Zitat von Irgendeine:Mir fällt duschen auch total schwer.
Ich dachte schon, es geht nur mir so mit dem Duschen.
Guten Morgen, liebe Irgendeine, das denken wir eben alle, wir alle Vielen, die dieses depressive Symptom haben, und das macht ja das Leiden daran noch um so vieles schlimmer, dieses Gefühl, damit die einzige Aussätzige zu sein, die in Sauberdeutschland dieses Grundprinzip eines sauberen Lebens nicht hinkriegt.
Darum habe ich ja dieses Thema angefangen damals, weil ich es eben wusste, dass es ein so verbreitetes Symptom ist und wie sich jede/r damit für sich alleine verkriecht und es geheim hält als eine schreckliche persönliche Ekeligkeit.
Denn ein weiteres ganz typisches Depressionssymptom ist ja der Selbstzweifel und der Ekel vor sich selbst wie du ihn auch beschreibst beim Duschen gegenüber deinem Körper.
Die Depression verändert ja eben die Wahrnehmung, das Fühlen, das Denken.
Ich erinnere mich noch an einen Beginn einer depressiven Episode bei mir vor vielen Jahren. Da saß ich beim nachmittäglichen Kaffeetrinken mit einer Freundin und plötzlich rutschte ich ohne sichtbaren Anlass für mich in solch eine quälende Stimmung von Minderwertigkeitskomplexen und Selbstekel hinein, dass ich mir sagte: Ich werde wieder depressiv. Ich habe dann direkt meine Freundin verabschiedet, weil ich es mir nicht antun wollte, in dieser Stimmung weiter zu leiden und jeden Satz im Gespräch gegen mich zu interpretieren. Denn ich wusste, dass ich noch kurz zuvor alles ganz anders wahrgenommen hatte.
Darum finde ich es ja so wichtig, diese depressiven Selbstzweifel wie auch das Duschproblem nicht inhaltlich zu bewerten, sondern als Symptom der Depression zu behandeln. Ebenso wie man einen Schnupfen nicht persönlich nimmt, sondern symptomatisch behandelt.
Depressive Antriebslosigkeit und Wahrnehmungsverdüsterung führt u.a. zum Duschproblem und
nicht irgend eine Minderwertigkeit des Körpers oder der Persönlichkeit oder des Charakters.
Wenn ich in depressiver Stimmung bin, das habe ich mal überprüft, mache ich aus allem nämlich einen persönlichen Minderwertigkeitskomplex: Wenn ich mit meinen 1.69 m Körpergröße in einer Gruppe zu den Größeren gehöre, fühle ich mich wie ein klobiger Klotz. Wenn ich eine von vielen Gleichgroßen bin, fühle ich mich unbedeutend mit Allerweltsaussehen unsichtbar. Wenn ich zu den Kleineren gehöre, fühle ich mich als hässliche Zwergin. Meine depressiv verdüsterte Wahrnehmung lässt dann nur Selbstabwertungen zu.
Aber in Wirklichkeit sind wir unter den vielen vielen Depressiven wie es dein Name sagt, damit keine Ausnahme, sondern typisch und damit Irgendeine mit depressiven Symptomen und müssen das genauso wenig persönlich nehmen wie einen Schnupfen.
Liebe Grüße! maya