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Kein Antidepressiva hilft - Was gibt es noch für Möglichkeiten?

maya60
Ja, @Irgendeine - das finde ich auch immer trotz allem Schmerz wohltuend, wenn ein Gegenüber auch einfach mal sieht und eingesteht, dass du wohl selber intelligent genug bist, ausgeschöpft zu haben, was auszuschöpfen ging und geht.

Und dass er dir einfach mal die Ehre erweist, mit dir zusammen zu tragen, dass man einfach auch mal keine Idee haben kann momentan, wie es besser wird! Dir das auch anbietet. Das ist Stärke statt dummem Gelabere.

Denn oft genug muss einfach Zeit vergehen, Zeit, die irgendwie heilt.

Genau das tragen wir hier im Forum auch oft genug miteinander!

21.03.2021 21:11 • x 1 #61


Mabaja
Hallo Irgendeine,
ich denke auch, dass du zurzeit auf der Arbeit besser aufgehoben bist. Wenn schon keine Auszeit möglich ist, kannst du vielleicht trotzdem darauf achten, dass du dich dabei nicht total verausgabst.

Jemand erzählte mir mal nach einem stressbedingten Tinnitus, dass er in der Reha gelernt hätte, dass es gesünder sei, auf der Arbeit nicht alles zu geben. Er gab bisher immer 100 oder sogar 150 % seiner Arbeitskraft und überforderte sich damit. Nun gibt er nur noch 80 %. Das reicht völlig, um seinen Chef zufrieden zu stellen, und er selbst behält genügend Kraft, um zum Feierabend nicht völlig platt zu sein, um sein Leben genießen zu können.

Du kannst sicher auch mit 80 % zeigen, dass du dort, wo du arbeitest, richtig bist, und dass dir die Arbeit gefällt.

Nun wäre eine kraftauftankende Freizeit gut - wie könnte die aussehen?

21.03.2021 22:03 • x 2 #62


A


Hallo Irgendeine,

Kein Antidepressiva hilft - Was gibt es noch für Möglichkeiten?

x 3#3


Irgendeine
Zitat von julienne:
Nun gibt er nur noch 80 %. Das reicht völlig, um seinen Chef zufrieden zu stellen, und er selbst behält genügend Kraft, um zum Feierabend nicht völlig platt zu sein, um sein Leben genießen zu können.

Du kannst sicher auch mit 80 % zeigen, dass du dort, wo du arbeitest, richtig bist, und dass dir die Arbeit gefällt.

Das hat mein Chef auch schon zu mir gesagt. Als ich letztens zu ihm sagte, dass ich mich teilweise überfordert fühle, meinte er: Ich merke, dass du sehr hohe Ansprüche an dich selbst hast. Das ist einerseits eine deiner Stärken und andererseits auch eine deiner Schwächen. Es muss nicht jeden Tag jeder Pat. von oben bis unten geschrubbt und eingecrèmt werden. Wenn es nicht anders machbar ist, werden eben nur dir wichtigsten Sachen gemacht. So lange du das hinkriegst, ist doch alles gut. Und es ist auch völlig normal, dass du momentan noch ins Schleudern kommst, wenn irgendwas Unvorhergesehenes bzw. nicht Geplantes passiert.
Ich versuche 100% zu geben, aber ehrlich gesagt schaffe ich meistens gar nicht mehr, als die 80%. Die wichtigen Aufgaben (Medis, Blut abnehmen, bei Dienstantritt Pat. untersuchen und Zimmer auf Vollständigkeit prüfen usw.) sind immer gemacht, das ist selbstverständlich. Aber dieses ganze Drumherum (z.B. mal Haare waschen o.ä.) kriege ich meistens nicht hin.
Zitat von julienne:
Nun wäre eine kraftauftankende Freizeit gut - wie könnte die aussehen?

Das ist der springende Punkt: Ich habe absolut keine Ahnung. Vor Corona habe ich viel Zeit beim DRK verbracht oder bin am WE auch gerne mal tanzen gegangen. Alles Sachen, bei denen ich mal abschalten und irgendwie wie ein normaler Mensch sein konnte, fallen wegen Corona aktuell größtenteils weg.

Es gibt momentan irgendwie nichts hobbymäßiges, mit dem ich mal aus der (aktuell ziemlich miesen) Realität flüchten kann. Lesen ist das Einzige, was eine solche Flucht ermöglicht. Ich verschwinde komplett in der Geschichte. Deswegen habe ich das als Kind auch achon so gerne gemacht.
Aber momentan fällt es mir leider sehr schwer, mich aufs Lesen zu konzentrieren.
Manchmal funktioniert diese Realitätsflucht auch mit Musik.

Aber ich kann ja auch nicht dauerhaft meine Freizeit darauf ausrichten, aus der Realität zu fliehen.

21.03.2021 22:44 • #63


Mabaja
Zitat von Irgendeine:
Vor Corona habe ich viel Zeit beim DRK verbracht oder bin am WE auch gerne mal tanzen gegangen.

Brauchst du denn andere Menschen, um Spaß am Tanzen zu haben? Musik hast du doch auch zu Hause und ein freies Fleckchen zum Tanzen?

Zitat von Irgendeine:
Aber momentan fällt es mir leider sehr schwer, mich aufs Lesen zu konzentrieren.

Das kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht Hörbücher?

Zitat von Irgendeine:
Aber ich kann ja auch nicht dauerhaft meine Freizeit darauf ausrichten, aus der Realität zu fliehen.


Etwas zu tun, was dich nicht fordert, mal nicht an andere zu denken, mal nicht an Probleme zu denken, mal nicht an Morgen zu denken - das ist keine Realitätsflucht, das ist Pause

21.03.2021 23:11 • x 2 #64


Irgendeine
Zitat von julienne:
Brauchst du denn andere Menschen, um Spaß am Tanzen zu haben? Musik hast du doch auch zu Hause und ein freies Fleckchen zum Tanzen?

Das mache ich durchaus zwuschendurch Aber ist nicht das selbe..
Zitat von julienne:
Das kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht Hörbücher?

Hörbücher funktionieren noch weniger. Es tut mir leid, dass ich so negativ bin.
Zitat von julienne:
Etwas zu tun, was dich nicht fordert, mal nicht an andere zu denken, mal nicht an Probleme zu denken, mal nicht an Morgen zu denken - das ist keine Realitätsflucht, das ist Pause

Findest du das wirklich? Mir wurde Realitätsflucht bis jetzt immer eher negativ ausgelegt.

21.03.2021 23:26 • #65


Mabaja
Zitat von Irgendeine:
Findest du das wirklich? Mir wurde Realitätsflucht bis jetzt immer eher negativ ausgelegt.


Ja, du bist ein Mensch und keine Maschine. Von wem wurde es als Realitätsflucht ausgelegt und was machen diese Menschen in ihrer Freizeit?

21.03.2021 23:39 • x 1 #66


Irgendeine
Zitat von julienne:
Von wem wurde es als Realitätsflucht ausgelegt und was machen diese Menschen in ihrer Freizeit?

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wer das alles gesagt hat. Ärzte, Therapeuten.. Es geht immer drum, in der Realität zu bleiben. Aber die Realität ist oft nicht auszuhalten. Menschen dissoziieren ja nicht umsonst.

21.03.2021 23:47 • #67


Mabaja
Realitätsflucht sähe ich eher in Dro.- oder Al.konsum. Du verleugnest doch nicht die Realität, indem du eine Pause einlegst. 24/7 nur Probleme wälzen?
Missverstehe ich da etwas?

22.03.2021 00:17 • x 2 #68


Irgendeine
Zitat von julienne:
Realitätsflucht sähe ich eher in Dro.- oder Al.konsum.

Das tue ich durchaus auch... Ich hab's heute nicht mehr ausgehalten und mich das erste Mal seit knapp einem Jahr selbstv*rl*tzt.
Zitat von julienne:
Du verleugnest doch nicht die Realität, indem du eine Pause einlegst. 24/7 nur Probleme wälzen?
Missverstehe ich da etwas?

Bei manchen Therapeuten ist es die Devise, um jeden Preis in der Realität zu bleiben. Andere erkennen, dass Dissos manchmal durchaus sinnvoll und nötig sind.

22.03.2021 01:47 • #69


Mabaja
Zählt das Verletzen auch als Realitätsflucht?

22.03.2021 01:58 • x 1 #70


Irgendeine
Zitat von julienne:
Zählt das Verletzen auch als Realitätsflucht?

Interessante Frage. Meistens ist es eher ein Werkzeug um wieder zurück knndiebRealität zu kommen. Heute war es hauptsächlich S**z*dprävention. Der Abend wäre sonst anders ausgegangen.

22.03.2021 02:15 • x 1 #71


Irgendeine
Ich hatte heute ein Gespräch mit der Schwerbehindertenvertretung. Sie hat mir vorgeschlagen, dass ich meinen Stationsleiter mal fragen soll, ob ich nicht ausnahmsweise einen Teil meines Urlaubs schon in der Probezeit nehmen kann. Sie meinte auch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass man nicht übernommen wird, nur weil man mal 2 Wochen krankgeschrieben war.
Wenn es mir die nächsten Tage weiterhin so schlecht geht, werde ich mich vielleicht wirklich für eine Zeit krankmelden.

Ich habe ihr auch von dem Wunsch nach Arbeitszeitreduktion und dem geplanten Klinikaufenthalt erzählt. Die haben ja zum Glück Schweigepflicht.

Sie meinte, dass ich das mit der Klinik definitiv erst nach Ablauf der Probezeit ansprechen soll (was anderes hatte ich auch nicht vor) und dass es wahrscheinlich am sinnvollsten wäre, danach eine Wiedereingliederung zu machen. Dann könnte ich auch gleich ausprobieren, wieviel Prozent ich in der Lage bin, zu arbeiten.

In Bad Bramstedt würde ich eh frühestens ab dem 1.8 einen Aufnahmetermin bekommen.

22.03.2021 16:45 • x 3 #72


Mabaja
Ich hoffe, diese Auskünfte brachten dir etwas Licht ins Dunkel und helfen dir beim Durchhalten

22.03.2021 16:52 • x 1 #73


maya60
Hallo @Irgendeine - habe ich das im Coronathread richtig verstanden, dass du jetzt doch krank dich hast in die Klinik einweisen lassen oder bezog sich das einzig auf deine Arbeit auf der Covidstation?

Gute Besserung in jedem Falle!

Liebe Grüße! maya

23.03.2021 07:45 • #74


A


Hallo Irgendeine,

x 4#15


Irgendeine
Zitat von maya60:
Hallo @Irgendeine - habe ich das im Coronathread richtig verstanden, dass du jetzt doch krank dich hast in die Klinik einweisen lassen oder bezog sich das einzig auf deine Arbeit auf der Covidstation? Gute Besserung in jedem Falle! Liebe Grüße! maya

Du hast das richtig verstanden. Ich bin aktuell auf der Geschlossenen. Freiwillig. Ich war gestern abend so am Ende, dass ich fast was richtig Dummes gemacht hätte. Es war nur noch dieser eine Gedanke in meinem Kopf und ich hatte echt Angst vor mir selber.

Ich hab's dann irgendwann geschafft, meinen Freund zu holen und es ihm zusagen.
Ich war nicht mal mehr in der Lage, mir Hose und Schuhe selbstständig anzuziehen.
Kurz nach der Aufnahme hatte ich dann noch eine ziemlich heftige Dissoziation, aber dieses Mal hatte ich dran gedacht, das mit der Pflege abzusprechen und sie haben mich recht schnell rausbekommen.

Danach hab ich was zum Schlafen bekommen. Ich hab trotzdem die halbe Nacht wachgelegen. Jetzt kommt mir alles so unreal vor. Ich frage mich, was da gestern passiert ist. Es ist nicht mehr richtig greifbar. Alles ist taub. Das habe ich auch der Ärztin bei der Aufnahme versucht, zu erklären. Sie meinte, sie würde verstehen, was ich meine.

Jetzt muss ich bis zum (hoffentlich) negativen Testergebnis erst mal auf dem Zimmer bleiben.

23.03.2021 08:43 • x 3 #75

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