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Mein Mann hat Depression weiß nicht mehr, was er will

N
@Janchen09

Ich weiß tatsächlich gar nicht ob sie im Moment Tabletten nehmen muss. Das kann ich dir gar nicht sagen ob das aktuell so ist.

Für diese Situation kannst weder du was noch ich kann da was für.

Ich mache schon so viel für mich in den letzten Tagen. Aber ich muss dennoch immer wieder an sie denken und wenn ich das mache dann geht es mir schlecht.

26.08.2021 10:55 • #16


Greta
Hallo ihr Zwei

ich klinke mich hier mal ein als Betroffene der anderen Seite, d.h. in meiner Partnerschaft bin ich diejenige welche an einer Depression erkrankt ist.
Vieles, was vor meiner Erkrankung kein Problem war, geht aktuell nicht mehr.
Für gemeinsame Unternehmungen, vor allem, wenn noch andere dabei sind, fehlt mir die Kraft.
Manchmal kann ich morgens kaum aufstehen, weil ich mich fühle, als hätte mich nachts ein Bus überfahren.
Meine Konzentration hat deutlich nachgelassen; oft fällt das Lesen schwer und Fernsehen strengt mich an, weil irgendwie alles so auf mich einströmt. Bei Gesprächen schaltet sich mein Kopf zwischendrin immer irgendwie ab, so dass ich schlecht folgen kann. Und manchmal bin ich einfach nur traurig, niedergeschlagen, sehe alles schwarz und will dann am Liebsten von der Welt nichts mehr sehen.
Mein Partner versucht, mich zu unterstützen, mich aufzumuntern, mich zu motivieren. Aber auch das empfinde ich als anstrengend, wenn da jemand immerzu an mir herumzerrt. Dann denke ich: Lass mich doch einfach mal eine Weile in Ruhe!
Gleichzeitig spüre ich bei meinem Partner aber auch die Sorge um mich, seine Hilflosigkeit, und dass er die alte Greta vermisst.
Oft versuche ich, mich irgendwie zusammenzureißen, zu funktionieren. An guten Tagen klappt das manchmal, an schlechten gar nicht. Und auch das Funktionieren müssen/wollen kostet mich viel Kraft, die ich im Moment einfach nicht habe.
Ich liebe meinen Partner sehr, aber ich bin häufig regelrecht erleichtert, wenn er nicht da ist. Weil ich dann nämlich ganz ICH sein kann, also die, welche ich jetzt gerade bin: erschöpft, müde, ruhebedürftig. Weil ich mich dann nicht erklären muss (Depression ist ohnehin schwer zu erklären für jemanden, der das noch nie erlebt hat), weil ich dann nicht reden muss und auch, weil ich ihn dann nicht beruhigen muss. Ich habe derzeit keine Energie für seine Sorgen um mich.
Und auch das: wenn ich versuche, zu erklären, fühle ich mich gleichzeitig so schwach und klein. Denn ich sage ja Dinge wie ich bin traurig, ich bin müde, ich habe keine Kraft, ich habe Angst ....

Mit meiner Mutter, die in der unteren Wohnung hier im Haus lebt, geht es mir ähnlich.
Manchmal mag ich ja tagelang niemanden sehen und ziehe mich völlig zurück.
Wenn ich dann wieder auftauche, kommen die besorgten Blicke und die Fragen. Geht es dir nicht gut? oder Wir haben uns diese Woche noch gar nicht gesehen? Immer!
Dann habe ich das Gefühl, ich muss mich auch noch rechtfertigen; muss erklären, was so schwer zu erklären ist.
Da würde ich dann am liebsten gar nicht mehr zu ihr runtergehen.

Dazu kommt das schlechte Gewissen und die Scham, weil die anderen soviel Rücksicht nehmen müssen, weil ich nicht mithalten kann, weil ich soviel Ruhe brauche, weil ich einfachste Dinge nicht erledigen kann.

Ich versuche, meine Erkrankung zu akzeptieren und wünsche mir sehr, die anderen würden das auch tun.
Hätte ich einen doppelten Beckenbruch (was Gott verhüten möge) wäre es für jeden klar, dass ich im Moment keinen Marathonlauf durch den Wald schaffe und jeder würde sagen, lass es langsam angehen und werd' erstmal in Ruhe wieder gesund. Und niemand käme auf die Idee zu sagen: Marathon ging ja gestern nicht, aber heute kannst du doch wohl mit zur Radtour.

Kurz und gut: Ein Rückzug/Kontaktabbruch in der Depression ist erstmal überhaupt nichts negatives. Der/die Erkrankte braucht einfach nur ganz viel Zeit und Ruhe für sich selbst und sein/ihr Gesundwerden, und dazu gehört manchmal auch, dass man sich für eine Weile klar und deutlich von den Wünschen, Sorgen, Bedürfnissen der anderen (auch der Familie und des Liebsten) abgrenzen muss.

Für die Angehörigen ist das natürlich schwer auszuhalten (ich kenne auch die andere Seite). Aber nur wenn der Kranke lernt, gut für sich selbst zu sorgen, kann er wieder gesund werden und hat dann irgendwann auch wieder Kraft für die anderen.

Liebe Grüße
Greta

26.08.2021 11:52 • x 8 #17


A


Hallo Janchen09,

Mein Mann hat Depression weiß nicht mehr, was er will

x 3#3


Silentium
Zitat von Greta:
Hallo ihr Zwei ich klinke mich hier mal ein als Betroffene der anderen Seite, d.h. in meiner Partnerschaft bin ich ...

Besser hätte man die Sicht eines depressiven Menschen nicht beschreiben können. Ich kann mich da nur anschließen

26.08.2021 12:04 • x 3 #18


N
@Greta danke für deine ausführliche Antwort. Das hat mir sehr geholfen sie besser zu verstehen. Als Außenstehender kann man das sowieso schwer einschätzen.

Wie ist denn deine Einschätzung. Wie lange geht so ein kontaktverbot?

26.08.2021 12:09 • x 1 #19


Silentium
Zitat von narcorit:
@Greta danke für deine ausführliche Antwort. Das hat mir sehr geholfen sie besser zu verstehen. Als Außenstehender kann man das sowieso schwer ...

Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich mich da einklinke.

ich denke, das kann man nicht pauschal sagen wie lange die Betroffene Person sich zurückzieht. Bei einer Depression kann man leider nicht sagen: ach in ca 2 Wochen bist du geheilt. Das kommt drauf an, wie schwer die Depression ist, in welcher Phase die Person ist und wie sie damit umgeht. Das ist ganz individuell und man kann es deshalb nicht abschätzen.

26.08.2021 12:15 • x 4 #20


J
Ich bin euch gerade so dankbar endlich habe ich das Gefühl, mit dem Thema nicht mehr so allein zu sein es ist so "schön", dass man sich hier austauschen kann

26.08.2021 12:20 • #21


N
@Silentium Allzu lange kann es ja nicht mehr dauern, das kontaktverbot besteht seit 2 Wochen und der Aufenthalt geht noch 3 Wochen. Die bisherigen 3 Wochen kamen mir aber wie eine halbe Ewigkeit vor.

26.08.2021 12:20 • x 1 #22


N
@Janchen09 Ohja, da stimme ich dir vollkommen zu. Der Austausch tut mir zumindest unheimlich gut.

26.08.2021 12:21 • x 1 #23


J
Zitat von narcorit:
@Janchen09 Ich weiß tatsächlich gar nicht ob sie im Moment Tabletten nehmen muss. Das kann ich dir gar nicht sagen ob das aktuell so ist. Für ...
das verstehe ich. Du liebst sie eben, du vermisst sie und hast Angst, sie zu verlieren. Aber es wird sicher besser, es dauert nur etwas

26.08.2021 12:22 • #24


N
@Janchen09
Mittlerweile ist es ja auch schon besser geworden. Ich habe wieder einen ganz normalen Appetit. Nur schlafen ist immer noch ein großes Problem.

26.08.2021 12:24 • x 1 #25


J
Zitat von narcorit:
@Janchen09 Mittlerweile ist es ja auch schon besser geworden. Ich habe wieder einen ganz normalen Appetit. Nur schlafen ist immer noch ein großes ...

Das ist doch schonmal ein guter Anfang. Ja, das Schlafen ist eben ungewohnt, wenn man sonst auch zu zweit im Bett lag oder eben auch jetzt so viele Gedanken in einem schwirren. Man hat so viele Fragen, es gibt aber keine Antworten. Man fragt sich dennoch die gleichen Fragen immer wieder und versucht sie sich dann selbst zu beantworten (ich mach dann den Fehler und beantworte meine Fragen selbstwas manchmal sehr gefährlich ist Schwarzmalerei..)

26.08.2021 12:28 • x 1 #26


N
@Janchen09

Ja den Fehler begehe ich tatsächlich auch sehr oft. Abends versuche bzw denke gar nicht mehr daran, aber im Schlaf kann ich das gar nicht kontrollieren. Oft wache ich mit Albträumen und schweiß gebadet wieder auf.

26.08.2021 12:31 • x 1 #27


J
Zitat von narcorit:
@Janchen09 Ja den Fehler begehe ich tatsächlich auch sehr oft. Abends versuche bzw denke gar nicht mehr daran, aber im Schlaf kann ich das gar nicht ...

Jadie Träume sind böse dein Körper und dein Geist sucht sich eben auch seinen Weg, alles zu verarbeiten

26.08.2021 12:39 • #28


J
Ich habe Angst, dass durch alles, was zuletzt war, die Familie zu Bruch geht, bzw. Unsere Beziehung. Die letzten Wochen, bevor er in die Klinik ging, war er ganz schlimm drauf, es ging ihm sehr schlecht. Aber er hat es ziemlich an mir ausgelassen. Er hat mich glaube ich auch benutzt, S. war eine Art Ventil für ihn - aber er fühlte nicht mehr das, wie vor seiner Depression. Er hat auch eine Schachtel am Tag geraucht. Er rauchte sonst nie!

26.08.2021 12:41 • #29


A


Hallo Janchen09,

x 4#15


N
@Janchen09

Ich habe wegen den Schlaf Problem für heute auch einen Termin mit meiner Ärztin/Psychotherapeutin. Ich hoffe du kann mir irgendwas geben, damit ich zumindest einmal durchschlafen kann.

26.08.2021 12:42 • x 1 #30

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