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Scham für die eigenen Gefühle / Verliebtsein - wie überwinden?

ZeroOne
Vielleicht steh ich heute auch neben der Spur (mehr als sonst)...

15.01.2021 15:09 • #16


A
Hallo in die Runde,

ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei euch für eure Beiträge bedanken.

Ja, die Forenleitung hat die Überschrift meines Beitrages verändert, damit man gleich erkennt, worum es im Kern geht.

Ich bin in den letzten Tagen auch zu neuen Erkenntnissen gekommen.

Grundsätzlich glaube ich, dass es zwei mögliche Lesarten gibt:

1. Er wollte nur seinen Spaß.
In dem Falle wäre es so, wie er es gesagt hat. Jetzt muss ich aber dazu sagen, dass zwischen unserer ersten Begegnung und dem Schlussstrich ein knappes Jahr lag. Es gab zu Beginn vorsichtiger Annäherungsversuche und später forschere seinerseits.
Ich bin kein Mann, aber wenn ein Mann nur schnellen S. ohne Gefühle will, versucht er es dann wirklich bei einer Frau, die ihn nicht so schnell an sich heran lässt mehrfach? Dann müsste ein Mann doch nach dem ersten Versuch das Weite suchen und wird es aufgrund seiner gekränkten Männlichkeit nicht noch einmal bei eben dieser Frau probieren.
Will ein Mann dann wirklich mit einer Frau schlafen, von der er weiß, dass sie ihn mag und bei der er der erste ist? In jener Nacht war überall auf dem Campus Party. Er sah gut aus und hätte mit Sicherheit eine Gleichgesinnte mit nach Hause nehmen können. Warum fragt er da bei mir?
Und als er mir gesagt hat, er hätte nur seinen Spaß haben wollen, meinte er, dass er jetzt ein A. sein müsste. Er konnte mir nicht in die Augen sehen und hat mich dann noch in den Arm genommen.
Wenn ich etwas genauso meine, wie ich es sage, schaue ich meinem Gegenüber in die Augen. Und wenn ich jemanden einen Korb gebe, weil ich ihn furchtbar finde, wäre umarmen in der Situation das Letzte, was ich tun würde.

Irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass die zweite Lesart die wahrscheinlichere ist.
Er mochte mich schon, aber da war was anderes größer, wahrscheinlich die Angst.
Dass er seine erste Freundin verloren hat, weil sie ganz plötzlich an einer Erbkrankheit verstorben ist, muss ihn tief geprägt haben. Man kann sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen.
Bei unserem ersten richtigen Date haben wir auch über unsere emotionalen Rucksäcke gesprochen. Meine Mutter war gerade dabei, sich vom Vater meiner Schwester zu trennen. Er war sehr aggressiv und hat uns über Jahre tyrannisiert. Einmal mussten wir unsere Sachen packen und haben uns dann bei meinem älteren Bruder versteckt. Das hatte ich meinem Schwarm damals auch erzählt.
Zu den körperlichen Annäherungen kam es ein paar Monate später. Und danach gab es immer einen Rückzug. Er hat mit einer Freundin von mir darüber gesprochen, dass er Mist gebaut und mich geküsst hätte. So als ob er sich im Nachhinein total unsicher gewesen und über sich erschrocken sei.
Ich hab ihm damals geschrieben, dass es für mich aufregend und schön war.

17.01.2021 14:01 • x 3 #17


A


Hallo Annette23,

Scham für die eigenen Gefühle / Verliebtsein - wie überwinden?

x 3#3


A
Hallo Robbe,

ich schäme mich wahrscheinlich so sehr, weil in meinem Kopf rumgeistert, dass ich mich möglicherweise jemandem geöffnet habe, dem ich bei Weitem nicht so viel bedeutet habe.
Der Schlussstrich kam, wenn auch mit Verzögerung, nachdem ich die Übergriffe offenbart habe. Das kam mir wie eine Art Strafe vor.

18.01.2021 15:02 • x 2 #18


A
Hallo ZeroOne,

bei meinen Therapien stand das Thema bisher nicht im Mittelpunkt. Ich hab zwar mit dem ersten Therapeut viel über die Sache gesprochen, weil ich genau in diesem Zeitraum dort war, aber er hat immer kaum etwas dazu gesagt...
Ich hab die Varianten schon oft durchgespielt, vor allem von seiner Seite her, aber stoße immer wieder auf Widersprüchlichkeiten. Und ehrlich, beim Gedanken daran, dass ich ihm vielleicht doch überhaupt nichts bedeutet haben könnte, wird mir regelrecht übel.
Ich glaube, irgendwo ist da der Wunsch von meiner Seite her, nicht bedeutungslos für ihn gewesen zu sein.
Und wenn ich da nun weiter grabe, führt mich das zu meinem Vater.

Vielleicht kam mein Bedürfnis, meinen Schwarm in genau der Situation mit meinen Schwierigkeiten zu konfrontieren tatsächlich daher, dass ich wissen wollte, was da nun seinerseits ist und ob er mit meinem Rucksack umgehen kann.

18.01.2021 15:17 • x 3 #19


Jedi
Hallo @Annette23

Hatte immer still Mitgelesen u. möchte dazu,
Zitat von Annette23:
Ich glaube, irgendwo ist da der Wunsch von meiner Seite her, nicht bedeutungslos für ihn gewesen zu sein.
Und wenn ich da nun weiter grabe, führt mich das zu meinem Vater.

Dir schreiben, dass ich glaube, dass Du es richtig erkannt es, es steckt wohl sehr viel darin,
nicht bedeutungslos gewesen zu sein u. das dies in einem Zusammhang mit der Vater-Beziehung stehen könnte.

Du bist ja Therapierfahren, wie ich lesen konnte u. ich denke mir, dass Dir das innere Kind nicht unbekannt sein dürfte.
Möglich, dass sich da gerade dieses innere Kind in Dir bemerkbar macht u. wenn Du einmal zuhörst ,
was dieses Kind, was Du damals warst Dir über ihre Vater-Beziehung erzählt, villt. findest Du dann einen besseren
Umgang mit Deiner jetzige Situation.
Möglich, dass Du es besser schaffst, mehr bei Dir zu bleiben u. mehr für Dich gut zu sorgen ?
Eine gute Selbstfürsorge kann Dich auch davor schützen, dass Du Dich nicht in irgendeinem Gedankenkreisel
verlierst.

Wren jetzt so meine pers. Gedanken dazu, die ich Dir hier einmal dalassen wollte !

18.01.2021 15:35 • x 3 #20


A
Hallo in die Runde,

ich bin am überlegen, um die Situation von damals zu verarbeiten, ihm eine E-Mail zu schreiben. Naja, und irgendetwas in mir hofft dann auch auf eine Antwort und vielleicht auch eine Entschuldigung.
Aber ich zweifle, ob das eine gute Idee ist.
Ich weiß nicht, in welcher Lebenssituation er sich gerade befindet. Deswegen denkt er vielleicht, ich wöllte wieder mit ihm anbändeln. Vielleicht versteht er überhaupt nicht, was ich nach all den Jahren eigentlich will und hält mich für irre oder es ist ihm lästig.

Was denkt ihr darüber?

19.01.2021 14:28 • x 2 #21


Jedi
@Annette23

Zitat von Annette23:
ich bin am überlegen, um die Situation von damals zu verarbeiten, ihm eine E-Mail zu schreiben.

---------
Zitat von Annette23:
Was denkt ihr darüber?

Ich würde es nicht tun !
Versuche die damalige Situation für Dich allein zu klären u. dann lasse die Geschehnisse von damals los !
------
Zitat von Annette23:
Naja, und irgendetwas in mir hofft dann auch auf eine Antwort und vielleicht auch eine Entschuldigung.

In diesem Satz von Dir, darin steckt meine Begründung !
In diesem Satz stecken zwei Erwartungen - einmal eine Antwort zu erhalten - zweitens eine Entschuldigung.

Auch hier, nimmst Du eigene Gedanken schon vorweg,
Zitat von Annette23:
Deswegen denkt er vielleicht, ich wöllte wieder mit ihm anbändeln.

--------
Zitat von Annette23:
Vielleicht versteht er überhaupt nicht,

Du kennst Ihn u. wenn Dir schon solche Gedanken kommen, dass sind diese Gedanken nicht unbegründet u.
auch deshalb würde ich Dir abraten davon, Ihm zu schreiben.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hättest Du geschrieben, Wir treffen uns persönlich, setzen uns zusammen u. er ist damit einverstanden,
dass ich Ihm zu der damaligen Situation, um diese besser verarbeiten zu können,
einmal davon erzählen kann , dann wäre dies für mich eine andere Grundlage.

Ist jetzt aber nur meine pers. Meinung !

19.01.2021 15:09 • x 2 #22


A
Hallo Jedi,

vielen Dank für deine Antwort!

Ein persönliches Treffen will ich nicht. Mich würde das zu sehr aufwühlen.
Außerdem ist er wohl wieder in die Region gezogen, aus der er stammt, mehrere Hundert Kilometer weit weg.

19.01.2021 15:17 • x 1 #23


A
Hallo Jedi,

vielen Dank für deine Antwort!

Ein persönliches Treffen will ich nicht. Mich würde das zu sehr aufwühlen.
Außerdem ist er wohl wieder in die Region gezogen, aus der er stammt, mehrere Hundert Kilometer weit weg.

Wie macht man das mit dem @ denn?

19.01.2021 15:18 • x 1 #24


maya60
Hallo @Annette23 , ich habe deinen ersten Beitrag mehrmals und ganz langsam und auch in Einzelschritten der damaligen Begegnungen gelesen und mir leuchtet da nur - auch aus eigener Erfahrung - der Schluss ein, den auch Stromboli anbietet, dass es sich um ständige Flashbacks in Bildern und Gedanken bei dir handelt aufgrund von damaliger Retraumatisierung.

Denn ich erkenne daran einige typische Merkmale, die ich auch von meinen damaligen Flashbacks vor der erfolgreichen Traumabewältigung kenne oder wenn ich heute noch dann und wann getriggert bin.

Was mir bekannt vorkommt:

- Deine Scham, obwohl es, wenn ich es erst alles so lese, doch nur eine erste Annäherungsgeschichte von 2 unsicheren Personen ist, wo dann nicht mehr draus wurde. Millionenfach passiert sowas täglich und ist später noch eine flüchtige oder schmunzelnde oder etwas verlegene Erinnerung, aber mehr nicht

- Dass du bis heute daran denkst

- Dass du immer in den damaligen Tunnelblick der riesigen Bedeutsamkeit gerätst und in dem Moment alles nicht emotional zählt, was du h e u t e bist und längst in Liebes- und Beziehungsdingen erfolgreich erreicht hast. Es ist sowas wirklich wie ein Rückfall in alte, längst in deinem realen Leben positiv gewendete und veränderte Dinge, aber im Moment des Flashbacks zählen die nicht.

- Die Flashbacks lenken trotz aller Härte dennoch vom eigentlichen unverarbeiteten Trauma ab, sind also auch ein Vermeidungsverhalten und ein Ablenkungsmanöver.

Also würde ich dir raten, eine Traumatherapie genau für dieses Thema zu machen, damit es endlich das sein kann, was es ist: eine von vielen Erinnerungen, die ansonsten gar keinen Grund für Scham und ständige Dauerschleife in dir bieten.

Liebe Grüße! maya

19.01.2021 15:26 • x 4 #25


Jedi
Zitat von Annette23:
Ein persönliches Treffen will ich nicht. Mich würde das zu sehr aufwühlen.

Verstehe ich !

Hatte dies auch nur geschrieben, dass , wenn es möglich gewesen wäre, dies ich Deine Frage,
dann anders bewertet hätte !
---------------------
Zitat von Annette23:
Wie macht man das mit dem @ denn?

Bei mir muss ich die Tate AltGr drücken u. die Taste mit dem @zeichen.
Danach kannst Du dann das Mitglied aufrufen, dem/ der Du schreiben möchtest.

Probier es mal aus !

19.01.2021 15:59 • x 2 #26


ZeroOne
Hey @Annette23 !

Zitat von Annette23:
ich bin am überlegen, um die Situation von damals zu verarbeiten, ihm eine E-Mail zu schreiben.


Ich sehe es ähnlich wie @Jedi und @maya60 : ich persönlich würde die Finger davon lassen. Selbst, wenn nach all den Jahren eine Antwort kommen sollte, würde die bestimmt nicht das enthalten, was dir wirklich weiter hilft.

Auch, wenn die gewünschte Entschuldigung erfolgen sollte, wüsstest du nicht, ob und wie ernst sie gemeint ist und über seine tatsächliche Motivation von damals würdest du wahrscheinlich auch nicht mehr erfahren.
Wahrscheinlich erinnert er sich nach so vielen Jahren weder an seine Ambitionen von damals, noch an die Vorkommnisse speziell mit dir. Vielleicht auch gar nicht mehr an dich? Wäre das nicht sogar zu erwarten und einfach nur der Lauf der Dinge?

Ich sehe viel mehr Potenzial in deiner Feststellung:
Zitat von Annette23:
Ich glaube, irgendwo ist da der Wunsch von meiner Seite her, nicht bedeutungslos für ihn gewesen zu sein.
Und wenn ich da nun weiter grabe, führt mich das zu meinem Vater.


Hier nachzubohren - ggf. mit therapeutischer Unterstützung - würde ich für mich persönlich als zielführender einstufen.

LG
ZeroOne

19.01.2021 16:17 • x 3 #27


Jedi
Ich glaube, irgendwo ist da der Wunsch von meiner Seite her, nicht bedeutungslos für ihn gewesen zu sein.
Und wenn ich da nun weiter grabe, führt mich das zu meinem Vater.


Zitat von ZeroOne:
ggf. mit therapeutischer Unterstützung - würde ich für mich persönlich als zielführender einstufen.

Hatte Dir dazu, ja auch schon etwas geschrieben.

Aber würde dem absolut zustimmen, was @ZeroOne geschrieben hat, wenn es überhaupt Sinn macht u.
Zielführend wäre, dann auch mit therapeutischer Unterstützung !

19.01.2021 16:30 • x 3 #28


A
Hallo Maya,

ja, mehrere Situationen haben sich regelrecht eingebrannt. Und obwohl ich dann zum Glück keine Situation mit einem Mann erlebt habe, der mir etwas bedeutet hat, in der ich respektlos behandelt wurde.

Auch der erste Mann, mit dem ich dann wirklich intim wurde und für den ich auch nicht die große Liebe war, hat mich nicht so verletzt. Als er merkte, dass sich bei ihm nicht das entwickelt, was wir uns beide für eine Beziehung erhofft hatten, war er ehrlich, aber hat sich wirklich bemüht, mich nicht noch mehr zu verletzen und er hat mich respektvoll behandelt. Er hat sich Zeit genommen, mit mir gesprochen und ich konnte es nach einiger Zeit akzeptieren.
Dann traf ich meinen Mann, der sowieso sehr einfühlsam und verständnisvoll ist. Bei ihm hab ich mich sofort geborgen gefühlt.
Und trotzdem konnten die positiven Erfahrungen das nicht überlagern und mich damit versöhnen.

19.01.2021 23:54 • x 2 #29


A


Hallo Annette23,

x 4#15


A
Hallo Jedi, Hallo ZeroOne,

ich schreibe über das Smartphone. Da sieht mein Bildschirm anders aus. Auch nach Eingabe von @ kann ich niemanden auswählen.

Auf jeden Fall danke für die ehrliche Rückmeldung!

Ja, ich muss einen Weg finden ohne ihn zu kontaktieren.

In jedem Fall hat er eine andere Perspektive und versteht daher gar nicht, was ich will. Das war wahrscheinlich auch schon damals der Fall.
Es ist schon einige Zeit her und da wäre es fraglich, inwieweit er sich noch erinnert.
Ich hatte auch Dates, bei denen sich von meiner Seite her emotional nix entwickelt hat und bei denen weiß ich auch vieles nicht mehr. Würden die mich heute anschreiben, wüsste ich wahrscheinlich nicht, was ich antworten soll.

Die letzte Therapeutin hat das Thema Traumatherapie auch schon einmal angeschnitten. Da ich damals aber mit meiner Tochter schwanger war, hat sie mir zu diesem Zeitpunkt davon abgeraten.

Und im Moment wird es durch Corona nicht einfach sein, jemanden zu finden. Und ich bin noch für einige Wochen nur eingeschränkt mobil. Vor Weihnachten bin ich als Fußgängerin angefahren worden und sitze mit gebrochenem Bein zu Hause. Mit dem Unfall fingen auch wieder die Träume von damals an.

20.01.2021 00:18 • x 4 #30

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