Hallo Annaleen, der Begriff Hochsensibilität ist wissenschaftlich in der Psychologie auch verwaschen. Das, was Elaine Aron vor 30 Jahren geschrieben hat, war schon damals und ist heute erst recht umstritten und ist wissenschaftlich eben nicht in ihrem Sinne vorhanden und greifbar.
So hat sich eben gezeigt, dass sie Verschiedenes in einem Konzept zusammen gepackt hat, was in Tests gar nicht miteinander korreliert wie z.B, Reizoffenheit und Überreizung oder emotionale Empfindlichkeit, die beide viel mehr mit Neurotizismus korrelieren.
Die 3 von ihr unter Hochsensibilität zusammengefassten Aspekte gehören in der Psychologie zu anderen psychischen Kategorien.
Auch wenn viele von uns vor ihren Depressionen, ihrem Burnout oder anderen psychischen Diagnosen nicht krankhaft emotional instabil oder vulnerabel waren, erinnern sich doch nicht wenige daran, schon immer sehr sensibel gewesen zu sein, schnell geweint zu haben, tiefen Schmerz zu fühlen, darum nicht so belastbar darum gewesen zu sein wie andere und sich anders gefühlt zu haben.
Da würde die heutige Psychologie vielleicht sagen: Auf der Neurotizismusskala mit den Polen des schwachen Neurotizismus (sicher, emotional stabil, ausgeglichen) und des starken Neurotizismus (unsicher, empfindlich, vulnerabel, emotional instabil) zeigten sich schon früh Tendenzen in Richtung Vorbelastung.
Von Hochsensibilität zu reden wäre da ein bisschen so eine Augenwischerei, die keinem hilft.
Und wenn man populärwissenschaftlich schon von Hochsensibilität spricht, dann soll man´s auch nicht mit Empfindlichkeit und Überreizung verwechseln.
Nur das meinte ich.
Und dass viele Bücher zu Hochsensibilität auf dem Markt nicht mal populärwissenschaftlich, sondern schlicht pseudowissenschaftlich sind.
Ein bisschen so wie Placeboeffekt oder Homöopathie, der macht immerhin auch 30% gefühlte Verbesserung aus, aber eben nicht überdauernd. Auf Dauer hilft´s doch, die Dinge konkreter zu haben. Und Ärzte und Psychotherapeuten kennen zumeist deshalb auch nichtmal, was es mit Hochsensibilität auf sich haben soll.
Wenn im Alltag jemand sagt, hach, da bin ich hochsensibel, das vertrage ich nicht gut., genauso wie man auch alltagsmäßig sagt: Da bin ich allergisch gegen. und meint, dass man das nicht ausstehen kann, da macht das alles Alltagssinn, aber nicht zur seriösen Beschreibung der menschlichen Psyche, ob gesund oder krank.
Wissenschaftlicher Konsens besteht weitgehend zur Beschreibung der Psyche und Persönlichkeit heute das Konzept der Big Five, das schon alles enthält, was Elaine Arons Konstrukt der Hochsensibilität sich herausgesucht hat, nur eben anders zugeordnet zu den Bereichen, wo Test Korrelationen zeigten.
(Ich habe nirgendwo was über Borderline geschrieben, davon weiß ich auch gar nichts.)
30.04.2019 20:33 •
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