Wie bekommt man sein Selbstvertrauen zurück? Ich war 8 Jahre mit einer Borderlinerin verheiratet und war am Ende depressiv und hatte mein komplettes Selbstvertrauen verloren. Jetzt habe ich es wieder zurück, aber wie habe ich das eigentlich geschafft? Ich glaube, es kam letztendlich dadurch, dass ich meine selbstzerstörerischen Grundannahmen aufgedeckt hatte, die ich mir als Kind zugelegt und dann nie hinterfragt hatte. Da kamen solche Dinge ans Tageslicht wie:
- Du musst Dich verstellen, damit keiner merkt, dass Du in Wahrheit wertlos und nicht liebenswert bist.
- Wenn Du Dich zu weit aus dem Fenster lehnst, kann Dir jederzeit aus heiterem Himmel eine Strafe drohen.
- Du hast es verdient, wie ein Fußabtreter behandelt zu werden.
- Mit Dir stimmt etwas nicht.
Das war und ist ein schmerzhafter Prozess, sich diesen Dingen zu stellen, aber er ist auch sehr nachhaltig. Wenn man noch zu viele Leichen im Keller hat, ist man im ewigen Kampf mit sich selbst, und das kostet ohne Ende Kraft.
Gleichzeitig habe ich versucht, immer wieder Dinge zu tun, die nur für mich sind und die keinem anderen Zweck dienen außer dem einen: dass es mir gut geht. Ich habe kochen gelernt, bin selbstständiger geworden, habe auf Arbeit mehr Verantwortung übernommen, bin mutiger geworden und habe gelernt, mit meinen Ängsten umzugehen. Ich versuche auch immer wieder, in Meditationen und Entspannungsübung in Kontakt mit meiner inneren Mitte zu kommen. Ich habe gelernt, mehr innere Distanz zu meinen Emotionen und Gedanken zu halten, damit keins von beiden mich verschlingt, was mir früher öfter passiert ist. Gleichzeitig versuche ich aber, sie nicht zu verdrängen, was ich früher auch häufig getan habe, sondern sie einfach da sein zu lassen. Ich habe nach der Trennung und meiner anschließenden Genesung auch wieder mehr Verantwortung für meine Kinder übernommen. Ich bin außerdem ehrlich zu mir selbst geworden und habe meine Angst vor der Wahrheit abgelegt. Und ich habe den Mut gefunden, meinem Herzen zu vertrauen und ihm alle wichtigen Entscheidungen zu überlassen. Ich habe mich gegen die Angst und für die Liebe entschieden. Ich habe das Rauchen aufgegeben und alle falschen Freunde aus meinem Leben entfernt, danach aber neue, bessere Freunde gewonnen, die es wirklich von Herzen gut mit mir meinen. Und ich habe vor 2 Jahren begonnen, in die Kirche zu gehen, obwohl ich gar nicht getauft bin. Und ich versuche, alles ganz in Ruhe zu tun, ohne Hektik oder Druck, jedenfalls so weit es der Alltag als Vollzeit Berufstätiger mit 2 Kindern zulässt.
All das hat mich Jahre harter Arbeit gekostet, und ich habe diesen Weg nicht mal annähernd hinter mich gebracht, sondern habe das meiste immer noch vor mir. Aber wozu sind wir denn auf dieser Welt, wenn nicht genau dafür, uns weiterzuentwickeln und immer weiter in den Frieden und den Einklang mit uns selbst zu kommen, damit wir eines Tages glücklich und mit erfüllten Herzen sterben können. Ich habe das zu meiner Haupt-Lebensaufgabe gemacht. Ich glaube, das hat mich letztendlich geheilt, und daraus beziehe ich auch mein Selbstvertrauen.
Das war mein Weg. Deiner könnte natürlich ein ganz anderer sein. Aber wäre es nicht spannend, das herauszufinden? Wäre das nicht gut investierte Zeit? Und in Deiner Situation um so mehr, da es wie gesagt momentan für Dich und auch für Eure Beziehung sehr wichtig ist, dass Du Dich mehr Dir selbst zuwendest und nicht ständig über ihn nachdenkst und damit alles nur schlimmer machst.
08.08.2013 21:04 •
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