Lebensfreude finden - wie geht das? Alles ist Belastung

N
Hallo alle zusammen. Bin neu hier und habe mich schon vorgestellt. Ich leide seit ca. 20 Jahren unter sehr starken Depressionen, Angst und Panikzuständen, Dissoziation und Wahnvorstellungen. Sehr viele Jahre wurde mir leider nicht (richtig) geholfen. Ich war 2010 in einer psych. Klinik und werde seit dem gut behandelt. Bin auf Medis eingestellt und habe eine gute Therapeutin...
Ich habe einen tollen Mann und zwei Kinder und bin zur Zeit Zu Hause als Mama und Hausfrau. Eigentlich könnte ich richtig glücklich und zufrieden sein, aber irgend wie kann ich mich einfach nicht freuen. Das Leben erscheint mir immer als eine Last. Mir ist einfach alles zu viel. Uns ich habe übertriebene Zukuftsängste. Ich erledige stets alle meine Aufgaben, die so anstehen, aber immer freudlos. Außerdem ist seit einiger Zeit ein neues Problem aufgetaucht: Ich habe Angst Auto zu fahren. Kennt das jemand von Euch? Wenn ja, was hilft dagegen?
Wie gewinnt man die Lebensfreude wieder?
Freue mich auf Eure Antworten!

04.07.2012 12:07 • #1


Pyxidis
Hallo Natie,

Zitat:
Ich erledige stets alle meine Aufgaben, die so anstehen, aber immer freudlos.


das scheinen mir Alltagsaufgaben zu sein, die aber per se erstmal nichts mit Spaß zu tun haben. Wer saugt schon gerne. Deshalb wäre es doch viel einfacher mal zu schauen, was Du nur für Dich tust und ob Du nicht dort langsam wieder Lebensfreude entwickeln kannst.

Also was sind beispielsweise Deine Hobbies? Was tust Du für Dich um zu entspannen? Zum Beispiel Massagen? Triffst Du Dich mit Freundinnen, um Dich auszutauschen? Gibst Du Dein Kind schon mal ab, um mal für Dich zu sein oder etwas Schönes zu unternehmen?

Viele Grüße
Pyx

04.07.2012 13:44 • #2


A


Hallo Natie1978,

Lebensfreude finden - wie geht das? Alles ist Belastung

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N
Hallo Pyx,
danke für deine Anregungen. Sie sind sehr sinnvoll. Aber das ist genau der Punkt. Ich tue wenig für mich, den auch dafür habe ich zur Zeit kaum Motivation. Früher malte und dekorierte ich gern, aber jetzt habe ich das Interesse daran verloren. Manchmal habe ich Kontakt zu Freundinen, aber das hält sich auch in Grenzen, weil ich leider wenige Kontakte habe. Wie ich mehr Leute kennen lernen kann, weiß ich auch nicht so recht, den ich bin eher zurückhaltend. Meistens hält man eben Smaltalk mit anderen Eltern. Dabei bleibt das dann aber auch.
Ich weiß, dass ich die Situation ändern muss, aber es scheint so schwer zu sein...

Liebe Grüße
Natie

04.07.2012 14:02 • #3


Sarah
Wenn es einfach wäre, wären wir wohl alle nicht hier

Du hast geschrieben, dass du alle deine Aufgaben erledigst. Dann mach es dir zur Aufgabe, eine hallbe Stunde am Tag etwas für sich zu tun. Lass es so selbstverständlich werden wie Zähne putzen. Klar, gerade am Anfang ist es schwierig, sich erst mal aufzuraffen. Aber vielleicht hilft dir ein Stück weit eine Verpflichtung. Schreib dir Morgens eine konkrete Zeit auf einen Zettel, wo du etwas tun möchtest, was dir Spaß macht oder gemacht hat, und kleb ihn dir an die Kühlschranktür. Schreib vielleicht auch gleich mit dazu, was du machen möchtest. Malen, einen Tisch hübsch dekorieren, eine Runde spazieren gehen, eine Tasse Kaffee in der Sonne - was auch immer.

Auch wenn du am Anfang vielleicht nicht die gleiche Freude daran empfindest wie früher. Das kommt mit der Zeit wieder - zumindest war es bei mir so

LG

Sarah

04.07.2012 19:49 • #4


Pandoras
Hallo natie,

ersteinmal Willkommen bei uns hier im Forum und ich hoffe sehr, Du fühlst Dich hier bei uns wohl!!!

Zu Deiner Problematik:

hm, das ist leider wirklich sehr, sehr schwer öfter wieder Freude zu empfinden. Manchmal empfindet man dann die Hausarbeit u.ä. als reine Routine und ist heilfroh, wenn man es erledigt hat. Vielleicht hilft es Dir ja wirklich, wie schon erwähnt, mal Auszeiten zu nehmen. Mehr für Dich selber zu tun - einfach mal zu entspannen.
Es ist so wichtig, dass Du auf Deine Bedürfnisse acht gibst. Wobei das eben meist leichter gesagt als getan ist. Lass die Arbeit Dich nicht so überrollen.

Aber eine Sache.... Du beschreibst, Du hast Angst vor dem Autofahren? Wovor genau hast Du da Angst? Dass etwas passiert - ein Unfall? Oder fühlst Du Dich einfach unsicher hinter dem Steuer?

Und wenn Du weiter Fragen hast - wir sind gerne für Dich da!

Liebe Grüße
Pandoras

04.07.2012 23:35 • #5


N
Vielen lieben Dank für Eure Kommentare! Dieser Austausch an sich hilft mir bereits.
Ihr habt Recht, ich muss etwas angenehmes für mich tun. Hoffentlich gelingt mir das. Mir macht eben die Tatsache zu schaffen, dass ich wenig soziale Kontakte habe, deshalb bin ich auch hier...
Ich gehe bereits jeden morgen walken. Ab und an kommt meine Nachbarin mit...
Beim Autofahren habe keine konkrete Angst, die das Unfallbauen betrifft. Es begleitet mich immer eine große Unsicherheit. Zuerst betraf das nur weite Strecken und jetzt habe ich schon bei kurzen Sterecken Angst. Morgen ist meine nächste Therapiesitzung, da möchte ich dieses Problem auch ansprechen.
Ich freue mich auf weitere Anregungen von Euch!

Liebe Grüße!
Natie

05.07.2012 06:59 • #6


Pandoras
Ja genau. Besprich das mal mit Deinem Therapeuten! Ich würde Dir dann vielleicht raten, erstmal auf das Auto zu verzichten, wenn es geht natürlich.
Vielleicht hat ja Dein Therapeut weitere Ideen dazu oder Anregungen.

05.07.2012 16:34 • #7


Fjölnir
Hallo Natie
Ich kann recht gut verstehen was du meinst. Ich selbst leide seit der frühen Kindheit an Depressionen, welche ebenfalls nicht behandelt wurden. Erst nach dem ersten Suizidversuch mit 16 wurde ich in eine Klinik eingewiesen, und dort kam dann so einiges ans Licht.
Auch ich habe eine wunderbare Frau, liebe Katzen, ein Häuschen...alles ist perfekt. Sollte man zumindest meinen...Doch da ist immer eine Stimme in mir die alles madig reden möchte. Manchmal mit mehr erfolg, manchmal mit weniger. Doch weg ist sie eigentlich nie. Angst das alles vielleicht zu verlieren? Ich kann es so genau nicht sagen. Doch meine Vermutung geht in eine solche Richtung.
Die Zukunftsängste kenne ich ebenfalls. wenn auch erst seit etwa einem Jahr. Vorher war ich eigentlich eher froh wenn ich mir vorgestellt hatte das das Leben nicht allzu lange dauert. Mittlerweile bekomme ich regelrechte Panikattacken wenn ich mir vorstelle, irgendwann sterben zu müssen. Ich denke einfach das ich zu wenig Zeit habe. Wofür kann ich nicht sagen. Es ist nicht die Zeit um irgendetwas nachzuholen oder sowas. Eher der Gedanke das ich dann nicht mehr da bin und miterleben kann. Ich verstehe es selbst nicht so ganz und es stellt auch mich vor ein ganz grosses Rätsel.
Sei dir nur sicher das du nicht alleine bist.

06.07.2012 06:10 • #8


N
Hallo Fjölnir,
Danke für deine Antwort. Das hat mich sehr gefreut!
Du hast Recht, es stellt sich einfach keine Lebensfreude ein (zumindest bei mir) egal was man hat. Ich habe übrigens auch einen Kater ;-).
Auch ich hatte früher keine derartigen Zukunftsängste wie heute, denn auch ich hoffte immer, dass mein Leben möglichst schnell vorbei sein würde. Ich hegte ca. 20 Jahre lang ebenfalls Suizidgedanken. Auch heute noch bekomme ich keine Angst, wenn ich ans Sterben denke. Irgend wie habe ich noch keinen Lebensmut gefunden und lebe immer noch eher ungern (leider!). Ich merke, dass ich super ängstlich geworden bin. Ich weiß auch nicht was mit mir los ist. Einfach alles macht mir Angst und bedrückt mich.
Weiß du eigentlich was der Auslöser für deine so frühen Depressionen war?

Liebe Grüße!
Natie

06.07.2012 07:02 • #9


Fjölnir
Leider kenne ich die Ursache nicht. Es gibt nur Spekulationen.
Das Problem ist, das ich mich erst ab meinem siebten Lebensjahr erinnern kann. Was davor war...ich weiss es einfach nicht. Natürlich habe ich meine Eltern gefragt. Die Antwort war stets: Frag deinen Vater/Frag deine Mutter. Meine Eltern haben sich früh getrennt. Durch meine Oma konnte ich dann ein wenig erfahren. Es war wohl keine besonders schöne Kindheit.
Früher dachte ich immer ich wäre einfach nur ein wenig melancholisch. Doch das hat sich dann geändert als ich eingewiesen wurde. Da erst hatte sich dann auch rausgestellt, das mein Gedanke, es wäre nicht schlimmes wenn man sich den Arm aufschneidet, falsch war :-D

Ja, Ängste sind etwas schlimmes. Angefangen mit Verlustängsten bis dann eben hin zu Zukunftsängsten. Ich fühle mich da stets so ausgeliefert.
Meine Partnerin ist eine sehr verständnisvolle Frau. Doch hat sie nie etwas mit Depressionen oder ähnlichem zu tun gehabt. Daher kann sie es natürlich auch nicht nachvollziehen wie es ist wenn eine solche Phase kommt. Und ich für meinen Teil hasse mich dann selbst weil ich eine so arge Last für sie bin. Auch wenn ich ganz genau weiss das es absolut unbegründet ist und sie mir schon öfter gesagt hat das ich mir da keine Gedanken machen muss

06.07.2012 07:34 • #10


N
Ja,so eine Einweisung kann schon was bewirken. Bei mir war das auch so. Der Aufenthalt in der Klinik war der Anfang von meiner erfolgreichen Therapie. Dis dahin erfuhr ich leider keine richtige Hilfe. Aber 20 Jahre Krankheit kann man auch nicht mit einem Wisch weg diskutieren...
Auch mein Mann ist sehr sehr vertändisvoll und auch ich fühle mich als eine Last, weil ich ständig negativ empfinde. Für den Partner ist es alles andere als einfach...

Zur Zeit sieht es so aus, dass ich mein Medikament umstellen soll. Meine Therapeutin sieht es so. Das jetztige Antidepressiva ist wohl nicht ganz das richtige. Zusätlich muss ich auch ein Neuroleptikum nehmen.
Wie ist es mit dir? Bist du gut auf Medis eigestellt? Ich finde, dass es sehr wichtig ist (zusätzlich zu einer Therapie).

06.07.2012 11:48 • #11


Fjölnir
Ich habe lange Zeit Medikamente genommen. Mir ging es dadurch zwar etwas besser, doch habe ich mich stets betäubt gefühlt. Ich wollte mich klar erleben. Also habe ich die Antidepressiva abgesetzt und angefangen mich mit mir und der Depression ohne diese betäubung auseinanderzusetzen. Natürlich war es alles andere als einfach. Auch die emotionalen Schmerzen waren sehr hart. Doch ich muss sagen das es geklappt hat. Ich bin bei weitem noch nicht am Ziel, nur weil es vielleicht ein wenig besser läuft. Eher stehe ich noch ganz am Anfang.
Ich mache nun seit ca. 2 Monaten eine ambulante Therapie. Ich bin überrascht wie schnell sich da Teilerfolge bekennbar machen. Ohne die extreme Zeit des Selbstfindens und des auslotens der eigenen Schmerzgrenze hätte es glaube länger gedauert. Vielleicht fange ich nun im Verlauf der Therapie wieder mit dem Krückstock Antidepressiva an. Ich weiss ja nicht was mich im Hinblick auf Kindheitsbewältigung erwartet. Vielleicht kommen einige Sachen zum Vorschein die bislang unter dem Mantel der Amnesie verborgen lagen. Das könnte dann natürlich ein wenig hart werden. Doch an diesem Punkt bin ich noch nicht.
Für mich ist es wichtig das ich einige Sachen gefunden habe mit denen ich mich etwas stabilisieren kann. Zeichnen, heimwerken, kochen... . Auch durch unsere 11 Katzen schöpfe ich stets etwas Kraft. Und natürlich das klar-machen: Ich habe in meinem Leben schön soooo viel erlebt und vor allem ÜBERLEBT! Der Gedanke bezweckt bei mir sehr viel.

06.07.2012 12:11 • #12


N
Wow, 11 Katzen :-) alle Achtung!
Mich hat bei den Antidepressiva am meisten gestört, dass sie mich so unglaublich müde gemacht haben. Deshalb setzte ich sie ebenfalls für eine Zeit lang ab, aber es hat ohne nicht funktioniert. Aus diesem Grund nehme ich wieder Antidepressiva, doch sind es wohl nicht die richtigen. Mal schauen, ob es beim nächsten Anlauf klappt. Schlimm sind leider die Nebenwirkungen, die über die Anfangszeit der Einnahme auftreten. Da werde ich wieder durch müssen.
Ich finde es toll, dass du für dich DInge gefunden hast, die dich aufbauen. Das ist nämlich etwas was mir noch fehlt. Obwohl mich natürlich meine Familie sehr bereichert, aber auch fordert. Außer meinen Kinderchen und meinem Mann, habe ich ganz tolle Eltern und Schwiegereltern, die uns immer unterstützen. Dafür bin ich dankbar.
Ich hoffe, du hast weiterhin Erfolg bei deiner Therapie! Würde mich sehr interessieren wie es weitergeht bei dir...

Liebe Grüße!

06.07.2012 14:57 • #13


Fjölnir
Ja, die Nebenwirkungen sind schon ein Ärgernis. Doch waren sie bei mir nicht nur am Anfang. Sie waren die ganze Zeit da. Das war auch ein Grund warum ich sie nicht mehr nehmen wollte. Und nachdem ich sie dann abgesetzt hatte kamen die Absetzerscheinungen. Eine komische Sache bei Medikamenten die angeblich nicht abhängig machen... . Doch das ist ja auch nur meine Erfahrung. Vielleicht habe ich auch nur falsch auf das Absetzen reagiert ;-)Immerhin habe ich nun endlich einen Therapeuten den ich als kompetent erachte und hoffe er verweisst mich im Falle eines Falles an einen ebenso kompetenten Psychiater wenn es doch zur Einstellung auf ein Medikament kommen sollte. Allerdings werde ich mich nur auf eine vorübergehende Medikation einlassen.
Familie ist wirklich was wichtiges. Leider ist das in meinem Fall kein gutes Verhältnis. Die einzige Person, mit der ich aus der Familie kontakt habe ist meine Oma. Der Vater ist bereits tot und die Mutter hat wohl genug eigene Probleme. Zumindest habe ich meine Partnerin und die Katzen :-)
Gerne werde ich dich auf dem laufenden halten was der Fortschritt meiner Therapie angeht. Auch an deinem Weiterkommen wäre ich natürlich interessiert. Habe ich ja sonst niemanden mit dem ich mich über Erfahrungswerte austauschen könnte :-)

06.07.2012 15:43 • #14


A


Hallo Natie1978,

x 4#15


N
Oh ja, die Absetzerscheinungen hatte ich ebenfalls. Aber ich denke, dass es bei jedem Medikament anders ist. Während ich bei meinem ersten Antidepressiva heftige Einstellungs- sowie Absetzerscheinungen hatte. Hatte ich bei meinem letzten Medikament (das leider nicht besonders hilft) kaum Nebenwirkungen. Deshalb bin ich ein wenig traurig, dass ich es wechseln muss. Bei dem nächsten werde ich bestimmt wieder mit Nebenwirkungen kämpfen müssen.
Für dich hoffe ich, dass du es ohne Medis schaffst! Das wäre der Idealfall. Solltest du jedoch irgendwann auf Medis angewiesen sein, hilft dir vielleicht der Gedanke, dass es unterschiedliche gibt und welche, die zu dir besser passen als andere. Dann wärst du bei der Einnahem vielleicht nicht mehr so betäubt.
Du hast ja einen kompetenten Therapeuten, er wird dir schon zur Seite stehen. Ich kann über meine Therapeutin auch nicht klagen. Bin sehr froh sie zuhaben...
Was für eine Art Therapie ist es, die du machst. Eine Verhaltenstherapie? Die mache ich z.B.. Mit welchen Ansätzen arbeitet dein Therapeut? Ist er verbal aktiv während der Stunde oder hört er eher nur zu? Meine Therapeutin redet sehr viel mit mir. Das hilft mir auch sehr. Man nimmt aus der Stunde wirklich was mit.

Ich freue mich richtig darüber einen Autauschpartner hier gefunden zu haben. Da hat sich die Anmeldung hier doch gelont.

06.07.2012 17:52 • #15

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