72

Mein Mann trinkt jeden Tag und ist depressiv

F
Hallo,

Ich hoffe, dass jemand mir hier helfen kann. Mein Mann und ich sind ca. 8 Jahren zusammen. Alle sehen uns als perfektes Paar, wir sind beste Freunde, und eigentlich streiten fast nie. Und wann nur wegen seiner Alk.. Leider habe ich in dieser ganzen Zeit ihn vielleicht nur ein paar wenige Tage ohne Alk. erlebt.

Ich schätze, dass er zwischen 5 und 10 B. pro Tag trinkt aber ich weiß es nicht, da er ständig in einem Bar sitzt. aber irgendwie schlimmer dazu kommt, dass er sehr depressiv ist und ihn geht es einfach überhaupt nicht mehr gut. Ich merke das und es bedruckt mich extrem. Ich habe ihn mehrmals weinend gebeten, dass er etwas dagegen tut aber er meint, dass eine Therapie ihn nicht hilft, da er in der Vergangenheit eine gemacht hat und er kennt seine Probleme. wenn es eine Lösung geben würde, hätte er es schon gemacht

Als wir uns kennengelernt haben war er sehr selbstbewusst, war gerne unterwegs und einfach eine ganz andere Mensch. Er hat trotzdem getrunken aber es war immer erst am Abend und eher nur bis zum 4 B. pro Nacht.

Ca. 2 Jahren nach wir uns kennengelernt haben hat er einem Jobwechsel gemacht, wo er viel verdient hat aber Tag und Nacht arbeiten musste. Geld war mir überhaupt nie wichtig aber für ihn ist es sehr wichtig, ein Versorger zu sein. Nach 2 Jahre in dieser Position ist er ins Burnout gegangen und ist dann auch ca. 2 Jahre arbeitslos gewesen. In dieser Zeit hat er angefangen auch untertags zu trinken. Er hat dann versucht wieder Jobs zu finden aber ist öfters abgesagt worden, da der Markt einfach derzeit nicht besonders gut war (und er immer viel Geld verdienen wollte).

Nach ca. 5 Monate suchen ist er zu seiner letzten Firma zurück gegangen und jetzt hasst er sein Job. Er traut sich aber nicht etwas anders zu probieren, da sein selbstbewusst sein so am Boden ist.

In der Zwischenzeit habe ich sehr viele berufliche Erfolg erleben können und verdiene mittlerweile mehr als er, was ihn sehr stört. (auch, wenn er es nur teilweise zugibt) er meint, dass er Versorger sein will und, dass ich ihn nicht brauche. Ich versuche es ihn immer klar zu machen, dass ich ihn liebe nicht wegen was er für mich tut sondern wer er ist aber es kommt einfach nicht an. Ich liebe ihn. Ich bin aber nicht bereit mein Job aufzugeben mit der Hoffnung, dass es ihm besser geht. Noch dazu wollten wir ein Kind und er sagt alles wird ändern, wenn das Kind da ist. Ich will das glauben aber ich denke, dass das ein Irrtum wäre.

Ich bin mittlerweile echt verzweifelt und weiß nicht was ich tun sollte. Er ist echt liebenswert und ein herzensguter Mensch aber ich bin mit meiner Latein am Ende. Ich will ihn nicht verlassen, da ich an ihm nach wie vor glaube. Aber alles zusammen ist mir zu viel.

Ich habe Jahre lang unsere Freundeskreis, meine Familie und einfach jeden angelogen, wann sie nachgefragt und habe immer versucht seine Probleme hinunter zu spielen. Er sagt auch, dass alle so viel trinken und, dass ich einfach dramatisch bin. dann denke ich immer, dass es vielleicht einfach eine überreaktion von mir ist.

Was kann ich hier tun?!?

Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe.

21.03.2022 23:24 • x 2 #1


Jedi
Hallo @Frage

Herzlich Willkommen hier im Forum !
Wünsche Dir hier einen guten Austausch u. ein paar Dinge, die Dir villt. helfen können.

Zitat von Frage:
Nach ca. 5 Monate suchen ist er zu seiner letzten Firma zurück gegangen und jetzt hasst er sein Job.

Das ist natürlich ein möglicher Antreiber für sein trinken u. eine mögliche Depression.
Es ist sehr schlecht für die Seele, jeden Tag etwas tun zu müssen, was man hasst.
Dabei kann man sich physisch u. psychisch schnell erschöpfen !
---
Zitat von Frage:
Ich habe Jahre lang unsere Freundeskreis, meine Familie und einfach jeden angelogen, wann sie nachgefragt und habe immer versucht seine Probleme hinunter zu spielen.

Sicher ist, dass Du Dich da zum Co-Abhängigen gemacht hast, was für einen möglichen Suchterkranken
nicht gut u. hilfreich ist, um vom Alk. wegzukommen.
Aber es ist auch verständlich u. passiert gar nicht so selten in einer Beziehung.
Hilfreich ist, wenn Du diese Position aufgeben könntest !
-------------
Zitat von Frage:
Geld war mir überhaupt nie wichtig aber für ihn ist es sehr wichtig, ein Versorger zu sein.

Das sind noch veraltete männliche Vorstellungen u. gehören wohl zu seinen Glaubenssätzen.
Liegt oftmals in den männlichen Prägungen, die man erhalten hat.
Zitat von Frage:
Ich bin aber nicht bereit mein Job aufzugeben mit der Hoffnung, dass es ihm besser geht.

Davon würde ich Dir dringend abraten, da das sein Problem nicht verbessern würde.
----
Zitat von Frage:
aber er meint, dass eine Therapie ihn nicht hilft, da er in der Vergangenheit eine gemacht hat und er kennt seine Probleme.

Was ihm helfen würde, wäre eine klare Haltung von Dir (kein Alk. u. Hilfe suchen) - eine Entziehungskur u. Therapie,
um eine Diagnose stellen zu lassen, was eine mögliche Depression betreffen könnte.

Na, wenn er seine Probleme kennt, dann könntest Du es offen ansprechen u. gemeinsam eine Lösung suchen
u. dann doe nötigen Schritte dann unternehmen.

Waren jetzt so meine Gedanken dazu !

22.03.2022 14:29 • x 5 #2


A


Hallo Frage,

Mein Mann trinkt jeden Tag und ist depressiv

x 3#3


F
Vielen Dank für deine Antwort. Es hilft sehr. Ich habe über das Wochenende angefangen sehr offen darüber mit ihm zu sprechen... Er kommt zwar immer dann mit, ich bin nicht gut genug, und weil es dir so schlecht mit mir geht aber ich versuche jetzt stark zu bleiben und zu sagen, dass es mir momentan mit der Situation schlecht geht und ich will es nicht mehr unterstützen. Er ist zwar (glaube ich) ein bisschen böse auf mich aber ich denke, dass ich einfach die Zicke sein muss... Ansonsten befürchte ich, dass diese Spiral nach unten weitergehen wird. Danke nochmals für die Unterstützung. Es ist schwer für mich konsequent zu sein/ bleiben aber ich versuche es

22.03.2022 14:40 • x 3 #3


ZeroOne
Hallo @Frage ,

ich sehe das wie @Jedi :

Zitat von Jedi:
Na, wenn er seine Probleme kennt, dann könntest Du es offen ansprechen u. gemeinsam eine Lösung suchen
u. dann doe nötigen Schritte dann unternehmen.


Prinzipiell sollte die Erkenntnis und die Überzeugung etwas zu ändern, von deinem Mann ausgehen. Nur, wenn er selbst zu 100% dahinter steht, kann es langfristig ein Erfolg werden.
Versucht man, ihn zu überreden, oder er quält sich nur für jemand anderen, dann wird es früher oder später daneben gehen.

Ich wünsche dir viel Kraft!

22.03.2022 15:01 • x 3 #4


Jedi
Zitat von ZeroOne:
Versucht man, ihn zu überreden, oder er quält sich nur für jemand anderen, dann wird es früher oder später daneben gehen.

Stimmt u. Du kannst ihm gegenüber nur Deine Haltung klarmachen u. was für Dich in einer
Beziehung (Ehe) wichtig ist.

22.03.2022 15:12 • x 3 #5


Ralf_Refokus
@Frage Hallo!

ich sehe das wie Jedi und ZeroOne.

Was du in deiner letzten Nachricht geschrieben hast, klingt wirklich gut von dir und tapfer!
Wie Jedi schon so gut geschrieben hat: Deine klare Haltung ist jetzt wichtig.
Achte auch du gut auf dich. Hier geht es nicht nur um ihn, sondern ganz besonders auch um dich! Dass es dir gut geht und du deine Kraft und Energie behältst ist wichtig.
Er ist ein erwachsener Mann und grundsätzlich erstmal für sich selbst verantwortlich - auch wenn er offenbar gerade nicht gut mit sich umgeht - das klingt ja auch in dem Satz durch, dass er nicht gut genug für dich sei (diese Minderwertigkeitsgefühle könnten ein zentraler Punkt des ganzen Problems sein).

Alles was du tust, um ihn in seinem Verhalten zu unterstützen, wird ihn nicht weiterbringen (Thema Co-Abhängigkeit, wie Jedi schon geschrieben hatte...!).
Wenn er nichts verändern MUSS, wird er es vermutlich nicht tun (... denn er scheint es sich ja auch nicht selbst wert zu sein...). Menschen können sich ändern - vor allem dann (und meist NUR dann), wenn sie es MÜSSEN.

Also bleib stark und tu das, was du beschrieben hast: Bestärke ihn darin, dass er dir als Mensch wertvoll ist und dass du ihn liebst (und zeig ihm das) - aber mach gleichzeitig klar, dass du dieses VERHALTEN (trinken co) nicht mehr akzeptieren willst. (also trenne gedanklich den Mensch von seinem Verhalten).
Meiner Meinung nach sollte für ihn klar werden: er muss jetzt etwas tun, damit du bei ihm bleibst.

Es kann sein, dass er dann in sein Minderwertigkeitsgefühl rutscht und dir androht, dass es nur schlimmer mit ihm wird, wenn du gehst. Aber letztlich musst du immer zuerst an dich und dein Leben denken. Nur wenn du dieses Leben, wie es gerade ist, für dich nicht akzeptierst und klare Grenzen setzt, gibt es eine Chance, dass auch er was verändert...
Und dabei wird er eben (noch) eine Therapie bzw. einen Entzug machen müssen. Er muss sich seinen Problemen stellen, auch wenn es für ihn schmerzlich ist... Sie in Alk. zu ertränken, macht es nicht besser, sondern es wird immer schlimmer für ihn (auch die Selbstachtung schwindet immer mehr)...

Und über ein Kind nachzudenken, dass wäre für mich auch überhaupt nur ein Thema für nach der Therapie / Entzug... auch das könnte ja eine Motivation für ihn sein, das anzugehen und durchzuziehen, wenn er das will...

Falls du (gerne) liest und etwas mehr verstehen willst, was in Männern so vorgeht, kann ich dir das Buch Männerseelen von Björn Süfke sehr empfehlen (zur Begleitung).

Was ich dir auf jeden Fall auch raten kann:
kontaktiere eine Suchtberatungsstelle und lass dich auch dort beraten.

22.03.2022 15:33 • x 5 #6


Jedi
Zitat von Frage:
Er ist zwar (glaube ich) ein bisschen böse auf mich

Dann ist er böse auf Dich. Villt wird er Dir einmal dankbar sein dafür, dass Du eine klare Haötung gezeigt hast.
--
Zitat von Frage:
Ansonsten befürchte ich, dass diese Spiral nach unten weitergehen wird.

Da steht sehr zu vermuten !
------
Zitat von Frage:
Er kommt zwar immer dann mit, ich bin nicht gut genug, und weil es dir so schlecht mit mir geht

Das kannst Du ignorieren, da es nur sein eigenes Selbstbild von sich ist.
Es hat mit nicht genug sein oder das es Dir mit ihm schlecht geht, gar nichts zu tun.
Es ist die Sucht, die euer Leben negativ beeinflusst.
----
Zitat von Frage:
aber ich versuche jetzt stark zu bleiben und zu sagen, dass es mir momentan mit der Situation schlecht geht und ich will es nicht mehr unterstützen.

Richtig so @Frage - klare Haltung u. klare Ansage an Deinem Mann.
----
Zitat von Frage:
Es ist schwer für mich konsequent zu sein/ bleiben aber ich versuche es

Das glaube ich Dir u. verstehe Dich da auch.
Doch nur mit einer klaren Haltung u. Ansage, hilfst Du Deinem Mann damit - vergesse es bitte nicht, wenn Dir mal Zweifel
kommen sollten !

22.03.2022 15:43 • x 3 #7


B
Hallo,
du kannst für deinen Mann da sein,ihm zur Seite stehen.Hole dir Hilfe bei einer Beratungsstelle.Aber denke auch an dich.Nur dein Mann kann etwas ändern und das muss er auch wollen.Icj wünsche dir ganz viel Kraft und Glück.Auch wenn man in einem Forum, niemanden persönlich kennt...Es war gut und richtig hier zu schreiben.Der erste Schritt.Du bist nicht allein.
Alles Liebe für dich und deinen Mann,
Birga

22.03.2022 17:31 • x 2 #8


F
Vielen herzlichen Dank! Ich habe ihn heute gesagt, dass ich ihn nicht im Bar besuchen würde und mein Standpunkt klar gemacht. Er hat mir geschrieben: Persönlich glaube ich, dass du ein wenig übertreibst, aber ich schätze deine Unterstützung. Also, normalerweise wäre ich jetzt unsicher aber auch, wenn es wirklich nur 6 B. pro Tag ist, ist das zu viel.... Oder?

22.03.2022 18:05 • x 2 #9


B
Das ist leider definitiv zu viel

22.03.2022 18:07 • x 2 #10


Kate
Zitat von Frage:
wenn es wirklich nur 6 B. pro Tag ist, ist das zu viel.... Oder?

Die Frage ist ja auch, kann er denn überhaupt noch ohne? Wenn nicht, spielt es eine eher unwesentliche Rolle wie viel er trinkt, dann ist er alk.oholkrank.

Kann er es problemlos weglassen?
Will er es weglassen und so weiter.

Viele Grüße Kate

22.03.2022 18:14 • x 4 #11


Tealight
Zitat von Frage:
Vielen herzlichen Dank! Ich habe ihn heute gesagt, dass ich ihn nicht im Bar besuchen würde und mein Standpunkt klar gemacht. Er hat mir ...

Bei 6 B. am Tag, regelmäßig - spricht man schon von Alk. und es geht nicht mehr anders....
Dein Partner braucht einen starken Willen um vom B. zu lassen

22.03.2022 18:17 • x 1 #12


Ralf_Refokus
@Frage Auf jeden Fall zu viel... vor allem, wenn es täglich oder fast täglich ist. Es bedeutet eine Abhängigkeit und schadet auf Dauer auch der Gesundheit...

Was ich positiv finde ist, dass er dir ausdrückt, dass er deine Unterstützung schätzt. Auch dazu gehört ja schon mal was.

Vielleicht könnte er dir ja beweisen dass du übertreibst und im ersten Schritt schon mal einen Tag pro Woche auf B verzichten... - vielleicht würde er für den ersten Schritt ja diese Herausforderung annehmen.
Und an diesem Tag macht ihr gemeinsam bewusst was schönes bzw. mal was anderes als sonst - um aus dem Trott rauszukommen.
Um etwas zu verändern hilft es am besten etwas anders zu machen - auch wenn es erstmal etwas kleines ist und noch nicht das, was man als Ziel hat.

(Dennoch wird er Hilfe brauchen, um da wirklich raus zu kommen - aber ein erster Schritt könnte das ja sein)

22.03.2022 18:18 • x 2 #13


Jedi
Zitat von Frage:
Er hat mir geschrieben: Persönlich glaube ich, dass du ein wenig übertreibst,

Nun, dass ist seine Sicht, hat aber nichts damit zu tun, dass Du übertreibst
-------
Zitat von Frage:
aber ich schätze deine Unterstützung.

Das klingt schonmal Ok !
--
Zitat von Frage:
wenn es wirklich nur 6 B. pro Tag ist, ist das zu viel.... Oder?

Wenn es sich um eine Sucht hier handelt, dann spielen die 6 B.er nicht die Rolle, sondern der Umgang mit Alk.
u. ob eine Abstinenz, ein vernünftiger Umgang damit noch möglich ist.
Das wurde hier ja auch schon erwähnt.
Die Regelmäßigkeit u. Unkontrollierbarkeit macht Alk. zum Gift !

22.03.2022 18:28 • x 2 #14


A


Hallo Frage,

x 4#15


F
Vielen Dank... Ihr seid alle echt super! In der Vergangenheit habe ich es probiert mit einem Tag das B. weglassen usw. Aber am Ende des Tages hat es leider nie funktioniert. Manchmal reduziert er aber ganz weg lassen ist bis jetzt nicht gegangen... Er war dann immer einfach trotzig und sauer und, da ich wollte, dass er nicht böse auf mich ist, habe ich dann aufgegeben und er hat dann weiter getrunken. Aber das Schweigen zu brechen und Hilfe zu holen war ganz wichtig. Also, wirklich danke dafür. Meine ganze Familie lebt in den USA und ich bin alleine da (natürlich habe ich Freunde aber keine Familie) und vielleicht auch deswegen hatte ich immer Angst ihn zu verlieren ich weiß aber, dass es nicht so sein kann...

22.03.2022 18:41 • x 5 #15

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag