Zitat von Michael808:Ich arbeite zum Beispiel mit einem Mann zusammen, . . . . Ich könnte mir vorstellen, dass es ihm vielleicht sogar lieber wäre, von einer Frau behandelt zu werden.
Daraus hatte ich geschlossen, dass er zzt. von dir behandelt wird und du eben Therapeut sein müsstest. War dann wohl ein Missverständnis. Deine Signatur habe ich auch jetzt erst gelesen.
Abgesehen davon fände ich es mal interessant, die ganz persönliche Wahrnehmung von Therapeuten zu hören, also abseits von fachlichen Aspekten. Arbeitet z.B. ein männlicher Therapeut lieber mit Männern, eine Therapeutin mit Frauen? Oder eben gerade nicht? Und warum? Denn bei aller Professionalität steckt
ja doch ein Mensch im Therapeuten, mit eigener Geschichte und eigenen Gefühlen. Dementsprechend gibt es da ganz sicher auch wieder viele Varianten.
Zitat von Michael808:Darf man als nicht-Therapeut etwa nicht über sowas nachdenken? Dafür sehe ich keinen Grund.
Klar darf man. Warum denn nicht?
Zitat von Frederick1:Es gibt nicht den typischen Mann, die typische Frau, sondern eine große Vielschichtigkeit. Auch wenn unsere Eltern uns früher oft in eine bestimmte weibliche oder männliche Richtung erzogen haben.
Ganz genau darauf will ich ja hinaus, danke Frederick! Jeder von uns hat ein Mann- Frau-Bild gelernt, von seiner Umgebung vorgelebt bekommen, seine eigenen Erfahrungen gemacht und eigene Vorstellungen dazu entwickelt. Das interessiert und beschäftigt mich. Indem ich lese, wie andere das erleben oder erlebt haben, sehe ich meine eigenen Erlebnisse aus einem anderen Blickwinkel und das kann mir helfen, mich selber besser zu verstehen.
Beispiel: meine Eltern - glückliche harmonische Ehe, 50 Jahre lang, wirklich nachahmenswert.
Kindliche Vorstellung: später werde ich genauso wie meine Mutter und finde einen Mann wie meinen Vater.
Der Haken in meinem Fall: ich bin meiner Mutter gar nicht sehr ähnlich, rein äußerlich schon nicht.
Also findet ein Mann wie mein Vater mich nicht toll.
Ich habe sehr lange gebraucht, um meine eigenen Qualitäten schätzen zu lernen. Und ich merke, dass mein Umgang mit Männern auch heute noch oft von den alten Geschchten beeinflusst wird. Männern gegenüber bin ich immer noch kritischer und schneller genervt, als das bei Frauen der Fall ist. Mir ist schon klar, dass der jeweils betroffene Mann nichts dafür kann und ich gebe mir Mühe, es ihn nicht so merken zu lassen
Aber es ist halt nicht so einfach, aus dieser alten Haut rauszukommen.
Zitat: wenn unsere Eltern uns früher oft in eine bestimmte weibliche oder männliche Richtung erzogen haben.
Da waren meine Eltern liberal. Meine Mutter fand es schon damals bescheuert, dass bei uns in der Schule die Mädchen Handarbeit hatten und die Jungen Werken. Darum hatte ich meinen Laubsägekasten zu Hause und konnte mich damit ausleben.
Hätte mein Bruder allerdings Neigungen zum Stricken gezeigt oder sich Puppen gewünscht, weiß ich nicht, ob sie das nicht doch komisch gefunden hätten.