Zitat von ohneFunktion:Bitte vorsichtig sein, wenn das für Dich Suchtpotential hat!
Ich bin da eher skeptisch...
Auch, weil das schon wieder so eine Leistungssache ist.
Genau das ist halt das Problem. Ich bin auf Leistung getrimmt.
Zitat von ohneFunktion:Was wäre mit einem großen Bogen Papier und Pastellkreiden? Damit kann man malen und mit den Fingern den Kreidestaub verwischen.
Das ist eine gute Idee. Ich glaube, ich habe sogar noch Kreide. Oder weiche Bleistifte. Ich habe bei den Klinikaufenthalten gerne gemalt und gezeichnet.
Zitat von Alexandra2:Es geht darum, aus der Not (Anspannung) eine Tugend (Stressabbau plus Stimmungsaufhellung) zu machen. Niemand sagt, daß Du 1 Stunde am Stück laufen musst, fange ganz klein an und beobachte, was Dir regelmäßige Bewegung, mit der Du Dich Stück für Stück auspowerst, bringt.
Ich verstehe, wie das gemeint ist. Das Problem ist, dass ich genau das nicht kann. Laufen hilft gut gegen SVV-Druck. Zu gut.
Ich war ewig nicht mehr laufen. Wenn ich jetzt loslaufen und mir maximal 2 km vornehmen würde, würde ich am Ende trotzdem die ganze Runde (ca. 7 km) laufen und wäre danach wahrscheinlich enttäuscht, weil ich zu langsam war.
Es ist immer dieser höjer, schneller, weiter-Gedanke da. Ich muss besser sein, als alle anderen. Denn nur wenn ich besser bin, werden sie mich respektieren. Wer Schwäche zeigt, wird nicht respektiert. Das erlebe ich ja jetzt täglich.
Zitat von Alexandra2:Wir müssen unser komplettes Verhalten an die Erkrankungen anpassen, ein bisschen Medizin und Therapie reichen nicht aus. Positive Effekte stellen sich mit der für einen richtigen Lebensänderung ein und bis es soweit ist, ist ausprobieren wichtig-und nicht geht sowieso nicht.
Zitat von maya60:Und da der Berufsalltag und auch der Normalo-Privatlebensalltag in so vielem absolut quer zu diesen Krankheitsbedürfnissen steht, musste ich eben auch an jedem Schräubchen drehen, das ich fand in meinem Alltag.
Da habt ihr beide recht und es ist so unfassbar deprimierend, diese ständigen Rückschläge miteinzuplanen. Ich weiß nicht so richtig, wie ich meinen privaten Alltag besser organisieren kann. Selbst das Allernötigste im Haushalt fällt mir schwer.
Zitat von maya60:Wenn mein Berufsalltag erfolgreich war oder mein Familienalltag, dann war das ein wichtiges Fundament, auch wenn ich den Stolz und die Befriedigung vor lauter Stress wie du, gar nicht fühlte und vor lauter innerem Krankheitstaubsein.
Aber ich wusste wie du, dass es wichtig war und irgendwann wirst du das auch fühlen.
Genau so ist es. Ich weiß viele Dinge, auch wenn ich sie nicht fühlen kann. Manchmal komme ich mir wie eine KI vor, die gelernt hat, welche Gefühle man in bestimmten Situationen zeigen soll.
Sehr krass ist mir das bei der Beerdigung meines Opas vor ca. 7 Jahren aufgefallen. Ich habe ihn sehr gerne gehabt. Bei der Beerdigung wusste ich ganz genau, dass Trauer jetzt das richtige/passende Gefühl ist. Aber ich habe einfach gar nichts gefühlt. Nur Leere. Und ich habe mich dafür in Grund und Boden geschämt, dass ich nicht weinen konnte.
So geht es mir oft. Entweder explodieren alle Gefühle oder es ist gar nichts da. Schwarz oder weiß. Etwas dazwischen gibt es selten.
Zitat von maya60:ich weiß aber, dass ich wie du auch zum Glück doch auch meinem Handeln trauen konnte im Beruflichen, auch wenn es auf Hyperfokus und Daueradrenalin lief. Das ist viel wert.
Ich kann meinem Handeln auf der Arbeit trauen. Natürlich mache ich Fehler, aber nicht mehr und nicht schlimmere, als andere Kollegen auch.
Aber wie du sagst, läuft der Körper halt 8h ohne Pause auf Hochbetrieb. Zu einer richtigen Pause komme ich selten und selbst dann denke ich drüber nach, was ich noch alles machen muss.
Heute hatte ich meine Leitung um ein Gespräch gebeten, weil ich mit ihm über diesen Dauerstress während der kompletten Schicht und die Aussagen einiger Kollegen reden wollte.
Er meinte, dass eine meiner größten Stärken gleichzeitig eine meiner Schwächen sei: Ich sei sehr gewissenhaft und penibel in dem, was ich mache und hätte hohe Ansprüche an mich selbst. Das sei natürlich einerseits gut, weil das Ergebnis entsprechend ist, andererseits sei es natürlich noch ein zusätzlicher Stressor. Dass ich mir dann auch noch Gedanken um die Aussagen und das Verhalten einiger Kollegen mache, macht es natürlich auch nicht besser.
Und ich solle auch bedenken, dass jeder dort genau so klein und unerfahren angefangen hat, egal, wie sehr der jenige sich heute aufspielen mag.
Insgesamt hat mir das Gespräch nochmal neuen Mut gegeben.
Zitat von maya60:Wie gesagt habe ich meine Arbeitsstunden irgendwann auf Teilzeit reduziert
Das habe ich nach der Probezeit auch vor. Ich denke, ich werde auf 80% reduzieren. Das wäre finanziell zu verkraften und die 4 Tage mehr frei im Monat würden für mich viel ausmachen.
Zitat von maya60:Aber ich weiß, dass du deine Suchtgeschichte mit Sport hast, vielleicht wäre da eine Begleitung wirklich eine Idee?
Ja, das könnte funktionieren. Ich weiß nur nicht, wen ich da fragen könnte.
Zitat von maya60:Ich weiß nicht, wie sehr das Borderline noch welche Probleme dabei macht? Weißt du das, Irgendeine? Magst du das berichten?
Und welche Erkrankungen ggfs. noch dazu kommen?
Momentan belastet mich das Borderline sehr. Die Wechsel zwischen Leere und maximaler Anspannung sind seit Wochen sehr extrem. Es kann von einer Sekunde auf die andere kippen und i.d.R. brauche ich dann einige Stunden, bis ich wieder einigermaßen klarkomme.
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so heftige SVV-Impulse und Suizidgedanken hatte.
Bis jetzt konnte ich widerstehen. Allerdings hauptsächlich aus Angst, dass es schief gehen könnte und ich dann im Zweifel auf Leute (Rettungsdienst und KH) treffen würde, die mich privat kennen.
Dann ist da ständig diese Angst, dass Leute schlecht über mich reden könnten. Diese Angst ist so tief drin, weil es früher so oft die Realität war.
Mein Gehirn registriert gefühlt jede Bewegung, Bemerkung, Mimik etc. der Personen in meiner Umgebung und interpretiert dort alles mögliche rein.
Gleichzeitig bin ich aber nicht in der Lage, all das richtig zu deuten und gehe prinzipiell erst mal davon aus, dass der jenige schlecht von mir denkt.
Mein Gehirn rattert gefühlt von morgens bis abends und ist doch nicht in der Lage, alles richtig einzuordnen. Das ist sehr anstrengend und auch frustrierend.
Das Essen wird so langsam auch wieder problematisch. Ich habe mich gestern endlich mal auf die Waage getraut (ab und zu muss ich das machen, damit die Überwindung nicht zu groß wird). Ich wiege weniger, als letztes Mal, fühle mich aber viel dicker.
Beim Essen fühle ich mich irgendwie eklig. Ich schäme mich dafür, dass ich so viel Süßes esse, obwohl ich rational weiß, dass ich trotzdem oft nicht auf die notwendige Kalorienanzahl komme.