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Ich leide unter Burnout und brauche eure Ratschläge

E
ich hätte da vielleicht ein tip für dich, für euch alle hier :

ich habe einen weg für mich gefunden etwas runterzukommen, ich schenke seit einigen monaten blinden , sehbehinderten menschen meine zeit, ehrenamtlich, nicht mal das fahrgeld lasse ich mir erstatten .
jede woche so in etwa 4-6 stunden.

der vorteil daran ist das ich mich entschleunige , mit blinden menschen muss ich langsam und deutlich reden, wenn wir z.b. spazierengehen , gehen wir natürlich langsam spazieren , zeit spielt überhaupt keine rolle.
so komme ich ab und an aus meiner wohnung raus, habe ein tages-ziel.
und das tollste daran ist das die menschen dir sehr , sehr dankbar sind. was du da an empathie reinsteckst bekommst du doppelt zurück.
so hat mein leben wieder ein bissl sinn.

mit meinen ärzten habe ich darüber aber nicht gesprochen, die würden mir vielleicht davon abraten,
nach dem motto werde erst einmal selber gesund .
gruss

22.11.2019 22:54 • x 4 #16


E
@kalle68,
was mir noch einfällt :
habt ihr denn kein betriebsrat oder so etwas ähnliches ?

normalerweise ( wie schon vorab geschrieben ) ist eigentlich dein ag jetzt gefordert.
dein ag hat ja ne fürsorgepflicht dir gegenüber.

stichwort hamburger modell oder sogar einen arbeitsplatzwechsel innerhalb der arbeitsstelle ?

wie sind deine planungen für die nächste zeit ?

gruss

22.11.2019 23:04 • #17


A


Hallo kalle68,

Ich leide unter Burnout und brauche eure Ratschläge

x 3#3


kalle68
ermenegildo,
im öffentlichen Dienst wo ich tätig bin gibt es einen Personalrat. Und eine Psychologin mit der ich 2,5 Stunden eine Unterhaltung hatte gibt es auch. Der AG wäre in meinem Fall der Laborleiter bzw. Dekan.
Nun ich warte erst auf die Reha und danach werde ich wohl mit Hilfe meiner Psychiaterin, Personalrat und gegeben falls Gewerkschaft möchte ich die Laborleitung dahin bewegen, dass in meinem Fall eine Überlastung durch eine Vereinbarung ausgeschlossen bleibt. Solange diese Menschen keine Konsequenzen zu erwarten haben, werde sie immer ihren Ding abziehen. Glaube mir ich kenne die Gebrüder schon seit 18 Jahren und ich weis wie sie ticken. Nach dem ich mein Burnout der Laborleitung bekannt gegeben habe und 5 Wochen Krank war hat der Labor Leiter eine Rundmail an alle Professoren gesendet, dass alle praktische arbeiten zuerst durch die Laborleitung und technische Laborleitung passieren muss, um den Ansturm von vielen Arbeiten dadurch auszubremsen. Ein Prof der die Qualität meiner Arbeit wert schätzt und mein Labor quasi eingenommen hat versucht mir ständig irgend welche Arbeiten aufzudrücken ohne sich beim Laborleiter zu melden, weil er kein Bock hat zu warten.
Ich habe mir noch mal mein BAK (Arbeitsplatzbeschreibung) angeschaut und ich sehe dass ich viel mehr tue als es mir zu steht und da ist einer der Probleme.

23.11.2019 00:10 • x 1 #18


tobiasillig
Krankschreiben! Kläre auch ab, wie die Lohnfortzahlung (ist ja nicht unwichtig!) vertraglich geregelt ist. Das Krankengeld der Krankenkassen wird ja ab Woche 6 + 1 Tag, also Woche 7 gezahlt. Das ist aber nicht die volle Höhen sondern nur ca. 60%. Zahlt sein Arbeitgeber die Differenz? Dann würde ich es dir dringend raten. Du machst dich selbst kaputt. #verausgabungsneigung Dein Verpflichtungsgefühl und Dein Selbstanspruch sind/könnten definitiv zu hoch sein. Raus aus dem Hamsterrad und neu sortieren.

23.11.2019 02:15 • x 1 #19


kalle68
Hallo tobiasillig,
vorweg möchte ich mich bei dir und bei allen herzlich bedanken für die Teilnahme an meiner Problematik. Mit diesem Thema bin ich so ziemlich überall einsam, weil niemand damit zutun haben will.
Nun Lohnfortzahlung klärt sich zwischen DRV, Arbeitgeber und Krankenkasse. Wer was macht und wie sie das untereinander regelt ist mir egal. Ich muss nur vom Arbeitgeber wegen Reha notwendige Unterlagen ausfüllen lassen und an DRV schicken, dazu warte ich auf einen Reha Klinik Termin.
Da ich noch arbeite und die Zustände bei der Arbeit mich ehr kränker machen und ich noch kein Klinik Termin habe bin ich hin und her gerissen. Am 5 Dez habe ich Termin bei meiner Psychiaterin und werde mit ihr sprechen und sagen, dass ich bis Reha Beginn zu Hause bleiben möchte.
Wenn man früher zu mir gesagt hätte, dass man sich im öffentlichen Dienst sich kaputt arbeiten kann, dann hätte ich wohl erst laut gelacht. Wenn Anzahl der Kollegen stimmen und wenn jeder seine Arbeit macht, was früher der Fall war hat es funktioniert, weil die Belastung immer Verteilt war. Man verrichtete seine vorrangige Arbeit und zukünftige Arbeiten wurden erst mal gemütlich am Tisch besprochen und geplant und es wurde selten gehetzt. In Semester Ferien konnte man das Labor auf kommende vorbereiten, Reparaturen durchführen und es gab noch Zeit übrig, dass mann sich mit anderen technischen Sachen auseinander setzen konnte. Mein Kollege ging 2009 in die Rente und habe erst mal eine Zeit lang ihn 100% kompensiert. Danach wurde ein jüngere Bachelor Absolvent für 50% eingestellt mit einer anderen Arbeitseinstellung so nach dem Motto das tun was notwendig ist und seit dem muss ich die fehlende 50% und die Sachen die er liegen läßt kompensieren. Für ihn ist es für 2,5 Tage kommen und für 4,5 Tage gehen. Das Hamsterrad wurde laufe der Zeit immer beschleunigt ohne dass man es so merkte und ohne dass man sich währen konnte. Jetzt habe ich ein Prof am Hals den man als ungeduldigen autistisch hyperaktives Spielkind bezeichnen könnte. Dem verdanke ich mein jetziges Zustand. Es ist ein Mensch der wirklich fähig ist jemanden kaputt zu beschäftigen. Den gibst du die Hand und hast gleich 3 aufwändige Aufträge die Zeit brauchen für seine Befriedigung. Dieser Mensch kennt kein Regel keine Planung will am liebsten Morgen erledigt haben. Früher war er im oberen Trakt und dem entsprechend sahen die Räume aus. Danach war er im anderen großen Labor wo der Labor und technische Laborleitung hausen. Ich weis nicht was die getan haben und wie sie das taten, den Typen habe sie geschaft in mein Labor zuverfrachten. Das Labor sieht aus wie Messis Wohnung und er führt sich wie ein Laborgott auf. Der Laborleiter und Kollegen aus der technischen Laborleitung halten sich raus und stellen sich Tod. Die Entfernung zwischen mein Labor und Büro im anderen Labor beträgt 50m. Da die Werkstatt wo ich mich aufhalte ( habe kein Büro) neben mein Labor ist und dieser arbeitswütiger Prof quasi mein Labor komplett eingenommen hat, da er faul ist 50 m zu laufen sitze ich quasi ihm auf dem Schoß. Und das ist mein Problem. Vielfältige Arbeit in einem gesunden Maß hat mich nie abgeschreckt, aber eigene Mitarbeiter wie in einem Hinterhofwerkstatt ohne Betriebsrad auszubeuten, kommt es mir wie ein Straflager vor. Ich kenne andere Kollegen aus anderen Laboren keines diese Labore weist dieser Art von Verwahrlosung auf. .

23.11.2019 10:33 • x 1 #20


Blume71
Zitat von ermenegildo:
ich hätte da vielleicht ein tip für dich, für euch alle hier :

ich habe einen weg für mich gefunden etwas runterzukommen, ich schenke seit einigen monaten blinden , sehbehinderten menschen meine zeit, ehrenamtlich, nicht mal das fahrgeld lasse ich mir erstatten .
jede woche so in etwa 4-6 stunden.

der vorteil daran ist das ich mich entschleunige , mit blinden menschen muss ich langsam und deutlich reden, wenn wir z.b. spazierengehen , gehen wir natürlich langsam spazieren , zeit spielt überhaupt keine rolle.
so komme ich ab und an aus meiner wohnung raus, habe ein tages-ziel.
und das tollste daran ist das die menschen dir sehr , sehr dankbar sind. was du da an empathie reinsteckst bekommst du doppelt zurück.
so hat mein leben wieder ein bissl sinn.

mit meinen ärzten habe ich darüber aber nicht gesprochen, die würden mir vielleicht davon abraten,
nach dem motto werde erst einmal selber gesund .
gruss



Das finde ich ganz toll!

23.11.2019 11:03 • x 2 #21


Bergwald
Finde dein Engagement auch mega toll Ermenegildo!

Habe mir gerade gedacht, vielleicht kann ich Hunde ausführen o.ä. um nicht so alleine zu sein und raus zu kommen.

25.11.2019 10:55 • x 1 #22


Mandinka
Bei mir war das damals ähnlich. Kollegen gingen in Rente oder wechselten die Abteilungen. Ich kompensierte deren Fehlen 100 %, was aber zur Folge hatte, daß man offenbar dann der Meinung war, das könne jetzt so bleiben. Da ich aber unter starker Belastung schnell auch mal impulsiv meinen Frust rauslasse und mich auch nicht davor scheue, mich dann mit den Leuten zu fetzen, kam ich eines Tages in den Genuss, die Abteilung wechseln zu dürfen. Das war das Beste, was mir zu dem Zeitpunkt passieren konnte.

Aber nach gewisser Zeit fing es durch Vorgesetztenwechsel in der neuen Abteilung auch dort an und lief nach dem gleichen Muster ab wie in der alten Abteilung. Wieder regelmäßig Auseinandersetzungen, weil ich versuchte mich zu wehren, dann mein langer Ausfall. Mittlerweile ist es mir absolut egal, was Vorgesetzte oder gewisse Kollegen von mir denken, ob sie mich für was auch immer halten. Ich mache stur nur noch meinen Stiefel. Es hat einen gewissen Vorteil, wenn man nicht mehr bei allen beliebt ist - die Kollegen, die gern andere ausnutzen, trauen sich das nicht mehr bei mir, sprechen mich nicht mehr an und ignorieren mich weitgehend bzw. haben einen gewissen Respekt. Mir geht es damit soooo viel besser als vorher. Außerdem habe ich natürlich auch meine Arbeitszeit verkürzt, so weit ich es finanziell verkrafte. Ich mache keine Überstunden mehr. Muss ich auch nicht, da ich schon immer gut organisiert war und meine Aufgaben während meiner Arbeitszeit erledige.

Lass dich nicht unterkriegen.

27.11.2019 11:56 • x 2 #23


kalle68
Hallo Mandinka,
wow was soll ich sagen so viele Parallelen.
Zitat von Mandinka:
Ich kompensierte deren Fehlen 100 %, was aber zur Folge hatte, daß man offenbar dann der Meinung war, das könne jetzt so bleiben.

Die sind nicht nur der hohe Meinung, dass das so bleiben könnte sondern, die tun das einfach, weil niemand sich wirklich verantwortlich fühlt, obwohl Fürsorgepflicht besteht.
Zitat von Mandinka:
Da ich aber unter starker Belastung schnell auch mal impulsiv meinen Frust rauslasse und mich auch nicht davor scheue, mich dann mit den Leuten zu fetzen, kam ich eines Tages in den Genuss, die Abteilung wechseln zu dürfen

Ich habe vieles in mich hineingefressen und das war falsch, jedoch war ich überzeugt, dass reden ohne Lösungsansätze und Ausweichmöglichkeiten nur leere Floskel ist, die noch mehr Frust erzeugt.
Zitat von Mandinka:
Das war das Beste, was mir zu dem Zeitpunkt passieren konnte.

Um nach der Reha überhaupt Rückfall Risiko zu vermeiden würde ich mir auch mal wünschen, was anderes zu machen.
Zitat von Mandinka:
Aber nach gewisser Zeit fing es durch Vorgesetztenwechsel in der neuen Abteilung auch dort an und lief nach dem gleichen Muster ab

Und da vor fürchte ich mich, weil ich nicht weis wie ich denn Reagiere.
Zitat von Mandinka:
Wieder regelmäßig Auseinandersetzungen, weil ich versuchte mich zu wehren

Darauf habe ich kein Bock ich fürchte, dass es bei mir unter Last unter der Gefahr Rückfall zu erleiden, für die anderen sehr unangenehm werden könnte. Und das muss nicht sein.
Zitat von Mandinka:
Mittlerweile ist es mir absolut egal, was Vorgesetzte oder gewisse Kollegen von mir denken, ob sie mich für was auch immer halten.

Da meine Emotionen nicht mehr funktionieren außer Wut in mir ist es so ziemlich egal, was Individuen von mir denken. In diesem Zustand sind die Sinne noch schärfer, weil andere Emotionen ausgeschaltet sind und so kann man eine Sache besser beobachten und sich konzentrieren und zwar, dass so genannte gute Kollegen, wenn du immer ja gesagt hattest und fast jeden Wunsch aus der Lipper auslesen und erfüllen durftest, so aber ziehen sie sich ehr zurück und du wirst mit Samthandschuhe behandelt. Und so stellt sich heraus wer würdig ist Freundlichkeit zu genießen und geehrt zu werden.
Zitat von Mandinka:
die Kollegen, die gern andere ausnutzen, trauen sich das nicht mehr bei mir, sprechen mich nicht mehr an und ignorieren mich weitgehend bzw. haben einen gewissen Respekt. Mir geht es damit soooo viel besser als vorher.

Was soll ich sagen mir geht es viel besser und weniger emotionaler Druck wenn ich in Ruhe gelassen werde.
Zitat von Mandinka:
Außerdem habe ich natürlich auch meine Arbeitszeit verkürzt

Diesen Wunsch habe ich auch, damit ich erstens die nächsten 15 Jahre ohne bzw. mit wenig Dachschäden überstehe und zweitens hat man mehr Zeit für sich.
Zitat von Mandinka:
Lass dich nicht unterkriegen.

Lieb von Dir denke nach der Reha und Nachsorge werde ich ehr ein anderer Mensch sein im Sinne sich zuerst mehr zu schätzen und wissen was getan und was gelassen werden sollte.

27.11.2019 16:13 • x 3 #24


A


Hallo kalle68,

x 4#10


kalle68
Hallo Leute zuerst ein mal Frohes neues Jahr,
ich habe doch bis Ende Dezember 2019 weitergearbeitet, da ich den Reha Termin noch nicht erhalten habe und ich mein schlechtes Gewissen nicht ruhigstellen konnte. Anfang Januar 2020 zum Auftakt des ersten Arbeitstages hatte ich schon vorher einen Termin bei meiner Psychiaterin vereinbart, weil ich doch auf meine Innerestimme gehört habe. Am Wochenende zuvor hatte ich noch nie dar gewesene Unruhe erlebt und mein Körper hat regel recht vibriert. Obwohl ich homöopathische Mittel einnehme, konnte ich die ganze Nacht nicht einschlafen. Im Warteraum meiner Psychiaterin habe ich mit roten Augen gewartet und merkte, wie ich immer noch am ganzen Körper vibrierte.
Und an diesem Morgen habe ich die Reha Klinik angerufen und gefragt, ob ich nach 3 Monaten doch mit einem Bescheid rechnen kann. Laut Klinik soll ich in 2-3 Wochen mit ein Bescheid rechnen. Ich habe mich gefreut, wie ein Kind für etwas was ich mir nicht freiwillig zum Spaß ausgesucht habe.
Endlich hatte ich etwas Hoffnung und Mut und in dem Gespräch mit meiner Psychiaterin konnte ich meine Ängste zum Ausdruck bringen. Darauf hin hat sie mich für 4 Wochen Krank geschrieben. Selbst während des Gesprächs habe ich innerlich mit mir gerungen und gekämpft, ob doch arbeiten gehen sollte, weil freilich die Arbeit frei macht. Von wegen.
Mein Burnout ist mittlerweile soweit fortgeschritten,das ich den Ruf den ich in 18 Jahren bei der Arbeit aufgebaut habe in wenigen Tagen ruinieren kann, da die Symptome nicht besser sondern ehr schlimmer geworden sind. Also besser zuhause bleiben und abwarten.
Ja man hat mulmiges Gefühl, dass man für 5 Wochen von der Familie getrennt sein wird, wenn man die Reha antanzt.
Auch wie es nach der Reha weitergehen soll. Ich habe schon Personalrat mobilisiert und nach der Reha möchte der Arbeitgeber ein BEM Gespräch führen, was ich auch sinnvoll erachte, wenn man es geschickt einfädelt. Jeden falls werde ich nach der Reha anders sein als jetzt und werde im BEM Gespräch auf die Belastungsursachen gezielt eingehen und werde alles tun damit andere Menschen mit meiner Gesundheit nicht mehr spielen dürfen/können, nur damit sie ihren abartigen Arbeitswahn ausleben können. Ich hoffe, dass ich nach der Reha stark genug bin all diesen sch. durchzustehen, damit ich am Ende nicht wieder zum Arzt rennen muss.

08.01.2020 22:05 • x 1 #25

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