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Mutter mit Kleinkind - Burnout?

Mas83
Hallo zusammen,

Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe eine zwei Jahr alte Tochter und arbeite seit 6 Monate wieder Zeilteit. Meine Arbeit macht mir Spaß, aber ich bekomme einfache Sachen nicht mehr hin (Bestellungen z.B.). Ich arbeite mit Kindern und da ist immer Lärm. Zu Hause versuche ich immer alles zu machen, aber zu vieles bleibt liegen. Zudem ist meine Tochter ein Schatz, aber hängt nur an mir. Ich liebe meinen Mann, aber er arbeitet viel.

Ich habe in einem halben Jahr schon 10(!) Krankheitswochen. Ich bin beim Arzt auf allem getestet, nichts ist gefunden. Jetzt meinte meine Ärztin, vielleicht ist alles zu viel für mich.

Ich sage Verabredungen ab, gehe nicht mehr zur Sport, gehe früh ins Bett und bin trotzdem völlig erschöpft. Ich habe unerklärlichen starke Kopfschmerzen (war schon im MRT und CT) und fühle mich, alsob die Schwerterkraft mich zum Bodem zieht. Ich kann einfach nicht mehr, aber ich verstehe es nicht. Akupunktur hat auch nichts gebracht.
Wir haben keine Familie in der Nähe die uns unterstützen kann.

Ich bin zu müde zum Duschen oder auf zu stehen, aber ich muss einfach, weil ich Mutter bin. Und dann geht alles weiter. Und ich muss wieder weitermachen. Und irgendwie geht es in dem Moment. Wie immer. Mein Mann sagte, ich muss versuchen mich selber den Druck zu nehmen.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich habe heute schon bei mehrere Psychologen angerufen, aber keine ist dran gegangen. Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich gar nicht genug Kraft habe, zu einzelnen Sitzungen zu gehen.

Habt ihr vielleicht Tipps für mich? Ich bräuchte glaube ich eine konkrete Anleitung.
(Zum welchem Arzt, was kann ich für mich selber tun etc.)

Vielen vielen Dank

29.03.2019 11:01 • x 3 #1


Blume71
Guten Morgen Mas83,

schön, dass Du den Weg hierher gefunden hast.

Ich schreibe Dir als Mutter einer Kindergartentochter, die vor 3 Jahren die Diagnose Erschöpfungsdepression bekam.
Davor war ich lange Zeit immer wieder krank, merkte auch immer mal wieder diese Erschöpfung, konnte es jedoch nicht einordnen bis ein Psychiater die Diagnose stellte. Bei mir war immer wiederkehrender Schwindel ein Hauptsymptom.

Eine längere Krankschreibung, pflanzliche Antidepressiva und eine Mutterkindkur haben mir letztendlich geholfen, wieder stabiler zu werden. Ausserdem bin ich bis heute in ambulanter Therapie, welche mir gut tut.

Ich möchte Dir den Rat geben, so viel wie möglich in Dich herein zu horchen und versuchen, umzusetzen, was Dein Wunsch ist bzw. wonach Du Dich gerade fühlst und wenn es nur in der Sonne sitzen und einen Tee genießen ist. Vielleicht kannst Du Dir Hilfe bei der Betreuung Deiner kleinen Tochter holen? Ruhe Dich aus, wenn Dir danach ist.

Toll, dass Du Dich bereits um therapeutische Hilfe bemüht hast, vielleicht könntest Du jeweils Rückrufbitten auf dem AB hinterlassen oder bei Deiner Krankenkasse oder Hausarzt nachfragen, ob ein Therapeut mit freien Plätzen bekannt ist.

Ich verstehe, wie Du Dich fühlst, aber vertraue darauf, dass es besser wird. Die ersten Schritte sind getan.

Alles Gute Blume

29.03.2019 11:19 • x 3 #2


A


Hallo Mas83,

Mutter mit Kleinkind - Burnout?

x 3#3


Mas83
Liebe Blume, danke für dein Antwort. Wie hast du es konkret geschafft, raus zu kommen? Kriegt man das auch alleine hin?
Ich weiß gar nicht wann ich mich ausruhen kann oder nur einen Tee trinken. Ich habe keine Zeit für mich und möchte auch nicht dass unsere Kleine nach der Kita zusätzlich noch Fremdbetreuung bekommt. Vielleicht bin ich auch zu Perfektionistisch.

Hast du noch mehr Tipps vielleicht?

Wie schön, dass du es geschafft hast, dass freut mich.

29.03.2019 11:30 • x 1 #3


mutmacher
Hallo, lb. Mas,
die Idee mit der Mutter-Kind-Kur finde ich gut, frag doch mal Deinen HA danach, was er meint. Ansonsten würde ich Dir raten, mal das Blut untersuchen zu lassen, vlt. fehlt da was (z.B. Vitamin D) oder die Schilddrüse schafft nicht richtig, oder es liegt ein anderes Ungleichgewicht vor.

29.03.2019 11:41 • x 3 #4


Mas83
Liebe Mutmacher,
Ich bin schon auf alles mögliche getestet worden und meine Blutwerte sind gut. Sogar die Vitamin D Untersuchung habe ich letzte Woche gemacht .
Vielleicht sollte ich mich wirklich nach so einem Kur umschauen. Vielen Dank!

29.03.2019 11:56 • x 1 #5


Blume71
Hallo nochmal,

Zitat von Mas83:
Kriegt man das auch alleine hin?


Ehrlich? Das kann ich mir kaum vorstellen. Sicher wird es besser werden, aber wenn die Ursachen nicht behoben werden, kann es wieder kommen.

Erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt, das hast Du richtig gemacht. Dieser kann Dich auch erst einmal krank schreiben, damit Du zu Dir kommen kannst. Wie fühlt sich das für Dich an, erstmal daheim bleiben zu dürfen?

Wenn alle organischen Krankheiten ausgeschlossen wurden, kann ein Psychiater oder Neurologe die Diagnose stellen. Sofern eine längere Arbeitsunfähigkeit nötig ist, wollte meine Krankenkasse, dass dann die Krankschreibung durch einen Facharzt erfolgt.

Vielleicht könntest Du Dich mit Deinem Hausarzt noch einmal wg. einer Mutterkindkur besprechen. Fühl mal in Dich herein, ob Du Dich stabil genug dafür fühlst, oder ob evlt. noch andere Wege gegangen werden müssen.

Aber was an aller erster Stelle stehen sollte, ist in meinen Augen eine Krankschreibung sowie psychologische Begleitung, sicher kannst Du Dich da auch noch einmal mit Deinem Hausarzt besprechen.

Lieben Gruß Blume

29.03.2019 12:21 • x 1 #6


Mas83
Vielen lieben Dank, Blume.
Für mich ist die Krankschreibung immer auch einen Stressfaktor, da mein Kind in den gleichen Kindertagesstätte geht wo ich auch arbeite. Ich sehe dann immer meine Kollegen und viele Eltern und eine Kollegin meinte schon:Ich verstehe es nicht. Ich meine, du bist auch in der Lage dein Kind hierhin bringen.
Ich rufe heute nochmal bei einer Psychologin an.

29.03.2019 12:50 • x 1 #7


Blume71
Sicher ist das ein zusätzlicher Stressfaktor, wenn man in einer Arbeitsunfähigkeit wg. Burnout jeden Tag mind. 2 x seinen Kollegen begegnet.
Gäbe es eine Möglichkeit, dass jemand anderes die Kleine bringt und abholt? Evlt. der Papa, Oma, Opa oder eine andere KiGa-Mutter zu der Du Vertrauen hast?

Lieben Gruß Blume

29.03.2019 13:27 • x 1 #8


Alexandra2
Liebe Mas,
Lass Dir von der Kollegin die Erschöpfung nicht ausreden.
Kannst Du die Stunden für Deine Tochter erhöhen? Dann hättest Du 1 Std für Dich.
Überlege auch Richtung Burnout (sozial pflegerischer Beruf!) und Fibromyalgie. Da ist man auch schwer erschöpft, diese Diagnose wird vom Rheumatologen gestellt.
Du bist wichtiger, als der Haushalt. Deshalb kommst Du an erster Stelle und wenn es nur tgl 1 Stunde ist, wenn Dein Mann zu Hause ist.
Probiere es einfach aus.
Liebe Grüße
Alexandra

29.03.2019 13:31 • x 2 #9


Axel61
Als Mutter kann ich da ja nicht mitreden. Aber generell sieht es für mich so aus, alle müssten da Prioritäten gesetzt werden. Die zusätzlichen Aufgaben, die ein Kind mit sich bringt, muss man dann woanders loswerden, sonst wird es in Summe halt zu viel. Einen Teil sollte der (hoffentlich emanzipierte) Partner übernehmen, aber sicher muss man selbst auch dann auf einiges verzichten, was vorher noch ging. Kinderbetreuung, Haushalt, Sport, Hobbies, Ausgehen, Arbeit, . . . . . Da hilft wohl nur Prioritäten setzen und das nicht mehr machen, was nicht so wichtig ist. Am Besten Überall etwas straffen, damit man nicht auf etwas total verzichten muss, was dann zu sehr schmerzt. Z.b. im Haushalt: Nicht mehr Bügeln, Betten machen oder jeden Tag die Küche putzen (so wie meine Tante). Da würde ich eher versuchen in der KiTa zu arbeiten, wenn das Kind da sowieso ist. In Grunde hast Du da ja sogar einen Vorteil. Gibt es Großeltern, die dich im Haushalt entlasten können? Früher war das alles ja kein Thema.

Einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen dauert ziemlich lange. Das bringt dich konkret auch nicht so schnell aus dem Motivationstief. Vielleicht kann Dir ein Psychiater was verschreiben. Aber die haben auch lange Wartezeiten. Das reduziert aber alles nicht die Überlastung.

29.03.2019 14:27 • x 2 #10


F
liebe Mas,

erstmal auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Du ich glaube das deine Arbeit echt zuviel für dich ist. Eine meiner Töchter arbeitet auch in einem Kindergarten, und ich weiß wie stressig laut und anstrengend das ist. Dann kommst du nach Hause, deine zwei jährige Tochter wartet auf dich, und du bekommst wieder nicht die Ruhe und die Erholung die du brauchst.

Dann hast du noch einen Mann, der aber auch viel arbeiten muss, dir nichts abnehmen kann. Auf Dauer kannst du das nicht durch halten. Nichts gegen Kinder, Kinder sind eines der schönsten Beziehungen die wir haben dürfen. Aber so ein Kind braucht ganz viel Liebe, Zeit, Annahme, Verständnis usw.

Meine Frau ging erst wieder arbeiten, als beide Kinder in der Schule waren. Wir hatten dann weniger Geld, aber weißt du, Geld ist nicht das Wichtigste im Leben. Dein Mann kann dir nur wenig helfen, keine Opas oder Omas in der Nähe, die ganze Last liegt auf dir, und deine Last wird immer schwerer.

Und vor allem in sozialen Berufen ist zu beobachten, dass die Menschen, die sich am meisten für andere einsetzen, irgendwann einmal ausgebrannt sind und nicht mehr weiter können. Und wenn da noch Enttäuschungen dazu kommen, immer wieder die Angst es nicht zu schaffen.

Und die Menschen für die du so schwer arbeitest lohnen es dir nicht. Im Gegenteil, sie werfen dir noch vor, dass du nicht genug tust. Sie werfen dir vor, das du nicht sensibel genug bist für die wahren Bedürfnisse der Kinder usw.

Da kann auch eine ganze Welt zusammen brechen. Da trifft für engagierte Menschen wie du eine Welt zusammen.

Du schaust zu wenig nach dir selbst, bist immer für die anderen da.

Das tut weh, und da kannst du auch mal bitter werden.

Höre auf dein Innerstes, auf deinen Köper liebe Mas. So kannst du nicht weiter leben. Natürlich kannst du eine Therapie machen, das musst du auch. Aber wenn du weiterhin so viel arbeiten musst hilft dir die Therapie nicht viel.

Vielleicht findest du einen Arbeitsplatz für dich, der nicht ganz so stressig ist.

Aber mache bitte jetzt langsam. Auch dein Mann sollte langsamer machen. In der Kinderphase ist es so wichtig, das Mann und Frau sich gemeinsam um das Kind kümmern, ein Kind braucht die Liebe vom Vater und der Mutter.

Sehr viele Menschen haben heute psychische Probleme, weil ihr Elternhaus alles andere als gut war.

Und du und dein Mann braucht auch Zeit für eine liebevolle Beziehung zueinander. Das Beste, was ihr für euer Kind tun könnt, ist eine gute Beziehung Mutter und Vater. Damit das Kind so gut es möglich ist, in einer guten Atmosphäre aufwachsen kann.

Versuche mit deinem Partner darüber zu reden, das ihr für euch alle eine gute und wertvolle Entscheidung treffen könnt, Eine gute Entscheidung für euer Leben, für das Leben.


in guten Gedanken für dich,

liebe Grüße,


Frederick

29.03.2019 16:46 • x 4 #11


D
Liebe Mas,
schön dass du auch hier dabei bist.
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen
Du kommst an erster Stelle und deine Gesundheit geht vor.
Mit einer Erschöpfungsdepression/Burnout ist nicht zu spaßen.
Als unser Kind 5 Jahre alt war, haben wir auch eine Mutter-Kind Kur gemacht, es hat super geholfen und allen gut getan. Vielleicht bekommst du ja auch für dich und die Kleine 4 Wochen anstatt 3 Wochen? Es kommt darauf an, wie gut der Hausarzt den Bericht schreibt und natürlich muss die Dringlichkeit unterstrichen werden!
Ambulante Therapie ist für dich ist schon mal gut, wenn ich das richtig verstanden habe?
Es ist schade, dass deine Liebsten so weit weg wohnen.Irgendwie brauchst du ja dringend Entlastung und Unterstützung. Kannst Du deinen Job vielleicht verändern? Eine andere Kindertagesstätte oder etwas Verwaltendes machen mit noch weniger Stunden?
Ich weiß es ist immer leichter gesagt als getan
Hast du auch mal eine gute Freundin mit der du dich treffen kannst oder einfach mit einem vertrauten Menschen telefonieren?
Das was Frederick geschrieben hat, kann ich auch nur unterstützen, dass die Zeit mit den Kleinen wichtig ist und sie wirklich viel Liebe und Zeit von uns Eltern brauchen. Es ist nur nicht immer organisatorisch/finanziell machbar eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Ich habe lange Zeit auf 450 Euro Basis gearbeitet. Mein Rentenbescheid sieht auch entsprechend aus.
Das mit dem weniger Arbeiten ging eben auch nur, da mein Mann mehr Kohle mit nach Hause gebracht hat.
Daher ist es als Mutter ein Spagat und man kann es kaum jemanden Recht machen.

Nur bitte, du sollst nicht auf der Strecke bleiben! Gönne dir genug Pausen zwischendurch und wenn mal was liegen bleibt, egal
Ich drücke dir die Daumen, dass du aus dem Tief raus kommst. Hole dir die Hilfe, die du brauchst.

Liebe Grüße
dreamcatcher

29.03.2019 17:44 • x 2 #12


D
mir ist noch eingefallen, es gibt auch Beratungsstellen der evangelischen Diakonie.
So ist es jedenfalls bei uns in Niedersachen, auch die Caritas bietet unverbindliche Beratungen an, wenn man in einer Krise ist.
Hier gibt es weitere Infos oder auch Adressen von weiteren Einrichtungen die dir helfen können.
Ich war vor Jahren mit meiner Mama da, als sie sich nach 50 Jahren hat scheiden lassen.
Dort war ein sehr verständnisvoller Pastor, der ihr weiter geholfen hat.
Alternativ gegen Bezahlung gibt es auch noch die Heilpraktiker für Psychotherapie.
Je nach dem blättert man da so zwischen 50-80 Euro für eine Beratung hin.
So etwas habe ich auch schon mal zwischendurch gemacht, um die Wartezeit für eine Psychotherapie von der Krankenkasse zu überbrücken.
Wenn das Geld nicht so locker sitzt, ist es echt doof, da habe ich lieber die kostenlosen Angebote genutzt

Falls du gerne schreibst, kannst du auch eine E-Mail an die Telefonseelsorge schreiben. Es dauert ca. 1-2 Tage bis man eine Antwort bekommt. Ich glaube, telefonisch ist es echt schwer einen Termin zu bekommen
Also toi, toi,toi weiterhin für dich, liebe Mas

29.03.2019 17:59 • x 3 #13


Mas83
Danke ihr Lieben. Ich fühle mich wirklich verstanden von euch. Vor allem du, Frederick hast etwas genau getroffen: in sozialen Berufe ist es nie genug. Ich habe im Moment zu wenig Energie auf alle ein zu gehen, werde ich aber noch machen. Ich habe geweint als ich eure Nachrichten gelesen habe. Vielen lieben Dank

29.03.2019 19:21 • x 4 #14


A


Hallo Mas83,

Burnout Syndrom Tipps

x 4#15


D
Hallo liebe Mas,
es ist alles in Ordnung. Nimm dir die Zeit die brauchst.
Hier merkt man auch deinen Perfektionismus
Ich glaube, meistens haben wir Frauen dieses Problem. Dieses Forum ist laut meiner Wahrnehmung tolerant und verständnisvoll.
Tue dir etwas Gutes, höre schöne Musik oder überlege dir schon mal wo du zur Mutter-Kind Kur hin möchtest. Es gibt echt tolle Einrichtungen

29.03.2019 20:48 • x 1 #15

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