicht leben können, wer man ist, kann krank machen.
Hochsensible und Hochbegabte brauchen mehr Angebot in ihren Spezialgebieten, Unterforderung macht auch krank, das geht aber auch jedem so, dafür gibt es ja verschiedene Schul- und Berufswege, das ist auch ganz normal.

Außerdem gibt es nervösere Menschen und auch ernstere Menschen mit Hang zur Melancholie und auch das gehört noch ganz normal zum gesunden Spektrum. Frustriert und deprimiert und weniger belastbar in Trauer- und Lebenskrisen zu sein ist auch normal und noch lange nicht depressiv oder im Fall von Nervosität überreizt oder hyperaktiv.

Heutzutage wird schnell was pathologisiert, wofür kein Platz mehr ist im heutigen Bildungssystem. Toben und Bewegungsdrang wird dann schnell schon als auffällig oder gestört etikettiert, da haben es ja Jungen besonders schwer. Und die ganzen Dienstleistungsjobs verschulen das ganze Leben so gleichförmig, dass kaum noch Raum für mehr motorische Menschen bleibt. Die kriegen dann auch nicht, was sie brauchen und sind unter- oder überfordert und erst das macht krank.

Dann gibt es die Erkrankungen oder/und Behinderungen wie ADHS, Autismus, Depressionen u.a. Und bei Depressionen kommt es wieder sehr auf die Ursachen an, die dann nahelegen, wo der wahre Trigger liegt. Das kann unter vielem anderen eben auch Überforderung genauso wie Unterforderung sein und diese beiden brauchen ganz andere Lebensveränderungen und werden ganz anders getriggert.

Und weil du wegen Hochbegabung kombiniert mit Erkrankungen fragst. Durch die Erkrankungen bleiben die Betroffenen zwar meistens unter ihren Begabungen in dem, was dann beruflich und an Hobbies geht, aber die Intelligenz hilft auch in der Kreativität der Lebensbewältigung, dann fließt sie zwar fast ganz in die Kompensation und Selbstregulation im Alltag, aber das ist besser als wäre sie nicht da.

30.04.2019 08:04 • x 1 #24


maya60
Hallo @ohneFunktion , Hochsensibel heißt nicht sensibel im Sinne von empfindlich oder empfindsam im Sinne von empathisch. Viele Hochsensible bezeichnen sich als cool und nervenstark und arbeiten in lärmendsten Großraumbüros als Computerfreaks oder in gefährlichen Adrenalinjunkie-Bereichen, sie nehmen einfach mehr wahr, darauf bezieht sich der Begriff Sensiblität, nicht auf das umgangssprachliche Sensibelchen, überhaupt nicht. Darum heißt es ja auch Englischen Hochsensivität.
Viele Hochbegabte wie mein Mann (getestet) zum Beispiel auch. Er hat Nerven wie Drahtseile und ist das Gegenteil von mir.

Die Empfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken oder im empathischen Bereich, sobald sie als größere Verletzbarkeit empfunden wird, ist etwas ganz anderes. Sie kann noch im gesunden und normalen Bereich liegen oder überfordern und sogar krank machen.

Wenn sie überfordert und krank macht, betrifft sie den Bereich der emotional-psychischen Stabilität oder eben spezielle organische Fehlfunktionen in der Hirnchemie oder anderem.

30.04.2019 08:17 • x 1 #25


maya60
P.S.: Noch ein Nachtrag zur Empathie, denn darin liegt einer der größten Irrtümer rund um Hochsensibilität. Umgangssprachlich wird Empathie oft mit Mitleiden verwechselt und das tun viele selbstdiagnostizierte Hochsensible auch.
HS ist aber ja eben keine Krankheit, daher keine Diagnose und ist auch, nur um das noch einmal zu erinnern, kein wissenschaftlich anerkanntes Persönlichkeitsmerkmal, aber populärwissenschaftlich so pausibel, dass es vielen Menschen hilft, sich selbst zu verstehen, wenn sie in ihrer Wahrnehmung viel breiter hören, sehen uvm. als durchschnittlich normal. (was auch trotzdem noch lange keine Hochbegabung ist, auch wenn Hochsensible nach Elaine Aaron, die das Ganze ja aufbrauchte vor 30 Jahren, überdurchschnittlich oft hohe Bildungsabschlüsse mit ihrer nützlichen breiten Wahrnehmung haben, was auch zeigt, dass sie nicht unter ihren Begabungen bleiben durch ihre Hochsensibilität, sehr viele aber durch ADHS z,B., was eine Krankheit ist).

Bei mir in meinen pädagogischen und therapeutischen und seelsorgerischen Engagements, beruflich und privat, wurde mir immer wieder attestiert, dass ich eine hohe Intuition und in dem Sinne Empathie in diesem fachlichen Umgang mit Menschen habe, was zu guten Förderungen und Unterstützungen führte und auch in Prüfungen und Arbeitszeugnissen zu hohen Bewertungen führte.

Tatsächlich habe ich schon früh gemerkt, dass es mir leicht fällt, mich in andere Menschen einzuspüren, ohne dass ich mich das im Geringsten stresste oder überreizte ganz im Unterschied zu meinen maßlosen Überreizungen in allen anderen Bereichen.

Es fiel und fällt mir so leicht, liegt mir einfach, zu erfassen wie andere ticken, welche besonderen Wahrnehmungsformen sich wie auf ihr Denken, Fühlen und Handeln auswirkt, dass es eine Art Selbstgänger war und mich weder das wissenschaftliche Forschen und Schreiben noch das therapeutische oder pädagogische Handeln stresste oder überreizte, nur alle Begleiterscheinungen.

Darum nehme ich ja an, dass alle meine Überreizungen, die mich krank machen, ADHS sind und dieser empathische Bereich wirklich im Sinne der Hochsensibilität liegt.

Viele Leute verstanden nie, dass ich so gut und gerne mit Menschen arbeite (in Einzelsitzungen oder max. kleinen Gruppen wegen meiner Überreizbarkeit) und warum es mich nicht emotional aussaugt.

Weil Empathie eine Fähigkeit wie Sportlichkeit ist, die nicht von Haus aus mit emotionaler Empfindlichkeit gekoppelt ist. Das haben mir auch viele Psychotherapeuten und Ärzte bestätigt, die sonst ihren Beruf ja gar nicht ausüben könnten.

Ein schlechtes Teamklima und dauernde Störungen, sowas machte mich platt wie auch alles, was viele sensorische Reize bedeutet und das machte mir dann die Konzentration schwer, aber ungestört seelsorgerisch, pädagogisch oder therapeutisch arbeiten oder schreiben kann ich stundenlang und es erfrischt mich noch.

Viel emotional betroffen sein ist n i c h t Empathie, mitleiden auch nicht, das ist emotionale Betroffenheit. Empathie im Bereich der emotionalen Intelligenz ist einfach eine Fähigkeit der Intuition und des Einspürens. Mitgefühl und Anteilnahme und Warmherzigkeit ist nicht Mitleiden.

Wird das klarer?

30.04.2019 09:08 • x 2 #26


O
Vielen Dank für Deine Ausführungen.

Diese Definition ist mir durchaus klar und die von Dir genannte Abgrenzung zu anderen Konstrukten gut verständlich.

Ich empfinde die Sensitivität auch nicht als Krankheit oder Belastung.
Wenn allerdings Persönlichkeitszüge wie Perfektion, Gewissenhaftigkeit oder eben auch Hochsensitivität aufeinander treffen und die äußeren Umstände einen sehr fordern, ist es gut verständlich, dass man leicht in der Überforderung oder Erschöpfung landet.

Ein Puzzleteil zum Verständnis der Depressionsentstehung sozusagen.

30.04.2019 09:52 • x 3 #27


maya60
P.P.S.: Ich hoffe, ich nerve jetzt nicht, will nur ein Gesamtbild zeigen, wie es sich mir subjetiv darstellt.

Ins letzte Hochsensibilitäts-Selbsthilfeforum bin ich gegangen, weil ich mich dort mal austauschen wollte zu meinem wenigen gesunden Lebensbereichen, die ich auch als beruflich-fachliche Schwerpunkte hatte.

Nachdem ich endlich meine schweren Krankheiten nach Jahrzehnten in einem erträglichen Alltagsmodus mit Medikamenten, Psychotherapien und Verhaltensanpassung hatte, freute ich mich auf mal ganz stresslosen Austausch zwischen Fliegenbeinzählern wie mir und welche ganz unterschiedlichen Bereiche davon wohl betroffen waren, denn es sind ja nicht alle Wahrnehmungsbereiche bei allen betroffen.

Wie erstaunt war ich da, als sich dieses Forum erstmal im Großen und Ganzen als ein Forum großer Lebensprobleme zeigte, die aber mit der Härte der Welt gegenüber den Hochsensiblen begründet wurde, so dass man die ganze Zeit an die Gesellschaft appelierte statt an sich selber oder aber von anderen wurden die Lebensbrüche als Folge der Hochsensibilitätsüberreizung gesehen und HS wie eine Diagnose gesehen.

Und die allermeisten Mitglieder dort konnten nicht berufstätig sein vor lauter Überforderungen, was ich gut verstand, weil es bei mir selber so war, aber ich wusste auch, dass das mit Hochsensibilität im Sinne von Elaine Aron und ihren SchülerInnen nichts zu tun hat.

Wenn ich von Freude an der Bereicherung meiner wenigen stressfreien Wahrnehmungsbreite schrieb, bremsten mich sofort zahlreiche Mitglieder aus, weil sie schrieben, das sei kein HS.

Und wenn ich nachfragte, was denn HS sei, kamen (ohne Bezug auf die Literatur dazu) Eigenannahmen abgeleitet aus umgangssprachlichen Vorstellungen: Hochsensibel bedeute besonders anfällig und empfindlich gegenüber den Härten der Welt und besonders viel Weltschmerz und abgebrochene Lebenswege, weil man eben geniale lebensunpraktische Höhen bewohnen würde als Geistheiler und Empath.

(Genauso wie so am Stammtisch über Depressionen geredet wird und wie dort völlig unfachlich küchenpsychologisch gesagt wird, Depression sei Mimosentum und man solle sich doch nicht so anstellen, man sei ja schließlich nicht in Kriegszeiten unterwegs.)

Die wenigen Hochsensiblen, die nur aus Interesse im Forum dort waren, nicht wegen ihrer Lebensprobleme, waren völlig irritiert, weil sie weder besondere Lebensbrüche noch Überreizbarkeiten oder Empfindlichkeiten kannten, die sie auf ihre Hochsensibilität bezogen.
Und sie waren ganz anders als ADHSler, also auch als ich in den meisten Wahrnehmungsbereichen.

Ich bewunderte die Forenleitung, die immer weiter die eh ja schon wissenschaftlich nicht anerkannten Tests und Konzepte zur Hochsensibilität wie sie aber so anspruchsvoll wie möglich von Elaine Aron und Nachfolgern bearbeitet wurden und werden, weiterbringen wollte.

30.04.2019 10:05 • x 3 #28


maya60
Hi @ohneFunktion , unsere Beiträge haben sich überschnitten. Mein letzter Text ist keine Antwort auf dich gerade gewesen!

In der neueren Literatur zur HS steht, dass Hochsensible mit unterstützendem Elternhaus sehr stabil in ihrem Selbstbild sind und ihre besondere Wahrnehmung gerade besonders positiv umsetzen können und kein bisschen als negativ erfahren, während diejenigen mit vernachlässigendem Elternhaus instabiler im Umgang mit ihrer besonderen Wahrnehmung und ihrem Selbstbild seien. Also auch wieder eigentlich ganz normal.

HS ist kein besonderes Puzzleteil bei krankmachenden Faktoren, denke ich. Sondern wenn Stressoren zuviel zusammenkommen, dann entsteht Krankheit.

30.04.2019 10:14 • x 1 #29


A


Hallo Annaleen,

x 4#15


O
Zitat von maya60:
HS ist kein besonderes Puzzleteil bei krankmachenden Faktoren, denke ich. Sondern wenn Stressoren zuviel zusammenkommen, dann entsteht Krankheit.


Das ist es eben schon.
Dazu habe ich recherchiert: oft geht damit nämlich das problem einher sich schwer abgrezen zu können und zu wenig auf sich zu achten.
Was ja wesentlich für die Entstehung der Depression ist.

30.04.2019 10:36 • x 1 #30

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